GermanZero und Armedangels bringen ein „1,5 Grad-T-Shirt“ auf den Markt

Germanzero klimaplan 1,5 Grad
Foto: © GermanZero/Marieke Sobiech

Die globalen Temperaturen steigen, das Wetter wird immer verrückter und der Sommer immer länger. Und was macht die Politik? GermanZero findet: zu wenig. Deswegen entwickelt die Initiative einen Entwurf für ein neues Klimaschutzgesetz.

Die Bürgerinitiative GermanZero entwickelte ein Gesetzespaket, auf dessen Basis Deutschland den nötigen eigenen Beitrag leisten könnte, damit sich die Erde nicht um mehr als 1,5 Grad erwärmt.

Ein T-Shirt soll jetzt den Kampf für eine klimagerechte Zukunft unterstützen: Die Gewinne des „1,5 Grad-T-Shirts“, das die Fair-Fashion-Marke Armedangels gemeinsam mit GermanZero entwickelt hat, gehen zu 100 Prozent an GermanZero. Das Geld hilft der Organisation bei ihrer Arbeit mit dem Ziel, dass Deutschland bis 2035 klimaneutral wird. Da Armedangels auf faire Eco Mode setzt, ist das T-Shirt ein „Circular Tee“ – es ist hergestellt aus Müll, den Armedangels selbst produziert hat. Und es ist „designed, um im Kreislauf gehalten zu werden und damit ein Vorreiter zirkulärer Mode“, heißt es auf der Webseite von Armedangels. Hier** kannst du das T-Shirt kaufen.

100 Prozent des Gewinns spendet Armedangels mit dem 1,5 Grad T-Shirt an GermanZero.
100 Prozent des Gewinns aus dem Verkauf des 1,5 Grad-Shirts spendet Armedangels an GermanZero. (Foto: © Armedangels)

Das ist das Ziel von GermanZero

Der Verein GermanZero e.V. wurde 2019 von Dr. Claas Helmke und Heinrich Strößenreuther gegründet. Letzterer ist bekannt als Deutschlands erfolgreichster Fahrradaktivist. Er hat Deutschlands erstes Radverkehrs- und Mobilitätsgesetz entworfen und war damit Vorbild für über 40 Radentscheide im ganzen Land.

Im November 2019 organisierte GermanZero eine Veranstaltung mit etwa 30 Expert:innen aus den Bereichen Energie, Industrie, Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft. Drei Tage lang dauerte der Austausch in den Arbeitsgruppen, deren Ergebnisse in einem weiteren mehrwöchigen Prozess diskutiert, konsolidiert und redaktionell aufbereitet wurden.

Daraus entwickelte GermanZero den „1,5-Grad-Klimaplan“. Dieser Plan ist der umfassendste, den es momentan für Deutschland gibt. Er bietet einen konkreten Lösungsweg, mit dem Deutschland bis 2035 klimaneutral werden kann.

Neues Gesetz, aber nicht genug

Bereits 2019 hat die Bundesregierung ein Klimaschutzgesetz vereinbart, das die Klimaziele nach 2030 jedoch nicht konkret genug definiert hatte. Durch eine Klage beim Bundesverfassungsgericht, an der auch Aktivist:innen der Fridays for Future-Bewegung beteiligt waren, hat die Bundesregierung nun eine Nachbesserung des Klimaschutzgesetz entworfen. So soll Deutschland bis 2045 klimaneutral werden und seine CO2-Emissionen bis 2030 um 65 Prozent im Vergleich zu 1990 senken.

GermanZero begrüßt diese Aktualisierung des Gesetzes: „Es ist ein Meilenstein, dass der Gesetzgeber nun zu Klimaneutralität verpflichtet ist. Zudem benennt das Bundesverfassungsgericht das Kernproblem: Es gibt derzeit keinen langfristigen Reduktionspfad, der zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels führt“. Einen solchen Maßnahmenkatalog bietet GermanZero in ihrem Klimaplan.

