Fahrradschloss-Test: Viele sind unsicher und schadstoffbelastet

Produktbilder: Trelock / Kryptonite / Decathlon; Hintergrund: CC0 / Pixabay

Es ist schade, aber nicht zu leugnen: kein Fahrrad ohne Fahrradschloss. Stiftung Warentest hat sich 40 Fahrradschlösser angesehen – und konnte am Ende nur 9 davon empfehlen.

Stiftung Warentest hat in den letzten drei Jahren Fahrradschlösser in der Preisklasse von 20 bis 135 Euro untersucht, darunter Bügel-, Falt-, Ketten- und Panzerkabelschlösser. Die Ergebnisse aus den Jahren 2017 bis 2019 reichen von „gut“ bis „mangelhaft“. 

Nur jedes vierte Fahrradschloss ist laut den Warentestern empfehlenswert, viele sind dagegen durchgefallen. Als Faustregel gilt: Der Preis allein entscheidet nicht, und bei gleichem System und ähnlicher Größe sollte man einem schwereren Schloss den Vorzug geben.

Fahrradschloss-Test: unsicher und schadstoffbelastet

Das Wichtigste am Fahrradschloss: Es muss unser Fahrrad vor einem Diebstahl schützen. Doch gerade diesen Wunsch können laut Stiftung Warentest nicht alle Schlösser erfüllen: Mit Bolzenschneider und Picking-Tools sind etliche überwindbar. Bei einigen Schlössern außerdem ein Problem: bedenkliche Schadstoffe.

Bügelschlösser schnitten bei den Aufbruchversuchen mit am besten ab: Mehr als die Hälfte der geprüften Modelle meisterten den Test 2017 gut, auch 2019 war jedes zweite Bügelschloss sehr sicher.

  • Sicherstes Bügelschloss war 2019 das Kryptonite New York Lock LS (ca. 100 Euro, kaufen am besten beim Fahrradhändler in der Nähe oder online bei Amazon**). Es erwies sich im Test so sicher wie kein anderes Schloss (Aufbruchsicherheit: 1,0), allerdings fanden die Experten im Labor den fortpflanzungsgefährdenden Weichmacher DEHP in größeren Mengen – daher gab es nur die Gesamtnote 2,6.
  • Das beste Bügelschloss 2019 ohne Weichmacher war das Abus Granit X-Plus 540/160HB230 + EaZy KF (ca. 100 Euro, kaufen u.a. bei Amazon**). Es erhielt die Gesamtnote 1,6 (Note bei Aufbruchsicherheit: 1,2).
  • Bestes Bügelschloss 2017 war das Trelock BS 650 mit der Note 1,3 im Sicherheits-Test (ca. 75 Euro, kaufen u.a. bei Amazon**).
  • Als zweites folgte 2017 das Kryptonite Evolution 4 LS (ca. 80 Euro, kaufen u.a. bei Amazon**), ebenfalls mit einer 1,3 im Aufbruch-Test. Wegen Schadstoffen wurde es aber insgesamt schlechter bewertet.
Die drei Besten im Fahrradschloss-Test: (v.l.n.r.): Trelock BS 650 (ca. 75 Euro, Kryptonite Evolution 4 LS (ca. 80 Euro), Decathlon BTwin 920 (ca. 30 Euro)
Die drei Besten im Fahrradschloss-Test 2017: (v.l.n.r.): Trelock BS 650 (ca. 75 Euro, Kryptonite Evolution 4 LS (ca. 80 Euro), Decathlon BTwin 920 (ca. 30 Euro) (© Trelock / Kryptonite / Decathlon)

Kettenschlösser erhielten meist etwas schlechtere Noten. Als wirksam gegen Fahrraddiebe entpuppten sich nur zwei Schlösser:

  • Das Abus Granit City-Chain X Plus 1060 – mit ca. 135 Euro auch das teuerste Modell im Test (kaufen** online z.B. bei Amazon). Im Aufbruch-Test 2017 hielt es lange stand (Note 1,3).
  • Das ContecPowerLoc Kettenschloss 110 cm erwies sich als genauso sicher, fiel aber wegen bedenklicher Schadstoffen durch und ist und daher nicht empfehlenswert.

Faltschlösser erhielten 2017 recht schlechte Noten. Die Faltschlösser von Fischer und Prophete waren laut Stiftung Warentest in Sekunden geknackt. Etwas besser schnitt 2019 nur das AbusBordo Granit XPlus 6500/110 ab. Es erwies sich als recht sicher (Note 1,7), aber wie viele andere Faltschlösser als etwas unhandlich.

Weil Fahrradfahrer ein Fahrradschloss immer wieder anfassen müssen, prüfte Stiftung Warentest die Schlösser auch auf Schadstoffe. Sieben Schließsysteme enthielten 2017 krebserregende oder krebsverdächtige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) oder problematische Phthalat-Weichmacher in kritischen Mengen. 2019 entdeckte Stiftung Warentest das potenziell krebserregende Naphthalin in zwei Schlössern und kritisierte außerdem in zwei weiteren Fahrradschlössern den Weichmacher DEHP.

