Lidl Bio, Aldi Bio & Co.: Die Experten über Bio vom Discounter

Foto: © siamphoto - Fotolia.com; Logos: © Bioland e.V.; Naturland e.V.; Demeter e.V.

Bio ist längst in den Regalen von Aldi, Lidl & Co. angekommen. Gut ist: Jetzt kann sich jeder Bio leisten. Allerdings bleibt die Frage: Wie nachhaltig ist Lidl Bio, Aldi Bio & Co.? Und ist die Niedrigpreis-Strategie der Lebensmitteldiscounter überhaupt mit den Bio-Idealen vereinbar? Wir haben die Bio-Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter gefragt.

Bio ist gut, Lebensmitteldiscounter sind böse? Ganz so einfach ist es nicht: Aldi, Lidl, Netto, Penny und Norma bieten inzwischen viele Produkte in Bio-Qualität mit ihren Marken Aldi Bio, Lidl Bio, Naturgut und Bio Sonne an. Bei Lidl gibt es inzwischen sogar Produkte mit Bioland-Siegel. Damit sind Bio-Waren auch bei Discounter-Kunden längst ins Blickfeld gerückt.

Laut „Ökobarometer“ des Bundeslandwirtschaftsministerium (PDF) kauften 2018 rund 70 Prozent der Befragten Bio-Lebensmittel (auch) im Discounter. In Deutschland ist Aldi mit einem Marktanteil von fast 15 Prozent bereits Marktführer im Bereich Bio-Lebensmittel, schreibt die Lebensmittelzeitung. (Mehr dazu: Aldi will Bio-Marktführer in Europa werden)

Aldi will Bio-Markführer in Europa werden
In Deutschland ist Aldi bereits Marktführer im Bereich Bio-Lebensmittel. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de; Logo: © EU)

Dass so viele Menschen überhaupt Bio-Produkte kaufen, ist erfreulich, denn mehr Bio-Käufe bedeuten mehr umweltschonende(re) Erzeugung. Die Einkaufs- und Preispolitik der Lebensmitteldiscounter bleibt aber problematisch. Denn die „Hauptsache Billig“-Kultur und der daraus folgende häufige Wechsel der Bezugsquellen widersprechen eigentlich dem Nachhaltigkeitsgedanken.

Lidl Bio, Aldi Bio & Co.: Wie viel Bio steckt in Discounter-Bio?

Die Bio-Produkte der Discounter-Eigenmarken wie Aldi Bio oder Lidl Bio tragen grundsätzlich das hellgrüne EU-Bio-Siegel. Das garantiert, dass das Produkt die gesetzlichen Mindestanforderungen an biologische Erzeugung erfüllt. Die Siegel der namhaften Bio-Anbauverbände NaturlandBioland und Demeter  findet man auf Ware vom Lebensmitteldiscounter selten – nur Bioland-Produkte gibt es seit Ende 2018 bei Lidl.

Lidl Rewe Zucker
Bei Lidl gibt es inzwischen auch Bio-Ware mit Bioland-Siegel. (Foto: "Einkaufen" von Thomas Schlosser unter CC BY 2.0)

Doch auch ohne diese Siegel wird Discounter-Bio manchmal nach den strengeren Richtlinien der Anbauverbände erzeugt, vor allem Obst und Gemüse. Das liegt daran, dass Landwirte, die nach den Standards der Anbauverbände wirtschaften, ihre Ware im Prinzip verkaufen können, an wen sie möchten. Ein Bauer, der beispielsweise von Naturland zertifiziert ist, kann seine Kartoffeln, wenn er will, an Aldi verkaufen – wo sie dann aber „nur“ mit dem EU-Bio-Siegel gekennzeichnet verkauft werden.

Ist Discounter-Bio schwächer als Premium-Bio?

Die gute Nachricht: Wo Bio drauf steht ist auch Bio drin. Du kannst dich auch bei Aldi, Lidl & Co. auf alle gängigen Bio-Siegel verlassen, denn der Begriff ist für Lebensmittel gesetzlich geschützt und die Erzeuger-Betriebe werden regelmäßig kontrolliert.

Doch die Richtlinien für das EU-Bio-Siegel sind schwächer als die der Bio-Anbauverbände. Die EU-Richtlinien lassen beispielsweise in der Tierhaltung deutlich höhere Besatzdichten zu, erlauben es, bei Bedarf konventionelles Futter und konventionellen Dünger zu verwenden und genehmigen in der Verarbeitung deutlich mehr Zusatzstoffe (EU-Bio: 53, Bioland & Naturland: 22, Demeter: 21).

