Nanopartikel in Lebensmitteln und Kosmetik: Wirkung und Gefahren

Nanopartikel
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Nanopartikel: winzig klein, und umso tückischer. Erfahre hier, wie Nanopartikel in Lebensmittel und Kosmetik wirken – und welche Gefahren sie für Mensch und Umwelt bergen.

Nanopartikel sind winzige Teilchen, die kleiner als hundert Nanometer sind – oder ein Millionstel Millimeter. Somit sind sie etwa 1000 Mal kleiner als der Durchmesser eines einzelnen Haares. Nanopartikel können natürlich vorkommen, zum Beispiel in Vulkanasche. Sie können aber auch künstlich hergestellt werden.

Die Nanotechnologie gilt als eine der wichtigsten Technologien unserer Zeit, denn künstlich hergestellte Nanopartikel sollen aufgrund ihrer geringen Größe viele Produkte verbessern können. Beispielsweise machen Nanopartikel Kunststoffe stabiler. Insbesondere in der Elektronikbranche, Pharmazie, Medizin, Kosmetik, Chemie und der Flächenveredelung besteht großes Interesse an Nanopartikeln. Die winzigen Teilchen sind allerdings umstritten, wenn es um die Folgen für Mensch und Natur geht.

Nanopartikel können entweder fest in einem Stoff eingebunden sein, oder in freier Form vorliegen. Laut dem Umweltbundesamt können vor allem von ungebundenen Nanopartikeln Risiken für Mensch und Natur ausgehen.

Ungebundene Nanopartikel sind als freie Teilchen in Produkten wie Haarsprays enthalten und werden quasi unkontrolliert freigesetzt. Werden sie über die Luft verbreitet, können sie eingeatmet werden. Laut Spiegel Online kann es im Körper passieren, dass sich Nanopartikel verändern oder sich über die Jahre hinweg anreichern.

Bisher gibt es noch keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse aus Langzeitstudien über die Folgen von Nanopartikeln für Gesundheit und Umwelt.

Nanopartikel in Lebensmitteln

In dragierten Kaugummis steckt das Farbpigment Titanoxid - ein Nanopartikel
In dragierten Kaugummis steckt das Farbpigment Titanoxid – ein Nanopartikel (Foto: CC0 / Pixabay / rawpixel)

Von Instantsuppe über Salz bis hin zu Kaugummis: Viele Lebensmittel enthalten Nanopartikel, die die Produkteigenschaften verbessern sollen. So verhindern Nanopartikel in Tütensuppen, dass das Pulver verklumpt. Kaugummis erhalten durch Nanoteilchen ihre weiße Strahlkraft. Und Salz rieselt viel besser dank der winzigen Partikel.

Nanopartikel sollen Lebensmittel auch gesünder machen können, indem sie den Fett-, Zucker- und Salzgehalt reduzieren. Laut Ralf Greiner, Leiter des Instituts für Lebensmittel- und Bioverfahrenstechnik am Max-Rubner-Institut (MRI) in Karlsruhe, könnten Fettkügelchen auf Nanogröße geschrumpft werden, wodurch dieselbe Menge an Fett insgesamt eine größere Oberfläche bekommt. So kommen mehr Geschmacksknospen mit dem Fett in Kontakt und das Geschmackserlebnis wird verbessert.

Auch Zucker, Salz und Aromen könnten auf die Oberfläche von Nanopartikel aufgebracht werden und nach den gleichen Prinzip der vergrößerten Oberfläche einen intensiveren Geschmack bewirken. Ebenso wird erforscht, wie Nanopartikel Vitamine besser transportieren können.

Damit Verbraucher Lebensmittel erkennen können, die Nanopartikel enthalten, müssen

Ob ein Lebensmittel Nanopartikel enthält, müssen Hersteller sie kennzeichnen. Zutaten, die in Form „technisch hergestellter Nanomaterialien“ eingesetzt werden, müssen sie mit „Nano“ bezeichnen. Jedoch gibt es noch kaum herkömmliche Zutaten, die unter diese Definition fallen.

Die meisten Nanopartikel sind zufällig enstandene Teilchen in Zusatzstoffen wie Titandioxid (E 171), Calciumsilicat (E 552), Talkum (E 553b) oder Siliziumdioxid (E 551). Bis 2020 will die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) noch prüfen, inwieweit solche Zusatzstoffe als Nanopartikel deklariert werden müssen.

Es gibt auch natürliche, zufällige oder verfahrensbedingte Nanomaterialien, die nicht gekennzeichnet werden müssen. Darunter fallen laut Verbraucherzentrale alle Nanomaterialien, die beim Mahlen von Mehl, bei der Homogenisierung von Fruchtsäften oder bei der Emulgierung von Fett entstehen. Auch Nanopartikel, die als Träger für Zusatzstoffe, Vitamine oder Fettsäuren dienen, müssen nicht deklariert werden.

Nanopartikel in Kosmetik

In Mascara sorgen Nanopartikel für mehr Haltbarkeit
In Mascara sorgen Nanopartikel für mehr Haltbarkeit (Foto: CC0 / Pixabay / Bru-nO)

Auch in vielen Kosmetikprodukten stecken Nanopartikel. In Deodorants kommen bevorzugt Nanopartikel aus Silber zum Einsatz, da sie antibakterielle Eigenschaften besitzen. Nanopartikel in Cremes und Lotion lassen die Pflegeprodukte leichter in die Haut einziehen. Zahnpasten mit Nanopartikeln sollen feinste Risse in den Zähnen füllen können. Kajalstifte und Mascaras sind durch Nanopartikel länger haltbar.

