Students for Future im Interview: Darum geht es bei der Klimabewegung

Foto: Students for Future Leipzig

Students for Future ist eine recht junge Bewegung, die an Universitäten für Klimagerechtigkeit kämpft. Im Interview verrät uns eine Aktivistin mehr zu den Inhalten, Zielen und Erfolgen der Organisation.

Joana (22) ist eine Studentin aus Leipzig und Mitglied der örtlichen Students-for-Future-Gruppe. Im Interview berichtet sie über die Motive und Ziele der Bewegung und die Verbindung zu Fridays for Future. Zudem verrät sie, welche Projekte Students for Future verfolgt und wie die Leipziger Studierenden arbeiten. 

Students for Future: Eine Aktivistin im Interview

Utopia: Wieso hast du dich der Students-for-Future-Bewegung angeschlossen?

Joana: Als ich das erste Mal von der Fridays-for-Future-Bewegung hörte, fand ich die Idee großartig. Ich fragte mich aber, wieso sich Studierende noch nicht engagieren. Später las ich ein Interview, indem eine Schülerin sagte, dass sich Fridays for Future mehr Unterstützung von Studierenden wünschen würde. Als ich dann in einer Vorlesungsintervention zum ersten Mal von Students for Future erfuhr, ging ich direkt zum Plenum. Die energiegeladene Atmosphäre hat mich sofort angesteckt.

Was hat es mit der Bewegung genau auf sich?

Zusammen mit Fridays for Future wollen wir von Students for Future auf die Dringlichkeit der Klimakrise aufmerksam machen und die Politik zum Handeln auffordern. So haben wir uns mit der Schülerbewegung und ihren Klimazielen solidarisiert.

Welche Klimaziele wären das?

Vor allem die Nettonull bis 2035, also die CO2-Emissionen bis dahin auf Null zu senken. Hierfür fordern wir den Kohleausstieg bis 2030 und den vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien bis 2035.

An die Universität Leipzig haben wir außerdem konkrete Forderungen gerichtet, die von circa 1.300 Studierenden im Rahmen einer Vollversammlung beschlossen wurden.

Auch Unis müssen klimafreundlicher werden

Was fordert ihr von eurer Universität?

Wir fordern die Uni dazu auf, ihren CO2-Fußabdruck zu analysieren, umfassend offenzulegen und darauf hinzuarbeiten, dass die Universität klimaneutral wird. Zusätzlich sollte es Bildungsangebote geben, die über die Fakten und Auswirkungen der Klimakrise aufklären. Und die Stadt Leipzig fordern wir gemeinsam mit Fridays for Future auf, den Klimanotstand auszurufen.

Und wie geht ihr genau vor?

In der Vollversammlung haben wir konkrete Forderungen beschlossen. Auf dieser Grundlage haben wir anschließend einen offenen Brief an die Unileitung geschrieben. Bei der ersten offenen Verhandlung haben wir zunächst die Position der Unileitung abgeklärt. Die Rektorin zeigt sich sehr offen. Gemeinsam haben wir dann beraten, wie wir unsere Ziele praktisch umsetzen können. Auch wenn wir noch keine konkreten Zusagen erhalten haben, sieht es so aus, als wäre eine gute Zusammenarbeit auf jeden Fall möglich.

„Ein Gleichgewicht aus Uni und Aktivismus“

Die Students-for-Future-Gruppe aus Leipzig veranstaltete im März eine Vollversammlung, bei der über 1.000 Studierende über Klimagerechtigkeit diskutierten.
Die Students-for-Future-Gruppe aus Leipzig veranstaltete im März eine Vollversammlung, bei der über 1.000 Studierende über Klimagerechtigkeit diskutierten.
(Foto: Students for Future Leipzig)

Die Fridays-for-Future-Bewegung wurde durch ihren Schul-Streik weltweit bekannt. Bestreikt auch ihr Vorlesungen?

Das gestaltet sich schwierig, weil viele Studierende gar nicht verpflichtet sind, ihre Veranstaltungen zu besuchen. Wir unterstützen jedoch auf jeden Fall die Streiks der Schüler und Schülerinnen, die die Politik endlich zum Handeln bewegen wollen. Einen Unistreik als Druckmittel würden wir erst dann erwägen, wenn Uni oder Stadt nicht bereit wären, mit uns zusammenzuarbeiten.

Wirkt sich dein Engagement negativ auf dein Studium aus?

Das Schöne ist, dass du dich zurückziehen kannst, wenn du gerade etwas mehr zu tun hast. Später kannst du einfach wieder einsteigen, ohne dass dir das irgendjemand übelnimmt. Du selbst bist dafür verantwortlich, ein Gleichgewicht aus Uni und Aktivismus zu finden und bestimmst für dich, wie viel du gerade geben kannst. So war ich zum Beispiel in der Prüfungszeit weniger aktiv, merke aber jetzt, dass ich wieder mehr Zeit und Kraft habe.

Zusammenarbeit mit Fridays for Future

Inwiefern steht ihr mit Fridays for Future in Verbindung?

Bei unseren Plenarsitzungen sind zum Beispiel Fridays-for-Future-Mitglieder dabei und Vertreter unserer Gruppe besuchen die Fridays-for-Future-Treffen. Auch wollen wir die Freitagsdemonstrationen stärken und bei ihren unterschiedlichen Aktionen mitwirken.