Supermarkt Obst Gemüse Aldi Lidl Rewe Edeka
Bio bleibt Bio – egal ob im Bioladen, im Supermarkt oder beim Discounter. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Mehr Informationen zur Frage, wofür „Bio“ eigentlich steht, findest du in unserem Artikel Wann Bio wirklich Bio ist.

Das sagen die Experten der Bio-Verbände zum Bio vom Discounter:

Das Verhältnis der großen deutschen Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter zu den Lebensmitteldiscountern ist gespalten. Wir haben die drei wichtigsten deutschen Bio-Verbände gefragt, wie sie zum Thema Discounter-Bio stehen.

„Auf Qualität statt auf Preiskampf setzen“

BiolandGerald Wehde, Pressesprecher von Bioland:

„Lieber bio als konventionell – das gilt auch für den Einkauf beim Discounter. Der Beitrag für mehr Tier- und Umweltschutz bleibt schließlich der gleiche – egal, wo Sie Ihre Bio-Lebensmittel einkaufen. „Bio“ ist inzwischen in den Discountern etabliert. So werden fast zwei Drittel der Ausgaben der Bundesbürger für Bio-Lebensmittel inzwischen in Deutschlands Discountern, Supermärkten und Drogeriemärkten ausgegeben. Aufgrund ihrer hohen Marktmacht können sie einiges bewegen – indem sie ihren Kunden den Mehrwert von Bio näher bringen und auf Qualität statt auf einen unerbittlichen Preiskampf setzen.

Wir als Bioland möchten einen umfassenden ökologischen Umbau der Land- und Lebensmittelwirtschaft gestalten, dafür müssen wir in den nächsten Jahren deutlich mehr Verbraucher ebenfalls in diesen Umbauprozess mitnehmen. Darum sind wir nach fast zweijährigen Überlegungen die Kooperation mit Lidl eingegangen. Und dass Lidl sich für Bioland Erzeugnisse, nach den höchsten Ökostandards in Deutschland, entschieden hat zeigt, dass Qualität im Vordergrund der Marktstrategie steht.

Der Trend geht also weg von billig um jeden Preis und zeigt, dass eine Veränderung stattfindet. Bio-Bauern haben höhere Kosten, weil sie eben nicht zu Lasten der Natur und der Tiere wirtschaften. Lidl hat sich dazu verpflichtet, diese Wertigkeit von Bioland dem Kunden zu vermitteln.“

„Wir müssen möglichst viele Menschen erreichen.“

Naturland-SiegelMarkus Fadl, Pressesprecher von Naturland:

„Wir müssen möglichst viele Menschen mit Bio erreichen und dabei als Öko-Branche glaubwürdig bleiben. Dieser Herausforderung stellt sich Naturland seit vielen Jahren mit Erfolg: als Partner der Weltläden und des Naturkosthandels mit den Bio-Supermärkten, wie auch in der Zusammenarbeit mit dem Lebensmittel-Einzelhandel (z.B. Rewe) und Drogeriemärkten. Diese Vielfalt unterschiedlicher Handelspartner spiegelt die Vielfalt der Naturland Mitgliedsbetriebe.“

„Bio beim Discounter könnte Erzeugerpreise gefährden.“

DemeterSusanne Kiebler, Pressesprecherin von Demeter:

„Grundsätzlich freuen wir uns, dass immer mehr Menschen zu Bio-Lebensmitteln greifen und damit mehr Bio-Landwirtschaft ermöglichen. Jeder Hektar, der ohne Pestizide bewirtschaftet wird, ist ein Gewinn. Doch Demeter-Lebensmittel sind echte Premiumprodukte, die weit mehr erfüllen als den Bio-Standard. Sie passen – neben Hofläden, Marktständen und Biokisten – am besten zum Naturkostfachhandel, der mit 100 Prozent Bio und viel Wissen um die Besonderheiten der biodynamischen Landwirtschaft und Verarbeitung das beste Umfeld bietet.

Demeter-Produkte gibt es aber auch schon länger und in letzter Zeit vermehrt im Lebensmitteleinzelhandel, der mit ihnen sein Angebot an Bio-Waren nach oben hin abrundet. Sie werden dort zu Preisen angeboten, die mit denen im Bioladen vergleichbar sind, und die die Wertschätzung widerspiegeln.

