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Was ist nachhaltiger: Bio oder unverpackt?

Foto: charles deluvio / unsplash.com

Wer nachhaltig einkaufen möchte, sollte Bio kaufen – und unverpackt. Aber was tun, wenn nur eins von beidem geht? Wir haben bei Experten nachgefragt.

Auch wenn du keinen Biomarkt um die Ecke hast, kannst du nachhaltig einkaufen. Und zwar, indem du im Supermarkt Bio-Lebensmittel kaufst und immer die Option mit möglichst wenig Verpackung bevorzugst. Was aber, wenn du nun vor der Wahl stehst?

Ein Beispiel: In vielen Supermärkten sind Bio-Gurken immer noch in Plastik verpackt. Die Alternative: Eine konventionelle Gurke, ohne Plastik. Was ist da die bessere Wahl für die Umwelt?

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Bio vs. unverpackt: Wieso der Vergleich schwierig ist

38 Kilo – so viel Plastikmüll produzierten die Deutschen laut dem Plastikatlas pro Kopf und Jahr. Ein großer Teil davon stammt aus dem Supermarkt, im Form von Verpackung. Und nicht alles davon wird zu neuen Produkten recycelt, sondern gerade mal 16 Prozent. Deinen persönlichen Plastikmüllberg solltest du also so gering wie möglich halten. Das gelingt zum Beispiel, indem du unverpackte Produkte einkaufst.

Aber ist es nachhaltiger, unverpackte Lebensmittel einzukaufen, als solche in Bio-Qualität? „Der direkte Vergleich ist schwierig“, findet Dr. Guido Reinhardt, Leiter des Fachbereichs Biomasse und Ernährung des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu).

Der Grund: Der Effekt von Verpackung auf die Umwelt lässt sich vor allem in Treibhausgasen messen. Bei Bio stehen andere Faktoren im Vordergrund: „Der Biolandbau hat den Vorteil, dass keine chemisch-synthetischen Pestizide eingesetzt werden, dass die landwirtschaftlichen Nutzflächen und Böden nachhaltiger genutzt werden und, dass die Landwirte tendenziell nachhaltiger wirtschaften“, so Reinhardt. Rein rechnerisch lassen sich die beiden Kriterien deshalb schlecht vergleichen.

Bio und unverpackt sind nachhaltig – nur unterschiedlich

Beide Faktoren sind also nachhaltig – aber auf unterschiedliche Art. Lässt sich dann überhaupt sagen, welches Kriterium wichtiger ist?

Vielleicht nicht – dieser Auffassung waren zumindest weitere Experten des ifeu, die wir im Zuge der Recherche befragt haben. Oder zumindest nicht pauschal: Man müsste den Einzelfall immer im Kontext betrachten. „Schon Aussagen, die für Wasserflaschen gelten, können bei Saftflaschen in die Irre leiten“, erklärt Benedikt Kauertz, Leiter des Bereichs Umweltbewertung komplexer Systeme.

Warum überhaupt die Verpackung?

gemüse supermarkt
Die Verpackung im Supermarkt produziert viel Müll – hat aber auch Vorteile. (Foto: Pixabay/ CC0/ nadinheli22)

Im Supermarkt ist Bio-Obst und -Gemüse häufiger verpackt als konventionelle Sorten – die Gurke ist nur ein oft zitiertes Beispiel. Das klingt erst mal paradox – denn wer der Umwelt zuliebe Bio-Lebensmittel kauft, spart logischerweise eher auch Verpackung. Es gibt aber verschiedene Gründe für die Lebensmittelverpackungen:

„Bei Discountern werden bestimmte Lebensmittel eingeschweißt, damit der Kunde nicht heimlich konventionelle durch Bio-Lebensmittel vertauschen kann und damit weniger zahlt“, so Dr. Guido Reinhardt vom ifeu. Ihm zufolge werden ausgerechnet die Bio-Lebensmittel verpackt, weil Einzelhändler diese seltener verkaufen – damit kostet die Verpackung weniger. Mit dem ökologischen Anbau der Ware hat es also nichts zu tun.

Die Folie hat aber auch praktische Gründe. Einer österreichischen Studie zufolge kann sie die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängern – bei Salatgurken um den Faktor 2,7. Das ist ein wichtiges Argument, denn weggeworfene Lebensmittel haben eine große Umweltlast: Produktion und Lagerung haben Energie verbraucht, Emissionen erzeugt oder die Umwelt anderweitig belastet.

Die einzige Ausnahme: „Wenn die Lebensmittel an Obdachlose oder Bedürftige weitergegeben werden, zum Beispiel über eine Tafel, dann ersetzen sie andere Lebensmittel.“ Und diese anderen Lebensmittel hätte man erst einmal produzieren müssen. Deshalb ist hier die Ökobilanz besser. Die Weitergabe funktioniert aber nur, wenn die Lebensmittel nicht verdorben sind, sondern nur unansehnlich oder das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist.

