Wegen Rassismus-Vorwürfen: Bahlsen benennt Kekssorte um

Foto: Screenshot Instagram @bahlsen/Utopia

Mit einem Instagram-Post zum Valentinstag handelte sich Gebäck-Hersteller Bahlsen einen regelrechten Shitstorm ein. Der Post zeigte die Kekssorte „Afrika“. Nutzer*innen kritisierten, dass der Name rassistisch sei. Jetzt kündigt der Hersteller an, die Waffelsorte umzubenennen.

Zum Valentinstag am 14. Februar postete Bahlsen ein Foto auf Instagram, mit dem das Unternehmen Waffeln der Sorte „Afrika“ bewarb. Doch statt wohlwollender Kommentare erntete das Unternehmen einen Shitstorm – die Nutzer*innen warfen Bahlsen Rassismus vor.

Über eine Namensänderung schien Bahlsen zunächst nicht nachzudenken. Nachdem sich unter dem Post über drei Wochen hinweg mehr als tausend Kommentare sammelten, hat das Unternehmen seine Meinung nun offenbar geändert. Bahlsen hat den Post bearbeitet – und die Umbenennung des Produkts angekündigt. Hinter dem Hinweis „[EDIT]“ ist nun unter anderem zu lesen: „Um zu vermeiden, dass unser Produkt Assoziationen mit Rassismus hervorruft, arbeiten wir bereits an einer Umbenennung.“

„Ein brauner Keks, der Afrika heißt? For real?“

Die hitzige Debatte, die unter dem Instagram-Post stattfand, beinhaltete unzählige kritische Kommentare. So schrieb eine Nutzerin, „Ein brauner Keks, der Afrika heißt? For real?“ Ein anderer Nutzer kommentierte: „Wie kann man einen Keks Afrika nennen. Rassismus im Jahr 2020, widerlich.“ „Finden Sie das witzig, dunkle Kekse als Afrika zu bezeichnen?“, heißt es in einem weiteren Kommentar.

Anfangs zeigte sich Bahlsen wenig kooperativ, distanzierte sich aber von dem Rassismus-Vorwurf. Das Unternehmen kommentierte, „wir möchten hier betonen, dass uns rassistische Gedanken mehr als fern liegen.“

Auf die Frage, warum das Produkt denn Afrika heiße, antwortete Bahlsen, „der Name Afrika wurde ausgewählt, weil Afrika der größte Produzent von Kakaobohnen auf der Welt ist und der Name damit perfekt zu unseren vollschokolierten Waffeln passt. Das Produkt Afrika bieten wir unter diesem Namen und in dieser Form bereits seit über 60 Jahren an.“

Die Instagram-Nutzer*innen baten, den Namen zu ändern

Mit dieser Erklärung gaben sich die meisten Kommentator*innen nicht zufrieden. Unter anderem reagierte Henning May, Sänger der Band Annen May Kantereit, mit Unverständnis auf die Erklärung von Bahlsen. „Na und?“ schrieb der Sänger. „Vor 60 Jahren gab es auch noch Schokoküsse, die ganz anders hießen. Sorry, aber aus meiner Sicht müsstet ihr den Namen dringend ändern.“ Sein Kommentar sammelte mehr als 482 Likes.

Auch andere Nutzer*innen baten das Unternehmen, den Namen zu ändern. „Bitte den Namen des Produkts ändern. Was soll den „Afrika“ dem Konsumenten für ein Geschmackserlebnis zeigen? …“, schrieb ein Nutzer. Eine weitere Followerin schrieb: „Wie kann man Kekse nur so nennen? Bitte ändern!“.

Noch vor fünf Tagen kritisierte eine Nutzer*in, „das schlimmste an der Sache ist, dass ihr trotz 90 % negativer Kommentare immer noch komplett zu dieser Sache steht, anstatt etwas zu unternehmen.“ Vielleicht hat dieser Kommentar ja dazu geführt, dass das Unternehmen schließlich reagierte. Ab wann die Waffeln den neuen Namen tragen und wie dieser lauten wird, ist nicht klar. Auf der Website findet man das Produkt derzeit noch unter dem alten Namen.

Bahlsen reproduziert koloniale Klischees

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Bahlsen für die Namensgebung der Kekse verteidigen muss. Das Online-Magazin Horizont hat einen Blogbeitrag von 2011 aufgespürt, in dem eine Afrikawissenschaftlerin die Namensgebung kritisierte. Mit der schlichten Namensgebung setze das Unternehmen auf „die exotisierten Bilder“, die Konsument*innen mit Afrika in Verbindung brächten, lautet ihr Vorwurf. Sie kritisiert, dass Bahlsen mit dem Klischee-beladenen Begriff „Afrika“ koloniale Klischees über den Kontinent reproduziere.

