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Markus Lanz: TUI-Chef verteidigt Kreuzfahrten – Aktivistin lässt ihm keine Chance

Foto: Screenshot Markus Lanz / ZDF-Mediathek

Wie viel Tourismus verträgt unser Planet – und wie viele Kreuzfahrten? Unter anderem darum ging es am Dienstag bei Markus Lanz. Der Chef von TUI verteidigte Massentourismus und Kreuzfahrten – eine jugendliche Aktivistin hielt dagegen.

Billig-Airlines, Last-Minute-Angebote und Kreuzfahrten: Durch die Welt zu reisen wird immer einfacher und immer günstiger. Viele beliebte Urlaubsorte sind mit den Menschenmassen zur Urlaubssaison überfordert – und auch für die Umwelt ist Tourismus oft ein Problem.

Um dieses Thema ging es am Dienstag in der Sendung von Markus Lanz. Der Moderator hatte vier Gäste geladen, unter anderem Fritz Joussen, den CEO des Reiseveranstalters TUI, und die Fridays-for-Future-Aktivistin Clara Mayer, bekannt für ihre Rede bei einer Aktionärsversammlung von VW. TUI-Chef-Joussen hatte seine eigene Sicht der Dinge: „Wir reden im Augenblick über Overtourism als Problem. Meine Erfahrung ist, dass Undertourism ein großes Problem ist.“

Clara Mayer bei Markus Lanz: „Umweltschädlichste Art, sich durch die Welt zu bewegen“

Wenn ein Ort nicht genug Touristen hat, sei das eher schädlich – weil Tourismus die Infrastruktur und Wirtschaft der Region stärke. Der TUI-Chef ging bei Markus Lanz noch weiter und erklärte, dass Tourismus auch zum Umweltschutz beitrage: „Weil natürlich die Touristen sehr empfindlich sind, ob sie [die einheimische Bevölkerung, Anmerkung der Redaktion] Kläranlagen haben, ob sie Abwasser in die entsprechenden Meere leiten oder ob sie den Müll auf die Straße schmeißen.“ Auch Reisen mit Kreuzfahrtschiffen verteidigte Joussen.

Seine Argumente ließ die Klima-Aktivistin Clara Mayer jedoch nicht gelten: „Es gibt keine umweltschädlichere Art, sich durch die Welt zu bewegen, als durch Kreuzfahrten.“ Dass Tourismus den Urlaubsgebieten helfe, sei vor allem bei Kreuzfahrten ein Scheinargument: „Die essen auf ihrem Schiff, die kommen, überfluten die Stadt und gehen dann wieder. “

Joussen versucht, die Kritik zu relativieren

Kreuzfahrtschiffe, Kreuzfahrten
Kreuzfahrtschiffe verursachen extrem hohe Emissionen und viele Schadstoffe. (Foto: Pixabay, CC0 Public Domain)

Das Schweröl, mit dem Kreuzfahrtschiffe betrieben werden, bezeichnete Mayer als „Braunkohle unter den Ölen“. Joussen bemühte sich immer wieder, die Kritik zu relativieren. Die 300 Kreuzfahrtschiffe würden im Vergleich zu den 40.000 kommerziellen Handelsschiffen gar nicht so stark ins Gewicht fallen. Energie- und Wärmeerzeugung würden außerdem deutlich mehr CO2-Emmissionen verursachen als Kreuzfahrten.

Künftig könne außerdem „LNG“ zum neuen Antrieb für Schiffe werden und Schweröl ersetzen. LNG steht für „liquified natural gas“, also verflüssigtes Erdgas. Clara Mayer konnte das jedoch nicht überzeugen: „Entschuldigen Sie, LNG, also vor allem Fracking-Gas, ist eine der größten Umweltsünden, die wir momentan haben; dagegen kämpfen Aktivisten auf der ganzen Welt. Und Sie sagen doch nicht ernsthaft, dass das eine Alternative für Ihre Schiffe wäre? Das ist doch keine Zukunftsvision.“

„Das Ziel ist nicht, Strohhalme zu reduzieren“

Die Aktivistin sprach den TUI-Chef außerdem auf ein Interview an, in dem er angekündigt hatte, aus Rücksicht auf umweltbewusste Kunden Strohhalme auf den Schiffen zu reduzieren. „Das Ziel ist nicht, Strohhalme auf Ihren Schiffen zu reduzieren, sondern die Frage ist eher: Wie reduzieren wir Ihre Schiffe auf dem Meer?“, sagte Mayer dazu. Für diese Aussage bekam die Aktivistin Applaus vom Publikum.

