Nachhaltig Wandern: im Einklang mit Mensch und Natur

Nachhaltig wandern
Foto: © Andreas P - Fotolia.com

Das Wandern ist längst nicht mehr nur „des Müllers Lust“. Doch je begeisterter Jung und Alt „auf Schusters Rappen“ durch die Natur trampeln, desto mehr schaden sie ihr damit. Außer, sie gehen auf sanfte Art und Weise mit der Umwelt um – indem sie nachhaltig wandern.

Eigentlich darf man gar nicht wandern. Denn man muss erst einmal mit einem Verkehrsmittel zur herrlichen Natur gelangen. Dort angekommen, ist es fast unmöglich, kein zartes Pflänzchen zu zertreten oder keinen Vogel bei der Brunft zu stören – von Hinterlassenschaften in Form von Müll ganz zu schweigen. Ja, Wandern ist nicht nur ein Naturerlebnis, sondern auch Naturzerstörung und darum sollten wir es so nachhaltig wie möglich gestalten.

Nachhaltig wandern ist auch eine Frage der Kleidung

Eigentlich müsste der Naturfreund seine Ausrüstung so lange wiederverwenden, bis sie ihm praktisch vom Fuß fällt – wären da nicht die Chemikalien, die dann freigesetzt würden. Aber in puncto Stöcken, Rucksäcken, aber auch Zelten, Regenhüllen oder Biwaksäcken sind die meisten Wanderer ohnehin recht nachhaltig unterwegs. Das gilt auch für die Bekleidung, wie Jochen Häfele von JH Tourismus betont: „Während T-Shirts normalerweise nur noch ein paar Mal getragen und dann entsorgt werden, ist Outdoor-Kleidung generell sehr langlebig.“

Hier: Konkrete Tipps für nachhaltige Outdoor-Kleidung

„Wer nicht jedem Trend nachjagt und die Jacken, Wanderschuhe oder Regenponchos nicht unbedingt in den Farben der Saison spazieren führen will, verwendet seine Ausrüstung über Jahre hinweg“, so Jochen Häfele weiter. „Viele Firmen setzen überdies mittlerweile auf fair und ökologisch hergestellte Produkte ohne schädliche Chemie und wieder recycelbar“. Der grüne Urlaubsprofi verweist zum Beispiel auf die Firma Vaude, die derlei anbietet.

Bessere Wege zum Ziel nachhaltiges Wandern

Geht es um die persönliche Urlaubsökobilanz, sind Flugzeuge und Autos schlechte Optionen. Am besten reist man mit dem Zug an und nimmt gleich ein Fahrrad mit – oder leiht es sich vor Ort aus. „Bike and Hike“ ist ein nachhaltiger Trend, der speziell in langgezogenen Alpentälern oder Schluchten etwa im Allgäu oder in österreichischen Berggebieten sehr sinnvoll ist. Man fährt, soweit es die Wege zulassen, hinein ins Tal und geht die schmäleren Pfade dann zu Fuß weiter. So lassen sich größere Entfernungen bewältigen, und das einzige CO2, das entsteht, produziert man selbst.

Unterwegs muss der Wanderer aber aufpassen, dass er keinen Abfall in der Natur liegen lässt. Besonders geeignete Snacks sind daher Obst und Gemüse bzw. Brotzeiten und Getränke in mitgebrachten Gefäßen, die nicht aus Aluminium oder Plastik mit dem für Gesundheit und Natur schädlichen Bisphenol A (BPA) hergestellt wurden. Gesunde Behälter, die auch noch stylisch aussehen, stellt zum Beispiel die Firma Klean Kanteen her.

Produkt-Guide: BPA-freie Trinkflaschen

 

In der Natur sind wir heute nur noch Gast

(Nachhaltig) Wandern ist nicht gleich wandern. Die Mehrtagestour durch den Spessart oder die Mecklenburgische Schweiz gehört genauso dazu, wie der geführte Marsch über Alpengipfel, das Radwandern durch Flussauen, die schweißtreibende Mountainbike-Tour oder der Kurztrip durch den Naherholungsraum.

Der Hochgrat der Nagelfluhkette (Foto: Thomas Gretler)
Der Hochgrat der Nagelfluhkette (Foto: Thomas Gretler) (Foto: Thomas Gretler)

Wer wandert, will die Natur erleben, doch die geschützten Räume der heimischen Tierarten müssen dabei tabu bleiben. Weil oft schwer herauszubekommen ist, wo grad keiner balzt, nistet oder einfach nicht gestört werden will, gibt der Deutsche Alpenverein wertvolle Informationen – zum Beispiel zu diesen für das Ökosystem besonders wichtigen Plätzen. Kampagnen wie „Dein Freiraum. Mein Lebensraum.“, die etwa in Kooperation mit der Bayrischen Forstverwaltung und der „Bergwaldoffensive“ durchgeführt wird, erklären anschaulich, wie sensibel das Aufeinandertreffen von Mensch und Tier ist.

