Third Wave Coffee – warum der aktuelle Kaffee-Trend nachhaltig ist

Third Wave Coffee ist qualitativ hochwertiger Kaffee aus direktem Handel
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Third Wave Coffee meint die dritte und aktuelle „Welle“ des Kaffees – nach der Etablierung von Kaffee als Massenprodukt und dem Boom der Coffee-to-go-Kultur. Die Qualität und die direkte Beziehung zwischen Rösterei und Kaffeebauer stehen hier im Mittelpunkt. Utopia zeigt, was genau es mit Third Wave Coffee auf sich hat, wie fair er gehandelt wird und wie du mit dem Kauf die Kaffee-Anbauländer unterstützt.  

Die dritte Kaffee-Welle oder „Third Wave Coffee“ betrachtet Kaffee nicht mehr ausschließlich als Rohstoff oder Verbrauchsgut, sondern als handwerkliches Lebensmittel. Im weitesten Sinne gehört Third Wave Coffee damit zur Specialty-Coffee-Bewegung.

Der Trend des Third Wave Coffee widmet sich der Verbesserung des gesamten Prozesses entlang der Kaffeeproduktionskette: vom Anbau der Kaffeepflanze bis zum fachmännischen Brühen des Endprodukts. Dabei stehen die Qualität der Kaffeebohne und ihre Aromenvielfalt im Mittelpunkt – aber auch die Beziehung der Röstereien zu den Menschen in den Anbaugebieten.

Kaffee: Die erste Welle

Der Begriff „First Wave Coffee“ wurde in den Vereinigten Staaten geprägt. Bereits im 19. Jahrhundert begann die „erste Welle“ der Kaffeekultur mit Kaffee von Marken wie Folgers und Maxwell House. Sie versprachen Kaffeegenuss, der nicht nur erschwinglich war, sondern auch im Handumdrehen zubereitet.

Zur ersten Welle gehört auch die Erfindung der Vakuumverpackung und des Instantkaffees. Kaffee wurde so zum Massenprodukt und schaffte es von den kleinen Röstereien in die Supermarktregale und damit in Millionen Haushalte.

Kaffee: Die zweite Welle

Der Name Starbucks ist eng verbunden mit der zweiten Kaffee-Welle: Hier wurde Kaffee als Erlebnis vermarktet. Der amerikanische Coffeeshop hat es dabei wie kein anderer geschafft, die Massen an seine Kaffeekultur heranzuführen. Viele Coffeeshops folgten diesem Modell, es wurde zum Big Business.

Third Wave Coffee, Coffee Shops während der zweiten Welle
Coffeeshops wie Starbucks prägten die zweite Welle des Kaffees. Sie machten das Kaffeetrinken zu einem „Erlebnis“. (Foto: © Unsplash – Rob Bye)

In Deutschland führte ab 1998 Vanessa Kullmann, Gründerin von Balzac Coffee, die Massen an den To go“-Trend heran. Aus dieser Zeit stammen übrigens auch die Vanilla- und Caramel-Lattes, wie wir sie heute kennen.

Kaffee: Die dritte Welle

Erstmals Verwendung fand der Begriff „Third Wave Coffee“ 2002. Im Unterschied zu den ersten beiden großen Kaffeetrends spielen Produktion und Verkauf des Kaffees eine eher untergeordnete Rolle – das Produkt selbst und seine Qualität stehen hier im Mittelpunkt.

Um die gewünschte Qualität zu erreichen, geht es nun darum, alle Verarbeitungsschritte des Guts „Kaffee“ entlang der Produktionskette zu verbessern. Dieser Fokus auf die Qualität birgt das Potenzial, die Transparenz innerhalb der Kaffee-Industrie zu verbessern: Das Mehr an Transparenz ermöglicht es dem Kaffeeliebhaber, Einblick in die Herkunft und den Anbau der Kaffeebohne zu erhalten, aber auch in die Verarbeitung, das Rösten und Brühen der Bohnen.

Warum ist Third Wave Coffee nachhaltig?

Third Wave Coffee und Specialty Coffee werden in den meisten Fällen mittels Direct Trade (=direkter Handel) gehandelt und importiert – also ohne zwischengeschaltete Akteure. Dadurch haben auch kleine Anbauregionen und ihre Kaffee-Bauern eine Chance, auf dem Weltmarkt mit ihren Kaffees Geld zu verdienen.

