Campingtoilette: Welche ist die nachhaltigste?

Campingtoilette
Foto: CC0 / Pixabay / Zachtleven

Die Frage nach der richtigen Campingtoilette stellt sich durch den steigenden Campingtrend immer häufiger. Welche Toilette ist die nachhaltigste und mit welchen Kosten musst du rechnen? Hier erklären wir dir, worauf du achten solltest.

Immer mehr Menschen schätzen die Ruhe und die Flexibilität eines Urlaubs mit dem Camper, dem Wohnwagen oder dem Wohnmobil. Durch die Coronapandemie und den damit einhergehenden Regelungen hat die Campingbranche einen weiteren Schub bekommen. Oft ist die Rede von einem regelrechten „Camping-Boom“. 

Weniger hip als das Thema Camping selbst ist die Beschäftigung mit der richtigen Campingtoilette. Dennoch ist sie unerlässlich für einen entspannten und nachhaltigen Campingurlaub. Das Angebot an Campingtoiletten ist vielfältig und leicht kann es passieren, dass der Überblick verloren geht. Wenn du auf ein paar Dinge achtest, ist es aber relativ einfach, eine nachhaltige, kostengünstige und auf deine Bedürfnisse zugeschnittene Toilette zu wählen.

Campingtoilette: Die verschiedenen Arten

Wenn du auf der Suche nach einer Campingtoilette für deinen Campingurlaub bist, dann hast du verschiedene Möglichkeiten. Die einzelnen Optionen variieren dabei sehr stark, was Kosten und ihrer Nachhaltigkeit angeht. Damit du einen guten Überblick hast, haben wir dir eine Übersicht über die verschiedenen Arten von Campingtoiletten zusammengestellt.

Die Chemietoilette

Die Chemietoilette ist die bekannteste Campingtoilette. Allerdings ist sie nicht besonders nachhaltig.
Die Chemietoilette ist die bekannteste Campingtoilette. Allerdings ist sie nicht besonders nachhaltig.
(Foto: CC0 / Pixabay / JillWellington)

Chemietoiletten kennst du sicher nicht nur vom Camping, sondern auch in Form der berühmten Dixi-Klos: Sie funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Im Campingbereich wird die Chemietoilette auch „chemische Kassettentoilette“ genannt. Sie braucht keinen Anschluss an die Kanalisation und fängt die Fäkalien in einem Behälter auf. Diesem Behälter sind chemische Substanzen beigefügt, die einen unangenehmen Geruch vermeiden und die Fäkalien inklusive Klopapier schneller zersetzen. Eine Chemietoilette kannst du selbst entleeren, allerdings nur an speziellen Entsorgungsstationen. Die Kosten für diese Art der Campingtoilette belaufen sich auf 80 Euro aufwärts.

Auch wenn die Chemietoilette relativ einfach in der Handhabung ist und preislich in einem überschaubaren Rahmen liegt, ist sie nicht besonders umweltfreundlich. Die chemischen Substanzen in den Chemietoiletten enthalten sogenannte Mikrobizide, welche die Bakterien im Fäkalientank töten. Dies hat schwerwiegende Folgen für Ökosysteme, wenn die Mikrobiozide beispielsweise in Böden, Kläranlagen oder Gewässer gelangen. Die Substanzen können dort ganze System von Mikroorganismen abtöten und weitrechende Umweltschäden nach sich ziehen.

Weiterhin enthalten die chemischen Substanzen dieser Campingtoilette oftmals Aldehyde, Tenside und Farbstoffe. Solche Inhaltsstoffe können deine Atemwege reizen und bei Kontakt Verätzungen und Allergien hervorrufen. Aus diesen Gründen ist eine Chemietoilette nicht besonders umweltfreundlich und kann sogar deiner Gesundheit schaden.

