Zyklus-Apps: Diese Kalender helfen dir, deinen Körper zu verstehen

Foto: Daniela Staber / Utopia

Es gibt unzählige Zyklus-Apps, sodass du nicht mehr händisch Kreuze in den Kalender eintragen musst. Doch was können die technischen Helfer und wie bedienst du sie richtig? Wir haben mehrere Zyklus-Apps für euch genauer unter die Lupe genommen.

Was können Zyklus-Apps wirklich?

Das Angebot an Gesundheits-Apps ist riesig. So ist es nicht verwunderlich, dass es auch zahlreiche Zyklus-Apps gibt. Zwar ist es durchaus erfreulich, dass das Tabu rund um den weiblichen Zyklus zumindest am Smartphone gebrochen scheint. Doch die Menstruation und ihre Nebenwirkungen werden meist hinter rosarotem Design mit Blümchen, Federn oder Schmetterlingen verniedlicht.

Die Anbieter preisen die Apps meist mit großen Versprechungen wie exakten Prognosen der fruchtbaren Tage und hormonfreier Verhütung an. Dabei ist Vorsicht geboten: Stiftung Warentest hat 23 Apps geprüft und die Mehrheit hat mit mangelhaft abgeschnitten. Die meisten Zyklus-Apps berechnen mithilfe von Algorithmen den durchschnittlichen Zyklus. Doch der Eisprung und die Dauer des Zyklus wird von so vielen Faktoren beeinflusst, dass ein Algorithmus wohl kaum eine genaue Prognose erstellen kann. „Bei einer gesunden Frau kann die Zyklus-Länge ohne weiteres zwischen 25 und 35 Tage schwanken. Auf reine Durchschnittswerte ist kein Verlass, sagt die Gynäkologin Dr. Petra Frank-Herrmann gegenüber Stiftung Warentest. Wichtige Störfaktoren werden von den Apps häufig nicht berücksichtigt.

Trotzdem kann dich eine gute App dabei unterstützen, deinen Zyklus zu protokollieren und den Überblick zu behalten.

Das bieten Zyklus-Apps

Zyklus-Apps versprechen oft mehr als sie halten können.
Zyklus-Apps versprechen oft mehr als sie halten können. (Foto: CC0 / Pixabay / FirmBee)

Bei den meisten Zyklus-Apps kannst du verschiedene Daten dokumentieren. Das kann dir helfen, deinen Körper, Emotionen und die Zusammenhänge mit deinem Zyklus besser zu verstehen. Du trägst folgende Informationen in die App ein:

Gerade wenn dein Zyklus unregelmäßig ist, kann es sehr hilfreich sein, ihn langfristig zu beobachten. Allerdings solltest du nicht allen Versprechungen der Apps blind glauben und dich bei der Verhütung nicht darauf verlassen.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Datenschutzbestimmungen der Zyklus-Apps. Die Benutzerinnen vertrauen den Apps sensible Daten an – zum Beispiel, ob sie sich Kinder wünschen oder wie oft sie Geschlechtsverkehr haben. Diese Daten werden häufig an Dritte weitergegeben. Die meisten Anbieter machen leider nicht transparent, was mit den Daten passiert. Wir stellen dir zwei Apps vor, die uns trotz aller Kritikpunkte überzeugen konnten, und zeigen, wie du deinen Zyklus per App protokollieren kannst.

Testsieger unter den Zyklus-Apps: myNFP

Ein Beispiel eines Zyklus-Blatts von myNFP
Ein Beispiel eines Zyklus-Blatts von myNFP (Foto: myNFP / Screenshot)

MyNFP schneidet im Test mit ‚gut‘ ab. MyNFP steht für ’natürliche Familienplanung‘ und arbeitet nach der wissenschaftlich erprobten Methode Sensiplan.

Handhabung: Die Anwendung ist eine digitale Version der früheren Zykluskurve auf Papier. Sie unterstützt Frauen dabei, die symptothermale Methode zu verwenden. Die App erfasst:

  • Basaltemperatur
  • Cervixschleim
  • Veränderungen des Gebärmutterhals/Muttermunds
  • Blutungsbeginn
  • Blutungsstärke
  • Blutungsdauer
  • Libido
  • Krämpfe und Brustschmerz
  • Stimmung

Ergebnisse: Im Gegensatz zu vielen anderen Apps muss sich die Nutzerin selbst mit der Methode der natürlichen Familienplanung befassen. Nur so kann sie die Daten auswerten und damit den Eisprung und die fruchtbaren Tage berechnen.

Funktionalität: Um die Anwendung sinnvoll zu bedienen, muss man sich intensiv mit der Sensiplan-Methode auseinandersetzen und ihre Regeln verstehen. Dafür stellt die App umfassende Informationen zur Verfügung. Das mag zu Beginn etwas kompliziert erscheinen, jedoch lassen sich durch die korrekte Anwendung und Auswertung konkrete Aussagen über den eigenen Zyklus treffen.

