Mikrofaser: Das macht sie so problematisch

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Mikrofasern sind besonders feine Fasern, die oft in Putztüchern, Outdoor- und Sportkleidung zum Einsatz kommen. Trotz ihrer vielen positiven Eigenschaften sind Mikrofasern jedoch problematisch. Wir erklären dir, warum.

Mikrofasern sind besonders leicht und dünn: Sie wiegen zwischen 0,3 und einem Gramm pro 10.000 Metern, das entspricht 0,3 bis einem dtex. Damit sind sie feiner als beispielsweise Baumwollfäden. Laut der Industrievereinigung Chemiefaser e. V. (IVC) besteht Mikrofasergewebe meistens aus den Kunstfasern Polyester, Polyamid (Nylon) und Polyacrylnitril. Mikrofasern lassen sich aber beispielsweise auch aus Viskose herstellen.

Mikrofaser: Gewebe mit nützlichen Eigenschaften

Mikrofasergewebe zeichnet sich nicht nur durch die Feinheit der einzelnen Fasern aus, sondern auch dadurch, dass es sehr dicht ist. Laut dem IVC haben Mikrofasern deshalb viele positive Eigenschaften:

  • Mikrofasergewebe ist so dicht, dass es Wassertropfen und Wind abhält, dabei jedoch atmungsaktiv bleibt.
  • Mikrofasergewebe ist weich, knitterfrei und trocknet schnell. 
  • Besonders praktisch für Mikrofasertücher: Da die einzelnen Fasern so dünn sind, hat ein Mikrofasertuch eine wesentlich größere Oberfläche pro Gewicht und Volumen als andere Tücher. Deshalb kann ein Mikrofasertuch mehr Schmutz aufnehmen. Hinzu kommt, dass Mikrofasern sich durch Reibung elektrisch aufladen. Das führt dazu, dass Partikel an den Mikrofasertüchern haften bleiben. Mit Mikrofasertüchern kannst du deshalb auch ohne Reinigungsmittel effizient putzen.

Aufgrund seiner Eigenschaften kommt Mikrofasergewebe vor allem bei Sport- und Outdoorbekleidung sowie bei Putztüchern zum Einsatz. Doch auch andere Kleidungsstücke oder Heimtextilien können Mikrofasern enthalten.

Zwei entscheidene Nachteile von Mikrofasern

Beim Waschen lösen sich aus Kunstfasertextilien Mikrofasern.
Beim Waschen lösen sich aus Kunstfasertextilien Mikrofasern.
(Foto: CC0 / Pixabay / ErikaWittlieb)

Trotz ihrer vielen nützlichen Eigenschaften haben Mikrofasern zwei schwerwiegende Nachteile:

1. Ihre Herkunft

Mikrofasergewebe bestehen überwiegend aus Kunstfasern wie Polyester oder Polyamid, die wiederum auf Erdöl basieren. Dessen Abbau und Verarbeitung sind energie- und wasserintensiv sowie umweltschädlich.

2. Beim Waschen entsteht Mikroplastik

Aus Kunstfasergewebe lösen sich beim Waschen Mikrofasern. Eine Studie der Universität von Plymouth hat ergeben, dass bei einer Waschladung mit Polyestertextilien etwa 400.000 Mikrofasern ins Abwasser gelangen. Zum Teil können Kläranlagen diese Mikrofasern herausfiltern, so Greenpeace. Ein großer Teil gelangt über den Klärschlamm dennoch in die Umwelt. Laut einer Studie der Weltnaturschutzorganisation stammen bis zu 30 Prozent des Mikroplastiks in den Meeren aus Primärquellen. Das bedeutet: Dieses Mikroplastik ist nicht erst im Wasser aus größeren Plastikteilen entstanden, sondern bereits als Mikroplastik ins Wasser gelangt. Die wichtigsten Primärquellen sind laut der Studie Reifenabrieb und Kunstfasern. Hier erfährst du mehr zum Thema: So macht unsere Kleidung die Meere kaputt.

Deshalb solltest du nach Alternativen zu Mikrofasern suchen. Zudem gibt es einiges, was du beachten kannst, wenn du Mikro- beziehungsweise Kunstfasergewebe wäschst.

Mikrofasergewebe waschen: So verringerst du den Schaden

Zunächst einmal solltest du Textilien aus Mikrofasern oder Kunstfasern generell nur so oft waschen wie nötig. Außerdem kannst du die Menge des freigesetzten Mikroplastiks auf unterschiedlichen Wegen verringern:

  • Verzichte auf Weichspüler. Laut der Universität von Plymouth erhöht dieser die Menge der freigesetzten Mikrofasern. Ohnehin schadet Weichspüler Mikrofasergewebe – der IVC zufolge beschädigt er die feinen Fasern.
  • Wasche Textilien mit Mikrofasern nicht im Schonwaschgang. Eine Studie hat ergeben, dass dies ebenfalls die Menge der losgelösten Fasern erhöht. Weitere Infos zur Studie: Mikroplastik-Schleuder: Warum du nicht im Schonwaschgang waschen solltest.
  • Wasche deine Mikrofaser-Textilien in einem Waschbeutel wie dem „Guppy-Friend„. Dieser soll die losgelösten Mikrofasern auffangen.
  • Das gleiche Ziel verfolgt der „Cora Ball„: Er soll in der Waschmaschine freigewordene Fasern auffangen.
  • Laut Greenpeace gibt es auch spezielle Filter für die Waschmaschine.

Alternativen zu schädlichen Mikrofasern

Alternative zu herkömmlichen Mikrofasern: Viskose basiert auf Cellulose aus Holz.
Alternative zu herkömmlichen Mikrofasern: Viskose basiert auf Cellulose aus Holz.
(Foto: CC0 / Pixabay / Couleur)

Diese Lösungsansätze ändern jedoch nichts daran, dass Mikrofasern üblicherweise auf Erdöl basieren. Deshalb solltest du möglichst selten Textilien aus Kunstfasern kaufen oder zumindest solche mit Recyclinganteil wählen. 

Noch besser ist es jedoch, wenn du auf leistungsstarke Naturfasern zurückgreifst. Hier bieten sich zum Beispiel die vergleichsweise nachhaltigen Viskose-Arten Tencel, Modal und Lenpur an.

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