Die Bauern haben oft nur ihren Kaffee, um sich und ihre Familien zu ernähren. Aufgrund der Fokussierung auf Qualitäts-Standards für Third Wave Coffee, haben sie die Möglichkeit, qualitativ hochwertige Kaffees anzubauen und zu vertreiben. Das schafft ihnen im besten Fall eine Basis für nachhaltiges Wirtschaften – sowohl was Umweltstandards als auch was soziale Standards angeht.

Third Wave Coffee aus direktem Handel von den Kaffeebauern in den Anbauländern
Durch Specialty Coffee haben kleine Bauern die Möglichkeit, sich auf dem internationalen Kaffeemarkt zu behaupten. (Foto: NP Coffee Farmer3 unter CC-BY-2.0)

Internationale Initiativen der Third Wave Coffee Bewegung

Weltweit gibt es verschiedene Initiativen für Third Wave Coffee. Sie unterstützen die Anbauregionen, aber auch die dort lebenden, sozial benachteiligten Menschen, und setzen sich beispielsweise für Frauen oder Menschen mit Behinderung ein. Zum Beispiel:

The Lucy Foundation

Das Kaffee-Projekt der Initiative The Lucy Foundation kommt aus Neuseeland. Es widmet sich der mexikanischen Kaffeeproduktion und den in die Kaffeeernte involvierten Arbeitern, vor allem Menschen mit Behinderung und ihren Familien. Das Ziel des Projekts ist eine Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Eingliederung von Behinderten – mittels Specialty Coffee.

Zudem hilft es der Region selbst, in diesem Fall der Region Pluma Hidalgo. Diese bringt als einzige den „Pluma Kaffee“ hervor, eine mexikanische Rarität. Das Projekt der Lucy Foundation fördert den Anbau dieses Kaffees und bringt so neben dem sozialen auch wirtschaftlichen Nutzen für die Region.

Die Tatsache, dass hinter dem Anbau der Kaffee-Rarität ein soziales Projekt steht, hilft auch dem Verkauf der gerösteten Bohnen: Es können höhere Preise erzielt werden – ein Mehrwert, der sich wiederum in das Projekt reinvestierten lässt.

The International Women’s Coffee Alliance

In den ländlichen Regionen der Kaffeeanbauländer sind Frauen meist die Hauptarbeitskräfte beim Kaffeeanbau. Trotzdem besitzen sie weder das Land noch den Kaffee. The International Women’s Coffee Alliance (IWCA) hat sich in Zusammenarbeit mit der UN und dem International Trade Centre (ITC) deshalb zum Ziel gesetzt, die Position der Frauen in der Kaffeeanbaukette zu stärken.

Third Wave Coffee Women in Coffee
Obwohl im Kaffeeanbau vor allem Frauen arbeiten, haben sie oft wenig Rechte und besitzen weder das Land, noch die Frucht, mit der sie ihren Unterhalt verdienen. (Ministério do Desenvolvimento Social e Combate à Fome unter CC-BY-2.0)

Die International Women’s Coffee Alliance unterstützt Frauen in den Kaffeeanbauregionen in Ostafrika. Dort sieht man sich verschiedensten Herausforderungen gegenüber, etwa dem Mangel an Bildung, Grundbesitz und finanziellen Ressourcen. Weil sich einige internationale Käufer zusammengeschlossen haben, können die Frauen nun ihren eigenen Kaffee auf dem internationalen Markt vermarkten und verkaufen. Neben diesen Anstrengungen ist das oberste Ziel, die Qualität des Kaffees zu verbessern, um sich auf dem Markt für Third Wave Coffee behaupten zu können.

Woran du Third Wave Coffee erkennst

Für Third Wave Coffee gibt es kein Siegel und keine Zertifizierung – derzeit handelt es sich vor allem um einen Kaffeetrend und es existieren (noch) keine Richtlinien für die Kaffees. Nur auf Nachfrage kannst du herausfinden, ob es sich um Kaffee handelt, der von besonderer Qualität ist und der via Direct Trade gehandelt wurde.

