Essbare Städte: So funktioniert das Konzept

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Essbare Städte haben viele Gesichter: In der Fußgängerzone Zucchini ernten, Kräuter vorm Rathaus pflücken oder Obst in öffentlichen Parks ernten. Wir erklären dir das Konzept und stellen dir einige Projekte vor.

Was sind essbare Städte?

In essbaren Städten sind Parks nicht nur zur Zierde da.
In essbaren Städten sind Parks nicht nur zur Zierde da. (Foto: CC0 / Pixabay / Schwoaze)

Hochbeete in der Fußgängerzone oder Obststräucher am Rand von Spielplätzen. Gemüsebeete zwischen grünen Parkflächen oder essbare Pflanzen in vertikalen Beeten: Essbare Städte können ganz unterschiedlich gestaltet sein. Viele Projekte arbeiten außerdem nach Permakultur-Prinzipien.

Die Ziele, die Städte mit Essbare-Stadt-Projekten verfolgen, ähneln sich aber: Den Stadtraum zum Anbau von Lebensmitteln nutzbar machen und eine lokale Versorgung vor Ort aufbauen. So sollen Städte widerstandsfähiger gegen die Klimakrise werden.

Essbare Städte sollen vor allem für die Bürger da sein, Gemeinschaft fördern und zur Selbstversorgung verhelfen. Wer mag, kann sich hier zum gemeinsamen Gärtnern treffen – und lernt ganz nebenbei noch viel über Beetpflege, Aussaat und Gemüseanbau. Die typische Trennung zwischen Produzenten und Konsumenten hebt sich dadurch auf: Die Bürger werden selbst zu sogenannten „Prosumenten“, also Produzent und Verbraucher in einem. Das Grün wertet außerdem das Stadtbild auf und wirkt ausgleichend auf das Klima.

In manchen Städten kam die Initiative für ein Essbare-Stadt-Projekt aus dem Rathaus. In in vielen anderen Städten haben sich Büger aus eigenem Antrieb zusammengeschlossen und essbare Städte gegründet.

In praktisch allen essbaren Städten gilt eine Grundregel, wie es Andernach so schön formuliert: Statt „Betreten verboten“ heißt es dort „Pflücken erlaubt!“

Essbare Stadt vs. Urban Gardening

Im Kleinen auf der Fensterbank gärtnern oder mit vielen anderen zusammen?
Im Kleinen auf der Fensterbank gärtnern oder mit vielen anderen zusammen? (Foto: CC0 / Pixabay / rihaij)

Wie genau unterscheidet sich eine essbare Stadt von Urban Gardening oder Urban Farming? Die Antwort darauf ist nicht so einfach: Für keines der drei Konzepte gibt es eine einheitliche Definition und in vielen Punkten überschneiden sie sich.

Grundsätzlich wird Urban Gardening eher als eine Form der Selbstversorgung im Privaten verstanden. Bei essbaren Städten steht dagegen der öffentliche Raum im Vordergrund – und dass sich alle (oder zumindest viele) Bürger am Projekt beteiligen.

Urban Farming und „essbare Stadt“ bezeichnen häufig sogar dieselben Projekte. Allerdings impliziert Urban Farming in einigen Fällen auch den Verkauf der Erträge. Bei essbaren Städten nutzen die Beteiligten die Ernte dagegen privat oder sie steht kostenfrei allen Bürgern zur Verfügung.

Essbare Städte in Deutschland

Zusammen anpflanzen, pflegen und ernten.
Zusammen anpflanzen, pflegen und ernten. (Foto: CC0 / Pixabay / congerdesign)

Die Idee der essbaren Städte kommt aus Todmorden in England. Hier entstand 2008 das erste Essbare-Stadt-Projekt unter dem Namen „Incredible Edible“. In einem TED-Talk erzählt die Mitbegründerin Pam Warhust von der Entstehung und der Idee des Projekts: Am Anfang stand die Suche nach einer gemeinsamen Sprache für jede Alterstufe und Menschen aller Einkommensstufen. Sie sollte die Menschen dazu befähigen, die Welt anders zu sehen, Räume anders wahrzunehmen, anders über Ressourcen zu denken und anders miteinander umzugehen. Für Pam Warhust ist diese gemeinsame Sprache das Essen. Deshalb rief sie mit einigen anderen Beteiligten das erste Essbare-Stadt-Projekt weltweit ins Leben.

Die ersten Städte in Deutschland brauchten nicht lange, um nachzuziehen: 2009 gründeten sich in Kassel und Andernach die erste essbaren Städte hierzulande. Inzwischen gibt es laut einer Übersicht der Stadt Minden 63 Essbare-Stadt-Projekte in Deutschland und 90 weitere, die in Planung oder zumindest angedacht sind.

  • In Kassel engagieren sich mittlerweile über 100 Aktive in einem Verein für die essbare Stadt. Neben dem gemeinsamen Gärtnern gibt es immer wieder Vorträge, Workshops oder Filmabende. Die Bürger ernten zusammen und veranstalten gemeinsame Einkochaktionen oder treffen sich zum Kochen. Die Initiative gründet und pflegt Gemeinschaftsgärten, vergibt Baumpatenschaften und pflegt alte Nuss- und Obstbaumbestände. An vielen Stellen finden Permakultur-Prinzipien Anwendung.
  • In Halle ist ein essbarer Waldgarten entstanden: Im Schutz von Obstbäumen wachsen dort Sträucher und Gemüse. Bänke bieten außerdem kleine Erholungsplätze zwischen den vielen Grünplätzen.
  • Die Stadt Trier wiederum hat einen Küchengarten rund um das Rathaus angelegt. Darüber hinaus gibt es mobile Hochbeete für den Kräuter-, Obst- und Gemüseanbau. Auch ein interkultureller Gemeinschaftsgarten gehört zum Essbare-Stadt-Projekt Trier.

Wie an diesen drei Projekten zu sehen ist, können essbare Städte vielfältige und kreative Formen annehmen. Sie bieten tolle Mitmach-, Lern- und Selbstversorgerorte. Vor allem leben sie aber vom Engagement und der kontinuierlichen Beteiligung vieler Bürger.

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