Diese Kondome sind nachhaltig, fair und vegan

Vegane Kondome: fair produziert, nachhaltig
Fotos: © Einhorn; Fair Squared; Sir Richard's

Mit Kondomen hast du dich wahrscheinlich schonmal beschäftigt – aber auch mit ihren Produktionsbedingungen und Inhaltsstoffen? Utopia zeigt, was es mit nachhaltigen, fairen und veganen Kondomen auf sich hat und wo du sie bekommst.

Kondome kauft wahrscheinlich jeder mal irgendwann im Laufe des Lebens. Wir unterstellen einfach mal, dass die meisten das eher hektisch oder verschämt tun, ohne allzu viel darüber nachzudenken, woher die Produkte stammen. Dabei lohnt sich das.

Die meisten Kondome bestehen aus Naturkautschuklatex. Dieses wird aus der Latexmilch des Kautschukbaums gewonnen – im Prinzip also ein Naturprodukt. Allerdings: Die Kautschukproduktion findet überwiegend in Asien, Afrika und Südamerika statt – und sowohl die Arbeitsbedingungen der Plantagenarbeiter als auch die Umweltauswirkungen sind dort mitunter problematisch. Es macht also Sinn, hier auf fairen Handel und nachhaltige Anbaubedingungen zu achten.

Da Allergien auf Latex möglich sind, gibt es auch latexfreie Kondome. Diese werden meist aus Polyurethan hergestellt – ein erdölbasierter Kunststoff.

Öko-Test stellte 2010 fest: Zwar schützen alle Kondome zuverlässig vor Schwangerschaft und Krankheiten, nicht alle aber sind harmlos: Einige enthalten gesundheitlich bedenkliche Schadstoffe wie allergieauslösende Latexproteine und potenziell krebserregende Nitrosamine.

Was sind vegane Kondome?

Bei der Verarbeitung des rohen Kautschuks zu Latexkondomen verwenden die meisten Hersteller als Hilfsmittel Kasein (Milchprotein). Auch wenn davon im fertigen Kondom nichts mehr enthalten ist, gilt das Produkt aufgrund des Einsatzes von Kasein als nicht vegan.

Vegane Kondome verzichten auf Kasein in der Verarbeitung und verwenden stattdessen pflanzliche Stoffe: Der Hersteller Glyde beispielsweise setzt einen Distelextrakt ein, der dieselben Aufgaben erfüllt.

Noch ist die Anzahl der veganen Kondom-Marken überschaubar. Meist legen die Hersteller auch Wert auf nachhaltige und faire Produktionsbedingungen. Wir stellen vier vor.

Fair produziert: Vegane Kondome von Fair Squared
Fair produziert: Vegane Kondome von Fair Squared (Fotos: © Fair Squared)

Fair Squared: Vegan, fair, Made in Germany

Fair Squared startete 2011 in England, hat aber mittlerweile seinen Firmensitz in Köln. Die Kondome von Fair Squared gehören zu den weltweit ersten Kondomen, die aus fair gehandeltem Naturkautschuklatex produziert werden. Die Kondome werden in Deutschland hergestellt.

Der Latex für die Kondome stammt von FSC-zertifizierten Plantagen in Kerala in Südindien. Fair Squared ist Mitglied im Fair Rubber e.V., der sich zum Ziel gesetzt hat, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Erzeuger zu verbessern. Der Naturkautschuklatex für die Fair Squared-Kondome stammt aus fairem Handel: die Produzenten erhalten eine Fair Trade-Prämie, die für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Plantagenarbeiter und ihrer Familien verwendet wird.

Die Kondome sind vegan und tierversuchsfrei; sie sind mit der Veganblume der Vegan Society ausgezeichnet. (Achtung: Derzeit werden nicht-vegane Kondome, die inzwischen aus dem Sortiment genommen wurden, ebenfalls noch abverkauft.)

Die Fair Squared Kondome sind frei von Farbstoffen und Aromen. „Original“ und „Ultrathin“ sind mit Silikonöl beschichtet.

Neben Kondomen bietet Fair Squared auch eine umfangreiche Kosmetikserie an, diese ist Fairtrade- und Natrue-zertifiziert, vegan und halal.

