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Bambusbecher im Test – Schadstoffe und falsche Umweltversprechen

Bambusbecher
Fotos: CC0 Public Domain / Unsplash.com, Pixabay.de

Coffee-to-go-Becher aus Bambus bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen und sind mehrfach verwendbar. Das behaupten zumindest die Hersteller von Bambusgeschirr. Aber sind Kaffeebecher aus Bambus wirklich ökologisch und gesundheitlich unbedenklich?

Jedes Jahr werfen wir in Deutschland 2,8 Milliarden Einweg-Kaffeebecher in den Müll, der Großteil wird verbrannt. Das schadet der Umwelt und verbraucht kostbare Ressourcen und Energie. Abhilfe versprechen seit einiger Zeit Coffee-to-go-Becher aus Bambus und anderen organischen Stoffen wie Maisstärke oder Reis. Sie werden von Anbietern als stabil, spülmaschinenfest und kompostierbar beworben – aber stimmt das auch?

Sind Coffee-to-go-Becher aus Bambus ökologisch?

Wenn es den ökologischen Nutzen von Coffee-to-go-Bechern aus Bambus geht, nehmen viele Anbieter den Mund gerne voll. Abgesehen davon, dass man sie wiederverwenden kann, sind sie anderen Materialien aber nicht überlegen. Im Gegenteil: Bambusbecher bestehen nämlich nur zum Teil aus organischen und damit abbaubaren Rohstoffen – aber fast immer auch aus Kunststoffen oder Harzen wie Melamin. Diese dienen als Bindemittel, um die organischen Bestandteile zusammenhalten. „Natürlich“ sind diese Produkte also wohl kaum.

Die Versprechungen vieler Hersteller („biologisch abbaubar“ oder „kompostierbar“) bedeuten deshalb meist nur: Kaffeebecher aus Bambus (oder korrekter: mit Bambusanteil) würden sich theoretisch irgendwann zersetzen, wenn sie denn auf dem Komposthaufen landen würden. Wie Kaffeekapseln aus Bioplastik werden Mehrwegbecher aber, wenn sie ihren Dienst erfüllt haben, fast immer über den Hausmüll verbrannt. Abgesehen davon kann der Abbau des organischen Materials auch auf dem Kompost viele Jahre dauern.

Bedeutet: Die versprochene Abbau- und Kompostierbarkeit ist vor allem ein Werbeversprechen. Ganz abgesehen davon, dass sich die Versprechen einiger Hersteller schlicht als Lügen entpuppen (siehe das Video weiter unten).

Melamin als Bindemittel – bitte nur bis 70° C

Ein Knackpunkt bei Kaffeebechern aus Bambus bleibt auch das Melaminharz (besteht aus Melamin und Formaldehyd), das als Bindemittel zum Einsatz kommt. Leider finden sich unter den Coffee-to-go-Bechern aus Bambus, die zurzeit im Handel sind, keine melaminfreien Produkte.

Dabei hat das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) deutlich erklärt, dass Geschirr aus Melaminharz nur bei Temperaturen bis 70° C gesundheitlich unbedenklich ist. Frisch gebrühter Kaffee kann aber gerne 90° C oder mehr haben – hier ist die Empfehlung des Bundesamts klar überschritten. Auch wir haben den Einsatz von Melamin in Geschirr bereits kritisch diskutiert.

Wir raten deshalb von Coffee-to-go-Bechern aus Bambus ab, wenn sie Melamin enthalten. Entsprechende Bambusbecher haben wir bereits aus unserer Bestenliste entfernt.

Auch Stiftung Warentest warnt vor Bambusbechern

Unserer Meinung hat sich inzwischen auch die Stiftung Warentest angeschlossen. Die Verbraucherschützer testeten im Sommer 2019 zwölf verschiedene Bambusbecher – mit fatalen Ergebnissen: Aus mehr als der Hälfte der getesteten Bambusbecher gingen Schadstoffe ins Getränk über, die über dem EU-Grenzwert lagen. Neben Melamin fand sich auch Formaldehyd. Melamin steht im Verdacht, Erkrankungen im Blasen- und Nieren­system zu verursachen. Form­aldehyd kann Haut, Atemwege oder Augen reizen sowie beim Einatmen Krebs im Nase-Rachen-Raum verursachen.

Neben den Schadstoffen rügten die Tester irreführende Kennzeichnungen wie falsche Abbaubarkeitsversprechen, falsche Inhaltsangaben oder fehlende Warnhinweise. Die Stiftung warnt deshalb: „Lassen Sie die Finger von Bambusbechern!“

Hier findest du die Testergebnisse von Stiftung Warentest, mehr erfährst du außerdem in diesem Video:

Welche Alternativen zu Kaffeebechern aus Bambus gibt es?

Wenn du dem morgendlichen Einweg-Wahnsinn ein Ende machen willst und darüber hinaus ein gesundheitlich unbedenkliches Produkt suchst, raten wir dir zu Kaffeebechern aus Glas, Metall, recyceltem Plastik oder anderen BPA-freien Materialien. Anregungen findest du hier:

Eine besonders interessante Alternative zu Stahl, Glas (und natürlich Bambus), die erst letztes Jahr auf den Markt gekommen ist, möchten wir dir hier noch vorstellen.

Ein Kaffeebecher aus Reishülsen: ohne Melamin oder BPA

Der Kaffeebecher von „Avoid Waste“ besteht aus theoretisch „kompostierbaren“ Reishülsen (dass Mehrwegbecher allerdings kaum kompostiert werden, haben wir bereits erwähnt). Er ist aber definitiv wiederverwendbar, stabil und spülmaschinenfest. Neben Reishülsen kommen bei der Erzeugung Reisöl und Lignin (ein Harz-Abfallprodukt der Holzerzeugung) zum Einsatz.

Kaffeebecher Avoid Waste
Kaffeebecher von Avoid Waste (Foto: avoid waste)

Am wichtigsten: Der Reiscup enthält kein BPA oder Melamin, das verwendete Lignin gilt derzeit als unbedenklich. Außerdem werden in der Produktion keine tierischen Bestandteile verwendet. Deckel und Manschette bestehen aus recycelbarem Silikon. Das im Vergleich zu Wegwerfbechern naturschonende Produkt, dem wir eine Empfehlung aussprechen, ist in drei Farben (braun, rosa, türkis) erhältlich.

Kaufen: für ca. 15 Euro bei Avocadostore**, Amazon** oder direkt bei Avoid Waste

Update: Ebenfalls empfehlenswert sind die neuen Kaffeebecher von Emil** (seit Herbst 2019) für ca. 13 Euro. Sie bestehen aus Stärke, Glucose, Baumharz, pflanzlichen Ölen und Wachsen. Sie enthalten keine Bambusfasern, kein BPA, kein Melamin, keine Weichmacher und kein Formaldehyd.

Emil-cup
Neuer Kaffeebecher von Emil (Bild: Emil)

Die Emil-Trinkflasche vom gleichen Hersteller gehört in der Utopia-Community schon länger zu den beliebtesten Produkten.

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