Fäkalien beginnen meist erst nach ein paar Tagen, extrem zu stinken. Wenn du eine Chemietoilette als Campingtoilette benutzt, kannst du deshalb auch einfach nur ausreichend Wasser hineingeben und die chemischen Substanzen einfach weglassen. Leerst du die Toilette täglich aus, stinkt es im Camper nicht und du gestaltest deinen Urlaub umweltfreundlicher.

Die Trockentoilette

Eine Trockentoilette zum Campen kannst du kaufen oder selbst bauen
Eine Trockentoilette zum Campen kannst du kaufen oder selbst bauen
(Foto: CC0 / Pixabay / MemoryCatcher)

Als Trockentoilette gelten alle Klos, die auf eine Wasserspülung verzichten. Die wohl bekannteste Variante einer Trockentoilette ist das Plumpsklo. Bei Trockentoiletten gibt es verschiedene Bauweisen. Eine davon ist die Trockentrenntoilette. Diese Toilette fängt die Ausscheidungen in verschiedenen Behältern auf. Der Urin läuft in einen Tank, während der Kot in einem gesonderten Behälter aufgefangen wird. Die Aufteilung geschieht über einen Trenneinsatz, der die Ausscheidungen in die entsprechenden Bereiche leitet. 

Um unangenehme Gerüche zu vermeiden, streust du bei der Trockentrenntoilette etwas Rindenmulch oder Streu über die Fäkalien. Wenn du Kaffetrinker:in bist, kannst du auch den Kaffeesatz verwenden und so direkt verwerten. Das Abdecken vermeidet nicht nur Gerüche vermieden, sondern verbirgt den Kot auch optisch. Außerdem führt die Trennung von Urin und Kot dazu, dass sich der unangenehme Geruch weniger verbreitet als bei einer Vermischung beider Ausscheidungen.

Leeren lässt sich die Trenntoilette auf verschiedene Weise. Den Urin kannst du in jeder „normalen“ Toilette einfach entleeren. Den Kot kannst du entweder in den Restmüll oder die Biotonne geben. Da sich Trenntoiletten auch gut für Tiny Houses eignen, kompostieren einige den Kot auch im Garten. Die Variante mit dem Kompost ist auf Reisen eher ungeschickt, da der Kot regelmäßig entsorgt werden sollte.

Als Campingtoilette für dein Urlaubsfahrzeug eignet sich also meist eine ganz normale Trockentrenntoilette. Da Trenntoiletten um einiges teurer sind als Chemietoiletten (circa 400 Euro pro Trenntoilette) gibt es viele, die ihre Trenntoilette selbst bauen. Anleitungen hierzu findest du im Internet. 

Zu den Trockentoiletten zählt auch die Notfalltoilette, die du dir schnell mit einem Eimer und einer Plastiktüte selbst bauen kannst. Diese Art der Campingtoilette eignet sich namensgemäß jedoch wirklich nur im Notfall, da du die Tüte nach jedem Toilettengang wechseln oder sie verschlossen transportieren und wieder öffnen müsstest. Wenn du die Toilette selten brauchst, es aber etwas komfortabler magst, findest du hier eine etwas hochwertigere Lösung.

Für größere Camper, Wohnmobile und Wohnwägen eignet sich eine Trenntoilette gut, da sie weitaus umweltfreundlicher ist als eine Chemietoilette. Außerdem reduzierst du somit das Gewicht das Campers, da kein zusätzliches Wasser nötig ist. Dies spart nicht nur wertvolles Wasser aus dem Wassertank, sondern führt durch die Gewichtreduktion auch zu einem geringeren Spritverbrauch. Auch wenn der Unterschied gering sein dürfte, ist er dennoch vorhanden und sollte deshalb in Betracht gezogen werden.

Für Kastenwägen und kleinere Camper ist der Einbau einer größeren Trenntoilette meist nicht ganz optimal, da der Platz dafür fehlt. In diesem Fall gibt es auch kleinere, mobile Trenntoiletten, die du dir für deinen Camper anschaffen kannst. Du kannst sie entweder selbst bauen oder kaufen (zum Beispiel auf meinetrenntoilette.de).