Bei „Dein Freiraum. Mein Lebensraum.“ werden, begrenzt auf die Nagelfluhkette und ihre 16 Berge zwischen dem Mittag im Osten und dem Hochhäderich im Westen, Infotafeln aufgestellt und Wanderer mit diesem Wissen vernünftig geleitet. Generell ist es sinnvoll, nicht in der Nacht durch die Natur zu streifen und den Zauber schweigend zu genießen, also einfach mal die Klappe zu halten.

In den 102 Naturparks, die es zwischen Schlei an der Ostsee, der Märkischen Schweiz, der Eifel und eben der Nagelfluhkette im äußersten Süden der Republik gibt, sind die sensiblen Bereiche – sogenannte Kernzonen – ohnehin für den Menschen gesperrt. Hier kann und soll sich die Natur ohne uns entwickeln.

Auch Mitmenschen sind schützenswert

Wo wir in Scharen einfallen, nerven wir auch unsere Mitmenschen. In Tourismusregionen wie den Nordseeinseln oder dem Berchtesgadener Land ist man zwar auf den Ansturm der Massen vorbereitet, allerdings haben viele „Touri-Orte“ längst ihre Ursprünglichkeit verloren. Dort geht es um das Geschäft mit der Kapital Natur, um Kitschpostkarten-Idyll und Urlaubsmerchandising.

Experte Jochen Häfele rät daher, doch mal Regionen herauszusuchen, die weniger im Fokus der Reise-Industrie stehen. Also zum Wandern mal nicht in die Alpenregion, sondern in die schwäbische Alb, die oberfränkisch-oberpfälzische Region an der tschechischen Grenze oder den wunderschönen Hunsrück.

Spannend: Geführte Touren buchen

Wer wirklich nachhaltig wandern und die Natur kennenlernen will, so Jochen Häfele, sollte geführte Touren buchen. Denn diese schärfen die Wahrnehmung für die Umwelt. In der Regel zeigen einem Einheimische nicht nur die besten Plätze und schönsten Aussichten, sondern „auch, wie wir der Natur mit Respekt und in Harmonie begegnen. Erfahrene Wanderführer wissen, wo etwa die sensiblen Brutplätze von Vögeln sind oder wo man besonders auf geschützte Pflanzen zu achten hat. Manche Tiere wird man überhaupt nur in Begleitung eines Profis sehen können“.

Geführte Touren können in Deutschland praktisch in jeder Region gebucht werden – in der Sächsischen Schweiz genauso wie im Harz oder im Bayerischen Wald. Auch in anderen Ländern hat sich diese Form des Wandertourismus durchgesetzt. Aber wir sollten nicht immer in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt in Deutschland so nah, dass es sich nachhaltig erlaufen lässt.

Manfred Prescher/aw

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(3) Kommentare

  1. vielleicht kann man erwähnen, daß immer mehr Menschen bei uns in ihrer Freizeit die alten Pilgerwege in Dtld/Europa wieder neu beleben ( siehe Verein der Jakobswegfreunde , Verlag Via Tempora u ähnl )..jährlich pilgern tausende von Menschen durch Europa u weiter – mit und ohne GPS – und sorgen durch die freie dem Körperrhythmus angepasste Bewegung in der Natur – allein o in Kleingruppen – dafür , daß das achtsame Wandern wieder zu einem Ganzheitserlebnis wird .. Natur- u Umweltrücksicht steht außerdem bei vielen Pilgern hoch im Kurs, ist geradezu Teil ihres Moralkodexes. Beispiel : möglichst keinen Zivilismüll in der Landschaft hinterlassen !
    Wer den direkteren Austausch mit u in der Natur sucht – sollte sein Kräftepotential kennen u einfache Umgangsregeln , um sie nachhaltig nicht zu stören o beschädigen – Entsprechend gerüstet liegt der beste Weg oft vor der Tür.. – ob mit o ohne Begleitung ( Rad, Esel, Pferd etc), Orientierungshilfen, also eine etwaige Vorstellung v Wegstrecke, Zeit, Schwierigk’grad u Ziel machen uns frei für den Einstieg in die Naturerkundung … u lehren uns viel über uns selbst !

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