„Wunder-Deo“ bei Höhle der Löwen: Nicht jeder sollte es einfach benutzen

Foto: © TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Wer stark schwitzt, braucht ein starkes Deo. Mit den Antitranspirants der Marke Soummé hat eine junge Gründerin nun bei „Die Höhle der Löwen“ abgeräumt. Wir haben uns ihre Erfindung genauer angesehen.

Eine Investition über 150.000 Euro sammelte die Gründerin von Soummé, Sümmeyya Bach, am Dienstag bei „Die Höhle der Löwen“ ein. Investor Ralf Dümmel bekommt dafür 20 Prozent der Firmenanteile.

Die Geschichte hinter dem Unternehmen: Sümmeyya Bach erzählt, sie habe ihr ganzes Leben lang unter starkem Schwitzen (Hyperhidrose) gelitten. „Selbst durch Jeans-, Leder und sogar Winterjacken zeichneten sich trotz Minusgrade große und sichtbare Schweißflecken ab”, erklärte die Hamburgerin gegenüber „Höhle der Löwen“. Mit den Antitranspirants im Handel war sie nicht zufrieden, da sie oft die Haut reizen. So entwickelte sie ihr eigenes Produkt. Das Ergebnis ist „Soummé Protection“, ein Antitranspirant mit Pflegestoffen.

„Das Produkt hat mein Leben verändert. Mein Schweißproblem hat sich bis zu 90 Prozent reduziert“, sagt die Erfinderin. Derzeit vertreibt sie ihre Deos online. Um die Produkte auch im Einzelhandel etablieren zu können, warb sie um finanzielle Unterstützung durch die „Löwen“ – mit Erfolg. Bereits am Tag nach der Ausstrahlung der Sendung waren die Deos bei der Drogeriemarktkette dm erhältlich.

Höhle der Löwen: Deo von Soummé
Höhle der Löwen: Soummé-Gründerin Sümmeyya Bach mit Investor Ralf Dümmel (Foto: © TVNOW / Bernd-Michael Maurer)

Das ist das Deo

Das „Soummé Protection Antitranspirant Roll-on“ soll den Schweiß stoppen und gleichzeitig die Haut pflegen. Nach Herstellerangaben soll das Antitranspirant die ersten ein bis drei  Tage einmal täglich angewendet werden, danach „nur noch nach Bedarf“.

Soummé bietet zwei verschiedene Deos als Roll-Ons an, eines „for Women“ und eins „for Men“, wobei die Inhaltsstoffe der beiden Produkte auf den ersten Blick identisch sind.

Die Inhaltsstoffe laut Website: Aqua, Aloe Barbadensis Leaf Juice, Aluminium Chloride, Glycerin, Hydroxyethylcellulose, Salvia, Officinalis Leaf Extract, Allantoin, Sodium Benzoate, Potassium Sorbate

Auf deutsch: Neben Wasser, Glycerin und Aluminiumsalzen sind als pflegende Substanzen Aloe Vera, Salbeiextrakt und Allantoin enthalten. Soummé verzichtet auf unnötige Farb- oder Duftstoffe sowie auf potenziell haureizenden Ethylalkohol. Als Naturkosmetik zertifiziert sind die Produkte leider nicht.

Auf Aluminiumsalze im Deo verzichten viele Menschen, weil sie die Schweißporen verstopfen und durch gereizte Haut in den Körper gelangen können. Aluminium gilt dabei als nervenschädigend und steht im Verdacht, fortpflanzungsschädigende Wirkung zu haben.

In normalen Deodorants sind Aluminiumverbindungen gar nicht notwendig. Antitranspirants, die den Schweißfluss hemmen sollen, enthalten dagegen immer Aluminiumsalze – eben, weil diese die Poren verstopfen und so weniger Schweiß nach außen dringt.

Hoher Preis – und unnötig viel Müll

Wenn man von den Aluminiumsalzen absieht, sind die Inhaltsstoffe tatsächlich weniger problematisch als in vielen herkömmlichen Deos. Auffällig ist aber der hohe Preis: 50 Milliliter des Deos kosten 19,99 Euro. Übliche Antitranspirants im Drogeriemarkt kosten meist unter drei Euro für 100 Milliliter. Sie sind zwar nicht hautpflegend wie die Produkte von Soummé – ob das allein aber den Preisunterschied rechtfertigt?

