Mayo, Backwaren und Co.: So viel Käfighaltung steckt noch in unseren Lebensmitteln

Foto: Cesar Machado / stock.adobe.com

Die konventionelle Käfighaltung ist in Deutschland und der EU verboten. Doch noch immer enthalten viele Lebensmittel Eier, die von Hennen aus Legebatterien stammen. Warum das so ist und wie du Produkte mit solchen Eiern meiden kannst.

Bis vor zehn Jahren war die Käfighaltung für Hennen in Deutschland erlaubt. Damals lebten die Tiere auf engstem Raum, in kleinen Käfigen übereinandergestapelt: Sie hatten nur 550 Quadratzentimeter Platz, weniger Fläche als ein DIN A4 Blatt. Sie konnten nicht picken, nicht scharren und erst recht nicht fliegen. Seit 2010 ist diese Haltungsform in Deutschland verboten. Zwei Jahre später wurde dieses Verbot auf die gesamte EU ausgeweitet. Doch damit endete die Käfighaltung nicht.

Die neuen Käfige heißen Kleintiergruppen oder ausgestaltete Käfige

Statt konventioneller Käfighaltung gibt es nun die sogenannten „ausgestalteten Käfige“. Doch die Verbesserung für die Tiere ist minimal: Die ausgestalteten Käfige sind zwar größer, in ihnen werden nun allerdings nicht mehr nur fünf, sondern bis zu 60 Hennen gehalten. Statt 550 Quadratzentimetern stehen nun jedem Tier 750 Quadratzentimeter zur Verfügung. Also etwas mehr als ein DIN A4 Blatt.

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Die Verbesserungen in den ausgestalteten Käfigen sind minimal (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Timothy McAuliffe)

Die Käfige wurden zusätzlich mit „Sitzstangen“, „Legenestern“ und „Scharrflächen“ ausgestattet. Doch auch diese Erweiterungen sind viel zu knapp bemessen und ermöglichen kein artgerechtes Leben. So befindet sich beispielsweise die Scharrfläche immer noch auf einem Gitterboden, an dem sich die Tiere verletzen können.

Im Gegensatz zu anderen EU-Ländern sind in Deutschland ausgestaltete Käfige verboten. Die Auflagen sind hierzulande etwas strenger: Viehbetriebe müssen den Tieren eine größere Fläche zur Verfügung stellen, etwa 50 Quadratzentimeter mehr als in ausgestalteten Käfigen. Diese Haltung bei Hühnern wird Kleintiergruppenhaltung genannt. Für beide Haltungsformen wird die Zahl 3 auf den Eiern gedruckt. Was die Codes auf den Eiern bedeuten, erfährst du hier.

Doch trotz des Verbots ausgestalteter Käfige in Deutschland landen Eier aus dieser Haltungsform auf unseren Teller.

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Verbotene Käfighaltung. Hier leben die Hennen in winzigen Käfigen und können sich kaum bewegen. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Jährlich werden sieben Milliarden Eier aus EU-Ländern importiert

Anfang 2018 veröffentlichte das rbb-Verbrauchermagazin SUPER.MARKT einen aufschlussreichen Bericht: Seinen Recherchen zufolge werden jährlich sieben Milliarden Eier aus osteuropäischen Ländern nach Deutschland importiert. Mehr als die Hälfte dieser Eier, also über 3,5 Milliarden, stammen aus der ausgestalteten Käfighaltung.

Andere Quellen sprechen von 14.000 Tonnen importierten Eiern und Eiprodukten allein aus der Ukraine. Dort leben die Hennen sogar noch in Legebatterien (MEG Marktbilanz 2019). Als Verbraucher*innen bekommen wir das nicht mit.

Verarbeitete Eier müssen nicht gekennzeichnet werden

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Zutaten für BAHLSEN COMTESS Marmorkuchen. Die Herkunft der Eier (Hühnervollei) ist unbekannt. (Foto: Screenshot Zutatenliste Bahlsen Comptess)

Während auf frischen Eiern anhand des Codes auf der Schale leicht zu ermitteln ist, aus welchem Land und welcher Haltungsform sie stammen, ist das bei verarbeiteten Eiern nicht möglich. Denn in den Zutatenlisten tauchen lediglich die Bezeichnungen „Eigelb“, „Hühnervollei“ oder „Volleipulver“ auf. Vollei bedeutet, dass hier das gesamte Ei, also sowohl Eigelb als auch Eiweiß verarbeitet wurden.

