Bio-Wasser: Das ist das Besondere an dem Mineralwasser

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Hast du schon einmal von Bio-Wasser oder Bio-Mineralwasser gehört? Lies hier, ob das sinnvoll ist, welche Siegel es gibt und was du über diese Art von Mineralwasser wissen solltest.

So entsteht Mineralwasser

Damit du nachvollziehen kannst, was das Besondere an Bio-Wasser bzw. Bio-Mineralwasser ist, solltest du die Entstehung von Mineralwasser kennen:

  • Mineralwasser ist im Grunde Regenwasser, das in den Erdboden gesickert ist. Mit der Zeit wird es von mehreren Gesteinsschichten gereinigt und so werden ihm Mineralstoffe hinzugesetzt. Es wird aus natürlichen oder gebauten Quellen geschöpft, bevor es in Flaschen abgefüllt wird.
  • Laut der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung muss aber natürliches Mineralwasser nicht hundertprozentig rein sein. Es darf aber nicht schädlich für Menschen und muss frei von Krankheitserregern sein.
  • In Deutschland unterliegt Mineralwasser regelmäßigen Kontrollen: Wasser soll nicht verunreinigt sein und darf Höchstwerte von bestimmten Stoffen wie Quecksilber oder Nitrat nicht überschreiten.

Bio-Wasser: Das sind die Ursprünge

Der Bundesgerichtshof genehmigte die Bezeichnung "Bio-Wasser".
Der Bundesgerichtshof genehmigte die Bezeichnung „Bio-Wasser“.
(Foto: CC0 / Pixabay / OpenRoadPR)

Anders als für Lebensmittel gibt es für Wasser keine EU-Ökoverordnung, die eine Zertifizierung mit einem EU-Bio-Siegel ermöglichen würde. Das heißt, es gibt keine verbindliche gesetzliche Vorgabe, wann Wasser als „öko“ oder „bio“ bezeichnet werden kann.

Darf man ein Wasser dennoch „Bio“ nennen? Die bayrische Brauerei Neumarkter Lammsbräu tat es ab 2009 einfach, als sie eine Mineralwassersorte in ihrem Sortiment erstmals als „Biokristall“-Mineralwasser in Deutschland verkaufte.

Es kam zu einem Streit vor Gericht. 2012 akzeptierte dann der BGH nach einer Klage der Wettbewerbszentrale die Bezeichnung „Biomineralwasser„.

Die Begründung des Bundesgerichtshofs: Käufer*innen von Mineralwasser würden nicht erwarten, dass Mineralwasser gesetzlichen Vorgaben unterlägen. Wasser dürfe daraufhin als Bio-Wasser bezeichnet werden, wenn für Bio-Wasser strengere Vorgaben gelten.

Diese Vorgaben heißen vereinfacht:

  • Bio-Wasser hat keine Zusatzstoffe und ist unbehandelt.
  • Bio-Wasser liegt in Rückständen und Schadstoffen unterhalb des Höchstwerts für Mineralwasser.

Kurz gesagt: Seitdem gibt es „Bio-Mineralwasser“.

Verboten bleibt, Wasser mit dem bekannten EU-Bio-Label zu bewerben, da dieses eben nur für Lebensmittel gilt. Es wurde in der Vergangenheit dennoch getan (vzhh).

Bio-Wasser: Die Frage nach dem Siegel

Bio-Mineralwasser ist das Siegel für Lammsbräu und andere Marken.
Bio-Mineralwasser ist das Siegel für Lammsbräu und andere Marken.
(Foto: Screenshot / Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e.V.)

Die Vorgaben des Bundesgerichtshofs sind nicht sehr streng – ein einheitliches Bio-Siegel würde zudem mehr Transparenz für Verbraucher*innen schaffen. Die Verbraucherzentrale Hamburg beklagt zu Recht, dass es immer noch kein staatliches Bio-Siegel mit einheitlichen Kriterien für Mineralwasser gibt.

Im Ergebnis ist ein Streit um die Deutungshoheit entbrannt, in dem vor allem zwei Marktteilnehmer aktiv sind: 

„Bio-Mineralwasser“ der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V.:

  • Der maßgeblich von Dr. Franz Ehrnsperger (Inhaber der Bio-Brauerei Neumarkter Lammsbräu) initiierte Verein Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V. hat knapp 50 Kriterien definiert, die ein Wasser erfüllen muss, um Bio-Mineralwasser zu sein.
  • Die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V. wird dabei den großen deutschen Bioverbänden (etwa  Bioland, Naturland, Demeter und Biokreis) sowie dem BNN unterstützt.
  • 11 Marken dürfen das Siegel tragen (Stand 2020), darunter Neumarkter Lammsbräu „Bio-Kristall“ und Voelkel „Bio-Zisch“.
  • Brunnen, die das Siegel tragen wollen, müssen in einem transparenten, unabhängigen und jährlich zu wiederholenden Zertifizierungsprozess nachweisen, dass sie Quellen schonend bewirtschaften und in ihrer Region das Wasser aktiv vor Verschmutzung schützen (unter anderem über die Förderung des lokalen Ökolandbaus). Wer dies nicht nachweisen kann, verliert das Siegel für Bio-Wasser.
  • Kriterien: hier.

„Premiumwasser in Bio-Qualität“ von SGS Institut Fresenius GmbH:

    • Der Laborkonzern SGS Institut Fresenius GmbH vergibt das Siegel „Premiumwasser in Bio-Qualität“.
    • Auch dieses Siegel verspricht laut Öko-Test Kriterien zur Produktqualität sowie zur sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit.
    • Kriterien: hier.

