Naturpädagogik: Wie Wissenserwerb mithilfe der Natur funkioniert

Naturpädagogik
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In der Naturpädagogik ist es zentral, die Natur mit allen Sinnen zu erfahren. Sie sieht den Menschen als Teil der Natur und die Natur als Lehrerin.

Die Naturpädagogik möchte den Menschen helfen, (wieder) in Kontakt mit der Natur zu kommen, eine Mensch-Natur-Beziehung aufzubauen. Der Ansatz ist folgender: Nur durch das eigene Erleben und durch den intensiven Kontakt mit der Natur kann ein Mensch seine Entfremdung zu ihr überwinden – und eine neue Vertrautheit aufbauen.

Deshalb beschreibt die Naturschule Deutschland Naturpädagogik auch als Beziehungsarbeit: Unterschiedliche Formen von Naturerlebnis und Naturerfahrung sollen es den Menschen ermöglichen, mit ihrer Mitwelt in Beziehung zu treten.

Dahinter stecken ein bestimmter Wertekanon und ein bestimmtes Weltbild, nämlich ein ökozentrisches: Nicht der Mensch ist nach dieser Auffassung der Mittelpunkt der Welt, sondern die Welt um ihrer selbst willen. Der Mensch ist lediglich Teil dieser Welt, Teil der Natur. Er nimmt keine besondere Rolle ein, sondern ist genauso wichtig wie ein Rotkehlchen oder eine Ameise. Im ökozentrischen Weltbild steht alles in Beziehung zueinander und ist Teil eines Ganzen. 

Die zentralen Werte der Naturpädagogik sind Achtung und Respekt anderen Lebewesen gegenüber – auch gegenüber sich selbst und anderen Menschen.

Mit diesen Methoden arbeitet die Naturpädagogik

Eine Form der Naturpädagogik: Die meditative Naturbegegnung.
Eine Form der Naturpädagogik: Die meditative Naturbegegnung. (Foto: CC0 / Pixabay / brenkee)

Um Naturerlebnisse zu vermitteln, setzt die Naturpädagogik ebenfalls auf einen ganzheitlichen Ansatz: Sie arbeitet mit einem breiten Spektrum von Lernmethoden. Dabei will sie Emotionen und Gefühle genauso ansprechen wie den kognitiv arbeitenden Kopf. Auch körperliche Erfahrungen spielen eine zentrale Rolle.

Die Naturschule nennt als zentrale Ansätze:

  • Leben in der Natur
  • Forschendes Entdecken
  • Spiel
  • Sinneswahrnehmung
  • Naturkundliche Wissensvermittlung
  • Natur als Nahrungsmittel und als Heilmittel
  • Handwerkliches und künstlerisch-kreatives Tun
  • Meditative Naturbegegnung
  • Kulturelles, wie z.B. Geschichten oder Lieder

Im Mittelpunkt steht bei all diesen Methoden das eigene Erleben. Die Naturpädagogik geht davon aus, dass eigene Eindrücke und Erinnerungen ein intensiveres und nachhaltigeres Lernen ermöglichen als abstrakte Fakten. Die Natur wird gleichsam als Lehrerin gesehen, die zu kreativem und problemlösendem Denken anregt. Jeder Mensch kann in ihr viel entdecken und sich vieles abschauen.

Gleichzeitig soll die Naturpädagogik durch ihren ganzheitlichen Ansatz auch die körperlich-seelische Gesundheit fördern und die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit unterstützen.

Die Rolle des Naturpädagogen lässt sich eher als die eines Vermittlers verstehen: Er oder sie macht Angebote und schafft Räume, mit der Natur in Kontakt zu kommen. Als Lehrer und Dozenten im eigentlichen Sinne treten Naturpädagogen nicht auf.

Naturpädagogik und ähnliche Bildungsansätze

Feuer machen gehört zu den zentralen Überleben
Feuer machen gehört zu den zentralen Überleben (Foto: CC0 / Pixabay / Pexels)

Die Naturpädagogik ist eine zentrale Form der Umweltbildung. Ähnliche Ansätze sind etwa Umweltpädagogik, ökologisches Lernen, Umwelterziehung und Naturerlebnispädagogik. Die einzelnen Bereiche eindeutig voneinader abzugrenzen, ist allerdings schwierig: Häufig gibt es keine eindeutigen Definitionen und die Übergänge sind fließend.

  • Umwelterziehung ist laut dem Wissenschaftler Gerhard Becker der älteste Begriff. Er bezog sich anfangs auf die Lehre von Umweltthemen im Schulunterricht, vor allem in den Fächern Biologie, Geographie und Sozialkunde. Später kamen Ansätze dazu, die auch emotionale Aspekte mit einbezogen und sich nach und nach zu ganzheitlicheren Ansätzen entwickelten. Die Bandbreite an Richtungen und Konzepten ist groß.
  • Heutzutage ist der Begriff der Umweltbildung wieder weniger gebräuchlich. Stattdessen ist eher die Rede von Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz: BNE. Damit erkennen Bildungsträger weltweit an, dass Umwelt und Umweltprobleme nicht lokal begrenzt sind: Sie stehen vielmehr in einem weltweiten Zusammenhang und haben Auswirkungen auf zukünftiges Leben. Daher soll auch die Bildung globale Lösungsmöglichkeiten vermitteln.
  • Unter den Bildungsansätzen, die Naturerleben vermitteln sollen, nimmt die Wildnispädagogik eine besondere Rolle ein: Sie orientiert sich an der Art und Weise, wie indigene Völker früher Wissen vermittelt und verbreitet haben. Zentrale Elemente in der Wildnispädagogik sind das Leben im Einklang mit der Natur und das Überleben in der Wildnis. Dazu gehören Fähigkeiten wie Wildkräutersammeln, Feuer machen oder einfache Behausungen bauen. Die „Lehrer“ nehmen eher die Rolle von Mentoren ein, die „Schüler“ sollen durch Erfahrung und Nachahmung lernen.
  • Inspirieren lassen sollen sich die „Schüler“ in der Wildnispädagogik mithilfe des Coyote Teaching bzw. Coyote Mentoring: Dabei gilt es, die Neugier des Lernenden zu schüren. Das kann zum Beispiel durch Geschichten und Rätsel geschehen – aber auch, indem der Lehrende auf Spuren in der Natur aufmerksam macht oder eine Frage stellt, die zum Nachdenken anregt.

Naturpädagogische Weiterbildung: Diese Anlaufstellen gibt es

Du möchtest selbst lernen, wie du anderen Menschen Natur und ihre Mitwelt näher bringst? Dafür gibt es an privaten Natur- und Wildnisschulen viele Fort- und Weiterbildungsangebote. Folgende Schulen bieten beispielsweise Fortbildungen in Naturpädagogik an:

Wenn du dich für eine Weiterbildung in Naturpädagogik interessierst, lohnt es sich, die einzelnen Inhalte der Schulen miteinander zu vergleichen: Unterschiedliche Schulen setzen teilweise auch sehr unterschiedliche Schwerpunkte.

Eine pädagogische Vorbildung, zum Beispiel ein (sozial-)pädagogisches Studium oder eine Erzieherausbildung, ist für eine solche Weiterbildung ebenfalls hilfreich.

Wer vertieft im Bereich Umweltpädagogik lernen möchte, kann an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien sogar einen Studiengang dazu belegen. Zum Angebot gehören sowohl Bachelor- als auch Masterstudiengänge.

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