„Haselherz“-Gründerin: „Palmöl war für mich ein No-Go“

Foto: © Haselherz

„Haselherz“-Gründerin Ebru Erkunt stellt seit über drei Jahren palmölfreie Haselnusscreme her. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wieso es nicht immer leicht ist, die nachhaltigsten Zutaten zu verwenden und wieso Haselherz nicht so billig sein kann wie Nutella. 

Schokoaufstrich zum Frühstück – wer kann da nein sagen? Leider beinhalten die meisten Sorten Palmöl, also einen Rohstoff, für den große Flächen des Regenwalds gerodet werden. (Mehr Informationen: Palmöl: Die tägliche Regenwald-Zerstörung beim Einkauf)

Aber es geht auch anders: Vor über drei Jahren hat Ebru Erkunt „Haselherz“ gegründet. Ihre Aufstriche basieren auf einem traditionellen, türkischen Rezept. Sie enthalten Sonnenblumenöl anstelle von Palmöl oder verzichten ganz auf zusätzliches Fett. Dazu gehen sechs Cent des Erlöses jedes verkauften Glases an Regenwald-statt-Palmöl – ein Aktionsbündnis, der sich für die Rettung des Regenwaldes einsetzt – und an den Verein Orang-Utans-in-Not.

Utopia hat mit der Gründerin gesprochen – über ihr Unternehmen, Startschwierigkeiten für grüne Gründer und darüber, wieso viele deutsche Haselnusscreme-Sorten einfach langweilig schmecken.

Haselherz-Gründerin im Interview: „Deutsche Haselnusscremes fehlt der Wumms“

Was hat dich dazu inspiriert, deine eigene Bio-Haselnusscreme zu kreieren?

Ich habe verschiedene deutsche Haselnussmuse probiert. Die waren aber geschmacklich langweilig und in der Konsistenz sehr flüssig. Aus der Türkei bin ich da anderes gewohnt. Dort gibt es viele traditionelle Aufstriche, die geschmacklich eher einer Giotto-Füllung ähneln. Auf dieser Basis habe ich die drei Aufstriche kreiert, die ich heute im Sortiment führe.

Was unterscheidet Haselherz von anderen Bio-Nusscremes?

Zum einen der intensive Geschmack – der hat so richtig Wumms. Zum anderen kann man einige Sorten auch zum Kochen verwenden – zum Beispiel im Salatdressing. Haselherz ist eben kein typisches Nachahmerprodukt von Nutella.

Und was macht den Geschmack aus?

Meine Haselnusscremes bestehen nur aus zwei bis vier Zutaten. Ich verwende auch mehr Haselnüsse: Die meisten Nutella-Alternativen enthalten zwischen 13 und 25 Prozent, „Haselherz“ 40 Prozent. Außerdem verzichte ich in den Produkten auf klassischen Rohrzucker. Stattdessen werden die Cremes mit Kokosblütenzucker oder mit aufgekochten Trauben gesüßt. Das macht sonst keiner.

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Haselherz bezieht seine Haselnüsse aus der Türkei. (Foto: Pixabay/ CC0/ Hans)

Haselherz: Bio aber nicht Fair Trade

Kokosblütenzucker wird in tropischen Ländern angebaut. Wäre da eine regionale Zucker-Alternative nicht nachhaltiger?

Mit diesem Problem habe ich mich auch schon beschäftigt. Honig wäre eine denkbare Alternative, doch es gibt ein Problem: Er schmeckt ganz anders. Deshalb kann ich den Kokosblütenzucker in meinen Aufstrichen nicht einfach durch Honig ersetzen. Ich habe fest vor, einmal einen Haselherz-Aufstrich mit regionalem Honig zu kreieren. Dafür brauche ich aber erst einen passenden Hersteller.

Auch die Haselnüsse für deine Produkte beziehst du nicht aus Deutschland, sondern importierst sie aus der Türkei. Wieso?

Ganz einfach: Weil sie besser schmecken. 

Deutsche Nüsse wären also keine Alternative?

Leider nein. Ich nutze Levantiner-Haselnüsse. Die haben einen höheren Fettanteil und ein besonders feines Aroma. Allerdings benötigen sie viel Sonne. Die bekommen sie in der Türkei. Auch der Boden eignet sich dort besser.

Sind deine Haselnusscremes fair-trade-zertifiziert?