Immer mehr Supermärkte verzichten auf die Plastikfolie

Bei Edeka und Netto gibt es die Salatgurke mit einer Lasermarkierung, bei Rewe mit Klebeetikett anstelle einer Plastikhülle. Und nicht nur die: Immer mehr Supermarktketten nutzen zumindest für Teile ihres Bio-Obst- und -Gemüsesortiments Verpackungsalternativen wie Aufkleber oder Banderolen.

Komplett hat die Umstellung noch nicht funktioniert. Rewe erklärt, dass es dafür verschiedene Gründe gibt: Zum einen würden die Kund*innen beispielsweise bei Karotten die verpackte Option vorziehen. Zum anderen würden Sorten wie Salat und Broccoli mit der Folie länger halten.

Außerdem müssen erst entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden: „Die Umstellung auf eine ressourcenschonende oder umweltfreundlichere alternative Verpackungsart scheitert aktuell oft noch an den gegebenen Möglichkeiten der Packstellen der Lieferanten, die erst in entsprechende Anlagen investieren müssen.“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Welche Gurke ist nun besser?

Nicht jeder Supermarkt hat schon auf plastikarme Verpackungen umgestellt – und bei bestimmten Bio-Obst- und -Gemüsesorten wird uns die Plastikfolie wohl noch eine Weile erhalten bleiben. Wie also solltest du dich entscheiden, wenn du vor der Wahl stehst?

Bleiben wir beim Beispiel der Salatgurke im Supermarkt. Ob diese in Plastik verpackt ist oder nicht, macht rein rechnerisch keinen großen Unterschied, erklärt Dr. Guido Reinhardt vom ifeu. Denn die Plastikfolie der Bio-Gurke landet in der Regel zuhause im Mülleimer, nicht in der Natur oder in den Weltmeeren. Von dort gelangt sie in eine Müllverbrennungsanlage und wird thermisch verwertet – das heißt, dass die Wärme, die entsteht, zur Fernwärmeversorgung oder Stromerzeugung genutzt wird, anstelle von Erdöl. Deshalb fällt die Entsorgung bei der Klimabilanz weniger ins Gewicht als die Herstellung. „Die Gesamtumweltbelastung, die durch die Folie entsteht, ist überschaubar gering“, folgert Reinhardt.

Nicht alle Gurken sind grün.
Greife am besten zu Bio-Gurken. (Foto: CC0 / Pixabay / planet_fox)

Das bedeutet natürlich nicht, dass in Plastik verpackte Produkte per se nachhaltig sind. Um Müll zu sparen, solltest du sie vermeiden, wenn es dir möglich ist. Nur in diesem speziellen Fall der Salatgurke ist „Bio“ das wichtigere Kriterium.

Das lässt sich aber nicht auf andere Lebensmittel übertragen: Ein Apfel ist zum Beispiel Lagerware – er bleibt durch Kühlung frisch. Einer Rechnung des Umweltbundesamts (UBA) zufolge kann ein Apfel aus Neuseeland im Juni die bessere Ökobilanz haben, weil er kein halbes Jahr gelagert werden musste. Zur Saison schneiden die Äpfel aus Deutschland besser ab. Auf Verpackung geht das UBA in der Rechnung aber nicht ein.

CO2: Spare an den richtigen Stellen

Also ist die Bio-Gurke nachhaltiger, trotz Plastik? Das kann sein – aber der Unterschied ist gering. Wenn du deinen CO2-Fußabdruck verringern möchtest, dann sind die Gurken in deinem Einkaufswagen nicht das Problem.

Am besten kaufst du möglichst wenig Fleisch und tierische Produkte, denn bei deren Herstellung entstehen viele Treibhausgase. Ein Beispiel: Verwendest du Margarine (0,8 Kilogramm CO2-Äquivalente) statt Butter (24 Kilogramm C02-Äquivalente), kannst du in einem Jahr (sechs Kilo Butter)  etwa 140 Kilo CO2-Äquivalente sparen. So viel entsteht bei einer Autofahrt von Leipzig nach Paris. Palmölfreie, vegane Margarine findest du in unserer Bestenliste: Margarine ohne Palmöl.

Mehr Tipps: Die 5 größten Klimakiller und was du gegen sie tun kannst

Und was soll ich jetzt kaufen?

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Am Wochenmarkt findest du unverpacktes Obst und Gemüse – teils auch in Bio-Qualität. (Foto: Pixabay/ CC0/ Pexels)

Der Apfel ist also nachhaltiger, wenn er aus der Region kommt – außer er lagert zu lange. Und die Bio-Gurke mit Plastikfolie ist tendenziell der konventionellen ohne vorzuziehen. Übrigens: Kauft man die Bio-Gurke im Bio-Handel, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, auf eine Gurke in Plastikfolie zu treffen.

Muss man sich also für jedes Obst und Gemüse eine eigene Regel merken?

