CBD: Was ist aus dem Hype um die Cannabis-Produkte geworden?

CBD: Was ist aus dem Hype geworden?
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Anshu A

Seit ein paar Jahren ist CBD in aller Munde, Lunge, auf der Haut, und sogar Tampons damit gibt es inzwischen auf dem Markt. Doch nach dem großen Hype um CBD-Öl & Co. in der Drogerie ist es etwas ruhiger geworden um die Cannabis-Produkte. Wie ist die Lage, was ist erlaubt und was kann CBD überhaupt?

CBD ist ein Cannabinoid, das natürlicherweise in Hanfpflanzen vorkommt, anders als THC aber keine berauschende Wirkung hat. CBD hat es rechtlich in den vergangenen Jahren nicht leicht gehabt, und auch die Forschung kam lange nicht in die Gänge. Doch nun tut sich einiges, und deshalb klären wir in diesem Artikel die wichtigsten Fakten zu dem legalen Cannabinoid.

Die CBD-Branche boomt

Auch wenn zunächst nicht abzusehen war, wie viele CBD-Shops die rechtlichen und gesetzgeberischen Turbulenzen überleben würden: Die Branche boomt. Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass Cannabis mehr in den Fokus der Forschung rückte. In Großbritannien wird momentan beispielsweise eine Studie zur Wirkung von CBD gegen Long Covid durchgeführt, und auch sonst wird das Cannabinoid laut Branchenkenner:innen immer beliebter.

CBD wird aus der Blüte der Hanfpflanze gewonnen
CBD wird genau wie THC aus der Blüte der Hanfpflanze gewonnen, wirkt aber nicht berauschend. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Esteban Lopez )

Während die Produktpalette in den Drogerien aufgrund der noch immer unklaren Gesetzeslage etwas subtiler wurde – es gibt nun etwa bunt verpackten Hanf-Kamillentee statt der medizinischen Kaugummis mit CBD-Gehalt – setzen viele Shops auf Vielfalt. CBD-Liquids zu verdampfen ist unter Fans ebenso verbreitet wie sich in einem der Online-Shops oder sogar im Späti CBD-Blüten zu kaufen. Kenner:innen der Szene berichten, dass viele Menschen, die vorher THC-haltiges Cannabis geraucht haben, nun auf das rauschfreie CBD umsteigen.

Besonders gefragt sind nach wie vor CBD-Öle, die von den meisten Menschen als Gesundheits- oder Lifestyleprodukte genutzt werden. Inzwischen sind im Handel auch regional hergestellte Bioöle wie etwa jene von Hempamed oder Cannamigo erhältlich, die man vergleichsweise günstig im Internet bestellen kann. Es gibt die Öle meist in Wirkstärken von 5 % bis 20 %, wobei die optimale Dosis individuell sehr verschieden ist. Wer CBD grundsätzlich niedrig dosiert oder erstmals ausprobiert, sollte darauf achten, schwächeres Öl zu kaufen, für hoch-dosierende Konsument:innen ist die Wirkstärke relativ egal.

CBD: Die Wirkung

CBD werden vielfältige Wirkungen zugeschrieben. Diese werden aktuell in immer mehr wissenschaftlichen Studien untersucht. Allerdings sind längst nicht alle behaupteten Wirkungen bereits ausreichend erforscht – und die Studienergebnisse nicht immer eindeutig.

Derzeit gilt CBD als:

  • Entkrampfend:
    CBD wird von verschiedenen Expert:innen eine krampflösende Wirkung zugeschrieben. Untersuchungen zufolge könnte es sogar bei der Behandlung schwerer Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder Epilepsie hilfreich sein – allerdings ist hier noch weitere Forschung nötig. In den USA ist derzeit ein CBD-haltiges Präparat zur Behandlung einer speziellen Form der Epilepsie zugelassen. Möglicherweise könnten auch Menschen mit Arthritis von CBD profitieren.
  • Entspannend:
    CBD kann möglicherweise schlafanstoßend wirken – allerdings nur in relativ hohen Dosen. Niedrige Dosen könnten, im Gegenteil, sogar stimulierend wirken.
  • Angstlösend:
    Studien zeigen, dass CBD dazu beitragen kann, Stress abzubauen. Unter Umständen könnte es sogar gegen schwere psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Posttraumatische Belastungsstörungen hilfreich sein kann. Allerdings scheinen, um diese angstlösende Wirkung zu erreichen, hohe Dosen nötig. Da 1000 Milligramm CBD im Onlineshop etwa 50 Euro kosten (im Ladengeschäft noch mehr) und die Einzeldosis für eine angstlösende Wirkung zwischen 300 und 600 Milligramm liegt, kann sich diese mögliche Linderung wohl momentan noch kaum jemand leisten. Verschreibungsfähig ist CBD für solche Beschwerden noch nicht.