Zum Discounter passt Demeter nicht, das schließen daher unsere Vertriebsgrundsätze aus, die unter anderem eine Premium-Platzierung und -Präsentation von Demeter-Produkten verlangen. In der Tat sehen wir die Gefahr, dass im Discounter durch EU-Bio zu Schleuderpreisen, aber auch durch geringe Preise für Produkte mit anderen Verbandslogos – insbesondere für Milch und Milchprodukte – Standards gesetzt werden, die Erzeugerpreise gefährden könnten, da sie auch die Preise für solche Produkte im Bio-Fachhandel nach unten drücken.“

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(38) Kommentare

  1. am Besten wäre Frutarier zu sein, wenig zu essen, keine unnötigen Lebensmnittel zu sich zu nehmen, keine Kosmetika, keine idiotischen Putzmittel, nicht die ganze Erde zu zubetonierern und wäler abholzen um Damenbinden und Windeln herzustellen, usw….aber das ist vielleicht nicht realisierbar für die großen Menschenmengen. Da sagt man Bio, und auch das ist den Menschen zu viel. Da sagt man hauptsächlich pflanzlich ernähren, aber auch das ist wie ein persönlicher Affront…

  2. Penelope 67,
    Deinen Frust kann ich ja verstehen, aber solche Aussagen bringen uns doch nicht weiter. Wir können uns ja, wie die Lemminge von den Klippen stürzen. Ich bezweifle nur, dass dabei alle mitmachen. genauso wenige, die aufgrund Deines Aufrufes zum Frutarierer werden.

  3. „am Besten wäre Frutarier zu sein, wenig zu essen“
    Am Besten für den Footprint wäre es, sich die Kugel zu geben…nun ja zugegeben kein sachdienlicher Hinweis. 😉

    Unsere Erde hat die besten Chancen auf die nächsten Jahrmillionen.
    Nur für uns Menschen wird es knapp.

    Penelope, mit Pauschal-Aussagen kriegst Du die Menschen nicht ins Boot.
    Da brauchst Du Dich nicht wundern, wenn viele die Flucht ergreifen, sobald Du sie auf solche Themen ansprichst.

    Die Themen sind sehr viel komplexer und man muß sich schon die Mühe machen, die Leute da zu erreichen, wo sie stehen.

    Es wäre schon so viel erreicht, wenn viel mehr Menschen viel weniger Fleisch und sonstige tierische Produkte essen würden und das am Besten Bio und aus kleinstrukturierter Landwirtschaft, die auch extensive Flächen nutzen kann.
    Wäre nicht nur nachhaltiger, sondern auch gesünder.
    Und ganz sicher nachhaltiger und gesünder, als Frutarier in unseren Breitengraden.

  4. Also wenn man sagt ich soll so wenig wie möglich mein Umfeld belasten, kommt gleich ja dann stirb doch…Nee, ich will noch ein bisschen Spass haben…aber den kann ich auch haben wenn ich ALLES in Frage stelle.

    Maria, nimm Mal München. Wie willst Du sooo viele Menschen mit kleinstrukturierter Landwirtschaft ernähren? das geht gar nicht….zumindest so lange nicht ,wie diese Menshcen, Fleisch, Käse und Eier essen…

    Bio ist nur ein Thema. Eines von vielen. Und alles ist miteinander verbunden.

    Ich glaube dass wir uns Illusionen machen um die tatsächliche Situation der Erde. Wie schlimm es wirklich ist. Und ich bin nicht von denen die sagen „dann sollen die Menschen aussterben“. In meine wütenden Momenten, ja. Aber nicht im Grundsatz. Ich habe Familie, und ich will dass die die Schönheit erleben. Alle Menschen sollen das.

    Und ich glaube dass jeder nur dann versteht wenn er soweit ist…

    Ich predige schon lange nicht mehr, mache so viel oder so wenig wie möglich und bin froh wenn mich jemand auf neue Sachen die ich übersehen habe hinweist.