Doch meist ist Nachfragen gar nicht nötig: Viele kleine und unabhängige Spezialitäten-Kaffee-Röstereien zeigen ihren Kunden von selbst und ausführlich, woher sie ihre Kaffeebohnen beziehen. Sie können dir genau sagen, aus welcher Region und oft auch von welcher Farm der Kaffee stammt. Einige kennen die Kaffeebauern sogar persönlich, von denen sie ihre Kaffeebohnen beziehen.

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(11) Kommentare

  1. „Viele kleine und unabhängige Spezialitäten-Kaffee-Röstereien zeigen ihren Kunden von selbst und ausführlich, woher sie ihre Kaffeebohnen beziehen. “
    WOHER ist ein ein Thema, das WIE ist aber wesentlich wichtiger.
    Wie schon häufiger angemerkt: Daß der Kaffee direkt gehandelt wird und von hoher Geschmacks-Qualität ist, sagt noch nichts über soziale und ökologische Standards aus. Deshalb auch immer nachfragen, wie er produziert wird oder besser Kaffee kaufen, der auch ein fairtrade + Bio-Label hat.

  2. Vollkommen richtig, das wie ist entscheidend!
    Allerdings würde ich, um nachhaltig und sozial Optimal angebaute Produkte zu erhalten, niemals auf fairTrade oder Bio zurückgreifen!
    Das sind mittlerweile industriell genutzte Siegel die mehr den Ansprüchen der Industrie als dem Verbraucher oder Produzenten dienen!
    Es bleibt meiner meiner Meinung nichts anderes übrig als mit dem Kaffeeröster seines Vertrauens das Gespräch zu suchen, sich selbst zu informieren und dann vertrauen!
    Das macht man ja schließlich auch bei Bio Aufklebern die auf milliarden von Verpackungen kleben!

  3. Vielen Dank für den wichtigen Hinweis, dass standardisierte fairTrade und Bio Label längst keine zuverlässigen Garantien mehr sind. Gerade die kleineren (Spezial)Kaffeeröstereien verzichten immer mehr auf diese Industriesiegel. Sie informieren sich selber, woher kommen ihre Bohnen. Ihr Anspruch ist da meist sehr viel höher als der des Verbrauchers. Das ist gut. Ich gebe ihnen absolut Recht, dass es hier auf Vertrauen ankommt.
    Auf wirklich mehreren Reisen in die Kaffeegebiete in Äthiopien, habe ich erfahren, wie der kleine Kaffeebauer anpflanzt, erntet und wohin er seine Kirschen/Früchte/Bohnen trägt. Weil ich auch weiß, wer die Abnehmer sind, wundere ich mich immer wieder, warum diese sich mit einem fairTrade Label auf ihren Produkten selbst auf die Schultern klopfen und dies auch noch werblich groß inszenieren.

  4. Natürlich dienen Bio und Fairtrade Siegel auch der Industrie, wie alle Lebensmittel-Trends.
    D.h. aber nicht automatisch, daß sie schlecht sind sondern zeigt nur, daß sie inzwischen im Mainstream angekommen sind, der nun mal in der Regel billige Produkte bevorzugt.

    Vertrauen ist gut, (Bio-)Kontrolle ist besser.
    Es ist schön, daß die Spezial-Röstereien einen hohen Anspruch haben.
    Einige davon belegen das, in dem sie sich zertifizieren lassen u n d die Kunden über die Herkunft der Produkte informieren.
    Wo liegt das Problem, sich auch zertifizieren zu lassen, wenn doch alles so toll ist?
    An den Kosten für die Bio-Zertifizierung wird es nicht liegen, weil die bei den Preisen für Spezial-Kaffee wirklich kaum noch ins Gewicht fallen.
    Wenn dann doch gerne auf die Zertifizierung verzichtet wird, dann deshalb, weil man eben doch das eine oder andere nicht ganz so Bio macht oder nicht genau belegen kann…
    Wir kennen das von den Bergen. Da wird ja auch gerne behauptet, die Produkte von der Alp seien sowieso alle Bio. Wenn man genauer nachschaut, dann stehen aber doch die Kübel mit dem Ampfer-Spritzmittel hinterm Haus u.s.w.