Utopia meint: Dinge, die Menschen früher unbehelligt gesagt haben, werden heute zurecht kritisiert. Klischees, die man früher (unreflektiert) reproduziert hat, haben heute keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft. Diese wird für (versteckten) Rassismus sensibler – und das ist gut so. Das müssen auch Unternehmen lernen.

Abgesehen davon, empfehlen wir faire Bio-Schokolade. Zum Beispiel von Fairafric. Lies dazu: Start-up will die fairste Schokolade der Welt produzieren

In unserer Bestenliste findest du die besten Bio- und fairen Schokoladen.

Anmerkung: Weil viele Leser*innen diesen Beitrag mit der Frage kommentiert haben, warum die Sorte „Afrika“ ein problematischer Name ist, der Name des Start-ups „Fairafric“ aber nicht:

Die Kritik an Bahlsen kam von einer breiten Öffentlichkeit auf Instagram. Problematisch fanden die Nutzer*innen, dass Bahlsen eine Kekssorte „Afrika“ nennt, ohne einen weiteren Hinweis oder Grund für die Namensnennung zu geben. Damit lässt das Unternehmen Raum dafür, dass koloniale, rassistische und problematische Klischees über Afrika reproduziert werden können.

Mit seiner Namensgebung und seinem Engagement macht das Start-up „Fairafric“ unserer Meinung nach transparent, dass es sich bei seinem Produkt um Schokolade handelt, die fair und vollständig in Ghana, Afrika produziert wird.

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(26) Kommentare

  1. Ist die Benennung nach einem Kontinent heute noch zwingend rassistisch? Oder liegt hier eine Projektion vor: Unsere Großeltern dachten in rassistischen Verknüpfungen, und jeder, der als nachgeborener heute ein Produkt nach der Herkunft eines Rohstoffes benennt, unbedingt auch so (zumindestens leichtfertig oder unbedacht)?
    Dann weiß ich schon das nächste Objekt der Empörung: Mungbohnenkeimlinge, Bambussprossen, Mu-Err-Pilze und Soßen für asiatische Gerichte tragen den Namen Asia und sind bei einem bekannten Discounter erhältlich. Auch auf diesem Kontinent haben Kolonialmächte gewütet, und die Klischees meiner Großeltern-Generation über (besonders Ost-)Asiaten möchte ich lieber unerwähnt lassen.

  2. Aber die Kekse kommen nun mal nicht aus Afrika (wie z.B. „Asia“ Gerichte auch in asiatischen Ländern hergestellt wird), sondern werden hier produziert und nur „Afrika“ genannt, „weil Afrika der größte Produzent von Kakaobohnen auf der Welt ist und der Name damit perfekt zu unseren vollschokolierten Waffeln passt.“ Und wiel sie schon immer so heißen. Sensibel geht anders. Wenn Bahlsen rosafarbene Kekse herstellen würde und sie Deutschland bzw. Europa nennen würde, dann gäbe es sicher auch Proteste.

  3. Echt jetzt? Proteste von Hyperventilierern und Hypochondern? Da weiß ich noch ein Objekt für kreischende Empörerei:
    Die Firma Meica produziert Bockwürstchen und nennt sie Deutschländer! Farbe: Brauuuunnn!! Nein! Doch!! Ooh!!!

  4. Jomel, ein Problem ist nicht verschwunden, bloß weil manche Menschen es nicht sehen wollen/können oder es sie schlicht nicht interessiert etc. Menschen, die auf einen Missstand hinweisen, pauschal als Hypochonder oder -ventilierer zu bezeicnen, ist nicht die feine Art.
    Zuletzt: Die Kritiker haben sachliche Kritik angewendet. Keiner hat sich der Kreischerei hingegeben. Außerdem empören Sie sich ja auch über die Empörerei, und das keineswegs sachlich. Hyperventilieren Sie etwa?