Nur der Kakao. Leider gibt es in der Türkei kein großes Angebot für fair gehandelte Haselnüsse. Meine Nüsse beziehe ich aber ausschließlich von Bio-Plantagen, die von Familienbetrieben bestellt werden. Teilweise besuche ich die Bauern auch selbst.

„Ich kann nicht dieselben Preise erzielen wie große Hersteller“

Haselherz gibt es jetzt seit über drei Jahren. Gab es auch Zeiten, in denen es schlecht lief?

Ich glaube, ich habe als Gründer schon so ziemlich alles erlebt, was man erleben kann. Klar gab es finanzielle Engpässe. Und auch den Lohnhersteller sollte man sich ganz genau aussuchen – das weiß ich aus eigener Erfahrung. Und niemals Vereinbarungen per Handschlag treffen, wie das sonst die Hamburger Kaufleute machen.

Heute würde ich sagen: Geschieht mir recht, wenn es nicht immer gut lief. Ich bin froh, diese schlechten Erfahrungen am Anfang gemacht zu haben. Daraus gelernt habe ich auf jeden Fall.

Wo liegt das Problem?

Ich glaube, viele Kunden trauen sich nicht, das Produkt zu probieren. Das liegt zum einen daran, dass der Preis etwas höher ist: Einerseits wollen alle gesunde und hochwertige Produkte, andererseits wollen die Menschen nichts dafür zahlen. Ich produziere kleinere Mengen in Deutschland. Ich kann nicht dieselben Preise erzielen wie große Hersteller.

Was willst du dagegen tun?

Im Moment sammle ich Geld per Crowdfunding. Das Ziel ist es, Haselherz in größeren Gläsern anbieten zu können. Derzeit gibt es z.B. die „Choco-Nuss-Creme“ nur in 180-Gramm-Gläsern für fünf Euro. Mit einem größeren Glas, entweder 550 Gramm oder 600 Gramm für 10 Euro, hättest Du einen größeren Preisvorteil.

Bio-Palmöl: Ist das die Lösung?
Viele Schoko- und Nuss-Aufstriche enthalten Palmöl – einen umstrittenen Rohstoff. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de – Tafilah Yusof)

„Palmöl war für mich ein No-Go“

Deine Produkte sind palmölfrei – wie kam das?

Palmöl war bei der Rezeptfindung für mich ein absolutes No-Go. Das steckt einfach immer noch in zu vielen Produkten – nicht nur in Schokoaufstrichen.

Du spendest für jedes verkaufte Glas sechs Cent für die Erhaltung des Regenwaldes – obwohl dein Produkt gar kein Palmöl enthält.

Jaja, ich weiß: Schon wieder ein Start-Up, dass sich sozial engagiert. Sowas hört sich nach abgelutschter Marketing-Strategie an. Ist es bei mir aber nicht.

Wieso machst du es dann?

Mit dem höheren Verbrauch des Palmöls, egal in welchem Produkt, wird immer mehr und massiv der Regenwald gerodet und das hat fatale Folgen für Mensch, Natur und Klima. Ich möchte die Verbraucher sensibilisieren und Umweltschutz-Institutionen mit meinen Erlösen unterstützen und das passt eben zu Haselherz wie Faust aufs Auge. Deshalb mache ich das.

„Der Großteil der türkischen Bevölkerung ist nicht aufgeklärt.“

Wie steht es in der Türkei mit Umweltschutz? Sind Palmöl und der Regenwald dort große Themen?

Der Großteil der türkischen Bevölkerung ist nicht aufgeklärt. Es gibt kein Pfandsystem und Plastikmüll schwimmt in den Meeren.

Woran liegt das?

Das größte Problem ist die fehlende Bildung und Aufklärung zum Thema Umwelt. In der Türkei wird man leider für diese Thematik nicht sensibilisiert. Auch die wirtschaftlichen Tiefen tragen dazu bei, dass Umweltschutz bei jedem Einzelnen nicht wirklich an oberster Stelle steht. Ich denke aber, wenn man die Bevölkerung mehr aufklären würde, könnte sich das schnell ändern.

Danke für das Gespräch!

Haselherz gibt es bei ausgewählten Filialen von Alnatura, Denn’s, Vollcorner, Basic und in unserer Utopia-Bestenliste für Schokoaufstriche ohne Palmöl.

Hier kannst du Haselherz auf Startnext unterstützen.

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