  5. Liebe Penelope67,
    auch ich gehe viel in den discounter und gucke , wie ich mich durchlarviere. hatte mal eine skijacke gekauft, nach einem jahr ist der reissverschluss im arsch. die chefin sagt zu mir bringen sie die jacke zurück, ich habe aber keinen bon mehr. es ist zwar kein lebensmittel, aber es ist ähnlich.
    die lebensmittelindustrie ist systemtreu, das heisst unterdrückung von oben. diese vielen menschen zu ernähren mit guter nahrung ginge locker, wenn man/frau es wollte. „die“ wollen das aber nicht. so einfach ist das. Tesla wurde in den 40ziger jahren für verrückt erklärt, als es darum ging, energie einfacher zu gewinnen. ich könnte dir viele beispiele nennen. natürlich sehe auch ich wenig changen, die erde zu retten. leider funktioniert der mensch oft nur so, daS ER/SIE ERST MAL IN DEN BRUNNEN FALLEN MUSS::: schlimmer noch , wenn der vergiftet war vorher…

    ob es die lebensmittel-, chemie-, oder sonstige industrien sind, das hatten wir in den blogs schon zuhauf. beispiel kaugummis,. wir kauen doch alle auf erdöl herum, ja dann prost mahlzeit schöne zähne.
    auch habe ich mich gestern abend dabei erwischt, wie ich ein paar knacker herunterschlang, obwohl ich im moment fleischfaste und zumindest immer mehr auf fleisch verzichten will. inzwischen schaffe ich es, an den fleischtheken vorbei zu gehen und an dem süssschrott. selbst an meiner geliebeten eisdiele trinke ich nur noch einen esspresso…verändere ich meine schlechten angewohnheiten bzw. mein verhalten, dann tuns vieleicht auch andere, wenn nicht, hab ich zumindest für mich genugtuung. guck dir mal den titel „the century of self“ an.
    Gruss

  6. Ich finde, Billig-Bio im Supermarkt suspekt, weil dahinter eine Preispoltik steckt, die in derselben Abwärtsspirale endet wie die konventionelle Lebensmittelherstellung. Die Herstellung von Lebensmitteln hat ihren Preis, den man eben nicht beliebig nach unten rechnen kann. Das ist wie mit jeder Leistung, ich kann nicht einerseits MIndestlöhne fordern und anderseits beim Billgfriseur für 10 € meine Haare schneiden lassen. Besser wäre ein Umdenken in der Politik und eine Förderung von Biolebensmittel, damit sie sich jeder leisten kann. Denn auch das ist ein Problem, dass Menschen, die wenig Geld haben, sich Bioprodukte nicht leisten können.

  7. „Denn auch das ist ein Problem, dass Menschen, die wenig Geld haben, sich Bioprodukte nicht leisten können.“
    Ich denke, das ist zumindest teilweise ein Scheinproblem und häufig als Ausrede missbraucht von jenen, die es sich eigentlich leisten könnten.

  8. Billigbio?
    Schon mal in Spanien gewesen?
    Da stehen zwischen Plastikgewächshäusern mit denen ganze Landschaften „verpackt“
    werden, Plastikgewächshäuser in denen angeblich Bioprodukte erzeugt werden.
    Das ist das Zeug was bei Aldi + Co. als Bionahrungsmittel verkauft wird.
    Natürlich gibt es auch in Südeuropa mit gutem Standart produzierende Bio-Erzeuger.
    Deren Produkte landen aber nur in Ausnahmefällen bei den Discountern.
    Sogar die Utopiaredaktion vermittelt in der Headline „Bio vom Discounter“ sei billig.
    Ich kaufe meine Lebensmittel im Bio-Hofladen.
    Obst und Gemüse sind da in der Regel günstiger oder zumindest nicht teurer als „Bio vom Discounter“.
    Billigbio – was für’n Schwachsinn!

  9. Billig-Bio im Supermarkt ? das ist doch der größte Quatsch, den ich je gehört oder gelesen habe. zwei Beispiele(Aldi und Lidl betrete ich nur zu Recherchezwecken!) : Bio Äpfel bei Aldi kosten 2,48/kg. Bei der LPG in Berlin kosten diese genau das Gleiche, als Mitglied zahle ich nur 1,99/kg. Orangen in Bio kosten je nach Supermarkt zwischen 1,99 und 2,99; im Biofachmarkt 1,99 bzw. als Mitglied 1,69/kg. Bei Lidl habe ich das kg Schweinefilet für über 30€ gesehen, im Biofachgeschäft ist es bereits für knapp 26€ zu haben. Die Liste lässt sich endlos erweitern
    Ein befreundetes Paar, Profi-Discounter-Einkäufer, wollen auch mehr Bio in ihr Leben bringen; aber das ist ja alles so teuer….tja, wenn ich nur den vergleich zwischen Teuer-Bio und Wegwerfessen habe, liegt der Schluss wohl nahe…..