Unabhängig von der Bauart des Campers ist eine Trockentoilette umweltfreundlicher und besser für deine Gesundheit als eine Chemietoilette. Solltest du bereits eine Chemietoilette in deinem Camper eingebaut haben, kannst du auf den Trick mit dem Wasser zurückgreifen und sie öfters leeren. In allen anderen Fällen, ist die Anschaffung einer Trockentrenntoilette oder der Bau einer solchen eher empfehlenswert. Eine Trockentrenntoilette zu bauen fördert nicht nur deine Kreativität und schont deinen Geldbeutel, sondern macht meist auch Spaß.

Mittlerweile sind Campingtoiletten nicht nur für Wohnmobile, Camper und Wohnwägen beliebt, sondern eignen sich auch für Gartenbesitzer und Tiny Houses. Da hier meist mehr Platz zur Verfügung steht und die Kompostierung sich anders gestalten lässt, ergeben sich daraus andere Möglichkeiten, kreativ zu werden.

Campingtoiletten für den Garten und Tiny Houses

Bei Tiny Houses ergeben sich neue Möglichkeiten für die Trockentoilette.
Bei Tiny Houses ergeben sich neue Möglichkeiten für die Trockentoilette.
(Foto: CC0 / Pixabay / Hreisho)

Für Gärten und Tiny Houses eignet sich eine spezielle Form der Trockentoilette – die Trockentoilette mit Komposter. Diese Art von Toilette ist auch als Humustoilette bekannt, da die Fäkalien hier vorkompostiert und am Ende als Dünger verwendet werden.

Die Trockentoilette mit Komposter kann die Fäkalien entweder gesammelt oder getrennt auffangen. Die Fäkalien deckst du dann regelmäßig mit Rindenmulch, Sägespane, Streu oder anderen organischen Materialien ab, damit es nicht anfängt zu stinken.

Allerdings kommen bei dieser Campingtoilette noch elektrische Geräte zum Einsatz, die den Prozess des Vorkompostierens ankurbeln. Rührwerke, Lüfter und Heizgeräte sorgen dafür, dass die Fäkalien schneller verrotten und schneller auf dem Kompost landen. Die Lüfter minimieren zusätzlich die Gerüche.

Um zu funktionieren, braucht die Toilette allerdings Energie in Form von Strom, was ihre Nachhaltigkeit etwas einschränkt. Humustoiletten sind meist zusätzlich relativ groß, weshalb sie entsprechend Platz benötigen. Dies macht sie für den klassischen Campingbereich eher ungeeignet. 

Weiterhin solltest du den Inhalt des Komposters nur selten auf den Kompost bringen, da der Vorgang der Vorkompostierung nur langsam voranschreitet und der Effekt sonst verloren gehen würde. Auf dem Kompost sollte der Inhalt dann für mindestens ein Jahr liegen, bevor du ihn als Dünger verwendest. Es ist in Deutschland sogar verboten, nicht aufbereitete, also nicht kompostierte Fäkalien direkt als Dünger zu benutzen. Je länger du sie also kompostierst, desto mehr können sie sich zersetzen. 

Bei Tiny Houses ist es außerdem sinnvoll, die vorkompostierten Fäkalien zusammen mit Küchenabfällen oder Gartenabfällen zu kompostieren. So kann sich alles gut vermischen.

Die Humustoilette ist eher schwer für den Eigenbau und relativ teuer in der Anschaffung. Sie lohnt sich deshalb nur für Tiny Houses und Gärten, die wirklich häufig genutzt werden. 

Utopia meint: Im Campingbereich ist eine Trockentrenntoilette die sinnvollste Lösung. Um deinen Geldbeutel zu schonen, empfiehlt sich der Eigenbau. Die Chemietoilette ist zwar günstiger in der Anschaffung und in der Handhabung relativ einfach, schadet jedoch der Umwelt und kann deine Gesundheit gefährden. Mit der Trockentrenntoilette triffst du deshalb auf längere Sicht die bessere Wahl. 

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