Edeka wehrt sich gegen pöbelnde Mutter an der Fleischtheke

Foto: © Edeka / Screenshot Facebook: Edeka Werner

Wer nichts lernt, wird Fleischtheken-Verkäuferin. Das zumindest erklärt eine Mutter ihrem Kind in einem bayerischen Edeka-Markt – und zwar in Hörweite einer Fleischtheken-Verkäuferin. Edeka verteidigt seine Mitarbeiterin daraufhin auf Facebook. Jetzt melden sich auch Verkäuferinnen zu Wort. Doch es gibt noch ein anderes Problem.

Erst kürzlich nahmen die Betreiber einer niedersächsischen Edeka-Filiale ihre Mitarbeiter auf Facebook in Schutz, weil diese offenbar immer häufiger angepöbelt und beleidigt werden. Der Facebook-Post löste große Begeisterung aus, viele User fanden es großartig, wie sich die Marktbetreiber für ihre Mitarbeiter einsetzten.

„Wenn Du weiterhin nichts für die Schule lernst, dann stehst Du auch mal dort hinten!“

Wie konkret Kunden mit ihren Beleidigungen oft werden, zeigt ein weiterer, aktueller Fall: „Wenn Du weiterhin nichts für die Schule lernst, dann stehst Du auch mal dort hinten!“ erklärte eine Mutter ihrem Kind unmittelbar vor der Verkäuferin an der Fleischtheke eines Edeka-Markts im bayerischen Lichtenfels.

Auch hier reagierten die Markt-Betreiber auf Facebook: „Dieser Post geht an die junge Mutter, welche heute vor unserer Fleischtheke mit dem Finger auf die Verkäuferin gezeigt hat“, schreibt der Edeka-Markt Werner dort am Mittwochmittag – und erklärt: In den Filialen würden nur ausgebildete Fachkräfte mit Schulabschluss und abgeschlossener Berufsausbildung arbeiten, viele hätten Mittlere Reife oder Abitur.

„Einen Abschluss in Empathie und Menschlichkeit, Respekt und Wertschätzung erhält Ihr Kind nicht in der Schule – aber das erledigen wir später gerne für Sie“, schreibt Edeka am Ende des Posts.

„Falls Ihr Kind doch den Abschluss schafft und mit etwas Glück vielleicht dann doch hinter unserer Fleischtheke steht und eine Ausbildung macht, dann werden Menschen wie Sie trotzdem mit einem Lächeln bedient, da es bei uns gelernt hat, dass jeder Mensch Respekt verdient. Auch wenn es manchmal etwas schwerer fällt!“

Hier könnt ihr den Post bei Facebook sehen:

Die Wertschätzung geht verloren

Der Post erhält auf Facebook großen Zuspruch: Er wurde bereits mehr als 123.000 Mal geliked, 54.550 Mal geteilt und mehr als 10.000 Mal kommentiert (Stand 03.06.). „Ein Hoch auf den Chef, der so hinter und für seine Mitarbeiter steht! Da könnten sich andere Chefs eine riesengroße Scheibe abschneiden,“ schreibt ein Nutzer.

Dabei ging es dem Edeka-Chef nicht nur um diesen einen Vorfall, den er zufälligerweise persönlich beobachten konnte. „Das heute war nur der Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Christian Werner im Gespräch mit inFranken.de. „Dass Kunden ausfallend werden nimmt verstärkt zu“. Schon seit längerem beobachte er, wie Wertschätzung gegenüber seinen Mitarbeitenden verloren gehe.

„Schade, dass unsere Arbeit so ein schlechtes Ansehen hat.“

Auch eine Mitarbeiterin des Edeka-Markts Werner meldet sich auf Facebook zu Wort: „Ich bin stolz darauf eine von diesen Fleischereifachverkäuferinnen sein zu dürfen“, kommentiert sie. Viele weitere Verkäuferinnen wehren sich ebenfalls. So schreibt eine unter den Post: „Ich bin selber Filialleiterin und finde den Post klasse. Oft werden wir als niederes Volk abgestempelt da wir ja nur im Verkauf arbeiten. […] Schlimm was man sich auch als Kassiererin an der Kasse alles gefallen lassen muss.“

Eine weitere Mitarbeiterin findet: „Solche Menschen gibt es leider viel zu viele. Nicht das, was man an Berufen, Schulen oder sonstigem abschließt zählt, sondern, das, was man mit Herz und Seele macht. Ich bin Verkäuferin bei Edeka, und ich kann ganz klar von mir sagen, dass ich meiner Berufung gefolgt bin.“

Eine Edeka-Verkäuferin berichtet von einer ähnlichen Situationen, die sie selbst erlebt hat: „Ein Vater meiner ehemaligen Grundschulmitschülerin sagte zu mir: ‚Ich habe meiner Tochter schon häufig gesagt, dass sie froh sein kann, dass ich darauf bestand, dass sie ins Gymnasium geht, sonst säße sie jetzt auch irgendwo an der Kasse.’ […] Ich finde es schade, dass unsere Arbeit so ein schlechtes Ansehen hat.“

Es gibt noch ein anderes Problem

Großartig, wenn sich ein Unternehmen so für seine Mitarbeiter einsetzt. Wir fänden es aber zudem toll, wenn sich Edeka mit ebenso viel Herzblut für die Umwelt engagieren würde – und z.B. statt einer Fleischtheke mehr vegane und vegetarische Speisen anbietet würde.

Denn: Fleisch- und Milchprodukte haben bekanntermaßen den größten Einfluss auf unseren Planeten: Würden wir keine tierischen Produkte mehr essen, könnten wir unsere Treibhausgas-Emissionen um mehr als die Hälfte reduzieren. Und weniger Tierleid gäbe es auch.

Weltweit bräuchten wir nur noch ein Viertel aller Agrarflächen – würden also jede Menge Platz sparen. Eine tierproduktfreie Ernährung würde zudem die weltweite Übersäuerung der Böden, die Überdüngung der Gewässer und die Land- und Wassernutzung reduzieren.

Mehr Infos: Fleisch und Milch haben den größten Einfluss auf den Planeten

Vegithek statt Fleischtheke

Das heißt nicht, dass wir alle gleich vegan werden müssen. Unseren ökologischen Fußabdruck können wir auch schon deutlich verbessern, wenn wir weniger tierische Produkte essen.

Ein spannendes Konzept hat Edeka Südwest 2015 bereits in rund 50 Märkten eingeführt: Die sogenannte „Vegithek“ ist eine Bedientheke für vegane und vegetarische Produkte. In vielen Märkten bekommen Kunden dort sogar Beratung durch Fachpersonal.

Gäbe es Vegitheken in allen Märkten, könnte Edeka zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Mehr für die Umwelt tun und mehr Vegi-Fachpersonal ausbilden. Wäre die oben zitierte Edeka-Kundin stolz, wenn ihr Kind hinter dieser Theke stehen würde? Wir schon!

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(1) Kommentar

  1. Das soll echt nicht als Pöbelei oder so rüberkommen, aber als ich die Überschrift des Artikels gelesen habe hatte das für mich Brigitte oder Stern Niveau.
    Wenn ihr was zum Thema Fleisch machen wollt, dann bitte unverblümter.
    Ihr habt es echt nicht nötig so ne Story als Aufhänger zu nehmen, ihr seid besser!
    Liebe Grüße!

    Edit: Meine nicht die Überschrift, sondern den Cliffhanger unter der Überschrift.

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