Hühnervollei ist in nahezu allen eierhaltigen Lebensmitteln enthalten. Von Mayonnaise bis hin zu Kuchen oder Waffeln werden Eier aus unbekannter Herkunft verarbeitet. Denn Hersteller sind nicht dazu verpflichtet, die Herkunft der Eier anzugeben, wenn sie in den Lebensmitteln verarbeitet sind.

Rührei im Hotel stammt oft aus Käfighaltung

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Auch in Restaurants und Bäckereien werden Eier aus Käfighaltung verarbeitet (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Auch in Restaurants und Hotels werden Produkte aus Vollei verarbeitet. Das Rührei im Frühstücksbuffet stammt oft aus dem Tetrapack, selten aus frischen Schaleneiern von Erzeuger*innen in Deutschland.

In Konditoreien und Bäckereibetrieben ist es ähnlich. Die Albert-Schweitzer-Stiftung führt eine Liste mit Bäckerei-Ketten, die käfigfrei sind. Es gibt aber auch Betriebe, die die Herkunft ihrer Eier nicht bekannt geben wollen.

Bio-Produkte sind frei von Eiern aus Käfighaltung

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Ein Sternchen in der Zutatenliste klärt über die Herkunft der Eier auf. Die Haltungsform „Bodenhaltung“ aus dem Bild ist zwar besser als Käfighaltung, aber ebenfalls problematisch. (Foto: © Utopia / Aie Al Khaiat-Gornig)

Einige Hersteller geben freiwillig an, aus welcher Haltungsform die verarbeiteten Eier stammen. Achte auf das kleine Sternchen in der Zutatenliste (siehe Foto). Falls Produkte keine Kennzeichnung tragen, kannst du direkt beim Hersteller anfragen, woher die Eier kommen – und eine Kennzeichnung fordern.

Trotz mangelnder Kennzeichnung ist es möglich, Eier aus Käfighaltung zu vermeiden. Wer beim Einkaufen zu Bio-Produkten greift, kann sich über die Herkunft der Eier sicher sein. In Bio-Lebensmitteln müssen die Eier aus ökologischer Haltung mit Freilandzugang stammen. Wie bei allen tierischen Produkten gilt aber auch bei Eiern: Weniger ist mehr.

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(2) Kommentare

  1. Die Albert-Schweizer-Stiftung führt nicht nur eine „White-List“ über Bäckereien, sondern setzt sich in allen Bereichen für das Wohl der Hühner ein: https://albert-schweitzer-stiftung.de/kampagnen/kaefigfrei (für andere Tiere auch!).

    Persönlich finde ich die Arbeit mega vorbildlich und unterstützenswert. Es ist gut und wichtig das wir im Einzelnen vegan leben, Bioland / Demeter kaufen oder einfach nur ein statt zwei Eier essen. Aber damit das ganze auch wirtschaftlich und politisch ankommt braucht es NGOs die sich für die einsetzen, deren Stimme in unserer Welt sonst nicht gehört wird.

    Und ansonsten: bitte, bitte, bitte, lasst jedes Produkt liegen bei dem unklar ist wo die verarbeiteten Eier herkommen.

  2. Liebes Utopia-Team,
    schade, dass ihr auf Bio-Eier als vermeintlich bessere Alternative verweist. Wer sich ein bisschen intensiver mit der Tierindustrie auseinandersetzt weiß, dass auch Bio-Haltung Massentierhaltung ist und das rein garnichts mit „artgerechter Tierhaltung“ zu tun hat. Selbst bei Demeter werden 3000 Hühner pro Stalleinheit gehalten – in einer Anlage sind dann oft mehrere Einheiten. Die Verbraucher*innen haben meist einen kleinen idyllischen Bauernhof im Kopf. Das hat leider nichts mit der Realität zu tun. Auch unabhängig von der Haltung leiden die Hühner an ihrer Überzüchtung, die auf Hochleistung getrimmt ist. Demeter schreibt selbst: „In der ökologischen Legehennenhaltung werden momentan überwiegend die gleichen Hybridherkünfte wie in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt.“ Wenn ihr den Hühnern und auch allen anderen „Nutztieren“ einen großen Gefallen tun wollt, dann ernährt euch pflanzlich.
    Also, liebes Utopia-Team, bitte nennt in eurer Schlussfolgerung nicht den Konsum von bio Eiern, sondern allein eine vegane Ernährung als bewusste Entscheidung gegen das Leid der Tiere.