  5. Liebe(r) eio,
    bei früher gebräuchlichen Bezeichnungen wie „Neg…kuss“ oder „Moh…köpfe“ stecken die Klassifizierungen von Menschen im Wort drin, und darum ist es richtig, sie zu ersetzen, und ebenso bedenklich ist die Sarotti-Figur. Aber bei der Bezeichnung „Afrika“ werden keine Menschen genannt oder gar einsortiert, zumal Nordafrika ganz anders erscheint als Zentral- oder Südafrika, gesellschaftlich, landschaftlich, kulturell. Es ist also unbestimmt, welches Afrika. Von daher erscheint auch selbst vielen Rassismusgegnern der Shitstorm gegen Balsen überzogen.
    Diese Überzogenheit veranlasste mich zu meinen satirischen und ironischen Kommentaren. Satire und Ironie nicht erkannt? Oh je…

  6. Hallo Jomei, tatsächlich habe ich die Satire nicht erkennen können. Egal. Ich habe auch nicht den zwingenden Grund für einen Shitstorm gg. Bahlsen erkennen könne. Aber ggf. sind andere Menschen anderen Dingen ggü sensibler als Sie und ich. Ich wollte nur herausstellen, dass diese das gute Recht dazu haben, gegen das, was ihnen missfällt, zu protestieren, zumal es sich ja bei Bahlsen um eine juristische Person handelt und kein natürlicher Mensch direkt betroffen ist. Deswegen verstehe ich einige Forumsteilnehmer nicht, die diesen Leuten das Recht absprechen wollen oder so tun, als gäbe es das Problem Rassismus gar nicht. Es gibt mindestens zwei versch. Meinungen zu jedem Thema, und jede hat das selbe „Existenzrecht“ und gehört respektiert, und ja, auch diskutiert. In Ihrem ersten Beitrag haben Sie sich sachlich damit auseinandergesetzt. Im zweiten Beitrag, nunja

  7. @eio86:
    „Jomel, ein Problem ist nicht verschwunden, bloß weil manche Menschen es nicht sehen wollen/können …“
    Das stimmt in der Tat.
    Es ist aber auch durchaus möglich, dass ein Problem überhaupt nicht vorhanden ist, wenn eine große Anzahl von Menschen es nicht zu erkennen vermag. Es gibt Leute, die sehen Probleme dort, wo keine sind. Wenn die jemand als Hypochonder bezeichnet, ist das keineswegs immer falsch.
    Sonst haben Sie aber recht.

  8. Also man kann es auch übertreiben. Ich muss nicht jedem sofort Böswilligkeit und Rassismus unterstellen nur weil ein Keks nach einem Kontinent benannt ist. Afrika bedeutet für mich eine wunderbare Natur, exotische Tiere, die es bei uns nicht gibt… Solche bösen Gedanken sind teilweise schon sehr weit hergeholt.

  9. Ehrlich jetzt? Diese Kekse gibt es seit mindestens 30 Jahren. Ich erinnere mich noch, dass man Ex-Schwager die immer gegessen hat. Und jetzt ist der Name auf einmal rassistisch? Die Verpackung zeigt doch überhaupt keinen Bezug zu irgendwelchen entsprechenden Themen. Die Kekse heißen einfach so. So sehr ich gegen Rassismus in allen Bereichen bin – das ist jetzt echt übertrieben. Als gäbe es keine anderen Probleme.

  10. „Rassismus ist eine Gesinnung oder Ideologie, nach der Menschen aufgrund weniger äußerlicher Merkmale – die eine bestimmte Abstammung vermuten lassen – als „Rasse“ kategorisiert und beurteilt werden. Die zur Abgrenzung herangezogenen Merkmale wie Hautfarbe, Körpergröße oder Sprache – umstrittenerweise teilweise auch kulturelle Merkmale wie Kleidung oder Bräuche – werden als grundsätzlicher und bestimmender Faktor menschlicher Fähigkeiten und Eigenschaften gedeutet und nach Wertigkeit eingeteilt.“ Zitat Wikipedia.
    Was bitte hat man jetzt diesen Keksen angetan? Solche lächerlichen Auswüchse schaden der wirklich berechtigten Rassismusdebatte unwahrscheinlich.

  11. HäääH?
    Sind dann Bilder von weißem Sandstrand in der Karibik auch rassistisch. Oder ist es rassistisch Berge zu zeigen, wenn über die Schweiz geredet wird?
    Schokolade und Afrika passen nun mal ganz gut zusammen, besonders wenn die Schoki von dort kommt. Dass es dort noch mehr gibt, muss nicht extra erwähnt werden, nicht auf einer Kekspackung.
    Hier muss ich @Milchmädchen absolut Recht geben. Die Debatte ist albern und schadet mehr als sie nützt.

