Kaugummi: frischer Atem dank Erdöl

Kaugummi: Erdöl, Zucker, Farbstoffe
Foto: © Utopia

Falls du gerade einen Kaugummi kaust, solltest du jetzt aufpassen, dass er dir nicht im Hals stecken bleibt: Was du da im Mund hast, ist vor allem Erdöl mit künstlichen Zusatzstoffen. Wir zeigen, wie problematisch Kaugummi ist und welche Alternativen es zu Wrigley’s & Co. gibt.

Fast 15 Millionen Deutsche kauen täglich oder mehrmals pro Woche Kaugummi. Wahrscheinlich wissen die wenigsten, wofür sie da Geld ausgeben.

Gründe haben sicher alle: Kauen soll angeblich die Gehirnleistung steigern, die Verdauung anregen, die Zähne pflegen oder bleichen und sogar helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Das mag mal stimmen und mal nicht – sicher ist jedoch, dass in den meisten Kaugummis zweifelhafte Inhaltsstoffe stecken.

Kaugummi: Gummi aus Erdöl

Zu Beginn der industriellen Produktion wurde Kaugummi aus Chicle gefertigt, dem Milchsaft (Latex) des Breiapfelbaums, der vor allem in Mittelamerika wächst. Dieser natürliche Rohstoff macht heute, wenn überhaupt, nur noch ein paar Prozent der Kaumasse aus.

Moderne Kaugummis bestehen fast ausschließlich aus synthetischen Rohstoffen. Den „Gummi“-Anteil bilden dabei Polymere auf Erdölbasis. Im Klartext: Wir kauen Kunststoffe. Und die sind nicht nur geschmacklich fragwürdig – sie sind vor allem ökologisch und gesundheitlich bedenklich.

Die Herstellung von Kunststoffen auf Basis von Erdöl und Erdgas hat einen üblen Beigeschmack. Nicht nur sind das knapper werdende Rohstoffe, die Erdölgewinnung ist zudem politisch mit Kriegen und Missständen verbunden und birgt enorme Umweltrisiken – von der dreckigen Förderung bis hin zu Unfällen bei Tankern und Bohrplattformen. Mit anderen Worten: Erdöl ist nichts, was man sich zum Vergnügen in den Mund stecken sollte.

Kaugummi: nicht biologisch abbaubar
Kaugummi besteht im wesentlichen aus Kunststoff und ist nicht biologisch abbaubar. (Foto: © antifalten / photocase.de)

Kaugummi: biologisch nicht abbaubar

Eben weil herkömmliche Kaugummis überwiegend aus erdölbasiertem Kunststoff bestehen, ist auch die Entsorgung ein Problem. Denn genau wie andere Plastikprodukte ist auch Kaugummi biologisch nur schwer abbaubar.

Um so schlimmer ist die verbreitete Gewohnheit, Kaugummis einfach auf den Boden zu spucken. Die Entfernung der Kaugummi-Flecken von Straßen und Gehwegen ist oft nur mit sehr energie- und wasserintensiven Spezialmaschinen möglich. Eine Ressourcenvergeudung, die ohne Kaugummis gar nicht nötig wäre.

Kaugummi: ungesund und synthetisch

Neben der Kaumasse aus Kunststoff enthalten die Kaugummis meist Zucker oder Zuckerersatzstoffe, plus künstliche Farbstoffe und Aromen, Stabilisatoren, Füllstoffe, Verdickungsmittel, Feuchthaltemittel, Antioxidationsmittel, Geschmacksverstärker… Lecker?

Auf den Inhaltsstofflisten vieler Kaugummis finden sich bedenkliche Substanzen. Da ist beispielsweise der Stabilisator Harnstoff/Carbamid (E 927b), der gleichzeitig als wichtiges Stickstoffdüngemittel verwendet wird. Der Emulgator (Soja-)Lecithin wird oft mittels Gentechnik hergestellt. Das Antixidationsmittel BHA (Butylhydroxyanisol) steht im Verdacht, allergische Reaktionen und möglicherweise sogar Krebs auslösen zu können.

Die gesundheitlichen Auswirkungen verschiedener synthetischer Süßungsmittel – etwa Aspartam – werden immer wieder extrem kontrovers diskutiert. Auch einige der eingesetzten Farb- und Aromastoffe sind umstritten – oder zumindest unnötig.

So gesund, wie die Werbung gerne behauptet, sind die meisten Kaugummis also nicht. Insbesondere Allergiker sollten ganz genau hinschauen, welche Inhalts- und Zusatzstoffe enthalten sind. Auch Kaugummis für Kinder sollte man sich vor dem Kauf besonders kritisch ansehen: synthetische Süßungsmittel, Aromastoffe und BHA sollten hier eigentlich tabu sein.

Kaugummi: ungesund?
Synthetische Süßstoffe, Farbstoffe, Aromen: In Kaugummi steckt ziemlich viel Chemie. (Foto: © TomFreeze - Fotolia.com)

Es gibt kaum gute Alternativen

Im Internet findet man reichlich Anleitungen, um Kaugummi selbst herzustellen. Es gibt sogar fertige Selbermach-Sets. Einige davon verwenden Chicle anstatt erdölbasierten Kunststoff, das ist schonmal gut. Weniger gut: Fast immer sind auch Zutaten dabei, deren Herkunft und/oder Wirkung unklar und fragwürdig ist, etwa Zuckeraustauschstoffe, Farbstoffe oder Aromen.

Fertige Kaugummis ohne Erdöl gibt es nur wenige. Der „Peppersmith Chewing Gum“ verwendete als Kaumasse urprünglich Chicle, seit einigen Jahren jedoch enthält er eine Mischung aus natürlichem und synthetischem Gummi.

