Neonikotinoide und ihre Wirkung auf Mensch, Bienen und Natur

Ameise
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Die fatale Wirkung von Neonikotinoiden auf Bienen hat 2018 zum Verbot von drei Insektiziden geführt. Ähnlich wie Glyphosat handelt es sich um ein aggressives Pestizid. Wir erklären, wie Neonikotinoide genau wirken.

Neonikotinoide: Giftstoffe nach natürlichem Vorbild

Neonikotinoide sind künstlich hergestellte Wirkstoffe der Tabakpflanze.
Neonikotinoide sind künstlich hergestellte Wirkstoffe der Tabakpflanze. (Foto: CC0 / Pixabay / Beeki)

Neonikotinoide stammen von der Tabakpflanze ab: Das echte Nikotin ist ein Pflanzenstoff, den die Tabakpflanze im Laufe der Evolution als Schutz vor Insekten entwickelt hat. Der Stoff schädigt das Nervensystem der Tiere. Schon im 17. Jahrhundert wurde Nikotin in Pflanzenschutzmitteln eingesetzt, ist aber inzwischen von der Biologischen Bundesanstalt für Land­ und Forstwirtschaft verboten worden. Der Grund: Es sei zu gefährlich für Mensch und Natur.

Ab 1985 haben Chemiker daher synthetische Neonikotinoide entwickelt und 1991 als Insektizid erstmals auf den Markt gebracht. Die drei bekanntesten Neonikotinoide sind:

  • Imidacloprid,
  • Clothianidin,
  • Thiamethoxam.

Weitere Neonikotinoide sind:

  • Acetamiprid,
  • Thiacloprid,
  • Dinotefuran,
  • Nitenpyram.

Die Produkte werden zum Beispiel von Bayer und Syngenta hergestellt. Sie sind ein hochwirksames Nervengift. Neonikotinoide binden sich an die Rezeptoren der Nervenzellen und schädigen so dauerhaft die Weiterleitung von Nervenreizen sowie das Nervensystem. Das Gift tötet die Tiere nicht sofort, aber sie verlieren die Orientierung, werden geschwächt und sterben schließlich.

Wo und wie werden Neonikotine eingesetzt?

Besonders Raps und Rüben werden mit den Pflanzenschutzmitteln behandelt.
Besonders Raps und Rüben werden mit den Pflanzenschutzmitteln behandelt. (Foto: CC0 / Pixabay / _Alicja_)

Ähnlich wie Glyphosat gegen Unkraut eingesetzt wird, kommen Neonikotinoide weltweit zur Bekämpfung von Insekten in der Landwirtschaft vor. Die häufigste Verwendung findet bei Raps und Rüben statt. Genau wie Glyphosat werden auch Neonikotinoide größtenteils vorbeugend und großflächig eingesetzt.

Dabei wird das Saatgut bei dem sogenannten Beizen schon vor der Aussaat mit den synthetischen Stoffen überzogen. Die Pflanze ist so von Anfang an vor Insekten geschützt, da sich das Nervengift schon im Keimling und später in der ganzen Pflanze bis in die Blätter und Pollen hinein verteilt.

Die Anwendung von Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam ist inzwischen nur noch im Gewächshaus erlaubt. Schon 2013 schränkte die EU-Kommission den Gebrauch ein und im April 2018 folgte das gänzliche Verbot im Freiland.

Neonikotine: Wirkung auf Bienen und andere Insekten

Bienen kommen durch die Pollen und den Nektar in Berührung mit dem Nervengift.
Bienen kommen durch die Pollen und den Nektar in Berührung mit dem Nervengift. (Foto: CC0 / Pixabay / rostichep)

Schon vor zehn Jahren wurde die schädigende Wirkung von Neonikotinoiden diskutiert. 2008 wurde das Neonikotinoid Chlothianidin für ein Massen-Bienensterben am Oberrhein verantwortlich gemacht. Das Pestizid hatte sich von dem gebeizten Saatgut gelöst und wurde vom Wind auf umliegende Äcker und blühende Wiesen getragen. Erst zehn Jahre später kam es zu dem Verbot in der freien Landwirtschaft.

Viele Studien, unter anderem auch die der European Food Safety Authority (EFSA), haben die fatale Wirkung der Pestizide auf Bienenvölker bereits belegt. Kommen Tiere mit dem Gift an Pollen, Blättern oder Nektar in Berührung, sind Desorientierung, Gedächtnisverlust und ein geschwächtes Immunsystem die Folge. So finden viele Bienen nicht mehr zu ihrem Volk und ihrer Brut zurück, die dann ebenso verhungert. Gleichzeitig werden sie anfälliger für Krankheiten und Parasiten, wie etwa für die Varroa Milbe. Im schlimmsten Fall kommt es zur Auslöschung ganzer Bienenvölker, wie es auch 2008 passiert ist.

Die Neonikotinoide haben schwerwiegende Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Durch den Einsatz von Herbiziden in der Landwirtschaft werden den Insekten wichtige Nahrungsquellen entzogen. Die gleichzeitige Verwendung von Insektiziden entzieht wiederum größeren Tieren die Nahrungsgrundlage.

Die natürliche Nahrungskette wird gestört und es ist so bereits seit Ende der 1980er Jahre zu einem dramatischen Rückgang der Insekten gekommen. Dafür werden in den Untersuchungen hauptsächlich Pestizide verantwortlich gemacht.

Wirkung auf Mensch und Natur

Auch innerhalb der Gewächshäuser können Neonikotinoide großen Schaden anrichten.
Auch innerhalb der Gewächshäuser können Neonikotinoide großen Schaden anrichten. (Foto: CC0 / Pixabay / hpgruesen)
  • Nikotin ist für den Menschen in reiner Form giftiger als Arsen oder Zyankali. Da die Dosierung in der Landwirtschaft aber so gering ist, dass sie hauptsächlich wirbellose Tiere angreift, besteht für den Menschen keine direkte Gefahr. Das Insekten- und Bienensterben hat aber gravierende Folgen auf unser gesamtes Ökosystem.
  • Die EFSA hat in einer weiteren Studie nachgewiesen, dass sich Neonikotinoide auch schädlich auf die Entwicklung des Nervensystems bei Säuglingen und Kleinkindern auswirken können. Die Lern- und Gedächtnisfunktion des Gehirns kann in der Entwicklung beeinträchtigt sein.
  • Untersuchungen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bestätigen, dass auch Produkte aus dem Supermarkt Rückstände von Neonikotinoiden aufweisen.
  • Die Wasserlöslichkeit der Pestizide führt außerdem zu einer Verbreitung des Giftes im gesamten Umkreis des Feldes. Deshalb ist auch die beschränkte Anwendung innerhalb von Gewächshäusern problematisch: Das Gift kann zwar durch den Wind nicht mehr in der Umgebung verteilt werden, aber durch den Boden in das Grundwasser und damit auch in unser Trinkwasser gelangen. Neonikotinoide sind nur schwer abbaubar.

Auch wenn das Verbot einiger Substanzen ein wichtiger Schritt zur Erhaltung der Bienenvölker und Artenvielfalt ist, es sind weiterhin bestimmte Neonikotinoide und Glyphosat in der freien Landwirtschaft erlaubt. Für uns Verbraucher gilt daher weiterhin: Bio-Produkte bevorzugen. Denn hier sind chemische Pflanzenschutzmittel tabu.

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