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Restwasser im Wasserkocher: Wann du es lieber wegschütten solltest

Restwasser Wasserkocher
Foto: CC0 / Pixabay - Abbat1

Aus Sorge vor Keimen oder Schadstoffen wird Restwasser aus dem Wasserkocher oft weggeschüttet. Doch ist das nötig? Nicht unbedingt. Je nach Material des Geräts solltest du aber vorsichtig sein.

Es lässt sich nicht immer vermeiden, dass im Wasserkocher eine Portion Restwasser übrig bleibt. Etwa, wenn man sich nur eine einzige Tasse Tee machen will, aber die Mindestfüllmenge des Kochers einen halben Liter vorsieht. Und so kommt es, dass das Restwasser oft stundenlang im Gerät verweilt, nur um dann am nächsten Morgen weggeschüttet zu werden. Das ist allerdings nicht in jedem Fall nötig: Utopia rät vor allem Nickel-Allergiker:innen und Besitzer:innen von Wasserkochern aus Plastik zur Vorsicht, aber in der Regel kannst du das Restwasser gefahrlos trinken.

Warum schütten Menschen in Deutschland ihr Restwasser weg?

Eine Umfrage des Fresenius-Instituts aus dem Jahr 2017 (online leider nicht mehr verfügbar) ergab, dass 53 Prozent der Deutschen das Restwasser vom Vortag wegschütten und 47 Prozent es weiter benutzen. Als Gründe wurden vor allem folgende vier genannt:

  • Kalkablagerungen (59 Prozent)
  • Bakterien (54 Prozent)
  • Schadstoffe (36 Prozent)
  • unappetitlicher Geschmack (31 Prozent)

Die negativen Auswirkungen von abgestandenem Restwasser bezeichnete Gisbert Lemke vom Fresenius-Prüflabor damals als überbewertet:

„Die Angst vor abgestandenem Kochwasser ist ein Relikt aus der Zeit der Tauchsieder und Teekessel. Moderne Küchengeräte werden auf Produktsicherheit geprüft. Verbraucher sollten beim Kauf eines Wasserkochers auf das GS-Siegel achten.“

GS steht für geprüfte Sicherheit. Das entsprechende GS-Zeichen darf nur von unabhängigen zugelassenen Prüfstellen vergeben werden und garantiert, dass das jeweilige Produkt den rechtlichen Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz entspricht. Diese sind im deutschen Produktsicherheitsgesetz festgelegt, das unter anderem auch die europäischen Richtlinien zur Produktsicherheit im deutschen Recht verankert.

Doch besteht wirklich keine Gefahr, solange der Wasserkocher ein GS-Zeichen trägt? Wir nehmen die einzelnen Faktoren, weshalb Restwasser gerne im Abfluss landet, nun genauer unter die Lupe.

Kalkablagerungen: Gesundheitsschädlich oder nicht?

Grundsätzlich empfehlen wir dir, deinen Wasserkocher je nach Wasserhärte deines Haushalts alle ein bis drei Monate zu entkalken. Das liegt aber vor allem daran, dass verkalkte Wasserkocher mehr Energie verbrauchen. Aus gesundheitlichen Gründen sind die weißen Ablagerungen hingegen unproblematisch.

Wie Markus Egert, Professor für Mikrobiologie und Hygiene an der Hochschule Furtwangen, gegenüber Öko-Test erklärt, ist Kalk an sich sogar „sehr gesund“, da er aus Kalzium und Magnesium besteht. Beides sind wichtige Mineralstoffe, die unter anderem die Knochen stärken. Allerdings gibt es dann doch einen Nachteil von Kalk: „Er begünstigt das Wachstum von Bakterien.“

Wasserkocher: Keime im Restwasser werden beim Kochen getötet

Egert ergänzt: „Im stehenden Wasser sammeln sich zwar schnell Bakterien an. Aber die Hitze, die beim Aufkochen im Wasserkocher entsteht, tötet sie ab“. Laut dem Experten müsse das Wasser für zwei bis drei Minuten auf 60 bis 70 Grad erhitzt werden, um die Keime zu vernichten. Trinken solltest du abgestandenes Restwasser deshalb nur, wenn du es zuvor nochmal ausreichend aufkochst. An sich sind Bakterien aber kein Grund, das Restwasser wegschütten zu müssen.

Sind Schadstoffe im Restwasser ein Problem?

Beim Thema Schadstoffe sind es vor allem Nickel (bei Edelstahlkochern) und Bisphenol A, die für Bedenken bei Verbraucher:innen sorgen. Gisbert Lemke gab im Rahmen der Veröffentlichung der Fresenius-Studie jedoch Entwarnung: „Haushaltsgeräte, die wir in unseren Laboren für das GS-Siegel testen, [zeigten] nur selten problematische Belastungen.“

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt auf Anfrage von Utopia:

„Aus chemischer Sicht sind längere Standzeiten des Wassers im Wasserkocher nicht als problematisch anzusehen. So kam beispielsweise eine Untersuchung des BfR von 2015 zur Freisetzung von Metallen aus Küchengeräten zu dem Ergebnis, dass aus Wasserkochern nur geringe Mengen, deutlich unter vorgeschlagenen Grenzwerten, freigesetzt werden. Auch eine problematische Freisetzung anderer Stoffe, beispielsweise aus dem Kunststoff, ist unter üblichen Verwendungsbedingungen nicht zu erwarten.“

Bisphenol A: Eine unterschätzte Gefahr?