  12. Warum Schokolade und Afrika ganz gut zusammen passen, bleibt wohl Ihr Geheimnis (und das von Bahlsen). Nur Bilder zu zeigen, ist sowieso nicht rassistisch.Ihr Vergleich leuchtet mir deshalb nicht ein. Aber Lebensmittel nach einem Kontinent zu nennen, trotzdem oder weil die Kekse schwarz bzw. braun sind, hat schon ein Gschmäckle. Oder ist eine besonders unreflektierte Vermarktungsstrategie. Ich finde es gut, wenn ursprünglich rassistisch konnotierte Lebensmittel umbenannt werden in Schokoküsse oder Puszta-Schnitzel. Warum sollten Kekse da eine Ausnahme machen

  13. ca. 70 % des Kakao wird in Afrika geerntet! So. Geheimnis gelüftet.
    Hat nix mit brauner oder schwarzer Haut zu tun.
    Das Werbung mit Klischees spielt und diese aufnimmt ist nichts Neues. Das man als Konsument diese überdenkt und reflektiert ist gut und richtig. Dass man rassistische oder sexistische (usw.) Vorurteile benennt und die Hersteller dazu bringt ihr Zeugs umzubennen ist auch richtig.
    Da sind wir uns schon einig.
    Dass die Umbenennung in Schokoküsse am alltäglichen Rassismus im deutschsprachigen Raum irgendetwas geändert hätte, ist -leider- ein Wunschtraum.
    Warum sollten diese Kekse eine Ausnahme machen? Weil sie eben nicht Mohrenkeks oder Ne**rkeks heißen .

  14. Afrika ist aber in der Literatur nach wie vor der schwarze Kontinent.
    Oder möchte das jemand bestreiten?
    Und diese Bezeichnung ist keineswegs abwertend, im Gegensatz dazu, wie heutzutage sehr viele Leute das Wort Afrika aussprechen.

    Wieso ist es ein Geheimnis, dass Afrika und Schokolade zusammen passen? Bevor ins Gedächtnis der Leute drang, dass es Sorten-Kakao auch aus Südamerika gibt, wurde grob in Schubladen kategorisiert, dass Kakao eine Dschungelpflanze ist. Sie kommt also dort vor, wo Dschungel ist. Somit in erster Instanz erstmal Afrika, da näher an Europa und altvertraut als Handelsroute.
    Das ist kein Geheimnis. Allenfalls schwingt beim Wort Afrika im besten Fall Afrika noch Abenteuer und Geheimnis mit. Etwas, dass afrikanische Werbe-Agenturen nur zu gern unterstützen.

    „Nur Bilder zu zeigen, ist sowieso nicht rassistisch.“
    Ähm …, den Satz überdenken Sie am besten nochmal …. und löschen ihn dann.

  15. Gerade eben habe ich den Artikel zu Billie Eilish und dass sie nicht verantwortlich dafür ist, wie andere sie beurteilen. Und jetzt lese ich hier, das Bahlsen verantwortlich dafür gemacht wird, dass andere einen ihrer Keksnamen rassistisch finden? Derjenige, der die Gedanken hat, ist rassistisch, sexistisch etc., nicht dasjenige oder derjenige, der angeschaut wird.

  16. Menschen, die Rassismus Erkennen und Benennen, sind also selbst Rassisten? Ihnen ist aber schon klar, dass Sie dieser Logik folgend selbst ein Rassist sind?

  17. ha ha, genauso ist es.
    Wie es Jeder und Jedem in den Kram passt, wird argumentiert.
    Mal ist das Opfer auch Täter und manchmal ist es veranwortlich oder trägt nur ein klein wenig Verantwortung.
    Letzten Endes muss es wohl Jede und Jeder mit sich selbst ausmachen. Austausch über solche Kommentarfunktionen wie hier, scheint überhaupt nichts zu bewirken.

  18. Stimmt. Rassismus ist in Deutschland ja überhaupt kein Problem. Daher ist es auch völlig unwichtig, sich dagegen zu positionieren oder zu engagieren. Es gibt Wichtigeres zu tun. Wegschauen zum Beispiel.

  19. Sicher ist Rassismus ein Problem.
    Aber wenn man sich an so einem Blödsinn aufgeilt, tritt man genau jenen in den Hintern, denen man eigentlich helfen möchte, und unterstützt genau die, die den Rassismus in sich tragen und täglich leben!
    Denn die können jetzt sagen: „Seht Ihr! Alles Blödsinn, was die über Rassismus faseln!“ Und dann nutzen sie dieses in der Tat blödsinnige Beispiel, um all die berechtigten Rassismusvorwürfe ins Lächerliche zu ziehen.
    Und dann gibt es noch die Idioten, die dann stolz darauf sind, sich als People of Colour bezeichnen, als wenn Hautfarbe eben doch ein allgemeines, über den Kamm gültiges Merkmal wäre.

