Saftkonzentrat zum Mischen bei dm: Wie nachhaltig ist die Neuheit?

Saftkonzentrat zum Mischen: neu bei dm – wie nachhaltig ist die Neuheit?
Utopia / H. Schröder

Die meisten Säfte, die wir kaufen, sind Fruchtsäfte aus Saftkonzentrat. Eigentlich unnötig umständlich: Warum nicht Müll und CO2 sparen – und das Saftkonzentrat zu Hause mischen statt in der Produktionsstätte? Gedacht, getan: Bei der Drogeriekette dm und im Internet gibt es jetzt hochkonzentrierte Säfte, die zu Hause verdünnt werden. Wie nachhaltig ist die Produkt-Innovation?

Orangensaft, Multivitaminsaft, Apfelsaft: Viele der Säfte im Supermarkt bestehen aus Konzentrat, das mit Wasser vermischt wurde. Bei den anderen handelt es sich um Direktsaft. Egal ob Saft aus Konzentrat oder Direktsaft: Der Großteil der Flüssigkeit in der Flasche oder im Tetra Pak ist Wasser.

Neu auf dem Markt sind hochkonzentrierte Säfte, die im 200 ml-Tetra Pak verkauft werden. Zu Hause wird das Konzentrat einfach mit 800 Millilitern Wasser gemischt, aus 200 ml Konzentrat wird so 1 Liter Fruchtsaft. Der Gedanke hinter der Produkt-Innovation: Weniger Müll durch die deutlich kleinere Packung und ein niedrigerer CO2-Ausstoß dank des geringeren Transportvolumens. Macht unterm Strich mehr Umweltschutz.

Die Idee ist nicht ganz neu, schließlich werden mehr als 60 Prozent aller in Europa verkauften Fruchtsäfte aus Konzentraten hergestellt. Da ergibt es durchaus Sinn, weniger Volumen durch die Lande zu transportieren – und den Saft direkt daheim mit Wasser zu mischen.

Einfach 200 ml Saftkonzentrat mit 800 ml Wasser mischen – fertig ist der Fruchtsaft.
Einfach 200 ml Saftkonzentrat mit 800 ml Wasser mischen – fertig ist 1 Liter Fruchtsaft. (Foto: Green-Bag)

Kurz erklärt:

  • Saft aus Konzentrat: Hier wird der Saft durch Erhitzen auf etwa ein Sechstel seines ursprünglichen Volumens reduziert. Damit die Aromen und Vitamine nicht verloren gehen, wird der Dampf destilliert und dem Konzentrat später wieder beigefügt.
  • Direktsaft wird gepresst und direkt abgefüllt.
  • Bei beiden Saftarten (d.h. Saft aus Konzentrat und Direktsaft) beträgt der Fruchtgehalt 100 Prozent. Es darf kein Zucker und keine Konservierungsstoffe zugesetzt werden.
  • Saft aus Konzentrat verursacht auch in der nicht hochkonzentrierten Form niedrigere Transportkosten.
  • Nach Ansicht von Expert:innen ist Direktsaft nicht gesünder als Saft aus Konzentrat.

Vorreiter bei hochkonzentrierten Saftkonzentraten zum Selbermischen ist das Start-up Green-Bag aus Österreich. Der Saftriese Eckes Granini ist mit einem Nachahmer-Produkt neu auf dem Markt: Exklusiv in den Filialen der Drogeriekette dm gibt es seit April „hohes C Bio Essence“ in drei Sorten.

Green-Bag: konzentrierte Bio-Saft aus Österreich

„Warum müssen wir für den Konsum von 1 Liter Fruchtsaft rund 80 Prozent Wasser durch das Land transportieren?“ – das fragte sich das österreichische Start-up und erfand als Antwort darauf die Green-Bag Bio Fruchtsaftkonzentrate. Derzeit gibt es drei Fruchtsaftsorten, die in Deutschland bislang nur über den Webshop erhältlich sind. Die Bio-Säfte gibt es in den Varianten Apfel, Orangen und Multifrucht, sie kosten zwischen 1,99 und 2,49 Euro je 200 ml-Pack.

Ein kleines Start-up macht es vor, der Saftriese folgt dem guten Beispiel.
Ein kleines Start-up macht es vor, der Saftriese folgt dem guten Beispiel. (Foto: Green-Bag)

Nach eigenen Angaben sparen Verbraucher:innen durch die praktischen kleinen Tetra Paks 80 Prozent CO2 durch das geringere Transportvolumen und 66 Prozent Müll dank der kleinen Verpackung.

