Atommüll-Endlager: das ungelöste Problem der Kernenergie

Atommüll
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Atommüll-Endlager sind seit Jahrzehnten ein Streitthema in vielen Städten. Denn den radioaktiven Abfall aus Atomkraftwerken will keine Gemeinde lagern. Zu hoch ist das Risiko, dass trotz aller Sicherheitsvorkehrungen Radioaktivität austritt und Mensch und Natur belasten. Doch was passiert derzeit mit dem Atommüll?

Atommüll-Endlager: Was passiert mit dem Atommüll?

Atommüll-Endlager: Gorleben
Atommüll-Endlager: Gorleben
(Foto: CC0 / Pixabay / Tetzemann)

Nachdem 2011 ein Erdbeben für eine Kernschmelze im Atomkraftwerk von Fukushima sorgte, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Ausstieg aus der Kernenergie. Was bleibt, ist der über Jahrzehnte angesammelte Atommüll. Ein endgültiges Endlager für den Atommüll gibt es aber noch nicht. Das Bundesamt für Strahlenschutz prüft verschiedene Endlagerstätten bis zum Jahr 2027. Derzeit gibt es vier Projekte, die in Frage kommen:

  • das ehemalige Salzbergwerk Asse (Niedersachsen)
  • das Kali- und Steinsalbergwerk Morsleben (Sachsen-Anhalt)
  • das Eisenerz-Bergwerk Schacht Konrad in Salzgitter (Niedersachsen)
  • das Salzbergwerk Gorleben (Niedersachsen)

Schwach- und mittelradioaktive Abfälle werden in Asse, Morsleben und Konrad schon jetzt eingelagert. Aber für hochradioaktiven Müll gibt es nur das provisorische Erkundungsbergwerk Gorleben. Keines der Endlager ist geeignet für den radioaktiven Müll, so die zuständige Bundestags-Kommission in ihrem Bericht. Immer wieder tauchen neue Probleme auf.

Ökostrom statt Atomstrom:

Endlager unsicher: Gefahr des Atommülls unkalkulierbar

Atommüll-Endlager im Bergwerk
Atommüll-Endlager im Bergwerk
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Alle vier Endlager sind Bergwerke und das nicht ohne Grund: Infrage kommen sie wegen der undurchlässigen Gesteinsformation aus Ton, Granit oder Salz. Doch auch die haben in der Vergangenheit zahlreiche Tücken gehabt:

  • Wasser: In allen Bergwerken muss das Wasser noch Jahre nach dem Ende des Bergbaus abgepumpt werden. Sonst drohen Stollen vollzulaufen und einzustürzen. So haben Experten schon vor Jahren beim Bergwerk Asse Wasser in den Stollen festgestellt. Das sorgt dafür, dass die Fässer mit dem Atommüll rosten, aufreißen und der radioaktive Inhalt das Grundwasser kontaminiert.
  • Einsturz-Gefahr: Auch durch einstürzende Stollen können die Fässer stark beschädigt werden. Viele alte Bergwerke sind einsturzgefährdet, so auch Asse und Morsleben. In Asse sollten deshalb mehr als 100.000 Fässer wieder heraufbefördert werden. Für das Endlager Morsleben ist ein Stilllegungsverfahren beantragt worden. Das Bergwerk soll mit Salzbeton verfüllt werden und somit nicht mehr als Lagerstätte für neuen radioaktiven Müll verfügbar sein.

Atommüll entsorgen: Alternativen zu Bergwerken

Atommüll per Rakete entsorgen?
Atommüll per Rakete entsorgen?
(Foto: CC0 / Pixabay / WikiImages)

Wegen dieser Probleme sucht das Bundesamt für Strahlenschutz nach neuen Endlager-Standorten. Dabei handelt es sich um Bergwerke, weil sie den denkbar besten Strahlenschutz ermöglichen. Die Endlager-Suchkommission ist zum Schluss gekommen, dass der Atommüll erst „zwischen 2075 und 2130“ eingelagert und die Bergwerke nach weiteren 20 bis 40 Jahren verschlossen werden können.

  • Früher haben einige Länder den Atommüll einfach in die Meere gekippt. Dies führt jedoch langfristig zu einer Zunahme an Radioaktivität in der Nahrungskette.
  • Auch das Einschmelzen in Eis in der Antarktis wurde unter Wissenschaftlern diskutiert.
  • Ebenso stand die Entsorgung mit einer Rakete im All als Lösung der Atommüll-Frage im Raum

Am Ende lag die Entscheidung aber doch beim Bergwerk als Endlager. Zu unsicher schienen die Alternativen. Aufgrund der langen Halbwertszeit muss sicher gestellt werden, dass Atommüll eine Million Jahre sicher gelagert ist.

Staat oder Konzerne: Wer ist für den Atommüll zuständig?

Atommüll aus Kernkraftwerk
Atommüll aus Kernkraftwerk
(Foto: CCO / Pixabay / ulleo)

Die Bundesregierung und das Parlament haben schon seit den 1950er Jahren Atomenergie gefördert und subventioniert. Damals erlebte die Atomkraft einen richtigen Hype: Durch scheinbar unbegrenzt verfügbare Energie sollten alle bisherigen Energie-Probleme gelöst werden.

  • Jede Eisenbahn sollte ein Mini-Atomkraftwerk eingebaut haben und dadurch angetrieben werden. Auch Flugzeuge sollten mit kleinen Atomkraftwerken fliegen.
  • Vorangetrieben wurde die Atomkraft von einem eigens gegründeten Bundesministerium für Atomfragen (später „Bundesministerium für Atomkernenergie“). Es war die Hoffnung, nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem schnellen Wohlstand zurück zu gelangen: „Die Atomkraft kann zu einem Segen werden“, sagten damals Politiker.

Da die Baukosten für ein einziges Atomkraftwerk damals mehrere Milliarden D-Mark kostete, subventionierte der Staat den Bau und die Forschung im großen Stil. Mehr als 200 Milliarden Euro könnten die Subventionen betragen.

Im März 2017 haben sich die Energieversorger und die Bundesregierung auch über die Kosten verständigt. Eon, EnBW, RWE, Vattenfall und andere Stromkonzerne haben insgesamt mehr als 24 Milliarden Euro für die Zwischen- und Endlagerung in einen Fond der Bundesbank gezahlt. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte: „Damit ist ihre Haftung für Kosten der nuklearen Entsorgung im Bereich Zwischen- und Endlagerung beendet“. Von nun an haftet der Staat für die Endlagerung des Atommülls, also der Steuerzahler.

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(1) Kommentar

  1. Ein Punkt findet leider keine Erwähnung. Reaktoren der neusten Genration verarbeiten langlebigen nuklearen Abfall zu Isotopen mit nur noch nkurzer Halbwertszeit unter Gewinnung von Energie. Man kennt sie auch als Schnelle Brüter. Russland ist hier mit modernen Reaktoren führend, ebenso andere Länder. Deutschland ist dagegen nur führend mit den weltweit höchsten Strompreisen.

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