Insbesondere Sonnencremes profitieren von der Nanotechnologie: Die winzigen Partikel in den Pigmenten Titanoxid und Zinkoxid legen sich wie ein unsichtbarer Film auf die Haut, der das Sonnenlicht reflektiert und die UV-Strahlung so nicht in die Haut dringen lässt. Ob sie sich dabei gesundheitsschädlich auswirken, ist bislang umstritten.

Risiken von Nanopartikeln in Lebensmitteln und Kosmetik

Nanopartikel kommen nicht durch die Haut - wenn sie gesund ist. Über die Atemwege können sie aber ins Blut gelangen
Nanopartikel kommen nicht durch die Haut – wenn sie gesund ist. Über die Atemwege können sie aber ins Blut gelangen (Foto: CC0 / Pixabay / silviarita)

Risiken von Nanopartikeln in Lebensmitteln

Bisher gibt es noch kaum wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie sich künstlich hergestellte und zugesetzte Nanopartikel in Lebensmitteln auf die Gesundheit auswirken können. Es bestehen Vermutungen, dass Nanopartikel aufgrund ihrer geringen Größe bestimmte Barrieren wie die Darmwand durchdringen könnten.

Wissenschaftler vom Zentrum für Medizinische Biotechnologie der Universität Duisburg-Essen haben Anfang des Jahres erste Erkenntnisse darüber geteilt, wie Nanopartikel unsere Magen- und Darmflora beeinflussen könnten. Demnach können sich Nanoteilchen an schädliche und nützliche Bakterien, darunter auch probiotische Keime, binden. Das könne sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben.

So könne das Immunsystem einerseits krankheitserregende Bakterien schlechter erkennen, wenn sie mit Nanoteilchen bedeckt sind. Dies begünstige Darmentzündungen. Andererseits schwächen bestimmte Nanopartikel die Infektiosität des Keims Helicobacter pylori, der maßgeblich an der Entstehung von Magenkrebs beteiligt ist.

Risiken von Nanopartikeln in Kosmetik

Auch im Bereich der Kosmetik sind die Folgen von Nanopartikeln noch nicht ausreichend erforscht. Allerdings wurde laut Zeit online nachgewiesen, dass die Teilchen aus Kosmetikprodukten nicht durch die Hautbarriere in die Blutbahnen gelangen können. Es gibt allerdings Einschränkungen: Sicherheitshalber sollten Produkte mit Nanopartikeln zum Beispiel nicht auf Wunden oder auf sonnengeschädigte Haut aufgetragen werden.

Ein größeres Risiko geht von ungebundenen Nanopartikeln in Kosmetika wie Deodorants und Haarsprays aus. Es besteht die Möglichkeit, über den Nebel Nanopartikel einzuatmen. Das kann Reizungen der Atemwege verursachen. Zudem können die Partikel über die Lunge auch in die Blutbahnen geraten. Was dort mit ihnen geschieht, wurde bisher noch nicht untersucht.

Folgen für die Umwelt

Was geschieht mit den Teilchen, wenn sie über das Abwassersystem über den Klärschlamm auf die Äcker gelangen? Auch dazu gibt es noch keine ausreichende Foschung. Der Bund für Risikobewertung hält es laut Zeit online vor allem für wichtig, den Lebenszylus der Nanopartikel nachzuverfolgen. So könne man untersuchen, ob sich die Teilchen in der Erde oder in Wurzeln ansammeln und wie sie sich auf Wasserlebewesen auswirken.

Nanopartikel: Supertechnologie oder Gefahr?

Nanopartikel gehören zu den Schlüsseltechnologien unserer Zeit, sind aber zu wenig erforscht, um Langzeitwirkungen auf Gesundheit und Natur absehen zu können.

In Zeiten von „Designer food“ gibt es unzählige Möglichkeiten, Lebensmittel noch künstlicher – und in den Augen der Hersteller „perfekter“ – zu machen als sie es ohnehin schon sind. Produkte wie Kaugummis und Tütensuppen stecken bereits randvoll mit Zusatzstoffen. Nanopartikel erlauben es, Lebensmittel auf künstliche Weise noch aromatischer zu machen und gewöhnen den menschlichen Gaumen somit an unnatürlich intensive Aromen.

Die Frage ist, ob es wirklich Sinn macht, Nanotechnologie zum Standardverfahren in der Lebensmittelherstellung zu machen, wenn die Folgen noch nicht geklärt sind. Gesünder wäre es, die Anteile an Fett, Zucker, Salz und Aromen in den Produkten tatsächlich herunterzuschrauben und auf natürliche Inhaltsstoffe und Aromen zu setzen.

In vielen Fällen sind Nanopartikel in Kosmetikartikeln außerdem gar nicht notwendig. Meistens dienen sie dazu, „alte“ Produkte neu aufzulegen und Innovationen auf den Markt zu bringen. Dass es auch ohne Nanopartikel geht, zeigen auch Produkte wie mineralische Sonnencremes.

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