Wütender Facebook-Post eines Metzgers: Was an der Fleischtheke falsch läuft

Foto: Colourbox.de / bernjuer

Wie viel darf Fleisch kosten? Wenn es nach manchen Kund*innen geht, soll es so billig wie möglich sein. Ein Metzger aus München kritisiert diese Einstellung auf Facebook – und erinnert an den langen Weg eines Fleischproduktes wie der Leberkässemmel.

„Qualität und alles top, aber saftige Preise“, mit diesen Worten hat ein Kunde die „Metzgerei Marcus Bauch“ auf Google bewertet. Für eine Leberkäs-Semmel zahle man 2,10 Euro, „und dann so ne Scheibe, ist schon derb“.

Die Metzgerei veröffentlichte einen Screenshot der Bewertung auf Facebook – und postete eine lange Antwort dazu. Negative Bewertungen „schmerzen“ die Firma, heißt es in dem Statement. „Doch wenn wir schlecht bewertet werden, weil eine Leberkässemmel 2,10€ kostet, dann ist dies kein Auslöser für Traurigkeit und Reue sondern Empörung und Wut.“

Was geschehen muss, damit eine Leberkässemmel verkauft werden kann

Aktuell „schimpfe alle Welt“ über billige Fleischpreise und die Ausbeutung von Menschen und Tieren. Die Metzgerei spielt damit auf die fragwürdigen Zustände in Massenbetrieben wie den Tönnies-Schlachthöfen an. „Vielleicht schadet es nicht zu hören, was alles geschehen muss, damit eine Leberkässemmel verkauft werden kann.“

Die Metzgerei zählt anschließend die verschiedenen Abläufe auf: „Ein Schwein muss geboren, gefüttert (auch das Futter muss angebaut werden), aufgezogen und geschlachtet werden. […] Das Fleisch muss zerlegt werden. Die Gewürze im Leberkäse müssen in verschiedenen Ländern angebaut, geerntet, getrocknet und zu uns transportiert werden. Ein Metzgermeister muss mit viel Erfahrung aus den richtigen Fleischstücken mit einem Fleischwolf und einem Cutter aus Gewürzen, Fleisch, Schwarte und Eis das Brät herstellen. […] Für die Semmel wird Weizen angebaut und geerntet, gemahlen und dadurch zu Mehl verarbeitet.“

Bei Fleisch ist weniger mehr

Hinzu kommen Kosten für Geräte wie die heiße Umlufttheke, um den Leberkäse warm zu halten sowie das Gehalt der Angestellten der Metzgerei. „Wenn 100g warmer Leberkäse in einer ordentlichen Bäckersemmel für 2,10€ als zu teuer wahrgenommen werden, bitte ich inständig darum, sich diesen Text in Erinnerung zu rufen. Vielleicht relativiert sich die Wahrnehmung etwas.“

Utopia meint: Menschen in Deutschland geben nur etwa zehn Prozent ihres Gehaltes für Lebensmittel aus – deutlich weniger als die Bürger*innen anderer europäischer Länder. Der Wunsch nach billigen Lebensmitteln hat fatale Konsequenzen: Menschen, Tiere und die Natur werden ausgebeutet.

Damit Unternehmen beispielsweise Fleisch billig verkaufen können, müssen sie große Mengen möglichst schnell produzieren. Das Ergebnis sind Praktiken wie Kastenstände oder betäubungsloses Ferkelkastrieren – sie sollen die Massentierhaltung noch effizienter machen. In deutschen Schweinmastanlagen sind die Zustände so katastrophal, dass jährlich mehr als 13 Millionen Schweine an Krankheiten und Verletzungen sterben oder „notgetötet“ werden müssen.

Wer dieses Leid nicht unterstützen will, sollte vor allem Billigfleisch meiden – auch 2,10 Euro für eine Leberkässemmel sind noch zu günstig. Bio-Fleisch ist die bessere Wahl, idealerweise von den Bio-Anbauverbänden Demeter, Bioland oder Naturland (sie haben strengere Kriterien). Den Tieren und der Umwelt zuliebe sollten wir unseren Fleischkonsum außerdem grundlegend reduzieren – oder gar kein Fleisch mehr essen.  

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(5) Kommentare

  1. Nicht das ganze Geld der Welt wäre genug um das Leid aufzuwiegen, das die unfassbar vielen Tiere erleiden, die für uns Menschen in Angst, Schmerzen und Qualen leben und sterben.

    Wer immer noch Tierprodukte konsumiert, ist entweder sehr schlecht informiert (warum?) oder noch nicht beim Menschsein angekommen.

  2. -oder noch nicht beim Menschsein angekommen-

    So so, jemand, der Tierprodukte konsumiert, ist also kein Mensch. Ja, was dann? Ein Alien, ein Außerirdischer, ein Zombie, oder gar ein Tier? Und das seit der frühesten Kindheit an. Interessant.

  3. Kinder gehören i.d.R. zur Gruppe schlecht bzw. gar nicht informiert.

    Sind Sie gut informiert über Tierleid?

    Leute, die genau wissen, was Tieren angetan wird und trotzdem noch Tierprodukte konsumieren können, haben – sehr freundlich gesagt – einen großen Mangel an Empathie. Wir können natürlich den Begriff „Mensch“ so definieren, wie wir möchten.
    Für mich gehören zum Menschsein Empathie, Integrität, Verantwortung und Mitgefühl.

    Ich bin mit allerdings im Klaren, dass die Gruppe der schlecht bis gar nicht Informierten sehr groß ist. Die Wirklichkeit der Tierausbeutung ist halt auch wirklich schwer zu ertragen, und wir sollen da ja auch nichts drüber wissen.

  4. Das Fleisch essen ist nicht das Problem- sondern die industrielle Herstellung.
    1. Die Misshandlung der Tiere durch die konventionelle Tierhaltung
    2. Die Misshandlung der Beschäftigten in der Schlacht- und Fleischbranche.
    Weg zum Besseren ist die Verminderung des Fleischkonsums bei uns- und die Einschränkung der Produktion auf den heimischen und innereuropäischen Markt.