Bio-Palmöl: zertifizierte Zerstörung oder echte Alternative?

Palmöl: Ist Bio besser?
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Für Palmöl brennt der Regenwald ab, darum sollte man es meiden – auf den ersten Blick eine relativ klare Sache. Doch was ist mit angeblich nachhaltigem Palmöl und Bio-Anbau? Darf man als verantwortungsvoller Verbraucher Produkte mit Bio-Palmöl kaufen?

Palmöl hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen pflanzlichen Ölen: Die Ölpalme ist extrem ergiebig. Für dieselbe Menge Öl braucht sie deutlich weniger Fläche als zum Beispiel Sonnenblumen oder Raps. Zudem ist Palmöl sehr vielseitig einsetzbar.

Das Palmöl-Problem

Das Problem an der Sache ist: Wir verwenden viel zu viel Palmöl. In Lebensmitteln, Kosmetik und Reinigungsmitteln, aber auch zum Beispiel im Kraftstoff.

Laut WWF verbraucht Deutschland jährlich rund 1,8 Millionen Tonnen Palmöl. Der größte Teil davon geht in Biodiesel (41 %) sowie in Nahrungs- und Futtermittel (40 %), etwa ein Sechstel fließt in die industrielle Verwendung, beispielsweise für Pharmazie oder Reinigungsmittel.

Der hohe Verbrauch führt dazu, dass die Ölpalmen auf immer größeren Flächen angebaut werden. Für die Plantagen werden – vor allem in Südostasien – oft rücksichtslos Regenwälder abgeholzt und abgebrannt.

Die Rodungen wiederum zerstören über Jahrhunderte gewachsene Wälder und Landschaften, sie treiben den Klimawandel voran, laugen die Böden aus, zerstören Lebensräume, gefährden die Artenvielfalt und vertreiben Menschen und Tiere. Die riesigen Ölpalmen-Monokulturen, die anschließend auf den gerodeten Flächen wachsen, gefährden die Biodiversität und die Böden noch weiter.

Mehr: Palmöl: Wie stoppen wir die Regenwald-Zerstörung?

Waldrodungen, Trockenlegungen, Zerstörung: Immer noch häufige Probleme im Palmölanbau
Waldrodungen, Trockenlegungen, Zerstörung: Immer noch häufige Probleme im Palmölanbau in Südostasien (Foto: © WWF Indonesien)

Nachhaltiges Palmöl: Schwächen bei den Zertifizierungen

Es gibt einige Versuche, Palmöl nachhaltiger zu machen. Der bedeutendste ist der im wesentlichen von der Industrie getragene RSPO (Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl). Er zertifiziert anhand bestimmter Kriterien gewonnenes „nachhaltiges“ Palmöl und soll zum Beispiel Rodungen eindämmen. (Prinzipien des RPSO: PDF)

Inzwischen ist rund ein Fünftel der weltweiten Palmöl-Produktion RSPO-zertifiziert. Derzeit hat der Standard aber einige Schwächen: Zum Beispiel verbietet er nur die Rodung „besonders schützenswerter“ Wälder, damit bleibt der Anbau auf Torfböden zulässig, auch der Einsatz hochgefährlicher Pestizide ist erlaubt. Zudem gibt es gut dokumentierte Hinweise darauf, dass einige lizensierte Unternehmen systematisch gegen die Auflagen verstoßen und teils auch illegal Regenwaldflächen roden – und damit die Vernichtung wichtiger Lebensräume vorantreiben.

Dennoch: Der RSPO ist derzeit die einzige ernstzunehmende Organisation, die im großen Stil versucht den Palmölanbau etwas nachhaltiger zu gestalten.

„Unbeschadet der aufgezahlten Schwächen stellt der RSPO bislang das einzige einschlägige Instrument dar, das überhaupt qualitative Standards zur Bewertung des Palmölanbaus enthält. […] Mit der Initiative des RSPO ist […] ein erster kleiner Schritt in Richtung verantwortungsvolle und nachhaltige Palmölproduktion getätigt worden“

so die Einschätzung einer umfassenden Studie (PDF) von Brot für die Welt und der Vereinten Evangelische Mission. Mit „Bio“ hat der RSPO aber nichts zu tun.

Etwas strenger ist die Palm Oil Innovation Group (POIG), die sich ebenso wie der RSPO aus Unternehmen und NGOs zusammensetzt. Die teilnehmenden Unternehmen sind RSPO-Mitglieder, denen dessen Standards nicht weit genug gehen. Neben den beiden Bio-Palmölproduzenten Daabon und Agropalma sind hier unter anderem auch Greenpeace und der WWF vertreten – sowie die Konzerne Ferrero und Danone.

Die POIG-Mitglieder gehen zusätzlich zu den RSPO-Vorgaben freiwillige Verpflichtungen ein, die eine umwelt- und klimafreundlichere sowie sozialere Produktion garantieren sollen. Dazu gehören beispielweise das Verbot von Anbau auf Torfböden, der Schutz von Waldgebieten mit hohem Schutzwert, die Reduzierung von synthetischen Pestiziden und Düngern, der verantwortungsvolle Umgang mit Wasser, der Schutz der Artenvielfalt und die Einhaltung von Menschen- und Arbeiterrechten. (Die Charta im Detail: PDF, engl.)