Im Soummé-Onlineshop finden wir außerdem ein weiteres Produkt, das wir ziemlich problematisch finden: Einzeln verpackte „Antitranspirant Protection Sachets“ – Deo-Tücher. In kleine Plastiktütchen verpackt sollen diese Einweg-Tücher „ideal für Reisen oder unterwegs“ sein. So viel Müll für ein Produkt, das als Roll-On genauso wirkt finden wir ziemlich unsinnig und unzeitgemäß.

Utopia meint: Von Aluminiumsalzen als Inhaltsstoff raten wir normalerweise ab. Für Menschen mit ärztlich diagnostizierter Hyperhidrose, die durch ihr starkes Schwitzen im Alltag beeinträchtigt sind, können sie jedoch mitunter eine hilfreiche Option sein. Daher: Wer wirklich stark schwitzt, trifft mit den Soummé Antitranspirants vermutlich eine bessere Entscheidung als mit vielen der handelsüblichen Antitranspirants aus der Drogerie.

Allen anderen raten wir, auf Deos mit Aluminiumsalzen zu verzichten – zertifizierte Naturkosmetik-Deos sind wirksam und weniger gesundheitsschädlich.

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(4) Kommentare

  1. Ein interessanter und zu Recht kritischer Artikel für dieses Produkt, für das in der Sendung Höhle der Löwen die Werbetrommel gerührt wird. Jemand, der unter Hyperhidrose leidet, benötigt mehr Aluminiumsalze als jemand, der nicht darunter leidet. Unter Hyperhidrose leiden aber nur wenige Menschen, wobei ärztlich geklärt werden muss, welche Form .- primär, sekundär, welche Ursachen, auch psychische kommen infrage. In diesem preislich aburden Deo scheint demnach wohl ein Viel an Aluminiumchlorid enthalten zu sein. Wobei „Aluminiumchlorid zur toxischen Schädigung des Akrosyringiums und einem Verschluss des Ausführungsganges. Bei starkem Schweißfluss werden die Antiperspirantien durch den Flüssigkeitsstrom rasch weggespült.“ Demnach sollte bei starkem Schwitzen ein solches Deo nur nachts, 2 bis 3mal in der Woche unter rasierten Achseln angewandt werden.“ Weiter ist in dem Deo Glycerin, wovon die Haut auf Dauer immer mehr benötigt – ein Phänomen, welches sich die Handcreme Industrie profitabel zunutze macht. Auch fragt man sich, ob man sich nach dem Auftragen dieses angeblichen Wunderdeos auf diesen Stellen überhaupt waschen darf? In der Apotheke bekam ich schon einmal vor Jahren als Pröbchen ein Deotuch, wonach man eine Woche lang angeblich „schweissfrei“ sein sollte. Ausprobiert habe ich dies nicht, denn entweder verstopft so ein Produkt die Schweissdrüsen vollkommen, das kann nicht gut sein, oder aber, man darf sich dann eine Woche lang dort nicht waschen, ein unangenehmer Gedanke. Kurzum, mit diesem Soummestift (Tücher) wird ein Deo beworben, welches m.M.nach schädliche, bedenkliche Inhaltsstoffe hat. Und jemand, der unter Hyperhidrose leidet, der sollte sich einem Arzt anvertrauen. – Und ein bis drei Tassen Salbeitee jeden Tag getrunken, bei Stress mal abschalten, helfen gegen Schwitzen neben einem handelüblichen Deo für 1 Euro +/- auch gut! Da benötigt man nicht diesen Deostift für 20 Euro, den man nur noch 2 bis 3 mal in der Woche anwenden muss (verschwiegen wird das man ihn eigentlich nur 2 bis 3 mal anwenden sollte, darf!). Diese Sendung „Höhle der Löwen“ ist eh nur eine reine Werbesendung für Ladenhüter oder solche, die es werden wollen und spült Geld in die Kassen der Investoren.