Mehr lesen: Stress abbauen: 7 Tipps, die dein Leben entschleunigen

Die Wirkungen von CBD sind noch nicht vollständig untersucht
Die möglichen Wirkungen von CBD sind noch längst nicht vollständig untersucht. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Matthew Brodeur)
  • Entzündungshemmend:
    Eine der Haupteigenschaften des CBD ist seine entzündungshemmende Wirkung. Da sich die Cannabinoid-Rezeptoren nicht nur im Gehirn (CB1), sondern im ganzen Körper befinden (CB2), hat CBD das Potenzial, verschiedene Arten von Entzündungen zu bekämpfen. Die Anwendung könnte der Problematik angepasst werden – zum Beispiel mit CBD-haltigen Cremes für Hautprobleme. Möchte man CBD innerlich anwenden, sollte man sich für den sublingualen Weg entscheiden, d.h. CBD-Öl unter die Zunge träufeln. Nur herunterschlucken sollte man es nicht gleich, da es so nur eine Bioverfügbarkeit von etwa 8 Prozent aufweist.
  • Wirksam gegen Übelkeit:
    Es gibt Hinweise darauf, dass CBD gegen Übelkeit helfen kann. Einer Umfrage zufolge schwören manche schwangere Frauen in den USA auf CBD gegen ihre Schwangerschaftsübelkeit, und auch Krebspatient:innen und Menschen, die unter dem Reizdarmsyndrom leiden, kann unter Umständen mit CBD gegen ihre Übelkeit geholfen werden.

Mehr lesen: Diese Hausmittel helfen bei Übelkeit und Erbrechen

Vorsicht vor Wechselwirkungen

Noch sind nicht viele Neben- und Wechselwirkungen bekannt. CBD kann mit niedrigem Blutdruck und Appetitverlust im Zusammenhang stehen. Vor allem mit Hormonpräparaten, aber auch mit anderen Medikamenten, können zudem Wechselwirkungen auftreten. CBD verlangsamt beispielsweise den Abbau vieler Medikamente in der Leber, sodass die Dosis des Medikaments gegebenenfalls angepasst werden muss, damit es nicht zu Überdosierungen kommt.

Mangelnde Beratung

Bislang konnte sich das deutsche Gesetz noch immer nicht entscheiden, wie CBD reguliert werden soll. Somit sind rechtliche Grauzonen entstanden, die dazu führen, dass nahezu jede:r CBD ohne Beratung verkaufen und kaufen kann.

Es gibt zwar inzwischen viele Shops mit kompetenter Beratung, Bio-Produkten und großem Erfahrungsschatz. Doch bestimmte Fragen zur Wirkung, vor allem zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, sollten vor dem Konsum unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Das Problem: Die meisten Ärzt:innen wissen selbst zu wenig über CBD, da es bis jetzt nur für wenige schwerwiegende Erkrankungen verschrieben werden kann.

Die Rechtslage: Medikament oder Novel Food?

Nach jahrelangem Hin und Her um das rauschfreie Cannabinoid ließ man sich in Deutschland auf die Legalisierung ein. Als Kriterium erlegte man ausschließlich auf, dass die Grenze von 0,2 % THC im Produkt nicht überschritten werden darf.                                                                     

CBD-Öle sind besonders beliebt
CBD-Öle sind besonders beliebt – Beratung dafür zu bekommen, aber schwierig. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Sohini)

Das Problem besteht allerdings darin, dass CBD zwar legal ist, es aber von keiner Behörde kontrolliert wird und deshalb in einer Grauzone liegt. Würde es als „Novel Food“, also neuartiges Lebensmittel, eingestuft werden, wäre die europäische Lebensmittelbehörde EFSA zuständig; bei einer Einstufung als Arznei wäre es die Bundesbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm). So wurden in der Vergangenheit etwa CBD-Shop-Betreiber:innen verhaftet, weil nicht recht klar war, ob und als was man die Substanz denn nun verkaufen darf – während Drogerien zur selben Zeit unbehelligt vergleichbare Ware anboten.

Update 07. Juni 2022: Die EFSA hat die weitere Prüfung von CBD als neuartiges Lebensmittel vorerst ausgesetzt – wegen Datenlücken und Unsicherheiten bezüglich möglicher Risiken. Man habe eine Reihe von Gefahren ermittelt und festgestellt, dass die „zahlreichen“ Datenlücken zu den Auswirkungen auf die Gesundheit erst geschlossen werden müssten, bevor man die Bewertung fortführen könne.   

Hype-Produkt CBD: Einfach mal ausprobieren?                                         

Es ist also grundsätzlich erlaubt, CBD in verschiedenen Formen zu verkaufen, zu kaufen und zu verwenden. Da es bislang keine Klassifizierung gibt und man für Nicht-Medikamente keine Gesundheitsversprechen machen darf, wird man aber nirgends eine adäquate gesundheitliche Beratung zu seinem Produkt bekommen dürfen.

Sollte man regelmäßig Medikamente einnehmen, ist also erst einmal davon abzuraten, es mit CBD zu versuchen. Für alle anderen Erwachsenen ist es zwar erlaubt, es einfach einmal auszuprobieren. Doch allzu sorglos sollte man nicht damit umgehen – vor allem, wenn es um konkrete Symptome geht, für die man sich Linderung erhofft. Wichtig: Bei akuten, anhaltenden oder wiederkehrenden Symptomen unbedingt ärztlichen Rat einholen. Eine reine CBD-Selbstmedikation quasi „auf Verdacht“ ist nicht ratsam.

Wer sich für CBD-Produkte interessiert, sollte in jedem Fall darauf achten, in seriösen Shops oder Läden mit ausreichendem Beratungsangebot zu kaufen. Ob und welches der vielfältigen CBD-Produkte für einen persönlich geeignet ist, kann man nur selbst herausfinden. CBD-Öle sind dabei besonders beliebt und einfach zu bekommen. Besser für die Umwelt als aus den USA oder China importierte Produkte sind regional oder zumindest in Europa gewonnene CBD-Öle aus Bioanbau.

Bitte lies unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen.

** mit ** markierte oder orange unterstrichene Links zu Bezugsquellen sind teilweise Partner-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös. Mehr Infos.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter: