Mikroplastik-Schleuder: Warum du nicht im Schonwaschgang waschen solltest

Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - moerschy

Man sollte meinen, der Schonwaschgang schont nicht nur die Wäsche, sondern auch die Umwelt. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass das Gegenteil der Fall ist: In diesem Wäscheprogramm löst sich deutlich mehr Mikroplastik – das am Ende in Gewässern landen kann.

Fleecejacken, Sportkleidung, T-Shirts, Pullover, Socken und Schals – Polyester ist überall. Das Problem: Kleidung aus Kunstfaser gehört zu den Hauptverursachern für Mikroplastik in Gewässern, wie 2016 eine Studie der britischen Plymouth University zeigte. Aus den synthetischen Fasern gelangen beim Waschen winzige Kunststoffpartikel ins Abwasser.

Jede Wäsche von Kunstfaser-Kleidung trägt somit dazu bei, dass Mikroplastik Flüsse, Seen und Meere vergiftet. (Lies hier dazu auch unseren Artikel: So macht die Kleidung unsere Meere kaputt) Dabei gibt es Faktoren, die den schädlichen Effekt noch verstärken: Laut der Plymouth-Studie können sich „tendenziell“ mehr Fasern lösen, wenn man Weichspüler hinzugibt. Jetzt haben Wissenschaftler gezeigt, dass sich auch durch den Schonwaschgang zusätzlicher Kunststoff löst – und zwar ziemlich viel.

800.000 zusätzliche Mikrofasern pro Wäsche

Im Schnitt 800.000 zusätzliche Mikrofasern setzt dieses Wäscheprogramm frei, so die aktuelle Studie der Universität in Newcastle, die im Fachmagazin „Enviromental Science and Technology“ veröffentlicht wurde. Die Forscher setzten dafür zunächst ein sogenanntes Tergometer ein, das aus acht kleinen Waschmaschinen besteht, dann folgten Tests mit normalen Waschmaschinen. Sie wuschen Probestücke aus schwarzen Polyester-Shirts mit stets der gleichen Menge Waschmittel, aber mit verschiedenen Waschprogrammen.

Anschließend filtrierten die Wissenschaftler das Abwasser und untersuchten, wie viel Plastik-Mikrofasern freigesetzt worden waren. „Das Ergebnis hat uns überrascht“, sagte Gant Burgess, Studienleiter und Meeresmikrobiologe, dem britischen Guardian. Man würde erwarten, dass der Schonwaschgang die Kleidung schütze und dazu führe, dass sich weniger Mikroplastik löst. „Aber unsere sorgfältigen Studien haben gezeigt, dass tatsächlich das Gegenteil der Fall ist.“

Der Grund: die wesentlich größere Wassermenge

Weder die Dauer des Waschgangs, noch die Temperatur oder die Umdrehungsgeschwindigkeit der Trommel – also die mechanische Belastung der Kleidung – hatten einen so spürbaren Effekt wie die Wahl des Schonwaschgangs.

Die Wissenschaftler erklären sich diese Wirkung mit der wesentlich größeren Wassermenge, die dabei zum Einsatz kommt. „In den Schonwaschgängen wird mehr Wasser verwendet, um sensible Kleidung vor Schäden zu schützen“, sagt Max Kelly, einer der Studienleiter, in einer Mitteilung der Universität. „Dafür spült dieses Wasser aber mehr Fasern aus dem Material heraus.“

Bisher forschten die Wissenschaftler nur an Polyester

Der nächste Schritt ist nun, die Auswirkung des Schonwaschgangs auf andere synthetische Materialen zu untersuchen – bisher wurde nur mit Polyester geforscht. Sollten sich die Ergebnisse auch auf andere Kunststoff-Textilien übertragen lassen, dann ist dieses Wäscheprogramm absolut nicht geeignet, um die Mikroplastik-Freisetzung zu verringern.

Die Forscher hoffen, Einfluss auf die Hersteller nehmen zu können, damit der Wasserverbrauch der Waschmaschinen in Zukunft reduziert wird. Was man bedenken sollte: Schon das große Wasservolumen allein macht den Schonwaschgang zu einem Programm, das die Umwelt unnötig belastet – und das du auch aus diesem Grund meiden solltest.

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Besser zu Textilien aus Naturfasern greifen

Zudem gilt sowieso: Statt Kleidung aus Kunstfasern zu kaufen, sollten wir genau aufs Etikett schauen – und besser zu Textilien aus Naturfasern greifen. Denn Stoffe wie Wolle, Baumwolle, Leinen, Hanf, pflanzliche Viskose oder Holzfasern (Lyocell, Tencel, Modal) sind biologisch abbaubar und setzen kein Mikroplastik frei.

Kleidung aus Synthetikfasern, die du bereits besitzt, solltest du möglichst selten waschen. Und wenn, dann lade die Waschmaschine möglichst voll, meide Weichspüler – und wasche möglichst nicht im Schonwaschgang, sondern besser mit dem Eco-Programm.

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(2) Kommentare

  1. Der Tipp „Besser zu Naturtextilien greifen“ ist ja schön und gut, allein: Hier stellt sich ein neues Problem. Zunehmend werden Textilien, die üblicherweise aus Baumwolle sind unnötigerweise mit Plastik „verunreinigt“. Nicht nur, dass es zunehmen schwierig wird, ein T-Shirt aus reiner Baumwolle zu bekommen, auch bei Jeans wird immer häufiger ein Polyester-Anteil hineingemogelt. Wohlgemerkt zusätzlich zu Elasthan. Und der Hinweis Naturtextilien zu beziehen greift hier nicht. Das tun nun einmal die Wenigsten. Notwendig wäre, dass dieser Plastikanteil wieder aus Textilien verschwindet. Das heißt, die Politik müsste den Herstellern eine „Plastikabgabe“ aufdrücken, denn der Grund, warum diese Textilien nicht mehr aus Baumwolle sind, ist lediglich, dass Plastik billiger zu haben ist.

  2. so ganz stimmt das nicht ,dass Outdoortextilien die Hauptverursacher für Mikroplastikpartikel sind- der Auto Reifen Abrieb liegt deutlich höher! und in der Kosmetik ist auch definitiv zu viel Mikroplastik versteckt- nichts desto troz ist diese Studie sehr interessant und sollte zu bewusstem Umgang mit PES, PA und elastanhaltiger Kleidung anspornen. Ja die Beimischungen haben überhand genommen und sind ein Übel – auch gehen Textilien mit hohem elastan Anteil ( Vor allem Hosen) viel viel schneller kaputt – Ich denke dass viel von der Wahl der Verbraucher abhängt insofern ist die Aufklärung das Wichtigste – also Liebe Verbraucher, informiert euch schaut in die Ettiketten und kauft schlau!