3000 neue Wörter: Der Duden zeigt, was sich in unserer Welt verändert hat

Foto: © Duden-Verlag

Heute erscheint die neue Auflage des Duden mit 3000 neuen Wörtern. Die Liste der Neuzugänge ist geprägt vom Klimawandel, der Corona-Epidemie und der Bemühung um Gendergerechtigkeit.

Mikroplastik, Insektensterben und die Klimakrise sind keine neuen Probleme. Jetzt hat der Duden auf diese Lebensrealität reagiert und die drei Wörter in seine neueste Auflage aufgenommen. Unter den Neuzugängen finden sich auch die passenden Lösungen. Ab heute können wir dudenkonform über unseren „plastikfreien“ Einkauf in einem „Unverpacktladen“ berichten, von dem „Lifehack“ erzählen, den wir im „Repaircafé“ gelernt haben, und stolz unsere „bienenfreundliche“ „Dachbegrünung“ präsentieren.

Dass vor allem in den letzten beiden Jahren so viele Menschen über die Erderwärmung sprechen, verdanken wir unter anderem Greta Thunberg und ihren Mitstreiter*innen. Vor nicht einmal zweieinhalb Jahren gab es kein „Fridays for Future“ und keine Stadt hatte einen „Klimanotstand“ ausgerufen. Heute sind die Begriffe nicht nur in aller Munde, sondern ebenfalls im Duden.

Auch „Flugscham“ ist erstmals einer der 148.000 Einträge in der neuen Printausgabe. Das Wort ist von dem schwedischen Begriff „flygskam“ abgeleitet. Dieser bezeichnet ein „schlechtes Gewissen, das Klima beim Reisen mit dem Flugzeug (vor allem durch den hohen CO2-Ausstoß) zu belasten“.

Duden, neue Wörter, Mikroplastik
„Mikroplastik“ ist eins der 3000 neuen Wörter im Duden. (Foto: © Duden-Verlag)

Der Duden zeigt „Alltagsrassismus“

Eine weitere Protestbewegung hinterlässt ihre Spuren in der Gesellschaft – und in der Sprache. Seit der Tötung des Schwarzen US-Amerikaners George Floyd wird vermehrt über Polizeigewalt, aber auch über „Alltagsrassismus“ debattiert. Dieser Begriff steht nun im Duden. Die Bewegung „Black Lives Matter“ hat es aber anders als „Fridays for Future“ noch nicht in das Wörterbuch geschafft.

Traurige Wahrheit: Leider sind auch „Hasskommentare“, „Hatespeech“ und „rechtsterroristische“ Handlungen in unserer Gesellschaft so verbreitet, dass es dafür neue Einträge im Duden gibt.

Erstmals Hinweise zu gendergerechtem Sprachgebrauch

Seit Dezember 2018 erkennt die Bundesregierung intersexuelle Menschen juristisch an. Seitdem können sie im Personenstandsregister die Geschlechtsbezeichnung „divers“ tragen oder auch gar kein Geschlecht eintragen lassen. Ein bewusster Sprachgebrauch kann helfen, dass sich intersexuelle Personen nicht nur juristisch, sondern auch sozial anerkannt fühlen. Deshalb enthält die neue Auflage des Dudens nicht nur neue Wörter. Sie erklärt auch erstmals, wie man sich allen Geschlechtern gegenüber respektvoll ausdrücken kann. Für eine solche Erklärung braucht es die passenden Begriffe, deshalb wurden die Stichworte „Gendersternchen“, „gendergerecht“ und „genderneutral“ gleich ergänzt.

Neben der Anerkennung eines dritten biologischen Geschlechts steigt die Sensibilität dafür, dass manche Personen eine andere Gender-Identität als ihre biologische haben. Auch dem trägt der Duden Rechnung und nimmt „cisgender“ und „transgender“ in sein Wörterbuch auf. Das Wort „cisgender“ bezeichnet Personen, bei denen biologisches Geschlecht und Geschlechtsidentität übereinstimmen. „Transgender“ hingegen sind Personen, die sich nicht (nur) mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei ihrer Geburt zugewiesen wurde.

Das Coronavirus ist nicht neu

Die letzte Auflage des Dudens erschien im Sommer 2017. In den drei Jahren ist viel passiert. Deshalb wirken manche der „neuen“ Stichworte überfällig – etwa „Mikroplastik“ oder „Insektensterben“. Deutlich aktueller sind die Begriffe, die wir uns im Laufe der Corona-Pandemie angeeignet haben, zum Beispiel „Herdenimmunität“, „Social Distancing“, „Lockdown“ und „Geisterspiel“. „Coronavirus“ findet sich hingegen schon länger im Duden. Auch „Corona“ ist nicht neu, wurde bislang aber nur mit der Bedeutung „weiblicher Vorname“ geführt.

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