Um den Klimawandel zu bekämpfen, wurde im Dezember 2015 das Pariser Klima-Abkommen beschlossen. Dabei haben sich Deutschland und 196 andere Länder verpflichtet, die Erderhitzung möglichst auf 1,5 Grad über vorindustriellem Level zu begrenzen. Auf der Webseite von GermanZero heißt es: „Das ist nach aktuellem Forschungsstand nur möglich, wenn Deutschland bis spätestens 2035 klimaneutral wird“.

Mit repräsentativer und direkter Demokratie zum Ziel

Um die Ziele zu erreichen, setzt GermanZero auf zwei Formen der Demokratie. Zum einen die repräsentative Demokratie – Wahlen. Das bedeutet: Mitglieder von GermanZero versuchen das 1,5-Grad-Gesetzespaket bei den Volksvertreter:innen bekannt zu machen und um Unterstützung für dessen Einbringung in den Bundestag zu werben.

Germanzero klimaplan 1,5 Grad
Die Bundestagswahlen 2021 sind wichtig für die Zukunft des Klimas. (Foto: © GermanZero/Marieke Sobiech)

Zum anderen gibt es deutschlandweit über 35 Teams bei GermanZero, die sich auf die direkte Demokratie fokussieren. Dazu zählen Bürgerbegehren, Einwohneranträge und Volksbegehren. Julian Zuber, CEO von GermanZero dazu: „In den meisten Städten und Dörfern gibt es noch keine Klimaschutzziele, mit denen der notwendige Beitrag zum 1,5-Grad-Ziel geleistet werden kann. Diese Ziele in einem Beschluss festzuschreiben, ist das Ziel des Teams.“

Das CO2 ist budgetiert

Das 1,5-Grad-Gesetzespaket von GermanZero orientiert sich am reinen CO2-Budget: Vor zwei Jahren hat der Weltklimarat (IPCC) die Emissionsmenge ausgerechnet, die der gesamten Weltbevölkerung ab Anfang 2018 zur Verfügung steht, wenn wir die Erderwärmung auf 1,5 bis 2 Grad begrenzen wollen.

Wie viel Emissionen nun ein Land noch zur Verfügung hat, berechnet sich nach der Bevölkerungszahl des jeweiligen Landes auf Basis gleicher verbleibender Emissionsrechte pro Kopf. Das bedeutet: gleiches Pro-Kopf-Emissionsrecht aller Bewohner:innen der Erde, unabhängig von den historischen CO2-Emissionen ihres Landes.

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Deutschland muss bereits ab 2024 den CO2-Ausstoß kompensieren. (Foto: © GermanZero/Marieke Sobiech)

GermanZero hat ausgerechnet, dass Deutschland nur noch 2,3 Milliarden Tonnen CO2 zur Verfügung hat. Das bedeutet, dass Deutschland bereits ab 2024 kompensieren muss und in den nächsten 14 Jahren seine Emissionen auf null senken muss.

So sieht der Klimaplan von GermanZero aus

Der von GermanZero erstellte Klimaplan, mit dem Deutschland bis 2035 klimaneutral sein soll, umfasst:

  • Energie
  • Industrie
  • Verkehr
  • Gebäude/Wärme
  • Landwirtschaft
  • Internationaler Ausgleich

Wie wir und die Politik diesen Plan ganz konkret umsetzen können, steht ebenfalls in dem Klimaplan. Hier einige Beispiele:

  • Industriekraftwerke auf erneuerbare Energien umstellen: Stromgewinnung erfolgt durch Sonne und Wind, neue Kraftwerke werden nicht mehr genehmigt.
  • Abwärme besser nutzen
  • Ausbau des öffentlichen Verkehrs und Umbau der Städte zugunsten von Fuß- und Fahrradverkehr
  • Bei Neubauten soll der Betonverbrauch gesenkt werden, etwa durch den vermehrten Einsatz von Holz
  • Einschränkung der Massentierhaltung und des Düngereinsatzes
  • Feuchtgebiete sollen wiederhergestellt werden
  • Appell an jede:n Einzelne:n: weniger Fleisch essen, seltener fliegen, Kleider länger tragen
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