Download: Die App ist für Android und iOS erhältlich. Die ersten 30 Tage sind kostenlos, danach kosten drei Monate 9,99 Euro und ein Jahr 29,99 Euro – das kommt auf 2,50 Euro pro Monat.

Clue: Zyklus-App aus Berlin

Die Zyklus-App
Die Zyklus-App ‚Clue‘ ist schlicht designt und einfach zu bedienen. (Foto: Clue Presse Kit)

Die Zyklus-App Clue ist simpel designt und unterstützt verschiedene Sprachen. Die Anbieter aus Berlin wollen erreichen, dass Menschen ihren Körper und die Veränderungen im Zusammenhang mit der Menstruation kennenlernen. Dabei ist es ihnen besonders wichtig, sich von den klassischen Geschlechtsbildern zu lösen und auch Personen anzusprechen, die sich nicht als Frauen begreifen.

Handhabung: Die App besteht aus einem Zyklus-Rad, einem Kalenderblatt und eine Analysebereich. Die Bedienung ist sehr intuitiv. Du kannst die Parameter ganz einfach individuell anpassen und deine täglichen Daten über bunte Icons eingeben. Hier eine kleine Auswahl der möglichen Faktoren:

  • Blutung,
  • Basaltemperatur,
  • Schmerzen,
  • Stimmung,
  • Schlaf,
  • Libido,
  • Energielevel,
  • Sport,
  • Verhütung und Medikamente.

Ergebnisse: Je länger und je konsequenter du die App verwendest, umso zuverlässiger werden die Prognosen. Dabei ist es wichtig, welche Faktoren du protokollierst, da nicht alle Werte gleichermaßen ausschlaggebend sind. Eigne dir am besten umfassendes Wissen über den weiblichen Zyklus und die Einflussfaktoren an, bevor du dich auf die Ergebnisse der App verlässt. Sie ist aber auf jeden Fall ein gutes Werkzeug, um deinen Zyklus und die damit verbundenen Veränderungen in deinem Körper besser zu begreifen.

Funktionalität: Die Applikation funktioniert mithilfe eines Logarithmus: Aus den Daten, die du eingibst,, berechnet er deinen Zyklus. Dabei ist es ausschlaggebend, wie regelmäßig du Daten einträgst. Es können durchaus einige Zyklen verstreichen, bevor die App exakte Ergebnisse bringt.

Download: Die Basis-Variante der App ist sowohl für Android als auch iOS kostenlos. Clue Plus mit zusätzlichen Features gibt es für 0,99 Euro im Monat oder 9 Euro für das gesamte Jahr.

Weitere Zyklus-Apps im Überblick

Zyklus-Apps helfen um den eigenen Zyklus besser kennenzulernen.
Zyklus-Apps helfen um den eigenen Zyklus besser kennenzulernen. (Foto: CC0 / Pixabay / silviarita)
  • Lady Cycle: Die App hat bei Stiftung Warentest mit ‚gut‘ abgeschnitten, ist allerdings nur für Android-Smartphones erhältlich. Die Anwendung arbeitet ebenfalls mit der sympthothermalen Methode. Das Design mag gewöhnungsbedürftig sein, aber die App geht vorbildlich mit den Daten der Nutzerinnen um.
  • Ovy: Die Anwendung ist kostenlos im Google Play Store und im App Store erhältlich. Die Anbieter haben sogar ein eigenes Bluetooth-Basalthermometer entwickelt, das die Daten automatisch an die App überträgt. Ovy ist schön designt, allerdings ist die Temperaturkurve etwas unübersichtlich. Auch die Auswertung ist unklar.
  • Flo: Die App ist ebenfalls kostenlos für Android und iOS erhältlich. Neben der üblichen Zyklus-Optionen bietet die App auch einen Modus, in dem du eine Schwangerschaft und andere Besonderheiten dokumentieren kannst.

Wichtige Hinweise zum Umgang mit Zyklus-Apps

  • Damit du aussagekräftige Ergebnisse erhältst, musst du regelmäßig und genau die Daten eintragen. Der schlauste Algorithmus der Welt kann falsche Daten nicht berichtigen.
  • Die meisten Apps erfordern die Messung deiner Basaltemperatur. Damit es nicht zu Fehlern kommt, ist es wichtig, dass du einige Grundregel beachtest (siehe dazu: Basaltemperatur messen: So funktioniert die Temperaturmethode).
  • Die Zyklus-Apps können eine gute Unterstützung zur hormonfreien Verhütung darstellen. Wenn sie nicht alle Parameter der symptothermalen Methode berücksichtigen und du nicht ausreichend mit der Anwendung der Methode vertraut bist, reichen Apps jedoch nicht aus. Wichtig ist u.a. auch, den Zervixschleim zu beobachten. In unserem Überblick Verhütung ohne Hormone, erfährst du mehr dazu.

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