Wie billig darf Fleisch sein? Unfassbares Real-Sonderangebot

Foto: Real GmbH

Darfs ein bisschen weniger sein? Mit dem neusten Sonderangebot geht Real zu weit: Die Kette lockt mit Billigfleisch zu Spottpreisen – und erntet heftige Kritik in den sozialen Medien.

Unglaublich: Supermarkt-Riese Real bewirbt in seinem Prospekt gemischtes Schweine- und Rinderhackfleisch – für nur 35 Cent je 100 Gramm. Was sich nach einem unglaublichen Schnäppchen für den Osterbraten anhört, ist auf den zweiten Blick Grund zur Entrüstung: Denn um Fleisch so billig verkaufen zu können, muss an anderen Stellen gespart werden. Den wahren Preis haben nicht wir zu zahlen, sondern die Tiere, die für das Hack leiden mussten.

Der Discounter hat den Preis um 41 Prozent – also fast um die Hälfte – gesenkt; ursprünglich hatten 100 Gramm 60 Cent gekostet. Auf das „Sonderangebot“ hat auch ein Facebook-Leser aufmerksam gemacht. Ein User postete folgendes Foto auf der Facebook-Seite von Real:

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Bei Real gibt es Hackfleisch für 35 Cent. (Screenshot: Facebook)

Billigfleisch: Facebook-User nimmt Real in die Mangel

Inzwischen hat Real auf den Post auf seiner Facebook-Seite reagiert: Der Supermarkt beteuerte, dass der niedrige Preis kein „Qualitätsmerkmal“ sei. Ganz im Gegenteil: Wie alle Real-Produkte solle auch das Hackfleisch „den höchsten Qualitätsansprüchen“ genügen, die Tiere würden „im Einklang mit den geltenden Tierschutzrichtlinien“ gehalten. Dem Supermarkt zufolge könne die Kette Fleisch so billig anbieten, weil das Fleisch von regionalen Lieferanten stammt und „dezentral vor Ort produziert“ wird.

Der ursprüngliche Kommentator zeigte sich mit dieser Antwort nicht zufrieden und hakte nach:

„Mich würden eure Unternehmensgrundsätze und die Lieferanten interessieren. Nennt mir doch bitte mal welche. Sie kommen hier aus der Region, richtig? Wo ist denn eure Region?“. Auch die „aktuell geltenden Tierschutzrichtlinien“ reichten ihm nicht als Antwort: „Welcher Bauer […] kann das Tier so günstig halten, um es dann so günstig zu verkaufen? Das hat sehr viel mit Tierwohl und damit auch Qualität zu tun“.

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So reagierte Real auf den Post. (Screenshot: Facebook)

Diese Fragen konnte die Kette nicht sofort beantworten und versprach nur, sich zu melden, sobald sie mehr wissen. Auch die nachfolgenden Fragen des Kommentatoren will die Kette „weitergeben“, konnte aber noch keine klaren Antworten liefern. Der Facebook-User fragte unter anderem, wie sich der Supermarkt so sicher sein kann, dass das Fleisch aus der Region stammt – wenn er doch erst nachfragen muss, aus welcher Region genau.

Problemware Billigfleisch – Bio ist besser

Mit seinen gezielten Fragen macht dieser Facebook-User auf ein wichtiges Problem aufmerksam: Auch wenn Supermärkte vermehrt Bio-Produkte anbieten und Teile ihres Sortiments nachhaltiger gestalten – das Billigfleisch, welches sie verkaufen, bleibt ein absolut unnachhaltiges Produkt. Denn um Fleisch so günstig produzieren zu können, müssen die Produzenten an anderen Ecken sparen – meist beim Tierwohl.

Wer nicht auf Fleisch verzichten möchte, sollte sich deshalb gegen Billig-Produkte aus Massentierhaltung entscheiden. Davon kann auch der Konsument profitieren: Denn Bio-Rinder, -Schweine und Co. erhalten kein gentechnisch verändertes Futter und Antibiotika nur im Notfall.

Wer wirklich artgerechte Tierhaltung unterstützen will, sollte sich an den Siegeln der Bio-Anbauverbände BiolandNaturland oder Demeter orientieren. Hier haben die Tiere zum Beispiel noch mehr Auslauf, die schmerzhafte Entfernung der Hörner ist für Demeter-Rinder verboten. Mehr Informationen: Bio-Siegel: Was haben die Tiere davon?

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(2) Kommentare

  1. Mit solchen Schweinereinen ist real nicht allein. Wenn ich Netto-Prospekte im Internet ansehe (die Zustellung in Papierform habe ich per „Keine Gratis-Zeitung, keine Werbung, keine Prospekte“-Schild an meinem Briefkasten unterbunden), kommen regelmäßig Bepreisungen von einem Pfund Schweinehackfleisch für 1,49 bis 1,69 vor, und das in einer Menge, die wenige Tage vor Ablaufdatum nochmal eine Preisreduzierung von 30% nach sich zieht, ehe das in die Abfalltonne kommt.
    Das real von vornherein einen Müllpreis veranschlagt, ist ein Versuch, die drohende Insolvenz durch Billigköder noch etwas hinauszuzögern.
    Eine richtige Arschlochwirtschaft. (Den Begriff habe ich von Aaron James, Arschlöcher – eine Theorie)

  2. Ohne Arschlochkonsumenten gibt es keine Arschlochwirtschaft Wenn jede(r) beim Konsumieren ein wenig mitdenken würde, hätten wir vielleicht noch eine Chance.

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