Die POIG ist eine wichtige und zukunftsweisende Initiative – genau wie zum Beispiel auch das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP). Allerdings: Bio ist auch das Palmöl der POIG- und FONAP-Mitglieder nicht unbedingt.

(Dieses Bild wurde laut der NGO International Animal Rescue auf einer RSPO-Konzessionsfläche aufgenommen)

Bio-Palmöl: umweltschonender Anbau

Der größte Unterschied zwischen konventionellem und Bio-Palmöl: Für Bio-Palmöl dürfen keine synthetischen Dünger und Pestizide eingesetzt werden, die das Wasser und die Böden belasten. Gedüngt wird auf Bio-Plantagen mit Kompost und natürlichen Mineralien. Der Boden ist permanent bewachsen – so wird er vor Erosion geschützt und seine Fruchtbarkeit erhalten (Gründüngung). Unkraut wird manuell entfernt, Schädlinge werden mit natürlichen Mitteln bekämpft, etwa durch den Einsatz von Nützlingen.

Nicht nur die Umwelt, auch die Arbeiter werden so vor gefährlichen Chemikalien geschützt. Palmöl, das in Europa als „Bio“ verkauft wird muss die Anforderungen der EU-Bio-Verordnung erfüllen.

Bio-Palmöl ist (noch) ein Nischenprodukt: Derzeit hat es einen Markanteil von unter einem Prozent. Das meiste Bio-Palmöl wird für Lebensmittel verwendet, ein kleiner Teil auch in Naturkosmetik und natürlichen Reinigungsmitteln.

Bio-Palmöl, der Regenwald und die Menschenrechte

Zwar wachsen Bio-Ölpalmen ebenfalls auf Plantagen, allerdings sind diese meist kleiner und stehen in der Praxis überwiegend auf Land, das bereits vorher landwirtschaftlich genutzt wurde.

Die EU-Bio-Verordnung schließt die Rodung von Waldflächen für den Palmöl-Anbau nicht ausdrücklich aus. „Aber die großen Bio-Palmöl-Hersteller sind auch RSPO-Mitglieder (und sogar POIG-Gründer) und müssen daher belegen, dass sie nach 2005 keinen Wald oder andere schützenswerte Flächen zerstört haben“, sagt Ilka Petersen, Palmöl-Expertin beim WWF.

Das funktioniert in der Praxis längst nicht immer (siehe oben) – doch die derzeit wichtigen Bio-Palmöl-Produzenten scheinen für ihre Bio-Plantagen tatsächlich keine Wälder gerodet zu haben. Die Umweltschutzorganisation Rettet den Regenwald weist allerdings darauf hin, dass es hierfür keine ausreichenden Belege gebe und dass einige der Bio-Produzenten nebenbei konventionell wirtschaften würden; Rodungen könnten dabei nicht ausgeschlossen werden.

Ölpalme
Bio-Ölpalmen wachsen nicht in Südostasien, sondern in Südamerika und Westafrika. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Durch die nachhaltige Bewirtschaftung, die langfristige Pflege des Bodens und die Nutzung vorhandener Flächen produzieren Bio-Plantagen deutlich weniger Treibhausgase und gefährden die Artenvielfalt weniger als konventionelle Plantagen. Sie bieten zudem auch Kleinbauern Chancen auf ein stabiles Einkommen.

Allerdings: Die Bio-Richtlinien machen keine Vorgaben zu Sozialstandards – das heißt, Bio muss nicht zwingend auch fair sein. Rein theoretisch ist es möglich, dass Bio-Produzenten an Landkonflikten und Menschenrechtsverletzungen beteiligt sind. „Grundsätzlich kann man das nicht ausschließen, da die EU-Bioverordnung dies nicht thematisiert. Aber dafür deckt der RSPO (und POIG) auch soziale Aspekte ab“, erklärt Petersen vom WWF.

Auch wenn man dem RSPO kritisch gegenüberstehen kann: In der Realität erfüllen alle bekannten Produzenten von Bio-Palmöl derzeit auch ethische Kriterien zum fairen Umgang mit den Menschen vor Ort, bieten etwa Mindestlöhne oder faire Abnahmepreise, feste Arbeitsverträge oder Abnahmegarantien und Investitionen in Gemeinschaftsinstitutionen wie zum Beispiel Schulen oder Krankenhäuser. Zusätzlich zu Bio- haben sie auch verschiedene faire Handels-Zertifizierungen. Teils arbeiten die Unternehmen mit Kleinbauern bzw. Bauernkooperativen zusammen, die faire Preise für ihr Palmöl sowie Weiterbildungen bekommen.

Bio-Palmöl kommt nicht aus Indonesien

Rund 85 Prozent des heute gewonnen Palmöls wird in Indonesien und Malaysia angebaut. Dahinter folgen Thailand, Kolumbien und Nigeria mit jeweils wenigen Prozent. Die Bio-Palmöl-Plantagen hingegen liegen nicht in Südostasien, sondern in Südamerika und in Westafrika.

