Palmöl-Report: Nestlé bezieht Palmöl aus Kinderarbeit

Foto: Sven Christian Schulz / Utopia

Als einer der größten Lebensmittelkonzerne der Welt verarbeitet Nestlé Unmengen von Palmöl. Nun erhebt eine Schweizer Hilfsorganisation schwere Vorwürfe gegen den Lebensmittelkonzern: Nestlé soll Palmöl von Plantagen in Malaysia gekauft haben, auf denen Kinder- und Zwangsarbeit stattfindet.

Laut der Schweizer NGO Solidar Suisse bezieht die Schweiz ein Drittel ihres Palmöls aus Malaysia, einen großen Teil davon aus dem abgelegenen Bundesstaat Sabah im Nordosten der Insel Borneo. Nestlé sei einer der großen Abnehmer von Palmöl aus Sabah.

Im Zuge einer neuen Recherche auf zwei Plantagen vor Ort fand Solidar Suisse heraus: Auf den Plantagen in Sabah arbeiten hauptsächlich Arbeitsmigranten aus Indonesien. Die meisten dieser Menschen seien ohne gültige Papiere in Malaysia und daher gezwungen, sich auf den abgelegenen Plantagen zu verstecken.

Zwangsarbeit und Kinderarbeit auf Plantagen in Malaysia

Ohne jeglichen rechtlichen Schutz seien sie der Willkür der Plantagenbesitzer ausgeliefert. Die Löhne reichten dabei oft nicht zum Leben. „Mein Einkommen hängt von der Ernte ab. Wenn es nur wenige Früchte gibt, ist mein Einkommen niedrig. Manchmal ist es nicht einmal genug fürs Essen,“ wird ein Pflücker namens Abduh zitiert.

Ölpalmen
Palmöl-Plantagen beschäftigen nicht nur Kinder- und Zwangsarbeiter – sie verdrängen den Regenwald. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - Bishnu Sarangi)

„Die Zurückhaltung von Ausweispapieren, Drohung mit Polizei oder Entlassung, sowie Lohnabzüge und Lohnauszahlungen über Drittpersonen: Alle diese in den Plantagen von Sabah festgestellten Missstände sind charakteristisch für Zwangsarbeit“, schreibt Solidar Suisse.

Zwischen 50.000 und 200.000 Kinder sollen mit ihren Eltern auf den betroffenen Plantagen leben und mit ihnen dort arbeiten müssen. Kinder, die auf den Plantagen geboren wurden, hätten häufig keine gültigen Papiere und deshalb keinen Zugang zu Schulen oder medizinischer Versorgung – und somit kaum Chancen auf ein Leben außerhalb der Palmölplantagen.

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Nestlé kauft Palmöl von betroffenen Plantagen

Solidar Suisse prangert an: Nestlé beziehe große Mengen Palmöl aus Sabah – auch von Ölmühlen, die von den betroffenen Plantagen beliefert werden. „Unsere Recherchen zeigen, dass die untersuchten Plantagen ihre Ernte an drei Palmölmühlen liefern, die auf der Liste der Palmölmühlen von Nestlé stehen“, schreibt die Organisation.

„Nestlé und andere Lebensmittel- und Agrarkonzerne profitieren damit indirekt von den Tiefstlöhnen, dem mangelnden Schutz der ArbeiterInnen sowie der Kinder- und Zwangsarbeit auf den Palmölplantagen.“

Palmöl: Ist Bio besser?
Aus den Früchten der Ölpalme wird Palmöl gewonnen – vor allem in Indonesien und Malaysia. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Die Ausbeutung der Arbeiter sei ein Grund für den billigen Weltmarktpreis, der wiederum bewirkt, dass die Nachfrage nach dem Öl weiter steigt. „Ein Teufelskreis, der auf Kosten von Mensch und Umwelt geht.“

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„Nestlé muss sicherstellen, dass keine Kinder ausgebeutet werden“

„Wenn Nestlé es wirklich ernst meint mit sozialer Verantwortung und Nachhaltigkeit, dann muss der Konzern nun auf seine Zulieferer und Geschäftspartner in Sabah Einfluss nehmen. Nestlé muss sicherstellen, dass ArbeiterInnen regulär beschäftigt und keine Kinder ausgebeutet werden“, sagt Simone Wasmann, Co-Autorin der Recherche von Solidar Suisse.

Die NGO fordert von Nestlé vollständige Transparenz über die Palmöl-Lieferkette und Maßnahmen, welche die Ausbeutung beenden. Nestlé solle sich bei seinen Zulieferern und bei der Regierung von Sabah für eine Verbesserung der Situation der ArbeiterInnen in den Plantagen einsetzen.

Nestlé versucht in einem Kommentar auf unserer Facebook-Seite die Vorwürfe zu entkräften: „Grundsätzlich gilt: Wir dulden keine Menschenrechtsverletzungen beim Anbau unserer Rohstoffe – ob Kinderarbeit oder missbräuchliche Arbeitsbedingungen. Deshalb erschüttern uns die Vorwürfe von Solidar Suisse. Sie beziehen sich auf mögliche Menschenrechtsverletzungen auf zwei Plantagen, von denen wir möglicherweise Palmöl beziehen sollen. Wir haben uns mit ihnen in Verbindung gesetzt, um alle Fakten zu bekommen. Sollten die Vorwürfe zutreffen, werden wir entschlossen handeln.“

Nestlé: Kommentar aufFacebook zu Palmöl-Vorwürfen

Den ganzen Palmöl-Report von Solidar Suisse gibt es hier als PDF.

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(4) Kommentare

  1. Wenn ich die Liste der Inhaltstoffe lese wird mir schon schlecht. Aber daß Ihr hier Sante als Alternative nennt, da bin ich entsetzt. Sante ist ein Nestle Produkt, übernommen von L’Oreal (gehört Nestle) un die Ausrede, nur wenige Anteile, zählt nicht. Nestle hat sich ein Vorkaufsrecht auf weitere Anteile gesichert.

    Ich kaufe absolut gar keine Nestle-Produkte mehr, schon lange.

  2. Kaum zu verstehen, daß in Deutschland immer noch Nestle-Produkte gekauft werden. JEDER hat letztlich schon mitbekommen, daß dieser Konzern nur aus Gier handelt und weder seine Lieferanten, noch seine Konsumenten eine Bedeutung haben.
    Und am wenigsten haben die verantwortlichen von Nestle etwas für diesen Planeten übrig.

    Nestle = zerstören ist unser oberstes Gebot!