Pizza ohne Müll: Deutscher Jung-Unternehmer erfindet Pizzakarton-Alternative

Foto: Pixabay.de/ CC0/ Hans, © Pizza Bow

Pizza bestellt, Karton in der Mülltone – damit könnte bald Schluss sein. Ein Startup aus Nordrhein-Westfalen hat nun einen Mehrweg-Karton aus Plastik entwickelt. Doch wie nachhaltig ist diese Alternative wirklich?

Klar: Dinge, die man nur sehr kurze Zeit nutzt, bevor man sie wegwirft, sind nicht nachhaltig. Pizzakartons sind aber nicht nur fragwürdig, weil sie Einweg-Produkte sind. Laut Deutschlandfunk sind sie auch oft mit Schadstoffen belastet. Pizzakartons dürfen auch nicht als Papiermüll recycelt, sondern müssen im Restmüll entsorgt und verbrannt werden.

Auch Hendrik Single störte sich an den unpraktischen Pizzakartons. Deshalb hat der 26-jährige aus Herford ein neuartiges Mehrweg-System entwickelt: Seine achteckigen „Pizza-Bows“ aus grünem Hartplastik sollen Pappkartons ersetzen – und so den riesigen Müllberg vermeiden, den die Kartons bei Pizzabestellern hinterlassen. Singles Werbeslogan lautet „Pizza ohne Papperlapapp“, Pizza also ohne Müll.

Mehrweg-Pizzakartons: Vorteile für Pizzabäcker und die Umwelt

Und so soll das Mehrweg-System für die Pizzabehälter funktionieren: Wenn der Pizzabote vor der Tür steht, können Kunden die Pizza schnell in der Küche auf einen Teller legen. Der Lieferant nimmt den Plastik-Karton wieder mit und kann die nächste Lieferung darin transportieren. Nur das Papp-Tablett, auf dem die Pizza liegt, wandert in den Müll. Weil die Boxen höher sind als gängige Pizzakartons, kann man auch mehrere Pizzen darin stapeln. Sie werden durch weitere Papp-Einlagen voneinander getrennt.

Ein weiterer Vorteil Mehrweg-Pizzakartons: Sie sollen Pizza-Bäckern die Arbeit erleichtern, weil diese die Kartons dann nicht mehr von Hand falten müssen. Zudem sind die Boxen platzsparend, ein Pizzadienst kommt in der Regel mit nur 50 Mehrweg-Kartons aus, so der Jung-Unternehmer gegenüber der „Neuen Westfälischen“. Und die Boxen lassen sich laut Single schnell reinigen: Oft reicht es, den Karton mit einem feuchten Tuch auszuwischen.

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Firmengründer Hendrik Single präsentiert 30 Papp-Tabletts im vergleich zu einem einzigen Pizzakarton. (Foto: © Pizza Bow)

Drei Lieferdienste verwenden Pizza-Bows bereits

Laut der Neuen Westfälischen vertreibt Single sein Produkt im Moment noch im Alleingang, nur Freunde und Verwandte helfen ihm von Zeit zu Zeit aus. In Herford liefern derzeit drei Lieferdienste mit Pizza-Bows aus.

2019 möchte Single mehr Werbung für sein Produkt machen – denn Pizzabäcker lassen sich trotz all der Vorteile nicht leicht von seinem Produkt überzeugen. Der Jung-Unternehmer ist trotzdem optimistisch: „Am liebsten würde ich in ganz Deutschland, später auch gerne in ganz Europa Pizzadienste mit dem Bow ausstatten.“

Pizzakartons aus Plastik: Kann das nachhaltig sein?

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Pizza Bows bestehen aus grünem Hartplastik. (Foto: Pizza Bow)

Single hat sich entschieden, seine Mehrweg-Kartons aus Hartplastik zu fertigen, da das Material besonders stabil, gut zu reinigen und „lebensmittelecht“ sei. Die Boxen bestehen aus dem Kunststoff Polypropylen, welcher in der Regel keine giftigen Weichmacher und wenig Zusatzstoffe wie Dioxine enthält. Aus dem Material werden auch z.B. Joghurtbecher, Strohhalme oder Kochbeutel gefertigt.

Allerdings basiert der Kunststoff auf dem fossilen Rohstoff Erdöl, der nur begrenzt vorhanden ist und dessen Reserven irgendwann ausgeschöpft sein werden. Erdöl wird zudem meist unter extrem umweltschädlichen Bedingungen gewonnen. Außerdem zerfällt das Plastik nicht wie organische Materialien, sondern bleibt über Jahrzehnte in unserer Umwelt und zerreibt sich u.a. in Mikroplastik. Ein weiterer Wermutstropfen: Ganz müllfrei ist auch das Mehrweg-System nicht. Die Papp-Tabletts landen nach einmaliger Verwendung auch im Müll – ob sie ins Altpapier könne, dazu macht der Hersteller keine Angaben.

Die Boxen selbst sind aber recycelbar: Wenn die Mehrweg-Pizzakartons beschädigt werden, können Pizzerien sie an Hendrik Single zurückschicken. Er kümmert sich nach eigenen Angaben selbst darum, dass sie dem Wertstoff-Kreislauf fachgerecht zugefügt werden.

Utopia meint: Auch wenn Singles Boxen aus Plastik bestehen, sind Mehrweg-Pizzakartons auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Noch umweltfreundlicher ist es, im Restaurant zu essen und auf Fast-Food-Lieferdienste zu verzichten. Alternativ kannst du Pizza einfach selber machen.

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(6) Kommentare

  1. Ein alter Hut? – Ein uralter Hut ist das Ganze!
    Sowas kenne ich noch aus der DDR. Da gab es zwar keine Pizza-Lieferdienste, aber Lebensmittel-Boxen in dieser Art waren in der DDR gängig. Gab es seinerzeit sogar in verschiedenen Größen – ich habe selbst noch eine Torten-Box von damals, die genau nach diesem Prinzip gestaltet ist und funktioniert.

  2. Hmm… Vielleicht kann man das Plastik ja mal mit Bambus o. ä. ersetzen?

    So macht es den Eindruck, dass Pappe durch etwas weniger Pappe + Plastik ersetzt wurde.

  3. Mein erster Gedanke war auch, dass Bambus wohl die bessere Wahl wäre.
    Ich könnte mir vorstellen, dass auch Hanf geeignet wäre.
    Beides schnell nachwachsende Rohstoffe, natürlich und freundlich zur Umwelt.

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