Kaugummi: frischer Atem dank Erdöl?

Kaugummi: frischer Atem dank Erdöl?
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Falls Sie gerade einen Kaugummi kauen, sollten Sie jetzt aufpassen, dass er Ihnen nicht im Hals stecken bleibt: Was Sie da im Mund haben, ist vor allem dreckiges Erdöl mit künstlichen Zusatzstoffen. Wir zeigen, wie schlimm Kaugummi wirklich ist und welche Alternativen es zu Wrigley’s & Co. gibt.

Laut Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) kauften die Deutschen im Jahr 2014 Kaugummi im Wert von rund 650 Millionen Euro. Fast 15 Millionen Deutsche kauen dabei täglich oder mehrmals pro Woche Kaugummi. Wahrscheinlich wissen die wenigsten, wofür sie da Geld ausgeben.

Gründe haben sicher alle: Kauen soll angeblich die Gehirnleistung steigern, die Verdauung anregen, die Zähne pflegen oder bleichen und sogar helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Das mag mal stimmen und mal nicht – sicher ist jedoch, dass in den meisten Kaugummis zweifelhafte Inhaltsstoffe stecken.

Kaugummi: unnachhaltig aus Erdöl

Zu Beginn der industriellen Produktion wurde Kaugummi aus Chicle gefertigt, dem Milchsaft (Latex) des Breiapfelbaums, der vor allem in Mittelamerika wächst. Dieser natürliche Rohstoff macht heute, wenn überhaupt, nur noch ein paar Prozent der Kaumasse aus.

Moderne Kaugummis bestehen fast ausschließlich aus synthetischen Rohstoffen. Den „Gummi“-Anteil bilden dabei Polymere auf Erdölbasis. Im Klartext: Wir kauen Kunststoffe. Und die sind nicht nur geschmacklich fragwürdig – sie sind vor allem auch ökologisch und gesundheitlich bedenklich.

Vor allem die Herstellung von Kunststoffen aus Erdöl und Erdgas hat einen üblen Beigeschmack: Die Erdölgewinnung ist politisch mit Kriegen und Missständen verbunden und birgt enorme Umweltrisiken – von der dreckigen Förderung bis hin zu Unfällen bei Tankern und Bohrplattformen. Mit anderen Worten: Erdöl ist nichts, was man sich zum Vergnügen in den Mund stecken sollte.

Kaugummi: biologisch nicht abbaubar

Eben weil herkömmliche Kaugummis überwiegend aus erdölbasiertem Kunststoff bestehen, ist auch die Entsorgung ein Problem. Denn genau wie andere Plastikprodukte ist auch Kaugummi biologisch nur schwer abbaubar. Um so schlimmer ist die verbreitete Gewohnheit, Kaugummis einfach auf den Boden zu spucken. Die Entfernung der Flecken von Straßen und Gehwegen ist oft nur mit energie- und wasserintensiven Spezialmaschinen möglich. Eine Ressourcenvergeudung, die ohne Kaugummis gar nicht nötig wäre.

Kaugummi: ungesund und synthetisch

Neben der Kaumasse aus Kunststoff enthalten die meisten Kaugummis Zucker oder Zuckerersatzstoffe, Weichmacher, Verdickungsmittel, Emulgatoren, Antioxidationsmittel, künstliche Farbstoffe und Aromen. Lecker?

Auf den Inhaltsstofflisten vieler Kaugummis finden sich bedenkliche Substanzen. Da ist beispielsweise der Stabilisator Harnstoff/Carbamid (E 927b), der gleichzeitig als wichtiges Stickstoffdüngemittel verwendet wird. Der Emulgator (Soja-)Lecithin, der oft mittels Gentechnik hergestellt wird. Und verschiedene synthetische Süßstoffe – etwa Aspartam, dessen gesundheitliche Auswirkungen immer wieder kontrovers diskutiert werden.

So gesund, wie die Werbung gerne behauptet, sind die meisten Kaugummis also nicht. Insbesondere Allergiker sollten ganz genau hinschauen, welche Inhalts- und Zusatzstoffe enthalten sind.

Alternativen

Über Suchmaschinen findet man im Internet reichlich Anleitungen, um Kaugummi selbst herzustellen. Es gibt sogar fertige Selbermach-Sets. Einige davon verwenden Chicle anstatt erdölbasierten Kunststoff, das ist gut. Weniger gut: Fast immer sind auch Zutaten dabei, deren Herkunft und/oder Wirkung unklar und fragwürdig ist, etwa Zuckeraustauschstoffe, Farbstoffe oder Aromen.

Fertige Kaugummis ohne Erdöl gibt es nur wenige. Einer davon ist der in einigen Onlineshops erhältliche „Peppersmith Chewing Gum“, der als Kaumasse Chicle einsetzt und natürliche Aromen verwendet. Leider sind die Rohstoffe nicht zertifiziert und sowohl der enthaltene Zuckeraustauschstoff Xylitol als auch das enthaltene Lecithin werden häufig aus gentechnisch veränderten Rohstoffen gewonnen.

Kaugummi kauen ist vor allem eines: eine Gewohnheit. Und Gewohnheiten sind bekanntlich schwer aufzugeben. Leider gibt es aber bisher nur eine ökologisch wirklich vertretbare Kaugummi-Alternative: den Bio-Kaugummi „Chicza“.

Chicza wird auf traditionelle Weise aus Chicle hergestellt und ist zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Er enthält keine synthetischen Substanzen, sondern lediglich Inhaltsstoffe aus biologischem Anbau. Allerdings ist der Zuckeranteil relativ hoch und Chicza ist etwas teurer als herkömmlicher Kaugummi. Aber das ist immer noch besser, als Kunststoffe mit Kunstgeschmack zu kauen.

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(16) Kommentare


  1. Allein der Gedanke … jetzt auch hier noch Erdöl. Das ist mir wirklich zuviel. Ich muss keine wirtschaftlichen Vergleiche ziehen, ob ein Erdöleinsatz hier ins Gewicht fällt. Ich kenne ja keine Zahlen zur Weltkaugummiproduktion. Es geht um mich und meine Gesundheit – darauf habe ich Einfluss. Und das auch nachhaltig!

  2. Mir war gar nicht bewusst, wieviel Mist in Kaugummis steckt, danke für den Artikel ! In der Bio-Company hab ich vor kurzem oben genannten „Chicza“ entdeckt und war neugierig und hab ihn trotz des Preises ausprobiert. Ich hab mich für die klassische Minze enzschieden und er schmeckt wirklich lecker, der Geschmack ist nicht so langanhaltend wie bei gewöhnlichem Kaugummi, aber dafür natürlich und ausreichend erfrischend. Die Konsistenz ist gewöhnungsbedürftig, weil sie nicht klebt, aber das finde ich gar nicht schlecht.

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