  2. Artikel und Kommentar enthalten mal wieder viel Halbwissen und Theorien!
    Man sollte auch überlegen, wie ein Produkt es überhaupt in die Sendung schafft, dass es grundsätzlich bereits seit Jahrzehnten gibt. Antitranspirante auf Basis von adstringierenden Inhaltstoffen wie Alaunschiefer (Kaliumaluminiumsulfat) sind sogar seit Jahrhunderten bekannt.
    QUELLE https://wissen.schwitzen.com/antitranspirant/informationen/item/617-zeitschiene-zur-historie-von-antitranspiranten.html

    Der Vorwurf der „Werbung durch die Hintertür“ ist bei DHDL ja nicht neu, dass der Verdacht begründet ist meiner Ansicht nach aber selten so offenkundig wie in diesem Fall.

    Auch die Zugabe von hautpflegenden Substanzen wird mindestens seit 20 Jahren praktiziert. Neben Aloe Vera kommen hier auch Salbei, Nelkenblüte sowie Bartflechte zum Einsatz. Ob ein Antitranspirant am besten auf Basis von Cellulose oder Alkohol hergestellt wird ist stark typenabhängig. Beide Methoden haben individuelle Vor- und Nachteile.

    Zum Preis kann man sagen, dass dieser in Relation zur Höhe der Wirkstoff-Dosierung stehen sollte (Anteil an Aluminiumchloriden in Prozent). Und genau dazu gibt es von Soummé leider überhaupt keine öffentliche Stellungnahme. Denn nicht nur für die Bewertung der Gefährdungslage, auch für die Einschätzung der möglichen Wirkung ist die Angabe der Höhe der Dosierung unerlässlich!

    Die meisten Antitranspirante vom Discounter / Drogeriemarkt enthalten so wenig Aluminiumsalze (meist weit unter 5%), dass man sie kaum „Antitranspirant“ nennen kann. Hier werden oft billige Deodorants durch minimale Zugabe von Aluminiumchloriden als Antitranspirant verkauft – jedoch ohne diesem Wirk-Versprechen gerecht zu werden!

    Preisliche Absurde wäre das Produkt nur dann, wenn es wirklich nur wenig Wirkstoffanteil entielte – aber wie gesagt gibt es genau dazu scheinbar keine Infos. Ich vermute, dass es sich eher im unteren Drittel eines echten Antitranspirants bewegt, also zwischen 6 und 10% dosiert ist, was vergleichsweise einen eher geringer Wert darstellen würde.

    Das man sich nach Nutzung eines Antitranspirants nicht mehr waschen kann ist Blödsinn. „Echte Antitranspirante“ werden immer Abends angewandt und wirken über Nacht. Am Folgemorgen kann man jegliche Form der Körperwäsche und Pfege ganz normal anwenden!

    Salbeitee bringt bei einer Hyperhidrose so gut wie gar keine spürbare Wirkung, erst recht nicht mit einem handelüblichen Billig-Deo für 1 Euro +/-, wie von meinem Vorredner empfohlen.

  3. Es ist in der Tat nicht so einfach wenn man stark schwitzt. Ohne Aluminiumsalze hilft nicht viel. Und ohne Hilfe, belasten einen die Flecken psychisch so stark, dass es nur zu noch mehr „Schwitzen“ führt. Zumindest war das meine Erfahrung.
    Was mich in Bezug auf dieses „Wunder-Deo“ stark verwundert, ist, dass ein Antitranspirant, dass bei DM verkauft wird, Menschen mit Hyperhidrose helfen soll. Als ich noch starke Probleme hatte, waren Präparate die so hoch dosiert waren, dass sie helfen, nur in Apotheken erhältlich… Und für mich als Nicht-Chemiker sieht dieses Wundermittel auch nur nach Aluminiumsalzen mit ein wenig Hautpflege aus, also nichts besonderes.

    Mir persönlich, haben Unterhemden mit Einlagen sehr geholfen, ist zwar auch nicht gerade ökologisch, aber für den Körper definitiv eine schonende Variante. Heute kann ich zum Glück auch darauf verzichten und krame diese nur noch zu besonders aufregenden Tagen aus dem Schrank.

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