Diese Gedenktafel für einen Gletscher ist eine Mahnung an uns alle

Foto: ©Dominic Boyer/Cymene Howe

Gedenktafeln werden meist für bedeutende Persönlichkeiten oder historische Ereignisse aufgestellt – Island errichtet jetzt erstmals eine Tafel für einen verlorenen Gletscher. Die Tafel enthält eine aufrüttelnde Botschaft an die Menschheit.

Der „Okjökull“ war ein Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans „Ok“ in Island. Schon 2014 verlor er seinen Status als Gletscher – er hatte nicht mehr genug Eis, um noch fließen zu können. Statt einer dicken Eisschicht bedeckt inzwischen nur ein wenig Eis und Schnee den Gipfel des Vulkans. Der Bereich heißt nur noch „Ok“ – das isländische Wort „jökull“ für Gletscher entfällt.

Jetzt soll der ehemalige Gletscher eine Gedenktafel bekommen: Im August will ein isländischer Wanderverband die Tafel gemeinsam mit Forschern der amerikanischen Rice University aufstellen. „Das wird das weltweit erste Denkmal an einen Gletscher sein, der an Klimawandel verloren wurde“, heißt es in einer Mitteilung der Universität. Auf der Gedenktafel zu lesen: „Ein Brief an die Zukunft“.

Weitere Gletscher werden folgen

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Ein Foto des ehemaligen Gletschers Okjökull. (Foto: ©Dominic Boyer/Cymene Howe)

„Ok ist der erste isländische Gletscher, der seinen Status als Gletscher verliert. In den nächsten 200 Jahren ist zu erwarten, dass alle unsere Gletscher diesem Weg folgen“, steht auf der Tafel.

Die letzten beiden Sätze richten sich an die zukünftigen Generationen – und sind zugleich ein Weckruf an uns selbst: „Diese Gedenktafel soll bestätigen, dass wir wissen was passiert und was getan werden muss. Nur ihr [die folgenden Generationen, Anmerkung der Redaktion] wisst, ob wir es getan haben.“

Jedes Jahr schmelzen Milliarden Tonnen Gletschereis

Die Gedenktafel soll Aufmerksamkeit auf das Schicksal der isländischen Gletscher lenken. Aber nicht nur in Island schmilzt das Eis: Einer Studie aus der Fachzeitschrift „Nature“ zufolge verlieren Gletscher weltweit jedes Jahr durchschnittlich 335 Milliarden Tonnen Eis – eine Menge, die man sich gar nicht vorstellen kann. Zwischen 1961 und 2016 seien mehr als 9.000 Milliarden Tonnen Eis verloren gegangen. Ein weiteres Problem: Die Gletscher schmelzen immer schneller – verursacht durch die Klimakrise und den damit verbundenen steigenden Temperaturen.

Das hat tragische Konsequenzen: Das Gletscherwasser fließt ins Meer, wodurch der Meeresspiegel steigt. Die höheren Meeresspiegel bedrohen vor allem Küstenregionen – außerdem verstärken sie extreme Wetterphänomene wie etwa Zyklone.

Isländischer Gletscher ist „totes Eis“

Um diese Entwicklung aufzuhalten, muss die Menschheit das zwei-Grad-Ziel einhalten: Die durchschnittliche Temperatur darf nicht mehr als zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter steigen. Besser wäre es sogar, die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Für den isländischen Gletscher Okjökull gibt es jedoch keine Hoffnung mehr, er ist laut der Rice University nur noch „totes Eis“. „Gedenktafeln sind nicht für die Toten; sie sind für die Lebenden“, heißt es in der Mitteilung der Universität. „Mit diesem Denkmal wollen wir unterstreichen, dass es an uns liegt, den Lebenden, gemeinsam auf den schnellen Verlust von Gletscher und die andauernden Effekte des Klimawandels zu reagieren.“ Was du selber tun kannst: Klimaschutz: 15 Tipps gegen den Klimawandel 

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