    Die bei Bio-Mineralwasser e.V. zertifizierten Biobrauereien ärgerten sich aus nachvollziehbaren Gründen, dass sich Konzernmarken wie Volvic (Danone) mit dem „Bio“-Label des SGS Instituts Fresenius schmücken. Danone ist einer der größten Produzenten von Wasser in Einweg-Plastikflaschen, die über weite Distanzen nach Deutschland und in andere Länder transportiert werden. Der dabei entstehende Müll und die CO2-Emissionen durch den Transport sind alles andere als nachhaltig. Neumarkter Lammsbräu ging stellvertretend vor Gericht, verlor aber und ging in Berufung (SGS Fresenius, Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser).

    Das wünschen sich Kritiker*innen

    • Öko-Test warnt davor, dass das gleiche Mineralwasser einmal teurer mit Bio-Segel und einmal billiger ohne Bio-Siegel verkauft werden kann. Das birgt Nachteile für Konsument*innen.
    • Außerdem ist davon auszugehen, dass viele weitere Mineralwasser im Grunde Bio-Wasser sind, jedoch nicht als solche gekennzeichnet.
    • Die Kosten für diese aus Utopia-Sicht unsinnigen Gerichtsstreitigkeiten zahlen Kunden mit, die einen Aufpreis für Bio-Wasser zahlen, statt etwa Leitungswasser zu trinken.

    Kritiker*innen von Bio-Wasser wie beispielsweise die Verbraucherzentrale Hamburg wünschen sich ein gesetzlich geregeltes Siegel.

    Das ist unser Fazit

    Eine staatliche Kennzeichnung kann helfen, Bio-Wasser besser vergleichen zu können.
    Eine staatliche Kennzeichnung kann helfen, Bio-Wasser besser vergleichen zu können.
    (Foto: CC0 / Pixabay / Studio-Fritz)
    • Bio-Wasser ist Mineralwasser von besonderer Qualität. Es kann teilweise transparent nachweisen, dass es nachhaltig ist und dass es klaren Kontrollen für Höchstgrenzen unterliegt. Das kann Kund*innen helfen, sich im Dschungel von Mineralwasser zu orientieren. Denn gerade bei Säuglingsnahrung und bei bestimmten Erkrankungen könnte Bio-Wasser eine sichere Alternative sein.
    • Wir sind jedoch auch der Meinung, dass eine einheitliche Kennzeichnung für „Bio-Wasser“ mit klaren staatlichen Richtlinien sinnvoll wäre. Das hilft beim Einkauf, um die verschiedenen Mineralwasser miteinander sinnvoll und transparent abwägen zu können. Und das nicht nur bezüglich des Inhalts, sondern auch dahingehend, ob das Mineralwasser aus der Region kommt.

    Tipp: Suchst du nach einer Alternative zu Mineralwasser und musst nicht aus gesundheitlichen Gründen auf gewisse Mineralhöchstgrenzen achten? Auch das Leitungswasser in Deutschland unterliegt strengen und regelmäßigen Kontrollen. Zudem ist Leitungswasser eine nachhaltige Alternative zu gekauften Mineralwasser in Plastikflaschen.

    Weiterlesen auf Utopia.de:

    Bitte lies unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen.

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    (1) Kommentar

    1. „Bio-Mineralwasser“, da habe ich zunächst an das in Esoterikerkreisen propagierte „belebte Wasser“ gedacht. Ich finde, die Bezeichnung trägt nur zur allgemeinen Verwirrung bei. Sind Nicht-Bio-Mineralwässer schlechter? Nein, es handelt sich nur um einen Werbe-Gag. Meinetwegen soll ein Hersteller herausstellen, dass die Schadstoff-Konzentration um x% unter dem Mittelwert der sonstigen auf dem Markt befindlichen Mineralwässer liegt. Aber schon jetzt kann ich die Analysewerte auf den Etiketten vergleichen, wenn mir das wichtig ist.
      Sinnvoll fände ich eine Klassifizierung hinsichtlich der Nachhaltigkeit bei der Gewinnung. Insbesondere wenn es um die Frage geht, ob der Grundwasserspiegel im Einzugsbereich kontrolliert wird und nachweislich nicht unter der Entnahme leidet. Oder ob das enthaltene Kohlendioxid aus der Mineralwasser-Quelle stammt oder angeliefert werden musste.
      Ein weiterer wichtiger Punkt für mich ist der Transportweg. Ich wohne südlich von Stuttgart am Fuße der Schwäbischen Alb, wir sind reichlich mit Quellen gesegnet, die hervorragende Mineralwässer liefern, darunter auch eine aus der Fernsehwerbung bekannte Marke. Die Vielfalt ist groß, für jeden Geschmack sollte was dabei sein. Warum werden diese regionalen Wässer nicht in der Gastronomie angeboten, sondern stattdessen Wässer aus Italien oder Frankreich importiert? Oder im Supermarkt: Selbstverständlich haben die Leute das Recht Wässer aus dem Schwarzwald oder aus der Eifel zu kaufen. Doch ich frage mich, wo der entscheidende Unterschied sein soll, der rechtfertigen würde, dass LKWs auf Strecken von 100 km oder mehr unsere Straßen verstopfen und Abgase in die Luft jagen. Inzwischen achten einige Leute beim Einkauf von Lebensmitteln auf die regionale Herkunft. Bezüglich Mineralwässern scheint hier noch Luft nach oben zu sein.