Sophia Hoffmann im Interview: „Wir müssen wirklich weniger Tiere essen“

Foto: Joseph Wolfgang Ohlert

Weniger ist echt mehr. Ein Satz, der einem vor allem immer dann einfällt, wenn man hört, wie viel Müll jede:r einzelne von uns so produziert. Laut Statistischem Bundesamt waren es 2020 632 Kilogramm pro Person. Wir sprechen in der heutigen Folge mit Sophia Hoffmann, vegane Köchin, Buch-Autorin und Aktivistin, über Zero Waste und Lebensmittelverschwendung in der Küche und beim Kochen.

Wer etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun will, fängt am besten da an, wo es einfach ist: zum Beispiel in der eigenen Küche. Zero-Waste, Minimalismus und Co. funktionieren nämlich auch hervorragend mit Lebensmitteln und beim Kochen. Darüber unterhalten wir uns mit der Köchin, Buch-Autorin und Aktivistin Sophia Hoffmann in der Folge des Utopia-Podcasts.

Zum Abschluss beantworten wir noch die Frage der Woche: Gibt es eigentlich nachhaltige Hausmittel, um Fenster sauber zu putzen?

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Auszug aus dem Gespräch mit Sophia Hoffmann:

Utopia.de: In deinem Buch „Zero Waste Küche“ schreibst du: „Mehr Ruhe, mehr Natur, mehr Gerechtigkeit, mehr Miteinander, mehr Genuss“. Klingt wie ein wunderbares Rezept für eine besserer Zukunft. Kann man die Welt aus der Küche heraus retten?

Sophia Hoffmann: Ich glaub schon. Für mich ist das ein wichtiger Teil, auch im beruflichen Kochen. Das ist auch ein Akt, etwas, was man für andere Menschen macht. Es ist etwas sehr Soziales, Menschen zu bekochen. Kulinarik und gemeinsames Essen verbindet und ist total wichtig und war es schon immer, in allen Kulturen. Es kann häufig auch ein gutes Mittel sein, um eher Gemeinsamkeiten zu finden, als Gegensätze zu verstärken.

Und, auch wenn das jetzt vielleicht ein bisschen cheesy klingt, aber bei mir hat es schon auch nochmal viel ausgemacht, als ich beschlossen habe, keine Tiere mehr zu essen. Da wachsen Empathie und Gedanke einfach auch nochmal für andere Lebewesen. Das ist so, egal ob in der Küche oder anderweitig. Ich glaube auch nicht an einen aggressiven Ton in der Küche oder denke in krassen Hierarchien. Das habe ich beides schon erlebt. Ich habe für mich einfach festgestellt, dass Gastronomie auch anders gehen kann und auch ein gutes Ergebnis herauskommen kann, wenn nicht alles militaristisch ist und man sich anschreit. Das ist vielleicht auch ein Aspekt davon. Hass oder Gewalt hat noch nie zu irgendwas geführt. Wenn man das im politischen Kontext betrachtet, was wir jetzt gerade so mitkriegen, auch von nationalistischen Strömungen oder so, Mauern bauen, Türen zu machen, das löst keine Probleme. Ich glaube, dass man mit Essen Türen aufmachen und Tische decken kann. Das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt, auch in Zukunft mit dem Restaurant.

Ein Thema, was mich hier in Berlin immer wieder sehr stark beschäftigt, ist das Thema Obdachlosigkeit, also Menschen ohne Wohnung. Da gibt es in Hamburg ein ganz tolles Projekt, das heißt Café Sonnenschein. Dort machen sie einmal im Monat sonntags einen Kaffee-Tisch, wo alle Menschen willkommen sind. Das ist zum Beispiel etwas, das wollen wir auch unbedingt machen. Also zu schauen, was kann man auch im Rahmen einer Unternehmensführung zurückgeben. Einfach auch hier versuchen eine Tür aufzumachen. Ich glaube, solche Sachen muss man einfach versuchen mitzudenken.

Vor Kurzem war zu lesen, dass wenn man pro Woche einen Tag auf Fleisch verzichten würde, der Mensch im Jahr so viel Wasser einsparen könnte, dass er dreieinhalb Jahre lang davon duschen könnte.

Deshalb sind Zahlen oder diese Beispiele auch so wichtig. Für mich ist im Kontext bei pflanzlicher Küche das Lieblingsbeispiel auch einfach, nicht den Umweg über das Tier zu gehen.

Im letzten Jahr sind diese pflanzlichen Burger zum Beispiel bei Fast-Food-Ketten immer mehr aufgekommen. Das ist jetzt eine persönliche Präferenz, ob man zu so einer Fast-Food-Kette geht oder nicht, aber es wird immer Menschen geben, die Burger essen gehen. Jeder dieser Burger, der aus Pflanzen gemacht ist, ist besser fürs Klima als eine Rinderburger. Das ist einfach so am Ende des Tages.

Mein Lieblingsbeispiel ist pflanzliche Mayonnaise. Die kann man super einfach auf Sojamilch-Basis machen und die schmeckt eins zu eins wie eine billige Mayonnaise, die man auch so oft auf seine Pommes bekommt. Wenn man das ersetzen könnte, also in der Größenordnung, dass einfach für diese ganze Mayonnaise, die nur in diesen Großgastronomien genutzt wird, keine Hühner extra aufgezogen werden müssten, kein Ei extra gelegt werden muss, das wäre so viel besser für die Ökobilanz. Und das würde keiner merken, gerade bei so stark verarbeiteten Produkten. Da kannst du so viel einsparen. Das macht halt noch mal einen anderen Unterschied, als wenn ein Fine-Dining-Restaurant in Berlin sagt, wir achten noch ein bisschen mehr darauf.

Solche Beispiele finde ich sehr spannend, da passiert schon viel. Ich glaube allein die Tatsache, dass man sieht, dass auch immer mehr Fleisch erzeugende Firmen pflanzliche Produkte herstellt – ich muss mich da schon manchmal auch immer wieder selber kneifen. Ich, die ich jetzt schon über zehn Jahre vegan lebe. Was sich da mittlerweile geändert hat, was es da auch gibt. Da kann man schon so simpel sagen, die Pflanze selber zu essen, ist immer der nachhaltigere Weg, als über das Tier zu gehen.

Mehr über die Arbeit von Sophia Hoffmann gibt es ab dem 15. Mai 2022 auch in dem ARD-Format „Fine Food Stories“ zu sehen.

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