Kann roh-vegane Ernährung die Periode stoppen? Das sagen Ärzte

Foto: Instagram Rawvana

Die roh-vegane Youtuberin Rawvana hat in den letzten Wochen für Schlagzeilen gesorgt: Sie bekommt ihre Periode nicht mehr – und macht ihre roh-vegane Ernährung dafür verantwortlich. Aber kann das wirklich sein? Wir haben bei Ärzten nachgefragt.

Rawvana, die eigentlich Yovana Mendoza Ayres heißt, hatte sich sechs Jahre lang roh-vegan ernährt. Das heißt: keine tierischen Produkte, keine verarbeiteten Lebensmittel, außerdem keine gekochten Speisen. Auch auf Salz hatte sie verzichtet. Auf Youtube, Instagram und Co. teilt sie roh-vegane Rezept-Tipps und Sportvideos – mehrere Millionen Nutzer folgen ihren Kanälen.

Wie die Youtuberin aus San Diego in einem Video mitteilte, isst sie inzwischen jedoch wieder Fisch und Eier. Der Grund: In den letzten Jahren hatte sie Probleme mit ihrer Periode, zwei Jahre lang sind die Blutungen sogar komplett ausgefallen. Rawvana geht davon aus, dass die Ursache ihre roh-vegane Ernährung ist. (Mehr Informationen zu den Hintergründen hier).

Mehr Frauen mit ähnlichen Erfahrungen

Die Influencerin ist nicht die einzige Frau, die von Veränderungen ihrer Periode bei veganer Ernährung berichtet. Bei manchen Frauen wird die Menstruation kürzer, leichter oder weniger schmerzhaft. Eine Gruppe von Youtuberinnen erklärte vor zwei Jahren sogar, die Periode mit veganer Ernährung bewusst zu stoppen.

Aber liegen die Veränderungen des Zyklus tatsächlich an der roh-veganen Ernährung? Kann die Periode wirklich stoppen, wenn man nur noch rohes Gemüse, Obst, Nüsse und Samen zu sich nimmt? Und wie schlimm ist es, wenn die Periode zeitweise ausbleibt? Utopia hat bei Experten nachgefragt.

Hormone brauchen ausreichend Fette und Proteine

roh und vegan
Roh-vegane Ernährung: nur pflanzliche Lebensmittel – ungekocht. (Foto: CC0 / Pixabay / pelambung)

Prof. Dr. Ingrid Gerhard leitet das „Netzwerk Frauengesundheit“ und ist Fachärztin für Frauenheilkunde, Geburtshilfe, Naturheilkunde und Umweltmedizin. Zur roh-veganen Ernährung hat sie eine klare Haltung: „Wenn die Periode ausbleibt, ist das immer ein Zeichen für eine Hormonstörung und damit auch für einen Östrogen-und Progesteronmangel […] Von der rohveganen Ernährung rate ich ab. Viele gute Inhaltsstoffe von Gemüse lassen sich erst für den Körper nutzbar machen, wenn sie durch Erhitzen/Dünsten aufgeschlossen werden.“

Der weibliche Zyklus wird durch verschiedene Geschlechtshormone gesteuert. Für die Hormonproduktion braucht es eine Ernährung mit ausreichend Fetten und Proteinen mit allen essentiellen Aminosäuren, erklärt uns Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover. Wenn diese Nährstoffe über längere Zeit fehlen und ein Mangel an Eisen, Jod oder Vitamin B12 hinzukomme, sinke die Chance, schwanger zu werden.

Der Körper beendet nicht lebensnotwendige Prozesse

Rawvana in ihrem Youtube-Video. (Foto: Youtube Rawvana)

„Eine roh-vegane Ernährung bedeutet auf lange Sicht gesehen immer einen Mangelzustand, weil es nicht möglich ist, auf Dauer alle lebensnotwendigen Bestandteile der Ernährung durch ungekochte, pflanzliche Lebensmittel aufzunehmen“, sagt Albring.