Die ganze Sendung vom Dienstag gibt es in der ZDF-Mediathek.

Utopia meint: Auch wenn der Chef von TUI bei Markus Lanz geschickt argumentiert – Kreuzfahrten kann man nicht mit reinem ökologischen Gewissen antreten. Jede Kreuzfahrt produziert tonnenweise CO2-, Feinstaub und Stickoxid-Emissionen. Außerdem verbrauchen sie die Energie einer Kleinstadt. Mehr dazu: 11 Dinge, die jeder über Kreuzfahrten wissen sollte. Wir raten, lieber anders Urlaub zu machen:

Weiterlesen auf Utopia.de:

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(4) Kommentare

  1. Hab’s mitverfolgt. War sehr gut 🙂
    Mittlerweile ist es das Haupthema bei den Öffentlich Rechlichen, während die Privaten weiterhin ihre unterirdisch schlechten Möchtegern-Promis und deren durchgeknallten Lebensstil feiern…

  2. Herr Ratte-Polle: der Nabu rechnet falsch – und verweigert eine Diskussion über seine Abschätzung und die dabei gemachten Annahmen.

    Zunächst der Hinweis, dass alle Schiffe, nicht nur Kreuzfahrtschiffe, die geltenden internationalen, europäischen und gfls. auch nationalen Emissions-Vorschriften und -Bedingungen einhalten müssen. Als Motoreningenieur mit Arbeitsschwerpunkt Abgasemissionen von Verbrennungsmotoren habe ich die von Nabu veröffentlichten Vergleichszahlen Kreuzfahrtschiff contra PKW nachgerechnet und festgestellt, dass der Nabu die PKW-Emissionen um bis zum Faktor 50 (!) „kleinrechnet“. Bezieht man die tatsächlichen Emissionen dann noch auf Gramm Ausstoß je zurückgelegten Kilometer und je Person, sind die CO2-Mengen zwischen Schiff und Auto tendenzmäßig vergleichbar und der Ausstoß an giftigem Kohlenmonoxid (CO) beim Schiff sogar besser als beim PKW. Sinkt der Grenzwert für den maximalen Schwefelgehalt im Schiffskraftstoff ab 1.1.2020 in internationalen Gewässern von jetzt 3,5 % auf nur noch 0,5 %, reduzieren sich die Schwefeloxid-Emissionen (SOx) der Schiffe auf einen Schlag um den Faktor 7. Man muss auch wissen, dass Schiffskraftstoffe in den EU-Hoheitsgewässern und -Häfen sowie in geschützten Regionen schon seit Anfang 2015 nur noch höchstens 0,1 % Schwefel enthalten dürfen. Das Problem: in zahlreichen Häfen besteht derzeit noch gar keine Tank-Infrastruktur für die benötigten großen Mengen an ultra-schwefelarmem Kraftstoff. Das alles und noch viel mehr (z.B. dass die wenigen Landstromanlagen in den Häfen, die es heute gibt, für die Reeder extrem teuer sind) sollte man wissen, bevor man den unsinnigen Nabu-Zahlen vertraut.
    Horst Köhler, Friedberg (18. August 2019)

  3. Der Horst liegt vielleicht nicht ganz falsch. Auch wenn ich diesen Massentourismus ablehne. Viel wichtiger und interessanter war der Beitrag von Wohlleben, letztes Drittel der Sendung, über den nicht vorhandenen Wald. Statt Plantagen anzulegen, um schnelles Geld zu verdienen, den Wald selbst zu überlassen. Und dass Pflanzen kommunizieren, nicht nur über chemische Stoffe. Da werden selbst konservative Wissenschaftler „esoterisch“. Das hier zu erwähnen, würde die Utopia Aktion, Bäume zu pflanzen, widersprechen!