Im Video stellt Stiftung Warentest einige wichtige Ergebnisse aus dem letzten Test vor:

Kleine Fahrradschloss-Kunde

Wer kennt das nicht: Da steigt man abends aus dem Zug und das am Bahnhof abgestellte Fahrrad ist weg. Ärgerlich ist Fahrraddiebstahl immer, insbesondere dann, wenn das Rad teuer oder ganz genau auf den Radler abgestimmt war.

Manchmal hilft das beste Fahrradschloss nichts gegen Diebstahl …
Manchmal hilft das beste Fahrradschloss nichts gegen Diebstahl … (© Utopia/AW)

Wir stellen verschiedene Möglichkeiten vor, wie man das Fahrrad vor Langfingern schützen kann.

Rahmenschloss

Insbesondere bei Cityrädern ist diese Variante fest installiert. Ein Rahmenschloss schützt kaum vor ernsthaften Fahrraddieben, jedoch fungiert sie zumindest als „Wegfahrsperre“. Dieses Fahrradschloss ist wirklich nur als schnelle Zusatzsicherung geeignet. Utopia rät ab.

Faltschloss

Die kompakten Faltschlösser lassen sich klein zusammenfalten. Faltschlösser ermöglichen es im Gegensatz zu Bügelschlössern, das Fahrrad an größeren festen Gegenständen wie Straßenlaternen zu befestigen. Achte hier auf einen hochwertigen Schließzylinder und gehärteten Spezialstahl.

Das Fahrradschloss (hier: ein Faltschloss) möglichst weit oben anbringen: dann kann der Dieb schwerer in Deckung gehen
Das Fahrradschloss (hier: Faltschloss Abus Bordo) möglichst weit oben anbringen: dann kann der Dieb schwerer in Deckung gehen (© Stiftung Warentest)

Bei Stiftung Warentest schnitten die Faltschlösser nicht besonders gut ab. Oft kaschierte Kunststoff einen dünnen Metallkern, der sich mit einem Bolzenschneider aufknacken ließ. Im Kunstoff fanden sich zudem Schadstoffe. Das immer noch verfügbare Abus Bordo Granit 6500 erhielt bei Stiftung Waren 2015 allerdings ein „gut“ (kaufen** u.a. online bei Amazon).

Bügelschloss

Ein Bügelschloss ist nicht per se besser, denn allzu günstige Bügelschlösser lassen sich mit einem Schraubenzieher oder einer Büroklammer in wenigen Sekunden öffnen. Achte also darauf, dass die Bügelschlösser einen Schließzylinder aus Drehscheiben haben und der Bügel aus gehärtetem Spezialstahl gefertigt ist. Diese sind zwar teurer, jedoch ganz besonders schwer zu knacken.

Bei Stiftung Warentest schnitten Bügelschlösser meist „gut“, selten „ausreichend“ bis „mangelhaft“ ab. Preistipp war das Decathlon BTKwin 920, das Platz 3 belegte.

Zwei Fahrradschlösser unterschiedlicher Bauart erhöhen den Schutz
Zwei Fahrradschlösser unterschiedlicher Bauart (links Bügelschloss, rechts Panzerkabelschloss) erhöhen den Schutz (© Stiftung Warentest)

Kettenschloss

Mit einem Kettenschloss lassen sich Fahrräder besonders flexibel und effektiv vor Diebstahl schützen – vorausgesetzt, die verwendete Stahlkette ist gehärtet und der Schließzylinder des verwendeten (Vorhänge-) Schlosses hochwertig. Allerdings sind sie meist recht schwer. Achte auf Schwachstellen: Zuweilen ist die Kette stabil, aber Bereiche rund ums Schloß sind es nicht.

Bei Stiftung Warentest schnitten Kettenschlösser selten gut ab. Ein „gut“ holte sich nur das über 100 Euro teure Abus Granit City-Chain X Plus 1060, das sich eher für E-Bikes und Motorräder eignet (erhältlich u.a. beim Amazon**).

Kabelschloss

Einfache und dünne Kabelschlösser eignen sich maximal dazu, Anbauteile oder Gepäck vor schnellem Spontanzugriff zu schützen. Es versteht sich von selbst, dass das Kabel in einem Sekundenbruchteil mit wenig Kraft und einem Bolzenschneider getrennt werden kann.

Dünne Kabelschlösser gibts schon in 1-Euro-Shops – sie schützen halt nicht
Dünne Kabelschlösser gibts schon in 1-Euro-Shops – sie schützen halt nicht (© Stiftung Warentest)

Panzerkabelschloss

Panzerkabelschlösser haben um ihr Stahlkabel eine flexible und recht aufbruchsichere Panzerung, die aus wie Schuppen ineinander greifenden Stahlhülsen besteht. Dadurch wird es schwer, einen Bolzenschneider anzusetzen, weswegen dein Augenmerk hier dem Schließzylinder gelten soll, um Fahrraddiebstahl vorzubeugen. Auch sollte man diese Schlösser, wie auch alle anderen, möglichst weit oben am Fahrrad anbringen und so, dass ein Bolzenschneider nicht irgendwo aufgestützt werden kann.