Allerdings macht der Frauenarzt nicht nur die Ernährung für die fehlende Periode bei Rawvana verantwortlich. Seiner Ansicht nach ist die Kombination mit starker körperlicher Anstrengung und Stress riskant: „Kommt dann eine dauerhaft schwere körperliche Anstrengung hinzu, die den Bedarf an Energie, Proteinen und Fetten zusätzlich erhöht, beendet der Körper irgendwann alle Prozesse, die nicht lebensnotwendig sind, und dazu gehören die Produktion von Geschlechtshormonen mit der Reifung von Eizellen in den Eierstöcken und somit die Fähigkeit Kinder zu bekommen.“ Stress wirke sich über den Hypothalamus im Gehirn auf die Hirnanhangsdrüse aus, die die Eierstocksfunktion steuert.

Die Periode kann zurückkommen

Dr. med. György Irmey, ein Allgemeinarzt aus Heidelberg, weist uns darauf hin, dass das Ausbleiben der Periode theoretisch auch andere Ursachen haben könnte: etwa eine Eisenaufnahmestörung, genetische Faktoren oder Umwelteinflüsse. Durch diese Faktoren könne es ebenfalls zu Mangelerscheinung oder Untergewicht kommen, wodurch der Zyklus gestört wird. Je länger die Periode ausfalle, desto schwieriger werde es dann, wieder einen regelmäßigen Rhythmus zu bekommen.

Allerdings kann sich der Hormonhaushalt wieder erholen: „Mangelernährung behindert die Fähigkeit, Kinder zu bekommen, nicht auf Dauer. Wenn alle lebenswichtigen Nährstoffe, zu denen auch ausreichend Fette und Eiweiß gehören, über einen ausreichend langen Zeitraum wieder zugeführt und Reserven geschaffen werden, ‚erholt‘ sich auch die Fruchtbarkeit“, erklärt Frauenarzt Dr. Albring.

Rawvana ist nicht mehr vegan

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Die Youtuberin Rawvana isst wieder Fisch und Eier (Foto: Instagram Rawvana)

Offensichtlich versucht Rawvana derzeit, die Fette und Eiweiße aufzunehmen, indem sie wieder Fisch und Eier isst. Ob nun tatsächlich die roh-vegane Ernährung der Grund ist, dass ihre Periode ausfiel, können ihre Ärzte am besten beurteilen.

Wahrscheinlich sind mehrere Faktoren zusammengekommen: Das erste Mal stoppte ihre Periode, nachdem sie eine 25-tägige Wasserkur durchführte, außerdem hatte sie zusätzliche medizinische Probleme. Die roh-vegane Lebensweise kann jedoch ein Risikofaktor für Frauen sein, das haben uns alle Ärzte, mit denen wir gesprochen haben, bestätigt.

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(5) Kommentare

  1. Na super ! Damit hat sie den Veganern keinen Gefallen getan. Jetzt nölt wieder jeder das vegane Ernährung ungesund ist. Dabei glaube ich eher das das Mädel eine Essstörung hat und einfach alles falsch gemacht hat was man nur falsch machen kann.

  2. Bei mir drängt sich die Frage auf, ob bei der jungen Frau nicht auch eine eine Magersucht mit im Spiel ist.
    Warum die lange Wasserkur? Wer macht so etwas? Das macht nur Sinn, bei einer klaren Indikation aus dem Bereich der Fülle und danach sieht die Frau ja absolut nicht aus, eher ist sie viel zu mager.
    Ich halte die Roh-Vegane-Diät für äußerst problematisch und frage mich nach den wirklichen Motiven, die die meist jungen Frauen antreibt.
    Für mich ist Veganismus ein Symptom unserer Überflußgesellschaft, sehr kopfgesteuert und meist tritt im Laufe der Diät ein unangenehmer Fanatismus auf.
    Ich selbst kenne die Folgen von reiner Rohkostdiät aus meiner Vergangenheit.
    Meine Periode blieb ebenfalls aus und es stellte sich ein beängstigendes Untergewicht ein, abgesehen davon, dass ich permanent Hunger hatte und die Mengen, die ich verzehrte, immer größer wurden. Gesünder wurde ich nicht, ich habe dann das Experiment, das auf dem“Mist “ eines Dr.Bruker „gewachsen war, abgebrochen und mich mit normaler Kost wieder erholt. Damals war Veganismus noch völlig unbekannt.