Nein, das musst du nicht. Besser, du beachtest ein paar generelle Tipps beim Einkaufen im Supermarkt:

  • Erstens solltest du Bio-Produkte bevorzugen. Einzige Ausnahme: „Wenn sie per Flugzeug nach Deutschland kommen oder wenn sie in einem Einwegglas angeboten werden“, so Dr. Reinhardt vom ifeu. Denn die Herstellung von Einweggläsern kostet viel Energie, das zusätzliche Gewicht beim Transport führt zu mehr Emissionen.
  • Zweitens ist saisonal und regional produzierte Ware am nachhaltigsten. Die zweitbeste Option ist Reinhardt zufolge Ware, die in Europa produziert und per LKW nach Deutschland transportiert wurde – solange sie nicht in beheizten Treibhäusern angebaut wurde. Das sei zum Beispiel meist bei Obst und Gemüse aus Spanien und Bulgarien der Fall, weil die Gewächshäuser nicht beheizen werden müssen. Dann kommen Waren aus beheizten Gewächshäuser, zum Beispiel aus Nordeuropa, dann die Flugware.

Klar: Ob ein Pfirsich mit dem LKW oder Flugzeug transportiert wurde und welche Temperatur im Gewächshaus herrschte, steht in der Regel noch nicht auf dem Etikett. Aber bei regionaler Saisonware ist die Chance zumindest recht hoch, dass Anbau und Transport wenig energieaufwendig waren.

Was du auf den ersten Blick erkennst: Ob die Salatgurke eingepackt ist oder nicht. Bevor du jetzt zur eingeschweißten Bio-Gurke greifst: Es gibt eine noch bessere Option – nämlich die unverpackte Bio-Gurke. Die findest du wie gesagt immer öfter auch in Supermärkten. Teilweise wirst du auch auf dem Wochenmarkt fündig und in jedem Bio-Laden mit Obst- und Gemüseabteilung.

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(3) Kommentare

  1. interessanter Artikel, der mal wieder zeigt, dass es das eine hundert prozent „nachhaltig“ so nicht gibt! „Ökobilanz“ versuche ich als Begriff zu vermeiden: Energie-Rohstoffe-Schadstoffe-Fläche-verschiedene soziale Aspekte, usw.: es gibt in jedem der Bereiche einen individuellen Fußabdruck/Rucksack, den der Konsum eines Produkts mit sich bringt… Doch manches im Artikel finde ich genau so, wie es hier steht, ungut formuliert. bezüglich des Äpfel-im-Juni-Beispiels denke ich, dass neben der reinen fossilen Energie-Bilanz im Vergleich Lagerung im Kühlhaus und Transport auf dem Seeweg noch weitere Fragen zu betrachten sind: wie war die Apfelernte im vergangenen Jahr? Wie hoch sind die Bestände der Erzeuger oder Genossenschaften? Wer profitiert wie viel, wenn ich den anderen oder den einen Apfel kaufe?

  2. Sehr guter Einwand bzw. Ergänzung!
    Aber im Artikel werden schon, meiner Meinung nach, wichtige Tipps mitgegeben, zb auf Tierprodukte verzichten bzw minimieren, Bio im Bioladen oder aufm Markt kaufen und saisonal und regional konsumieren. Dann muss man zb bei Äpfeln im Juni gar nicht drüber nachdenken.

  3. Im Beitrag war ja von Bio-Gurken in Plastik eingeschweißt die Rede…das konnte ich bisher nicht feststellen…also in Plastik eingeschweißte Gurken gibt es kaum noch, ( und für Bio-Gurken sollte das ja eh TABU sein)…zumindest, in den Supermärkten, wo ich einkaufe….Die liegen ohne Verpackung da…an manchen steht Bio dran, aber sie sehen alle gleich aus ( gleich “ gut/schlecht, gerillt usw)…
    Also am liebsten hole ich mir ne Gurke für 1,50 auf dem Markt, die hat keine Rillen und ist so prall und lecker—obwohl ich da auch noch nicht nachgefragt habe, obs vom Hof kommt oder dazugekauft…
    Hole mir jetzt diese Mini-Gurken auf dem Markt, vom Stand, wo ich weiß, kommt von deren Hof-nehme auch gerne krumme …
    Aber so genau kann man es nie wissen….Denn z.B. Avocados werden immer wieder empfohlen für Veganer , dabei verbrauchen die erheblich viel Wasser und CO2…Ebenso gibt es mittlerweile ne Fülle an vegetarischen “ Fleisch-Ersatz-Produkten „..mittlerweile auch viele vegane “ Ersatz-Produkte “ , für Ei usw…Aber habt ihr euch mal die Zutatenliste dieser Produkte angeschaut ?? Endlos lang und besteht ja fast nur aus Zusatzstoffen und so, also gesund ist das eher nicht….Dann esse ich lieber hier und da mal Fleisch und Fisch, also solche merkwürdigen Ersatz-Produkte