  20. Welche Assoziationen jemand im Kopf hat, ist sicherlich äußerst verschieden. Wenn ich an der Sprache erkenne: Aha, der Mensch mir gegenüber ist wohl ein Sachse (oder Bayer, oder was auch immer), ist das kein Rassismus. Auch wenn ich an der Hautfarbe oder den Gesichtszügen erkenne, dass jemandes Vorfahren nicht aus Deutschland stammen, ist das kein Rasissmus. Die Menschen sind verschieden. Herkunft und Kultur machen einen Teil der Identität aus und tragen zur Einzigartigkeit eines jeden Menschen bei. Ich finde das schön und bereichernd. Nichts erscheint mir unangenehmer, als wenn alles uniform sein muss. Ich will mich selber ja auch nicht in eine Schablone pressen lassen. Die Verschiedenheit ist nicht das Problem, auch nicht, wenn sie sie als solche erkannt und benannt wird.

    Das Problem beginnt, wenn daraus Ungerechtigkeiten und unterschiedliche Wertigkeiten folgen. Wenn die Chancengleichheit verletzt wird, Konkurrenzdenken zu Missgunst, Hass und Gewalt führt. Wenn es zu Ausgrenzungen kommt. Wenn sich einer über den anderen stellt. Wenn Menschen an bestimmten Erwartungen gemessen und dazu gebracht werden, sich entsprechend dieser Erwartungen zu benehmen.

    Diese Sünden werden nicht beseitigt, indem man Wortklauberei betreibt oder den Menschengruppen oder auch Süßspeisen andere Namen gibt. Es gibt Puristen, die allen Ernstes verlangen, dass man die Verschiedenheit nicht mehr sehen darf und auch nicht mehr benennen darf. Dagegen wende ich mich entschieden. Ich möchte nicht, dass Leute, die das als ideologischen Unsinn erkennen, in die Arme von wirklichen Rassisten getrieben werden. Stattdessen sollten wir die Verschiedenheit mit positiven Assoziationen besetzen. Damit wir mit offenem Interesse an aneinander Anteil nehmen können.

    Ob wirklich ein Kolonial-Bezug hergestellt wird, wenn eine mit Schokolade überzogene Waffel „Afrika“ heißt, sei dahingestellt. Ich habe das bisher nicht damit assoziiert. Auf keinen Fall kommt die Marke, um die es hier geht, in einer Weise daher, welche die Kolonialzeit verherrlichen oder relativieren würde – da habe ich gegen das Maskottchen/Markenzeichen von Sarotti schon deutlichere Bedenken.

    Die Frage, die sich mir stellt ist, ob sich seit der Kolonialzeit wirklich so Entscheidendes geändert hat. Immer noch gibt es Plantagen mit prekären Arbeitverhältnissen. Und immer noch konsumieren Europäer Waren aus aller Welt, an denen das Blut der Ausgebeuteten klebt, und niemand macht es sich bewusst.

  21. Der letzte Absatz, da steckt der wunde Punkt drin.
    Aber für viele ist es viel einfacher, sich über Keks-Namen aufzuregen. Sowas nennt man Scheingefechte.

  22. Die Kekse heißen seit vierzig Jahren so. Und jetzt, jetzt plötzlich fällt den Leuten auf, dass das ja rassistisch sein könnte!
    Fällt bei diesem Auffallen vielleicht auch auf, dass es auch an so etwas wie Zeitgeist liegen könnte?
    Falls diese Keks-Benennung wirklich rassistisch wäre, würden doch bestimmt bei Bahlsen über die Jahrzehnte unzählige Beschwerden eingegangen sein. Auch wäre der Keks wohl schon längst in Listen der schlimmsten Rassismen aufgetaucht. Aber? Nichts dergleichen.

    Da gibt es wahrlich wesentlich(!) konkretere rassistische Ungeheuerlichkeiten, gegen die man sich wenden könnte. Die sind allerdings nichts so schön plakativ und nicht so einfach zu bekämpfen, wie ein Konzern, der um jeden einzelnen Kunden ringen, und darum auf jeden Mist reagieren muss, wie ein Barometer aus Luftdruckschwankungen. Und sie sind auch nicht so schön im sichtbaren Interesse, so dass deren Thematik außerhalb der Konzentrationsspanne vieler Empörten liegt. Die Keksgeschichte ist dagegen Dummen-tauglich. Schön bildlich, simpel und geht durch den Bauch. Passt prima.
    BILD-Niveau.