Zahlenschloss

Unabhängig von der sonstiges Bauweise kommen Fahrradschlösser mit Schloß und zwei bis drei Schlüsseln oder mit einem Zahlenschloss. Zu bedenken ist, dass ein Fahrradschloss mit drei Ziffern nur 1000 Kombinationen zulässt – die kann ein Dieb mit etwas Geduld alle durchprobieren. Wir raten daher beim Zahlenschloss zu vier Ziffern.

Fahrradschloss mit Zahlenschloss
Fahrradschloss mit Zahlenschloss (Foto: © animaflora - Fotolia.com)

Akustische Alarmanlage

Alarmanlagen, die akustisch beim Zerstören des Schlosses oder Bewegen des Fahrrades Alarm schlagen, sind nur dann sinnvoll, wenn man sich nicht weit vom eigenen Rad entfernt und bei Alarm selbst zum Fahrrad eilen kann. Passanten nehmen solche Alarmanlagen in der Regel nicht zur Kenntnis.

Alarmanlage mit Sender

Wird das Fahrrad bewegt, sendet diese Form der Fahrradalarmanlage ein Signal auf das Smartphone des Besitzers. Nachteil: Je nach System dürfen Fahrrad und Handy nicht mehr als 100 bis 300 Meter voneinander entfernt sein. Außerdem reagieren die Bewegungssensoren auch bei versehentlichem Anrempeln des Fahrrades und können so zu wiederholtem Fehlalarm führen.

Fahrradcodierung

Eine Fahrradcodierung kann Diebe abschrecken
Eine Fahrradcodierung kann Diebe abschrecken (© Stiftung Warentest)

Bei der Fahrradcodierung wird ein spezieller Code in den Fahrradrahmen eingraviert. Dank des Codes kann die Polizei bei von ihr unterstützten Fahrradcode-Systemen den rechtmäßigen Eigentümer ermitteln, sobald ein Fahrrad aufgefunden wird. Infos: polizei-beratung.de

GPS Tracker

Bei Fahrraddiebstahl sorgen am Fahrrad versteckt angebaute GPS Tracker dafür, dass der Standort kontinuierlich auf einer Karte im Smartphone des Besitzers angezeigt wird. Nachteil: Der Tracker muss immer aufgeladen sein und Berufskriminelle können das System sehr schnell entdecken und deaktivieren.

Ortung über Mobilfunknetz

Weil ein GPS Tracker nur dann funktioniert, wenn auch GPS Empfang besteht, das Rad also nicht in Gebäuden oder unter einer Brücke versteckt ist, sind auch Trackingsysteme auf dem Markt, in denen eine SIM Karte zur Ortung über das Mobilfunknetz integriert ist. Aber auch hier gilt: Ist kein Handyempfang, findet kein Tracking statt.

Ideen für neue Fahrradschlösser

Längst wird an neuen Ideen für Fahrradschlösser gearbeitet. Hier zwei, die uns in letzter Zeit aufgefallen sind:

  • Sitz-Schloss Seatylock: Eigentlich ist es ja Unsinn, ein bis zwei Kilo Metall durch die Gegend zu radeln, nur um sein Fahrrad gegen Diebe zu sichern. Daher kamen einige Entwickler auf die Idee, Teile des Fahrrad so zu konstruieren, dass sie als Schloß dienen können. Und so wird aus dem Fahrradsitz ein Faltschloss – beim Seatylock.
  • Stink-Schloss Skunklock: Am besten wärs ja, wenn das Schloß sich dagegen wehren könnte, aufgebrochen zu werden. Auch diese Idee ist in Arbeit: Ein Bügelschloss, das wie ein Stinktier unangenehme Gase ausstossen kann, ist das Skunklock.

Utopia empfiehlt

Die wirklich 100 % sichere, eierlegende Wollmilchsau unter den Fahrradschlössern, die das Fahrrad garantiert vor Diebstahl schützt, gibt es nicht. Besonders sicher ist die Kombination mehrerer Sicherungen.

„Für ein passendes Schloss sollten rund zehn Prozent des Fahrradpreises eingerechnet werden. Je teurer und leichter ein Rad ist, umso schwerer und teurer sollte ein adäquates Schloss sein“, rät übrigens die Polizei.

Ein hochwertiges Bügelschloss in Kombination mit einem hochqualitativen Kettenschloss, mit dem das Rad an einem festen Gegenstand gesichert wird, minimiert das Risiko immens. Technische Spielereien mit Trackingfunktion dienen nur dazu, bereits gestohlene Fahrräder wieder aufzufinden.

Text: S. Neumann/A. Winterer

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(3) Kommentare

  1. Hallo,
    irgendwie vermisse ich von Utopia hier die nachhaltigen Alternativen, denn die gibt es auch, z.B. Dalman Supply handgefertigtes Manila-Hanfschloss

    Gruß
    Michael