  3. Die Wasserkur nach jahrelanger veganer Ernährung und ohne dass ein gesundheitlicher Grund für so eine Kur vorliegt, klingt wirklich eher nach einer Magersucht. Wenn sie aber tatsächlich an einer Anorexia nervosa leidet, müsste auch eine psychische Grunderkrankung bei ihr vorliegen, da ohne diese eine Magersucht erst gar nicht auftreten kann (J. Comer, Klinische Psychologie, 2008.) Ein psychisch stabiler Mensch wird nicht magersüchtig, weil er das Hungergefühl gar nicht ignorieren kann.

  4. Es ist unverantwortlich, Experimente wie 25 Tage Wasserfasten zu machen und sich roh-vegan zu ernähren, ohne sich umfassend kundig gemacht zu haben. Hier ein sachkundiger Beitrag von Dr. Henrich, einem ausgewiesenen Experten in punkto vegane Ernährung: https://www.provegan.info/de/mehr/newsletter/aktueller-newsletter/vegane-ernaehrungsbetruegerin-ertappt/
    Allerdings besteht auch das Problem, dass es bisher noch sehr wenige Ärzte gibt, die sich mit veganer Ernährung wirklich auskennen, weil das nicht zu ihrem Studium gehört. Beratungsstellen für vegane Ernährung sind ebenfalls noch sehr rar.

  5. Ich stimme den Vorrednern zu:
    Ich bin der Meinung, dass sie ihre Ernährung falsch geplant und umgesetzt hat. Man sieht sie sehr oft nur mit Gemüse und Obst. Eine rohvegane Ernährung beinhaltet aber viel mehr, gerade um sich ausreichend zu versorgen. Dafür muss man sehr geplant vorgehen.
    So langes Wasserfasten halte ich an sich nicht für komplett falsch (obwohl ich Saft- und Teefasten als förderlicher empfinde). Viele, die sich von reiner Rohkost ernähren wollen, stellen mit Fasten um. Dies muss aber sehr gut geplant oder begleitet sein und vor allem ist es extrem wichtig, dass man danach seine Darmflora richtig aufbaut.

    Wenn ich da lese, dass sie vorher schon andere gesundheitliche Probleme hatte und sie sich erst nach so langer Zeit zu ärztlichen Untersuchungen begibt, schrillen bei mir alle Alarmglocke: War sie sich wirklich bewusst, wie man genau solche Ernährungsformen umsetzt?
    Da gehören z.B. regelmäßige Vitamintests auf jeden Fall dazu.
    was ich persönlich jedem Menschen empfehlen würde, wenn das Geld dafür reicht, denn sehr viele Menschen in Deutschland haben Vitamin- oder Mineralstoffmangel, ganz egal welche Ernährungsform sie umsetzen. So z.B. haben viele Personen die Fleisch essen ebenso einen B12-Mangel.

    Leider wird in den normalen Blutbildern aber nur der Eisenwert getestet. In manchen Kliniken bei dem Symptom starker Erschöpfung noch B12 und D3. Aber alles andere muss gezahlt werden und vor allem muss man selbst die Initiative ergreifen.

    Wir Menschen leben schon viele Jahre nicht mehr so, dass wir im normalen sehr stressigen Leben genügend Vitamine, etc. aufnehmen, (wenn wir nicht etwas den Fokus darauf legen) – sei es durch zu wenig Licht, zu unachtsame Lebensmittelauswahl, zu wenig Sport, zu viel Stress oder weil immer wenige Nährstoffe in unseren Lebensmittel stecken.

    Ich persönlich bin der Meinung, dass eine rohvegane Ernährung von der Gesundheit her möglich ist, es aber eine Planung benötigt.

    Jede Ernährungsform kann gesundheitsschädlich sein, wenn man nicht darauf achtet, dass man alle Nährstoffe zu sich nimmt.
    Es gibt Veganer die ernähren sich hauptsächlich von Nudeln und Reis – dass da ein Mangel entsteht ist logisch, bedeutet dann aber nicht, dass Veganismus an sich ungesund ist. Auch unter den Menschen, die alles essen, gibt es einige die sehr einseitig essen und es so auch ungesund ist.

    Es kommt bei jeder Ernährungsform darauf an, wie ausgewogen sich jemand mit seinen essbaren Lebensmitteln ernährt.

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