Seit Wochen brennt der größte Regenwald der Welt – und kaum jemanden interessiert es

Symbolbild; Foto: CC0 Public Domain / Pixabay

Brasilien, Bolivien und Paraguay: In drei Ländern brennt zur Zeit eine riesige Fläche des Amazonas. Der Rauch ist so stark, dass man ihn sogar aus dem Weltraum sehen kann. Eine weitere Katastrophe, die bislang zu wenig beachtet wurde.

Hunderte Quadratkilometer Regenwald im Amazonasbecken brennen – in Brasilien sind es die schlimmsten Waldbrände seit Jahren. Schon am 9. August hat das Land deswegen den Notstand ausgerufen. Auch in Paraguay und Bolivien brennt Wald.

Die Auswirkungen des Brandes zeigen sich inzwischen nicht nur in den betroffenen Gebieten: In Sao Paolo verdunkelte sich am Montagnachmittag der Himmel – mitten am Tag sah es aus, als wäre es Nacht. Sao Paolo liegt etwa 2.000 Kilometer entfernt von den Bränden, starke Winde hatten den Rauch in die Stadt geweht. Hier ein Video von der verdunkelten Stadt auf Twitter:

Wieso brennt es überhaupt im Amazonas?

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge wurden allein in Brasilien in diesem Jahr 72.843 Feuer registriert – eine neuer Rekord. Seit vergangenem Donnerstag seien 9.507 neue Brände dazu gekommen. Feuer während der Trockenperiode sind zwar normal, aber nicht diese Anzahl.

Die Trockenheit begünstigt die Brände, sie ist aber nicht die Ursache. Reuters zufolge entstehen viele der Feuer durch Brandstiftung: Bauern wollen damit Weideflächen für ihre Rinder schaffen. Brasilien ist der größte Rindfleisch-Exporteur der Welt, in dem Land gibt es mehr Rinder als Menschen – und die brauchen Platz.

Auf Twitter trendet der Hashtag #PrayforAmazonia

Die Regenwälder im Amazonas gelten als grüne Lunge der Erde: Sie speichern CO2 und produzieren Sauerstoff, beheimaten zahlreiche Tierarten und beeinflussen das Wetter. Die Brände sind aus ökologischer Sicht eine Katastrophe – die aber bislang zu wenig Aufmerksamkeit erhielt.

Zwar wurde über die Situation in den Ländern berichtet, aber eher am Rande. Sonderberichterstattung oder Talkshows zum Thema findet man keine. Erst seit den unheimlichen Aufnahmen aus Sao Paolo rückt das Ereignis mehr in den Fokus. Auf Twitter trendet aktuell der Hashtag „PrayforAmazonia“. Die Bilder, die die User teilen, sind verstörend:

Hilfe für Notre-Dame aber nicht für den Amazonas

Zahlreiche User beschweren sich auf Twitter darüber, dass die Weltgemeinschaft beim Brand von Notre-Dame so viel Hilfsbereitschaft und Interesse gezeigt hat, die Brände im Amazonas aber gar nicht wahrnimmt:

„Als Notre Dame brannte, berichteten die Medien die ganze Zeit und Milliardäre spendeten für die Wiederherstellung. In diesem Moment brennt der Amazonas, die Lunge unseres Planeten. Seit drei Wochen. Keine Medienberichterstattung. Keine Milliardäre“, twittert diese Userin.

Greenpeace Deutschland tweetete: „Wir fordern statt Gebeten: Ausstieg aus dem Mercosur-Abkommen. Keine Geschäfte mit Waldvernichtung.“

Utopia meint: Katastrophen wie die im Amazonasbecken lassen uns mit einem Gefühl der Hilflosigkeit zurück – was kann man weit weg in Deutschland gegen Waldbrände in Brasilien oder Bolivien tun? Man kann zumindest versuchen, nicht zu den größeren Problemen beizutragen, die solche Unglücke verursachen:

  • Kaufe kein Fleisch, das aus Südamerika importiert wurde.
  • Kaufe kein Fleisch aus industrieller Massentierhaltung: Die Tiere werden mit Soja gefüttert, für das womöglich Regenwald abgebrannt wurde. (Der Umwelt zuliebe gilt bei Fleisch ohnehin: Weniger ist mehr.)
  • Vermeide (konventionelles) Palmöl – auch dafür wird Regenwald gerodet.
  • Unterstütze Aufforstungsprojekte (Bäume pflanzen fürs Klima: empfehlenswerte Organisationen)
  • Lebe möglichst klimafreundlich. Der Klimawandel trägt mit Dürren und extremen Wetterphänomenen zu solchen Katastrophen bei.

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(10) Kommentare

  1. Beim Lesen fällt mir ein Name ein: Jair Bolsonaro. Und mir fallen die Bilder von seinem Wahlsieg ein, als seine Anhänger hysterisch kreischten und Freudensprünge machten. Die haben es so gewollt. Schlimm, dass die ganze Welt die Quittung dafür bekommt und die Folgen nicht allein auf sie zurückfallen.
    Die gebotene Konsequenz wäre: Importverbot für südamerikanisches (eigentlich alles) Rindfleisch – Bolsos Fans können sich gerne den Bauch damit vollschlagen bis zur totalen Gicht. Und für (süd-)amerikanisches Soja, woran sich aber auch Vegetarier und Veganer halten sollten mit ihrer Sojawurst und Sojaschinken und Sojakäse. Und Utopia bitte auch: Keine Rezepte mit Soja mehr hier posten. Schaut euch mal die südamerikanischen Sojaplantagen an: Ausgeräumte chemieverseuchte Landschaft bis zum Horizont.