Bezugsquellen**: Fair Squared-Kondome gibt es z.B. bei Avocadostore, boutique vegan oder Amazon.

Preis: 3,95 Euro/3 Stück, 6,95 Euro/10 Stück, 29,95 Euro/100 Stück.

Bunt verpackt: Vegane Kondome von Einhorn
Bunt verpackt: Vegane Kondome von Einhorn (Foto: © Einhorn)

Einhorn: das „Fairstainability Kondom“

Das Kondom-Start-Up Einhorn hat durch die TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ einige Bekanntheit erlangt. Dort fand sich zwar kein Investor, doch das Unternehmen sammelte mit seinem Plan, faire, vegane Kondome zu entwickeln, per Crowdfunding dennoch über 100.000 Euro ein.

Die Idee: komplett nachhaltige, faire, vegane Kondome produzieren und dabei noch einen Beitrag zu Umweltschutz und besseren Arbeitsbedingungen in den Produzentenländern leisten.

Die Gründer stehen dazu, dass sie sich noch am Anfang des Prozesses hin zum wirklich nachhaltigen Kondom befinden und versprechen, auch alle weiteren Schritte transparent zu machen.

„Wir sagen deshalb ehrlich, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben, bevor wir ein echtes Fairstainability Kondom anbieten können“,heißt es auf der Website.

Das Unternehmen bezahlt seine malaiischen Kautschukfarmer bereits überdurchschnittlich, verzichtet auf den Einsatz von Pestiziden und legt Wert auf den Erhalt der Bio-Diversität. Derzeit arbeitet Einhorn daran, die Rückverfolgbarkeit des Kautschuks durch die gesamte Lieferkette sicherzustellen. Zudem will Einhorn Kriterien für nachhaltigen Kautschukanbau definieren und deren Einhaltung vor Ort sicherstellen; das soll sowohl umweltverträgliche Anbaumethoden wie auch sichere Arbeitsbedingungen und faire Löhne umfassen.

Einhorn verpflichtet sich, 50% seiner Profite in soziale und nachhaltige Projekte zu investieren.

Auch wenn die Gründer noch an Verbesserungen der Produktionsbedingungen arbeiten: es ist bereits eine große Auswahl an Einhorn-Kondomen erhältlich. Einhorn Kondome sind aus Naturkautschuklatex und vegan. Es werden keine tierischen Inhaltsstoffe verwendet und keine Tierversuche durchgeführt.

Die Verpackungen sind mit Bildern und Illustrationen von bekannten Künstlern gestaltet. Denn, so glauben die Unternehmer: Oft dient eine Tüte Chips nur dazu, die Kondompackung auf dem Band an der Supermarktkasse zu verdecken. Das möchte Einhorn mit den schön designten Verpackungen ändern.

Bezugsquellen**: Die Kondome sind als Einzelpackungen (7 Stück) und als „Jahresvorrat“ (7 Packungen = 49 Stück) erhältlich, z.B. bei Einhorn, Avocadostore, vekoop oder Amazon.

Preis: ca. 6-10 Euro/7 Stück, ca. 35 Euro/49 Stück

Glyde: vegane Kondome aus Down Under

Vegane Kondome von Glyde
Vegane Kondome von Glyde (Foto: © Glyde Health/avocadostore)

Glyde ist ein australisches Unternehmen, das vegane Kondome herstellt: die Kondome enthalten keine Stoffe tierischen Ursprungs, werden ohne tierische Hilfsstoffe und ohne Tierversuche hergestellt. Sie sind mit der Veganblume der Vegan Society ausgezeichnet.

Die Kondome bestehen aus Naturlatex, in der Verarbeitung wird statt Kasein ein Distelextrakt verwendet, der dieselben Aufgaben erfüllt.

Der Naturkautschuk für die Kondome wird in einer nachhaltig bewirtschafteten Latexplantage in Malaysia geerntet. Die Plantage besteht bereits seit über 100 Jahre. Bäume, die nicht mehr produktiv sind, werden dort durch neue Bäume ersetzt – aus Stecklingen gezogen, die von diesen älteren Bäumen genommen werden. So wird kein Regenwald für neue Plantagen abgeholzt.

