„Operation Gurke“: EU beschlagnahmt 90.000 Tonnen verdächtige Bio-Lebensmittel

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Die EU-Polizeibehörde Europol hat 90.000 Tonnen verdächtige Lebensmittel beschlagnahmt. Bei mindestens 470 Tonnen soll es sich um konventionell produzierte Produkte handeln, die als teure Bio-Ware verkauft werden sollten.

Im Rahmen der Untersuchung „OPSON VIII“ hat Europol Lebensmittel sichergestellt, die als Bio-Ware in Europa verkauft werden sollten. Die Ermittler vermuteten, dass es sich bei den 90.000 Tonnen beschlagnahmter Produkte nicht wirklich um Bio-Produkte handelte. Europol konfiszierte laut der TAZ unter anderem Sonnenblumen, Mais, Sojabohnen, Apfel, Weizen, Beeren und Kokosmilch.

Die Ermittler konzentrierten sich dieses Jahr gezielt darauf, Vertreiber von falschen Bio-Lebensmitteln zu identifizieren. Diese verkaufen konventionelle Ware zu höheren Preisen, um maximale Gewinne zu erzielen. Insgesamt seien laut TAZ 470 Tonnen Gemüse „aus konventioneller oder Umstellungsproduktion“ sichergestellt worden.

Falsche Bio-Ware auch für den deutschen Markt gedacht

Die Ware war laut TAZ vor allem für den deutschen, britischen, französischen und dänischen Markt gedacht. Die spanische Polizei Guardia Civil habe ihrer Ermittlung deshalb sogar einen deutschen Namen gegeben – sie nannten sie „Operation Gurke“.

Der Einsatz hatte Europol zufolge zwischen Dezember 2018 und April 2019 stattgefunden. In Spanien gab es neun Festnahmen. Polizei-, Zoll und Lebensmittelbehörden von 16 EU-Staaten waren an den Ermittlungen beteiligt.

Europol stellte, eigenen Angaben zufolge, mehrere Gesetzwidrigkeiten fest, darunter die Benutzung „nicht-autorisierter Substanzen“, die Verbreitung von konventioneller Ware im Bio-Markt und Dokumentenfälschung. Europol zufolge dauern die Untersuchungen noch an. Der Fall wurde an die zuständigen Behörden übergeben, ein gerichtliches Urteil wurde noch nicht gefällt.

Zu viele Pestizidreste: Gesundheitsrisiko von Fake-Bio

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Spanische Behörden nannten die Ermittlung „Operation Gurke“, weil die gefälschten Lebensmittel oft für den deutschen Markt gedacht waren. (Foto: Pixabay.de/ CC0/ gemuese-fotograf )

Der Europäischen Kommission zufolge hätten Behörden nur in einem Fall ein Gesundheitsrisiko für Konsumenten festgestellt: Trockenfrüchte aus einem Nicht-EU-Mitgliedsstaat enthielten Pestizidreste in bedenklicher Höhe.

Die Pestizidreste auf den übrigen Produkten hätten unter dem Grenzwert (Acute Reference Dose) gelegen. Diese Produkte gelten als gesundheitlich unbedenklich und sind als konventionelle Waren weiter im Handel erhältlich.

Deshalb gibt es so viele gefälschte Bio-Produkte

Die Kommission räumt in ihrem Bericht selbst ein, dass Strafen für die falsche Kennzeichnung von Lebensmitteln in vielen EU-Ländern zu gering sind. Händler können große Gewinne machen, wenn es ihnen gelingt, konventionelle Ware als teure Bio-Produkte zu verkaufen. Die Nachfrage nach Bio ist in den letzten Jahren schnell gestiegen, die Bio-Produktion in der EU jedoch langsamer. Selbst wenn sie erwischt werden, können Händler ihre Produkte trotzdem als konventionelle Ware weiterverkaufen.

Oliver Huizinga, Experte für Lebensmittelkennzeichnung von Foodwatch, erklärt gegenüber der ARD, dass die Bio-Kontrollbetriebe in finanzieller Abhängigkeit zu den Produzenten stehen. „Der Produzent vor Ort kann sich aussuchen, welche Öko-Kontrollstelle oder wer genau ihn kontrolliert.“ Dies begünstige Betrugsfälle. Die Kontrollstellen werden derzeit nur jährlich von der EU überprüft.

Die neue EU-Ökoverordnung, die 2021 in Kraft tritt, verleiht der Kommission laut TAZ mehr Befugnisse. Dadurch soll sie Betrugsfälle leichter verhindern können. Allerdings sieht sie auch vor, dass Bio-Bauern nur noch alle zwei Jahre kontrolliert werden. Derzeit erfolgen Kontrollen für das EU-Biosiegel mindestens jährlich.

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