  2. …und falls einige Leser meine Einlassungen nicht nachvollziehen können, letzte Woche in den Nachrichten:
    Bolsonaro erlaubt mehr Brandrodungen zugunsten der Rinderhaltung und des Sojaanbaus. Daraufhin setzte Deutschland die Förderzahlungen zur Bewahrung der Regenwälder Amazoniens aus, worauf Bolsonaro antwortete: Brasilien brauche diese Fördermittel sowieso nicht.

  3. Wir kaufen ja auch deren Rindfleisch und Soja 🙂
    Einfach weil wir genauso bescheuert sind wie die Brasilianer.
    Immerhin fahren die dafür im Gegenzug Daimler und VW

    WIN WIN WIN WIN

  4. …mit einem Unterschied: Es sind VW do Brasil, also made in Sao Paulo, extra Modelle für den dortigen Markt, und zeitweise wurde der VW Fox von dort nach hier importiert als billigster VW. Ebenso sind Mercedes-LKW und -Busse für den brasilianischen Markt auch dort gefertigt. Uns kaufen die keine Autos ab. Aber wir deren Fleisch und Gensoja. Soviel Win haben wir gar nicht, im Gegenteil, deutsche Landwirte bleiben auf ihrem Rindfleisch sitzen, siehe den Utopia-Artikel mit Bauer Andresens Wutrede gegen den Deutschen Bundestag, dessen Kantine genau diesen importierten Dreck zum Mittag serviert.
    Vielleicht eine Petition starten für Sanktionen und Importstopps gegen Brasilien?

  5. Genau DAS wollte ich auch schreiben – und hinzufügen, dass wir es „the hard way“ lernen müssen – so wie es aussieht… Schade, dass die Menschen keinen Respekt mehr haben vor der Natur – unseren Lungen den Wäldern – etc. etc. Schönen Tag noch

  6. So viel CO2 wird durch die brasilianischen Regenwaldbrände frei

    Wälder, vor allem Regenwälder, sind bekanntlich nicht nur wichtige Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, sondern sie binden das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2), filtern Schadstoffe wie Feinstaub aus der Luft, kühlen durch das verdunstende Wasser ihre Umgebung und produzieren Sauerstoff. Mit dem augenblicklichen illegalen und ungewollten Brand von Hunderten Quadratkilometern Regenwald in der Amazonasregion wird aber das CO2, das die mächtigen Bäume seit Jahrzehnten aufgenommen haben, schlagartig wieder frei und trägt zur Erderwärmung bei.
    Aber wie viel CO2 entsteht dabei tatsächlich? Nach Literaturangaben sind in einem Quadratkilometer (km2) Amazonas-Regenwald rund 20.000 Tonnen Kohlenstoff oder 73.400 Tonnen CO2 gespeichert. Brennen etwa 500 km2 Regenwaldfläche (vermutlich ist die Fläche sogar größer), werden 36,7 Millionen Tonnen CO2 emittiert. Dies entspricht 25 % der jährlich durch den deutschen Verkehr verursachten CO2-Menge. Berücksichtigt man dann noch, dass in Brasilien zusätzlich seit Monaten mehrere 100 km2 große Regenwaldflächen zur Landgewinnung durch gezielte Brandrodung vernichtet werden, lässt sich ermessen, wie stark allein die Regenwaldzerstörung in Brasilien zur Erderwärmung beiträgt.
    Die Brandrodung aller weltweiten tropischen Regenwälder, neben Brasilien vor allem im Kongo und in Indonesien, trägt zwischen 10 und 20 % zum gesamten globalen Treibhauseffekt bei. Die tägliche weitere Regenwaldabholzung von etwa 550 Millionen Quadratmetern zur Bauholzgewinnung ist hier unberücksichtigt, weil das CO2 in diesem Fall weitgehend im Holz gebunden bleibt; doch der eingangs erwähnte positive „Filtereffekt“ des Waldes fehlt. Grund genug, diesem klimaschädlichen Tun ein Ende zu bereiten und bestehende Waldflächen zu schonen, wenn möglich zu vergrößern.
    Horst Köhler, Friedberg (26.8.2019)

  7. Update zu meinem Kommentar vom 26. August 2019
    Die im obigen Kommentar angegebene brennende Regenwaldfläche im Amazonasgebiet von ca. 500 km2 ist eine Schätzung über die aktuell am 26.8. brennende Waldfläche. Sie ist nicht zu verwechseln mit der in der Zeit zwischen August 2018 und Juli 2019 ingesamt gerodeten Waldfläche von 5.054 km2, also dem Zehnfachen. Es gibt allerdings keine offiziellen Zahlen dafür, welcher Anteil Brandrodung war, d.h. welche Fläche zur Bauholzgewinnung gerodet wurde, bei der das in den Stämmen gebundene CO2 gespeichert bleibt. Unter der vorsichtigen Schätzung, dass von den 5.054 km2 ca. 4.000 km2 Wald abbrannten, wurden in den genannten 11 Monaten fast 300 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt, wohlgemerkt nur im Amazonasbecken! Dies entspricht etwa 40 % der insgesamt durch alle Emittenten in Deutschland im Kalenderjahr 2018 freigesetzten CO2-Menge!
    Ein zweiter Vergleich: Will Deutschland im kommenden Jahr 2020 sein ambitioniertes Ziel von rund 100 Millionen Tonnen CO2-Einsparung (gegenüber 2017) erreichen, wäre dies „lediglich“ rund ein Drittel der zwischen August 2018 und Juli 2019 allein im Amazonasbecken durch Brandrodung frei gewordenen CO2-Menge.
    Dies illustriert deutlich den gewaltigen ökologischen Schaden der Waldbrände Amazoniens, der nicht nur Brasilien betrifft.
    Horst Köhler (30. August 2019)

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