Nach eigenen Angaben arbeitet Glyde „mit umweltbewussten Fairtrade-Partnern zusammen, die sich für faire Arbeitsbedingungen und Bezahlung der Arbeiter einsetzen.“

Alle Aromen werden aus natürlichen Fruchtextrakten in Lebensmittelqualität hergestellt, die Farbstoffe bestehen aus natürlichen Pflanzen- und Blütenextrakten. Als Gleitmittel sind die Glyde-Kondome mit einer dünnen Schicht Silikonöl versehen.

Der Hersteller der Glyde-Kondome unterstützt in Australien die nationale Gesundheitsbehörde (Australia Ministry of Health) und diverse AIDS-Hilfen sowie Gesundheitsprojekte weltweit mit Produkten und einem Teil der Erlöse.

Die Kondome sind in vier Größen verfügbar, man bekommt sie im 10er und im 100er-Pack.

Bezugsquellen**: Es gibt sie online z.B. bei Hydrophil, najoba oder Amazon.

Preis: ca. 8 Euro/10 Stück

Sir Richard’s: vegan und verträglich

Vegane Kondome von Sir Richard's
Sir Richard’s-Kondome: vegan und chemiefrei (Foto: © Sir Richard's)

Das US-amerikanische Unternehmen Sir Richard’s stellt vegane, tierversuchsfreie Kondome aus 100% Naturlatex her. Die Produktion findet in Malaysia statt, wo auch der Kautschuk gewonnen wird.

Nach eigenen Angaben sind die Kondome frei von potenziell schädlichen – und in anderen Kondomen häufig vorhandenen – Substanzen wie Spermiziden, Glycerin, Parabenen, petrochemischen Stoffen und Bestandteilen tierischen Ursprungs. Das soll sie auch für Menschen, die bisher allergisch auf Kondome reagiert haben, verträglicher machen. Sie sind mit Silikonöl beschichtet und mit Maisstärke bestäubt.

Sir Richard’s spendet im Rahmen seines „Buy One. Give One.“-Programms für jedes verkaufte Kondom ein weiteres an eine Hilfsorganisation in einem Entwicklungsland; bisher gingen die gespendeten Kondome vor allem an „Partners In Health“, eine unabhängige Gesundheitsorganisation in Haiti.

Bezugsquellen**: In Deutschland bekommt man die Kondome z.B. bei Amazon.

Preis: ca. 5,50 Euro/3 Stück

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(8) Kommentare

  1. Also ich schaue auf die Shopseite von Fair Squared und da ist plötzlich kein Vegan Logo mehr auf den Kondomen und in den FAQ der Seite steht dann auch eindeutig http://shop.fairsquared.info/de/faq

    „Welche Produkte kann ich als Vegetarier oder Veganer benutzen?

    Alle unsere kosmetischen Produkte sind vegan. Lediglich bei unseren Kondomen müssen wir aus Qualitätsgründen Cassein verwenden.“

    Bitte korigieren. Danke.

    Ansonsten danke für die Übersicht.

  2. Danke für deinen Kommentar. Wir waren davon auch verwirrt und haben bei Fair Squared nachgefragt. Die Antwort: die nicht-veganen Kondomen wurden aus dem Sortiment genommen und die Restbestände werden aktuell nur noch abverkauft. „Orginal“, „Ultrathin“ und „Sensitive Dry“ sind vegan.

  3. Hab ich auch gelesen, in den gelinkten Shops finde ich allerdings nichts, was auf kingsize hindeuten würde? Wär natürlich schade, wenns nur daran scheitern würde..

  4. ESP als größerer Hersteller fehlt da noch. Die haben auch Kondome in Übergrößen bzw. die Air Thin, die man echt kaum noch fühlt, im Sortiment. Gibts beispielsweise bei https://kokku-online.de/esp/ oder https://www.avocadostore.de/brands/esp-care-srl

    Um mal ehrlich zu sein, halte ich die Einhorn-Kondome für ne witzige Werbeidee, mehr aber auch nicht. Fast 50% Aufreis für ne trendige und bunte Verpackung zu zahlen bei einem Produkt, wo es null auf die Verpackung ankommt … naja, wer es braucht. 🙂

    Sir Richards sind gut, aber preislich auch im gehobenen Bereich. Glyde ist Standard. Gibt es nichts gegen auszusetzen.

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