Das junge Unternehmen mit Sitz in der Nähe von Wien setzt sich für Transparenz und Nachhaltigkeit ein und arbeitet derzeit am Export seines Produkts – vor allem nach Deutschland. Hier freut sich Green-Bag-Gründerin Martina Giczy über den Schwung, den das Thema momentan durch das neue Produkt von Eckes Granini bekommt.

hohes C Bio-Essence von Eckes Granini

Der führende europäische Safthersteller Eckes Granini hat ein ähnliches Produkt auf den Markt gebracht: Die kleinen hochkonzentrierten Säfte „hohes C Bio Essence“. Sie sind seit April in den Geschmacksrichtungen Apfel (naturtrüb), Orange und Mehrfrucht erhältlich – exklusiv in den dm-Filialen.

(Foto: Eckes Granini)

„hohes C BIO ESSENCE unterscheidet sich weder im Geschmack noch bei den Inhaltsstoffen von unseren herkömmlichen Säften“, erklärt uns Unternehmenssprecherin Bianca Thiel.

Die Müll- und CO2-Ersparnis fällt ein bisschen geringer aus als bei Green-Bag, sie fällt aber trotzdem ins Gewicht: Eine Kleinpackung spart 61 Prozent Müll und 62 Prozent CO2.

Übrigens: Von Eckes Granini gibt es seit Ende 2021 ein weiteres Saftkonzentrat-Produkt – allerdings ohne Bio-Zutaten: Juice me up! ist ebenfalls in den Sorten Apfel, Orange und Multivitamin erhältlich. 200 ml konzentrierter Saft zum Selbermischen kosten ca. 1,60 Euro.

Saft ohne Wasser: Ist Konzentrat zum Anrühren eine nachhaltige Alternative?

Die Konzentrate zum Vermischen zuhause sind ein Schritt in die richtige Richtung. Wer Saftkonzentrat zum Selbermischen kauft, schont die Umwelt durch die niedrigeren Transportmengen und reduziert die Müllberge. Und wer beim Einkaufen weniger schleppen muss, fährt hoffentlich öfter mit dem Fahrrad und lässt das Auto stehen. Beim Kauf der Kleinpackungen sparst du übrigens gut 75 Prozent Gewicht.

Das neue Saftkonzentrat gibt es in drei Sorten.
Selber machen: Das ist jetzt auch beim Saft das Motto. (Eckes Granini)

Die Produktneuheit wirft die Frage auf: Warum braucht es so lange, bis clevere Ideen im Supermarkt-Regal ankommen? Noch immer sind die meisten Säfte in den Supermärkten von Nachhaltigkeit weit entfernt. Und bei einem Großkonzern wie Eckes Granini sind die Fruchtsaftkonzentrate nach wie vor nur ein kleiner Baustein im großen Sortiment und ein kleiner Schritt hin zu einem nachhaltigeren Produktangebot. Beim Großteil der Säfte werden nach wie vor Unmengen an Wasser verpackt und transportiert.

Nichtsdestotrotz darf auch dieser Saft nicht bedenkenlos konsumiert werden:

  • Am nachhaltigsten sind Bio-Säfte aus der Region, die keine langen Transportwege hinter sich haben.
  • Heimisches Obst ist – auch in Saftform – immer besser als exotische Früchte: Der Klima-Fußabdruck von Apfelsaft aus Deutschland ist nur etwa halb so groß wie der von Orangensaft, das hat das Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) berechnet.
  • Wenn du Säfte kaufst, greife am besten zu Getränken in Pfandflaschen aus Glas aus der Region.

Fazit: Auch wenn ein Glas Saft einfach lecker schmeckt – das nachhaltigste Getränk ist und bleibt Wasser aus der Leitung!

Ist Leitungswasser zum Mischen der Konzentrate geeignet?

Ja. Das Trinkwasser der größeren Wasserversorger sei zu mehr als 99 Prozent von „guter bis sehr guter Qualität“, stellte der Trinkwasserbericht des Umweltbundesamtes statt. Sofern keine Bleileitungen im Haus verlegt sind, kann man Leitungswasser problemlos trinken.

Und: Die Klimabelastung durch Mineralwasser ist in Deutschland fast 600 mal höher als bei Leitungswasser, so die Verbraucherzentrale.

Good to know: Bei Hafermilch gibt es übrigens auch Produkte zum selbst Anrühren.

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