    Es kann ja nun mal nicht jeder nach Äthiopien reisen und sich selbst von der Qualität der Anbauer informieren und alles kontrollieren.
    Deshalb ist ein einheitliches Kontrollsystem wie die Bio-Zertifzierung nach wie vor sinnvoll – wenn man darauf Wert legt.
    Wenn die Spezialitäten-Röstereien darüber hinaus noch höhere Ansprüche haben, dann ist das natürlich klasse und dann dürfen sie sich auch gerne dafür groß inszenieren und sich auf die Schultern klopfen, weil ich das als Verbraucher dann auch wissen möchte.

  5. Liebes UTOPIA-Team,
    es ist natürlich lobenswert, sich über Fairtrade und Nachhaltigkeit Gedanken zu machen, und es soll auch keinem sein geliebter Kaffee madig gemacht werden, aber ist die Kaffeebohne ein lokales Produkt?
    Wir haben tausende von z.B. Imker in Deutschland, warum schaffen wir es nicht, hier vor Ort etwas sinnvolles auf die Beine zu stellen?
    Honig direkt von Imker ist durch nichts zu ersetzen!
    Aber was machen wir? Wir importieren den größten Teil des Honigs, welchen wir verzehren – warum???
    Der importierte Honig wird unter fragwürdigen Bedingungen verarbeitet und die Nachhaltigkeit eines Lebensmittels, welches ich tausende von Kilometern transportiere obwohl ich es quasi vor der Haustür bekommen könnte ist doch mehr als unschön.
    Bevor wir uns also um Kleinbauern in der fernen Welt kümmern, wäre es wünschenswert, erstmal den Dreck vor der eigenen Tür (also in Deutschland) zu beseitigen!
    Der Trend zu immer größeren Betrieben in der Landwirtschaft ist verkehrt, lasst euch nicht von scheinbar günstigen Preisen blenden!
    Sorgt für ein Umdenken, erst wenn es bei uns fair zugeht, sollten wir zufrieden sein.
    Um bei dem Honigbeispiel zu bleiben, helft den vielen Imkern vor Ort!
    Das ist dann auch wirklich Nachhaltig ☺

  6. Bei Honig kaufe ich auch regional, ganz klar, aber was hat das mit Kaffee zu tun?
    Den gibt’s nun mal nicht regional, er wird aber dennoch getrunken.
    Es gibt doch genug Artikel über (regionalen) Honig bei Utopia.

  7. Maria_L hat recht, das WIE ist entscheidend. Anzumerken bleibt noch, dass ein herausragender Rohkaffee nur von einem motivierten und eingespielten Team produziert werden kann. Je höher die gewünschte Qualität, umso mehr kommt es auf die MENSCHEN an. Das ist gut so … und geht weit über die Anforderungen diverser Zertifikate hinaus.
    Liebe Grüße aus Kolumbien

  8. Wie gesagt ich stimme Maria_L vollkommen zu! Ein Bio Siegel ist heut zu Tage nichts mehr Wert außer dem Marketing und Absatz! Es dient dazu ungarische Bio Milch zu kaufen und diese dann in Bayern abzufüllen um sie dann Bayrische BioMilch zu nennen!
    Sehr toll! Lesen sie sich mal die Bestimmungen für die Siegel durch, das kann jeder, dann lesen sie wieviel Bio da drin stecken muss (und ich meine nr Bio, nicht Demeter oder Bioland)!

    Vor 10 Jahren gab es ein kleines Regal im Supermarkt das Bio war! Heute ist jeder gut geführte Supermarkt auf einmal Bio! Das glaubt doch keiner das dort Bio produziert wird sondern die Richtlinien angepasst werden damit jeder jetzt Bio kann!

    Warum sich ein Farmer nicht zertifizieren lässt? Weil er es nicht nötig hat wenn er gute Qualität hat! Dies kosten schlagen sehr wohl zu!
    Ich selbst arbeite in der Kaffeebranche und bin mit unzähligen Farmern im Gespräch gewesen wie es mit solchen Siegeln abläuft! Sinnlose Vorschriften einhalten, abkassieren und den gleichen Mist weiter produzieren wir vorher!

    Wir haben Farmen besucht die in der Hand großer Biokonzerne sind, die für absolute Nachhaltigkeit und sozialen Umgang stehen, der Farmen schon 3 Suizidversuche hinter sich hat weil der Konzern in ausnimmt….