2012 hat Stiftung Warentest Kunststoffwasserkocher auf mögliche Schadstoffe untersucht. Damals lautete das Fazit: „Beim Kochen könnten sich aus den Geräten Schadstoffe lösen. Bis auf sehr geringe Mengen Bisphenol A (BPA), die laut europäischer Lebensmittelbehörde EFSA kein Risiko bedeuten, haben wir keine gefunden.“

Das klingt erstmal beruhigend, doch Vorsicht: Der Test ist veraltet und kann laut Stiftung Warentest keine wirksame Einkaufshilfe mehr bieten. Ein Grund dafür: Die Einschätzung der EFSA in Bezug auf Bisphenol A hat sich seitdem drastisch verändert. Bereits 2015 änderte die Behörde die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) von 50 auf 4 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Restwasser Wasserkocher
Das meiste Bisphenol A nehmen wir laut BfR über Lebensmittel auf, vor allem, wenn diese aus mit Epoxidharz beschichteten Konservendosen stammen. (Foto: CC0 / Pixabay - Squirrel_photos)

Im April 2023 erfolgte dann eine weitere Neubewertung der EFSA: Seitdem gelten nur noch 0,2 Nanogramm (also 0,2 Milliardstel eines Gramms) BPA pro Kilogramm Körpergewicht als tolerierbare Tagesdosis. Das ist 20.000 Mal niedriger als der vorherige Wert und 250.000 Mal niedriger als der Wert, von dem Stiftung Warentest 2012 ausgegangen ist. Zwar hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) den neuen Richtwert in einer Stellungnahme als zu streng kritisiert, doch selbst das BfR sieht bei 200 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht eine gesundheitlich kritische Grenze – und auch das wäre eine 250 Mal niedrigere Empfehlung als noch vor zehn Jahren.

BPA gilt schon länger als Schadstoff, der in den menschlichen Hormonhaushalt eingreift. Er wird in vielen Kunststoffwasserkochern als Weichmacher eingesetzt. Optimalerweise besorgst du dir einen BPA-freien Wasserkocher. Solche gibt es zwar auch aus BPA-freiem Kunststoff, wir raten dir aber lieber zu Modellen aus Edelstahl und Glas, die weniger Plastikmüll verursachen und außerdem kein Mikroplastik ins Wasser abgeben.

Auch bei Trinkflaschen kannst du darauf achten, dass sie BPA-frei hergestellt wurden. Sieh dir dazu unsere Bestenliste BPA-freier Trinkflaschen an, die auch Bewertungen der Utopia-Leser:innen einbezieht.

Aufpassen bei Nickel-Allergie

Bei Edelstahlkochern ist das Aufkochen von Restwasser in der Regel weniger problematisch, auf eine Ausnahme wies Öko-Test aber im Jahr 2020 hin.

Die meisten der getesteten Wasserkocher führten zu keiner bedenklichen Schadstoffexposition. Doch bei einem von 15 ging etwas zu viel Nickel ins Wasser über, was zwar bei gesunden Menschen keine Auswirkungen habe, für Allergiker:innen jedoch problematisch sei. Das betrifft laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund immerhin zehn bis zwölf Prozent der Bevölkerung.

Und was ist mit dem Geschmack?

31 Prozent der Teilnehmer:innen der Fresenius-Umfrage gaben an, Restwasser unter anderem deshalb wegzuschütten, weil sie den Geschmack unappetitlich fänden. Tatsächlich ändert sich der Geschmack, wenn Wasser länger steht. Das liegt zum einen daran, dass Wasser CO2 aus der Luft aufnimmt und daraus Kohlensäure bildet. Zum anderen, weil es Magnesium und Calcium in Form von Kalk an die Wände und den Boden des Kochers abgibt.

Ob nun abgestandenes Wasser dadurch so viel schlechter schmeckt als frisches, ist natürlich Geschmackssache, weshalb wir uns hier kein Urteil erlauben, ob das ein Argument fürs Wegschütten ist.

Fazit: Restwasser wegschütten oder weiterverwenden?

In den meisten Fällen stellt Restwasser vom Vortag keine Gefahr da. Kalkablagerungen sind nicht gesundheitsschädlich, Bakterien werden beim Kochen getötet und laut BfR sind längere Standzeiten des Wassers auch in Sachen Schadstoffe nicht problematisch.

Beim Gebrauch von Restwasser solltest du jedoch folgendes beachten:

  • Achte beim Wasserkocher-Kauf auf das GS-Zeichen, das unter anderem die Einhaltung gesetzlicher Schadstoffgrenzwerte garantiert.
  • Koche Restwasser immer nochmal gründlich auf, um Keime abzutöten.
  • Nutze einen BPA-freien Wasserkocher, bevorzugt aus Glas oder Edelstahl.
  • Wenn du eine Nickelallergie hast, achte auf die Signale deines Körpers. In seltenen Fällen kann es sein, dass dein Kocher zu viel Nickel abgibt, weshalb du besser frisches Wasser verwendest oder auf einen Glaskocher umsteigst.

Wenn du all diese Tipps befolgst, ist die Antwort auf die Frage, ob du Restwasser wegschütten solltest, also vor allem eine Geschmackssache. Doch selbst wenn dir der Geschmack von abgestandenem Wasser nicht zusagt, muss es keinesfalls im Abfluss landen. Es lässt sich zum Beispiel zum Pflanzengießen oder als Bügelwasser weiterverwenden. So wird es immerhin nicht verschwendet.

Bitte lies unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen.

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