Bayerisches Bio-Siegel

Siegel: StMELF

Mit dem EU-Bio-Siegel wurde „Bio“ für ganz Europa einheitlich – doch damit ging auch etwas Regionalität verloren. Das bayerische Bio-Siegel soll diese Regionalität wieder ins Spiel bringen – und geht überraschenderweise sogar darüber hinaus.

Das Bundesland Bayern hat sich über die EU 2015 ein eigenes Zeichen für Biolebensmittel besorgt. Es verbindet Bio-Vorgaben mit regionaler Produktion und soll dem gestiegenen Interesse der Verbraucher nach nachvollziehbarer Herkunft Rechnung tragen. Das Bio-Siegel Bayern verspricht ein höheres Niveau mit strengeren Regeln (im Vergleich zum EU-Bio-Siegel), einen lückenlosen Herkunftsnachweis und ein mehrstufiges, staatlich kontrolliertes Kontrollsystem.

  • Vergeben in: Bayern
  • Vergeben von: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF)
  • Kategorie: Essen und Trinken
  • Produkte: Gemüse, Backwaren, Kräuter, Bier, Milch- und Fleischprodukte
  • Gelabelte Produkte: keine Zahl bekannt, noch nicht so viele
  • Utopia-Bewertung: in Bayern sehr empfehlenswert. Es stellt sicher, dass Bioprodukte nicht um die halbe Welt transportiert wurden, sondern durch regionalere Produktion einen geringeren CO2-Fußabdruck beim Transport hinterlassen.

Damit hat Bayern als erstes Bundesland ein eigenes Biosiegel. Ziel ist es, die Landwirtschaft des Freistaates Bayern zu stärken.

Bayerisches Bio-Siegel: die Kriterien

  • Es gelten die Richtlinien der Öko-Anbauverbände: Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter.
  • Die Produkte liegen daher deutlich über der EG-Öko-Verordnung des EU-Bio-Siegels.
  • Ist ein Produkt mit dem Herkunftsnachweis „Bayern“ gekennzeichnet, müssen alle Produktrohstoffe aus Bayern stammen.
  • Auch alle Produktionsschritte müssen in Bayern erfolgen.
  • Umweltschonende Kreislaufwirtschaft durch organische Düngung.
  • Durch weite Fruchtfolgen und eine flächengebundene Tierhaltung verfolgen die Landwirte den Gedanken eines geschlossenen Betriebskreislaufs und schonen damit die Umwelt.
  • Kriterien im Detail: http://www.biosiegel.bayern/de/zeichennutzer/hoehere-qualitaetskriterien/

Mit und ohne Herkunftsnachweis

Leider ist es etwas komplizierter, denn Bayern hat gleich zwei Siegel eingeführt, und nur eines davon enthält Regionalität.

Das blaue bayerische Bio-Siegel kann eine Herkunftsangabe enthalten. Die Herkunft wird in diesem Fall sowohl über einen entsprechenden Schriftzug als auch durch die jeweiligen Landesfarben im inneren Oval dargestellt. Dann können die Produkte, die nach den höheren Qualitätskriterien erzeugt wurden, lückenlos von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zur Ladentheke einer bestimmten Herkunft (z.B. Bayern) zugeordnet werden. Sieht so aus:

Bayerisches Bio-Siegel, Regionalität aus Bayern
Bayerisches Bio-Siegel (Siegel: StMELF)

Beim grünen bayerischen Bio-Siegel gelten im Wesentlichen die Regel des blauen Siegels (strenger als normales Bio-Siegel), aber es gibt keinen Herkunftsnachweis. Sieht so aus:

Bayerisches Bio-Siegel (ohne Herkunft)
Bayerisches Bio-Siegel (ohne Herkunft) (Siegel: StMELF)

Warum das gleiche in grün? Der Freistaat Bayern will damit Unternehmen der Land- und Ernährungswirtschaft in der Europäischen Union die Möglichkeit geben, Produkte zu kennzeichnen, die nach den Bestimmungen der EG-Öko-Verordnung in Kombination mit den höheren Qualitätskriterien des bayerischen Bio-Siegels erzeugt wurden, auch wenn sie nicht aus Bayern kommen. Ein bisschen verwirrend, aber auch das grüne Zeichen ist also ein „strengeres“ als das EU-Bio-Siegel.

Kritik am bayerischen Bio-Siegel

Zu kritisieren ist aus Utopia-Sicht, dass mit den bayerischen Bio-Siegeln gleich zwei weitere (noch dazu gänzlich anders gestaltete) Zeichen eingeführt werden, was den Verbraucher durchaus auch verwirren könnte. (Hessen und Baden-Württemberg hatten in der Vergangenheit ähnliches versucht, und zwar mit dem sechseckigen Deutschland-Siegel und einem zusätzlichen Regionalhinweis. Hier war wenigstens eine gewisse Ähnlichkeit zum Bio-Siegel vorhanden.)

Weitere Kritik ist bislang nicht zu vernehmen, was auch daran liegt, dass das Bio-Siegel aus Bayern auf den Richtlinien der Öko-Anbauverbände basiert und daher vernünftig ausgefallen ist. Es ist außerdem weder besonders lange im Markt noch ist es extrem verbreitet, was sich beides ändern mag.

Verfügbarkeit: ausbaufähig

Es gibt inzwischen einige namhafte Zeichennehmer, allesamt Pioniere in Sachen Nachhaltigkeit:

  • Andechser Molkerei
  • Münchner Hofpfisterei
  • Neumarkter Lammsbräu

Noch muss man Produkte mit dem Zeichen aber suchen, es gibt sie in Bayern zum Beispiel bei Rewe-Supermärkten und basic-Biosupermärkten, aber auch in kleineren Bioläden und Reformhäusern.

Utopia-Fazit:

Das grüne bayerische Bio-Siegel ist sehr empfehlenswert und es ist besser, Bio- statt konventionelle Ware zu kaufen. Möglicher Kritik sollte man auch die positiven Aspekte gegenüberstellen: Das Siegel kommt Kundenwünschen nach Regionalität und Bio entgegen und der (bayerische) Kunde kann heimische Produkte sofort erkennen. Aber eben nur der bayerische – idealweise hätte man ja irgendwann für (fast) jedes Bundesland ein eigenes Bio-Siegel, und dann würde es vielleicht doch wieder verwirrend werden.

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