Öko-Test vergab im Zahnpflegekaugummi-Test 2015 ein „sehr gut“ an den „Xucker Xummi Spearmint“ (online** erhältlich z.B. bei nu3, Amazon), der mit Xylit als Süßungsmittel und ohne bedenkliche Inhaltsstoffe auskommt – allerdings ist auch hier die Kaumasse synthetisch hergestellt, d.h. erdölbasiert.

Außerdem schnitten bei Öko-Test „gut“ ab: Doc’s Dental Protect, Kaux Cinnamon und Kaux Spearmint, Miradent Xylitol Cinnamon Chewing Gum und Apple Chewing Gum for Kids,  Ralf Baders Protect Zahnpflege Kaugummi Xylit, Xucker Xummi Fruchtmix sowie Xyli Vita Pfefferminz. Beim letztgenannten enthält die Kaumasse etwas natürliches Chicle.

„Chicle X“ von Beckers kommt ebenfalls ohne künstliche Süßungsmittel oder Aromen aus, allerdings besteht die Kaumasse nur teilweise aus dem namensgebenden Chicle, auch hier kommt synthetischer „Gummi“ zum Einsatz. Öko-Test bemängelte hier widersprüchliche Angaben des Herstellers.

Bio-Kaugummi: Chicza
Ist das die Alternative? (Foto: © Chicza / Avocado Store)

Eine ökologisch vertretbare Kaugummi-Alternative ist der Bio-Kaugummi „Chicza“. Er wird auf traditionelle Weise aus Chicle hergestellt und ist zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Er enthält keine synthetischen Substanzen, sondern lediglich Inhaltsstoffe aus biologischem Anbau. Allerdings ist der Zuckeranteil relativ hoch und Chicza ist etwas teurer als herkömmlicher Kaugummi. Aber das ist immer noch besser, als Kunststoffe mit Kunstgeschmack zu kauen. (Kaufen: im Bioladen oder online**, z.B. bei Avocado Store oder goodfood-shop)

Wer vor allem Wert auf frischen Atem legt und nicht auf das Kauen, kann es mal mit Bio-Minzpastillen versuchen (zum Beispiel von Rapunzel oder Hoyer, erhältlich im gut sortierten Biohandel oder online** z.B. bei amorebio.de und iloveveggie.de), allerdings bestehen sie überwiegend aus Zucker. Minimalistische Alternative: Fenchelsamen oder Gewürznelken kauen.

Kaugummi kauen ist vor allem eines: eine Gewohnheit. Und Gewohnheiten sind bekanntlich schwer aufzugeben – aber nicht unmöglich.

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(19) Kommentare

  1. Allein der Gedanke … jetzt auch hier noch Erdöl. Das ist mir wirklich zuviel. Ich muss keine wirtschaftlichen Vergleiche ziehen, ob ein Erdöleinsatz hier ins Gewicht fällt. Ich kenne ja keine Zahlen zur Weltkaugummiproduktion. Es geht um mich und meine Gesundheit – darauf habe ich Einfluss. Und das auch nachhaltig!

  2. Mir war gar nicht bewusst, wieviel Mist in Kaugummis steckt, danke für den Artikel ! In der Bio-Company hab ich vor kurzem oben genannten „Chicza“ entdeckt und war neugierig und hab ihn trotz des Preises ausprobiert. Ich hab mich für die klassische Minze enzschieden und er schmeckt wirklich lecker, der Geschmack ist nicht so langanhaltend wie bei gewöhnlichem Kaugummi, aber dafür natürlich und ausreichend erfrischend. Die Konsistenz ist gewöhnungsbedürftig, weil sie nicht klebt, aber das finde ich gar nicht schlecht.

  3. Achtung, Peppersmith hat seine Rezeptur vor knapp zwei Jahren verändert und verwendet nun auch Kaumasse auf Kunststoffbasis.
    Zu erkennen ist dies an den neuen Verpackungen. Denn in den Alten waren noch Blättchen zum einwickeln des Kaugummis nach dem Gebrauch. Die neuen haben diese nicht meht.

    Ich suche seither auch erfolglos nach Alternativen, die mit europ. Xylit und natürlicher Kaumasse aber ohne Titandioxid hergestellt wurden.
    Vielleicht ist die beste Alternative seine Kaugummis selber herzustellen. Allerdings ist der Rohstoff Chicle schwer zu bekommen.
    Bin Für Tipps und Ratschläge dankbar.

  4. Hallo, ich habe den empfohlenen Kaugummi aus.dem Bioladen probiert; ich fand die Konsistenz ekelhaft und der gute Geschmack war sehr schnell weg gekaut.
    Die Alternative zum Kaugummikauen gegen
    Hustenreiz und Halsschmerzen sind.für mich leider keine Hustenbonbons, selbstverständlich ohne Zucker!
    Was nun?

    • Guten Morgen Beate,

      gegen Halsschmerzen wirkt Gurgeln gut, am besten mit einem Aufguss aus Salbei, Brennnessel oder Pfefferminz. Dieser lässt sich dann auch gut trinken, am besten mit etwas Honig (wirkt beruhigend) und einem bis zwei Tropfen Teebaumöl (wirkt desinfizierend).
      Hustenreiz entsteht meiner Erfahrung nach oft dann, wenn wir zu wenig trinken. Deshalb genügend trinken! Grober Richtwert: Körpergewicht geteilt durch 30 ergibt das Ideal der täglichen Flüssigkeitszufuhr, die hauptsächlich aus reinem Wasser bestehen sollte.
      Viel Erfolg beim Ausprobieren!
      Gruß Moritz

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