    Gefährlich ist nur dieses Halbwissen mit dem viele hausieren gehen!
    Wir haben täglich große Probleme aufgrund dieses Denkens das Siegel das höchste der Gefühle ist weil der Verbraucher zu faul ist sich zu informieren! Und davon probiert die Industrie mit solchen Siegeln!
    Wir haben keine Siegel und verzichten bewusst darauf! Und müssen uns oft anhören, „na sie können mir ja viel erzählen“! Armer Mensch wenn ich einem Aufkleber mehr glaube als meinem gegenüber!

    Und natürlich hat nicht jeder die Möglichkeit Ursprungsreisen zu machen, aber dann sollte man denen die dort waren Gehör schenken, und nicht irgendwelchen Zeitugsberichten!

  9. „Wie gesagt ich stimme Maria_L vollkommen zu! Ein Bio Siegel ist heut zu Tage nichts mehr Wert außer dem Marketing und Absatz! “
    Bitte zitiere mich nicht mit einer Aussage, die ich nicht gemacht habe.

  10. BR kann ich nicht zustimmen. Gerade bei Kaffee ist BIO-Anbau ein RIESEN-Gewinn für Umwelt und Biodiversität. BIO-Kaffee-Anbau ist nur mit Mischkultur bzw. Schattenbäumen möglich, wohingegen (die ertragreicheren) Monokulturen nur mit intensivem Chemieeinsatz funktioneren. http://www.kanwan.at/umwelt/
    Natürlich ist es so, dass nicht alle Farmen, die Schattenanbau betreiben, ein Zerifikat haben.

  11. Hallo jwagenknecht,

    Es wäre schön, wenn es so wäre wie auf http://www.kanwan.at/umwelt beschrieben, aber die Wirklichkeit sieht anders aus. Es ist trotz aller Siegel unwahrscheinlich schwierig zu erfahren, was auf einer Kaffeeplantage geschieht. Ich bin seit über 40 Jahren aus Überzeugung in der biologischen Lebensmittelbranche tätig und habe viele Jahre im Kaffeeanbau zugebracht, sowohl als Projektberater, als auch in der Zertifizierung.

    In dieser Zeit habe ich Kaffeeplantagen gesehen, die wirklich Pioniere waren mit Bezug auf Bodenfruchtbarkeit, Vogelfreundlichkeit oder soziales Engagement. Allerdings findet man diesen Einsatz nicht immer gleichzeitig auf den Plantagen. So habe ich ausgezeichnete biologische Plantagen besucht, um festzustellen, daß die Plantagenarbeiter wie Sklaven in einer Abhängigkeit gehalten werden. Oder in anderen Gegenden bei einem fairtrade zertifiziertem Erzeuger (der angeblich selbst weniger als einen Euro am Tag verdient) herausgefunden, daß er Erntehelfer ‚anstellt‘, daß heißt kinderreiche Familien aus Nachbarländern, die während der Erntezeit unter Plastikplanen in der Plantage ‚hausen‘ und erheblich weniger als einen Euro pro Familie erhalten.

    Einige Kleinbauern benutzen durchaus sogenannte Pflanzenschutzmittel (sprich Insektizide) oder ganz andere Dinge, weil sie sonst bei Insektenbefall Ihre Ernte verlieren würden und damit Ihren Lebensunterhalt. Leider ist es so, das viele Kleinbauern (auch deshalb weil sie aufgrund der Zertifizierung einen höheren Preis für Ihren Kaffee erhalten haben) sich selbst in eine Abhängigkeit der Kaffeeeinkäufer begeben haben, indem sie Monokultur betreiben.

    Die Transparenz in der Lieferkette liegt – leider – noch sehr im Argen. Generell gesehen haben Bio- und Fairtrade Zertifizierung schon dazu beigetragen, daß sich im Laufe der Jahre etwas verbessert hat. Das dies noch lange nicht genug ist zeigen die Third Wave Beispiele, die sich hier weiter differenzieren. Doch auch da ist es schwierig zu erfahren wie nachhaltig die ökologischen oder sozialen Aspekte wirklich nun wirklich sind – und ob sie mehr als Vorbildcharakter haben.

    Das einzige was ich anraten kann ist das Gespräch mit den jeweiligen Personen und Organisationen anzugehen und kritische Fragen zu stellen.

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