Nach viralem Post: Erster Getränkemarkt wirft Plastikflaschen aus dem Sortiment

Screenshot: Facebook (bearbeitet)

Vor einer Woche hatte ein Stuttgarter Getränkemarkt ein Foto von einem Müllberg aus Einweg-Plastikflaschen und -Dosen gepostet – zusammen mit einem Appell an Konsumenten. Nun geht der Betreiber im Kampf gegen Plastik noch einen Schritt weiter.

10.400 Stück Leergut – so viel Einwegpfand haben Kunden beim Stuttgarter Getränke-Lieferservice Kastner in nur zwölf Wochen abgegeben. Der Getränkemarkt hatte in diesem Zeitraum abgegebenen Einweg-Plastikflaschen und -Dosen gesammelt.

Am Montag, den 17.06. hatte der Geschäftsführer Hans-Peter Kastner ein Bild des Müllbergs auf Facebook gepostet. Dazu schrieb er einen offenen Brief, in dem er an das Umweltbewusstsein „alle Kunden und Nichtkunden“ appellierte. Der Beitrag wurde bisher über 2.000 Mal kommentiert und etwa 39.700 Mal geteilt (Stand: 24.06.2019).

Kastners Getränkemarkt führt aus Prinzip keine Einweg-Plastikflaschen im Sortiment – trotz Wettbewerbsnachteil. Nun hat Kastner angekündigt, in Zukunft überhaupt keine Plastikflaschen mehr zu verkaufen.

„Ich habe heute einen Aushang gemacht, dass wir ab dem 1. August komplett auf Plastik verzichten werden“, so Kastner gegenüber der Bild. „Damit sind wir definitiv der erste Getränkehändler in Deutschland, der das macht, wenn nicht weltweit. Ich werde versuchen, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen und sie aufzuklären, denn ich werde auch auf Mehrweg-Plastikflaschen verzichten.“

Getränkelieferant empört: „Bequemlichkeit, Geiz ist Geil und nach mir die Sintflut“

Geschäftsführer Hans-Peter Kastner hatte sich in seinem Post bestürzt darüber gezeigt, dass so viele Menschen noch Einwegplastik-Produkte kaufen. Er wies darauf hin, dass wir in Zeiten Leben, „wo viele von Umweltschutz und Nachhaltigkeit reden, wo eine kleine Schwedin es schafft, die ganze Welt zum Zuhören zu bringen, wo Freitag die Schule zweitrangig ist und wir täglich Gedanken [dazu] austauschen, wie wir das Klima und die Umwelt retten können“.

Das Umweltbewusstsein sei also da. Trotzdem würden Kastners Kunden nicht angemessen handeln. „Umweltschutz? Unterstützung der Nahversorgung? Nachhaltiges Denken? Nein, es geht um Bequemlichkeit, Geiz ist Geil und nach mir die Sintflut,“ schimpfte der Geschäftsführer.

Deshalb verkauft der Getränkemarkt kein Einwegplastik

Kastner betonte auch, dass Einweg-Pfand sein Unternehmen finanziell belaste. In seinem Getränkemarkt gäbe es ausschließlich Mehrweg-Flaschen zu kaufen. Doch er sei gesetzlich dazu verpflichtet, auch anderes Pfand anzunehmen.

Aus Bequemlichkeit gäben viele Kunden ihren Pfand nicht beim Automaten im Supermarkt ab, sondern in seinem Getränkemarkt. Dabei würden pro Flasche etwa 5 Cent Entsorgungskosten für ihn anfallen – in den letzten zwölf Wochen also mehr als 500 Euro. Sein Geschäft mache somit Verluste, während Supermärkte und Discounter nicht für die Entsorgung ihrer Produkte aufkommen müssten.

Natürlich könnte Kastner ebenfalls Getränke in Einweg-Flaschen und -Dosen verkaufen. Doch dies lehnt er aus Prinzip ab. „Wenn ich betriebswirtschaftlich an den Punkt komme, dass ich Plastikmüll verkaufen muss, um zu überleben, dann schließe ich meinen Betrieb“, schreibt der Geschäftsführer auf Facebook. Denn er wolle seinen Kindern später nicht sagen müssen, dass er nichts gegen die Umweltverschmutzung getan habe.

Nachhaltige Flaschen: Das musst du beim Einkauf beachten

Verpackung vermeiden: Plastikflaschen
Plastikflaschen sind nicht immer umweltfreundlicher als Glasflaschen. (Foto: © Friedberg - Fotolia.com)

Der Getränkemarkt spricht in dem offenen Brief wichtige Punkte an. Wenn du Getränke kaufst, musst du einiges beachten: Denn Glasflaschen sind nicht automatisch die umweltfreundlichere Wahl. Wichtig für die Ökobilanz einer Flasche sind neben dem Material auch das Flaschenvolumen und der Transportweg, den das Getränk zurücklegen musste.

Doch so viel ist sicher: Mehrweg-Flaschen sind immer besser als Einweg-Flaschen. Mehr Informationen: Einweg oder Mehrweg, Glas- oder Plastikflaschen: Was ist umweltfreundlicher?

Übrigens: Besonders nachhaltig ist es, wenn du deine Getränke auf Basis von Leitungswasser selber mixt. Denn unser Leitungswasser in Deutschland hat eine sehr gute Qualität, steht Flaschenwasser in nichts nach und ist mit BPA-freien Trinkflaschen auch überall dabei. Und Limonade, Eistee und Co. kannst du ganz einfach selber mischen. So kannst du auch selbst entscheiden, wie viel Zucker du verwendest – und die Getränke enthalten garantiert keine Geschmacksverstärker oder andere künstliche Inhaltsstoffe.

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