Alufolie benutzen?

Foto: © farfalla Quelle: photocase.com

Soll ich oder soll ich nicht? So heißt die Serie, in der Redakteurin Anne Henneken alle 14 Tage ein neues Öko-Dilemma unter die Lupe nimmt. Dieses Mal geht es um einen Verpackungsklassiker aus der Küche: Alufolie.

Wenn ich früher bei meiner Großmutter zu Besuch war, hat sie nach dem Essen die Reste oft in Stanniolpapier gepackt. Das sagte sie zumindest. Da sie lange in Österreich gelebt hat, dachte ich immer, Stanniolpapier ist einfach das österreichische Wort für Alufolie. Denn die silberne Folie, die wir zuhause hatten, sah genauso aus wie Omas angebliches Stanniolpapier.

Das von ihr benutzte Stanniolpapier war ziemlich sicher gar keines mehr, denn nachdem 1910 in der Schweiz die erste Alufolie hergestellt wurde, war es kaum noch im Handel.

Alufolie: die Vorteile

Das ursprüngliche Stanniolpapier wurde aus superdünn gewalztem Zinn hergestellt. Im 17. Jahrhundert hat man es unter anderem zum Belegen von Spiegeln benutzt, später wurden damit Schokoladen, Tabak und Seifen eingewickelt oder Lametta für den Weihnachtsbaum hergestellt. Da Zinn aber teurer als Aluminium ist, wurde das Stanniolpapier in den meisten Bereichen durch Aluminiumfolie ersetzt.

Alufolie: soll ich oder nicht?
Alufolie: soll ich oder nicht? (Foto: "Aluminium foil "booster" bag" von Lauri Rantala unter CC-BY 2.0)

Wahrscheinlich gibt es nur sehr wenige Haushalte, in denen nicht irgendwo eine Rolle Alufolie in der Küchenschublade steckt.

Das Loblied auf ihre Vorteile ist lang: Sie ist praktisch, auch weil sie sich jeder Form ohne Protest zart knisternd anpasst. Sie schützt vor Licht, Oxidierung, Feuchtigkeit, Bakterien, hält auch den Wärmeverlust in Grenzen, wenn man warme Speisen darin einpackt und braucht nur ein Minimum an „Packraum“. In die geschmacksneutrale Folie kann man die krummsten Dinge einwickeln, Folienkartoffeln beim Grillen vorm Verbrennen schützen, Pausenbrote und auch stark knoblauchhaltige Abendbrotreste aromadicht verpacken.

Alufolie: die Nachteile

So viele gute Eigenschaften und keine Schattenseiten? Na ja, nicht ganz. Für die Umwelt ist die Herstellung von Alufolie nämlich nicht ohne, vor allem der hohe Energieverbrauch ist ein massiver Kritikpunkt.

Die erforderliche Herstellungsenergie für eine Tonne Alu ist vergleichbar mit dem, was ein deutscher Durchschnitts-Haushalt innerhalb von etwa drei bis vier Jahren an Energie verbraucht. Um ein Kilogramm Aluminium herzustellen, braucht man zirka 14 kWh Strom. Damit lassen sich immerhin 1000 Tassen Kaffee kochen oder – schreckliche Vorstellung – 225 Hemden bügeln. Zum Glück kann dieser Energieaufwand aber durch Recycling stark verringert werden.

Alufolie recyclen

So lässt sich Frage, ob Aluminium-Recycling sinnvoll ist, auch schnell und eindeutig beantworten: Ja! Denn natürliche Ressourcen werden geschont und da für das Recyceln nur fünf Prozent der ursprünglichen Herstellungsenergie anfallen – sprich: sensationelle 95 Prozent Energie gegenüber der Erstherstellung von Aluminium eingespart werden – hat das auch enorm günstige Auswirkungen auf den ökologischen CO2-Fußabdruck. Außerdem kann man aus einmal gewonnenem Aluminium nahezu endlos wieder neues Aluminium herstellen.

Eine tolle Sache ist hier (theoretisch) recycelte Aluminiumfolie von der Rolle. Aus einem Kilo recyceltem Alu kann man wieder zirka 91 Meter neue Haushaltsfolie machen. Einen Nachteil gibt es allerdings: Die „bessere“ Folie ist bisher nur in England und in den USA erhältlich. Die Idee für Toppits Recycling-Folie liegt wahrscheinlich ganz hinten im Ideen-Safe.

Also, soll ich oder soll ich nicht …?
Utopia meint:
Es ist gut, sparsam mit Alufolie umzugehen und zu versuchen, die Folie mehrfach zu gebrauchen, bevor man sie im gelben Sack entsorgt (lies auch: Mülltrennung & Recycling: 13 Tipps). Stark verschmutzte Folie ist leider nicht mehr zu verwerten und gehört dann in den Restmüll. Wer die Möglichkeit hat, sollte recycelte Alufolie kaufen. Ansonsten können auch Frischhaltedosen aus Edelstahl, Holz, Porzellan, Glas oder (BPA-freiem) Kunststoff, Käseglocken, mit Tellern abgedeckte Schüsseln, wiederverwendbare Wachstücher oder auch einfaches Butterbrotpapier eine Alternative zum Verpacken sein.

Text: Anne Henneken

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