Was waren bisher die größten Erfolge der Leipziger Students for Future?

Zum einen die Vollversammlung. Bei diesem Event haben sich circa 1.300 Studierende zusammengefunden, um über Klimagerechtigkeit und unsere konkreten Forderungen an die Uni und die Stadt zu diskutieren. Wir waren extrem überwältigt vom Erfolg dieser Veranstaltung, die wir sehr kurzfristig auf die Beine gestellt hatten. Zum anderen der globale Klimastreik am 24. Mai. Damals haben wir uns mit einer Gruppe von ca. 2.500 Studierenden der Fridays-for-Future-Demo anschlossen.

An welchen Projekten arbeitet ihr gerade?

Gerade setzen wir uns zum Beispiel mit konkreten Umsetzungsmöglichkeiten unserer Forderungen auseinander und prüfen rechtliche Rahmenbedingungen. Außerdem arbeiten wir auch mit dem BUND zusammen, um konkrete Forderungen an die Stadt zu formulieren.

Darüber hinaus beteiligen sich einige Mitglieder an einer Fahrradtour von Fridays for Future. Mit dieser Aktion wollen wir die Klimabewegung auch in ländliche Gebiete tragen, indem wir unterwegs in kleineren Städten Öffentlichkeitsarbeit betreiben.

Zudem wollen wir uns als Gruppe über die Klimakrise weiterbilden und haben deshalb einen „Theorie-Sonntag“ geplant. An diesem Tag veranstalten wir verschiedene Workshops, um beispielsweise aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu Klimafragen zu vermitteln.

Hier gibt es Students-For-Future-Gruppen

Wie lange gibt es die Leipziger Students-for-Future-Gruppe schon?

Die Gruppe wurde Anfang April 2019 gegründet. Einige der Mitglieder waren bereits bei Fridays for Future und anderen Klimabewegungen aktiv.

Und machen viele Studierende mit?

Für das erste Plenum wurden in etwa 30 Studierende erwartet. Tatsächlich kamen ungefähr doppelt so viele. Die Gruppe wuchs dann von Woche zu Woche. Kurz nach der Vollversammlung erschienen über 100 Studierende zum Plenum.

Gibt es in jeder Stadt Students-for-Future-Gruppen?

Es gibt unter anderem Gruppen in Bonn, Düsseldorf, Leipzig und Berlin. In ganz Deutschland finden ständig neue Gründungen statt, in Hannover hat sich zum Beispiel gerade eine neue Gruppe gegründet.

Danke für das Interview!

    Students for Future: So kannst du mitmachen

    Du möchtest selbst auch aktiv werden und dich einer Klimaschutzbewegung anschließen? Erkundige dich einfach bei einer Hochschule oder Universität in deiner Nähe, ob es dort bereits eine Students-for-Future-Gruppe gibt.

    Keine Sorge: Du musst nicht studieren, um Mitglied einer Gruppe zu werden – auch Nicht-Studierende sind willkommen. Alternativ kannst du auch online bei Fridays-for-Future oder anderen Verbindungen wie z.B. Parents for Future nach Ortsgruppen in deiner Umgebung suchen.

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    (1) Kommentar

    1. An Utopia mit der Bitte um Weitergabe an Laura

      Hallo Laura,
      Glückwunsch zu eurer Arbeit innerhalb der Students-for-future-Gruppen. Zuerst ein paar Worte zu mir selbst: ich befasse mich seit 1995 mit Fragen des Klimawandels, anfangs beruflich und nach meiner Pensionierung (2004) verstärkt durch eigene Berechnungen, Veröffentlichungen und Vorträge. Meine Erfahrung ist, dass weite Teile der Bevölkerung, der Politik und der Industrie den Klimawandel (bisher) nicht richtig ernst nehmen, weil er sie nicht selbst tangiert. So werden auch Aktionen wie eure Teilnahme an den Fridays-for-future-Demos, Fahrradtouren oder Veranstaltungen von Workshops wahrscheinlich kurzfristig nicht sehr viel an dieser Haltung ändern, zumal die Behauptungen der Klimaleugner für Verunsicherung sorgen. Ihnen muss also mit schlagkräftigen Fakten widersprochen werden, z.B. durch Leserbriefe in jenen Medien, die den Klimaleugnern leider immer noch ein Podium bieten. Wichtig ist auch, immer wieder darauf hinzuweisen, dass auch andere, vor allem größere Länder Maßnahmen gegen den bisher ungebremsten CO2-Ausstoß ergreifen. Schließlich erlaubt es seit Kurzem die neue Attributionswissenschaft, den Anteil des weitgehend menschgemachten Klimawandels an großen Wetterkatastrophen zu bestimmen und daraus den anteilmäßigen Schadensbetrag der Erderwärmung zu beziffern. Sollten also Konzerne oder Staaten nichts gegen den Klimawandel unternehmen, können Geschädigte vor Gericht ziehen und Schadensersatz erstreiten. Dies ist ein sehr starkes Druckmittel, das durchaus ins Auge gefasst werden sollte, falls andere Appelle ignoriert werden.
      Horst Köhler, Friedberg