Den Markt für Bio-Palmölanbau in Südamerika dominieren zwei Unternehmen: Daabon in Kolumbien und Agropalma in Brasilien. Beide sind RSPO-Mitglieder und wirtschaften nicht ausschließlich ökologisch. Daabons Plantagen stehen auf Land, das bereits vorher landwirtschaftlich genutzt wurde, Agropalma baut seine Ölpalmen auf vor 30 Jahren gerodeten Flächen an.

Daabon bezieht Ölpalmen-Früchte unter anderem von Kleinbauern-Kooperativen. Gleichzeitig ist das Unternehmen aber an einer konventionellen Biodiesel-Raffinerie beteiligt. Daabon geriet mehrmals in die Schlagzeilen, zuletzt 2010, als mutmaßliche Verwicklungen in Landraub und Rodungen aufgedeckt wurden. Eine Untersuchung durch den Zertifizierer Ecocert sowie einige Bio-Firmen (Alnatura, Allos, Rapunzel) fand jedoch vor Ort keine Belege für die Anschuldigungen (PDF). Daabon gab wenig später dennoch Fehler zu und zog sich aus dem betroffenen Projekt zurück. Umweltschutzorganisationen wie Rettet den Regenwald sehen den Produzenten nach wie vor kritisch.

Agropalma erzeugt heute auf rund 10 Prozent seiner Fläche rund 7 Prozent seines gesamten Palmöls ökologisch (mit Bio- und Fair Trade-Zertifizierung; Stand 2013), die restliche Fläche bewirtschaftet das Unternehmen konventionell. Das Land für die Bio-Plantagen wurde bereits in den 1980ern gerodet. Die Bio-Plantagen des Unternehmens sind vom lateinamerikanischen Zertifizierer IBD als „Fair Trade Ecosocial“-zertifiziert und haben sich damit den Prinzipien des fairen Handels verpflichtet.

Der kleine Palmöl-Produzent Serendipalm in Ghana wurde ursprünglich von Kosmetik-Hersteller Dr. Bronner’s initiiert. Das Unternehmen erfüllt die Bio- und Fairtrade-Standards, die Palmöl-Früchte stammen von über 700 kleinen Familienbetrieben. Diese erhalten faire Preise sowie Schulungen zum ökologischen Anbau. Auch in der firmeneigenen Ölmühle bekommen über 200 Mitarbeiter, vorwiegend Frauen, faire Löhne und Arbeitsbedingungen. Die Fairtrade-Prämie ermöglicht zudem gemeinschaftliche Entwicklungs-Projekte wie etwa neue Brunnen oder Schulmaterialien. So profitieren insgesamt bis zu 3000 Menschen von dem Projekt. Serendipalm beliefert heute mehrere öko-fair wirtschaftende europäische Unternehmen, darunter GEPA und Rapunzel.

Natural Habitats produziert und vertreibt ebenfalls ausschließlich fair gehandeltes Bio-Palmöl. Die Ölpalmen werden von Kleinbauern und Kooperativen in Ecuador und Sierra Leone ökologisch angebaut. Das Unternehmen ist unter anderem nach der EU-Bio-Verordnung und von Fair for Life zertifiziert. Neben dem ökologischen Anbau legt Natural Habitats viel Wert auf die Einhaltung von Menschenrechten, bietet den Farmern faire Abnahmepreise, Weiterbildungen, Beratung, Mikrokredite und Sozialleistungen für seine Angestellten. 1 Prozent seines Gewinns reinvestiert das Unternehmen in soziale und Umweltprogramme vor Ort. In Deutschland verarbeiten unter anderem Rapunzel, Bionella (gehört zu Rapunzel) und dwp Palmöl von Natural Habitats.

Warum Unternehmen Bio-Palmöl verwenden

Für Bio-Hersteller ist der schlechte Ruf von Palmöl schwierig: Die wenigsten Verbraucher unterschieden zwischen konventionellem Palmöl aus Südostasien und zertifiziertem Bio-Palmöl. Dabei haben sich viele Bio-Firmen bewusst dazu entschieden, nachhaltig produziertes Bio-Palmöl zu verwenden.

So schreibt etwa Müsli-Hersteller Barnhouse, der Bio-Palmöl aus Kolumbien und Brasilien bezieht, Bio-Palmöl zu verteufeln „würde bedeuten, die jahrelangen Bemühungen um biologischen Anbau […] zunichte zu machen.“ Barnhouse gibt auch zu bedenken, dass der Boykott von Bio-Palmöl letztlich vor allem den konventionellen Anbietern nütze.

„Überlassen wir das Feld dem konventionellen Anbau und dessen Wirtschaftsweise, geben wir auf was unser Anliegen ist: zu zeigen, dass biologisch anbauen und wirtschaften möglich ist.“

Naturkost-Pionier Rapunzel hat sich ebenfalls bewusst dafür entschieden, möglichst nachhaltig produziertes Bio-Palmöl zu verwenden. Das Unternehmen verarbeitet Öl von Kleinbauern aus Ghana (Serendipalm) und Ecuador (Natural Habitats). „Palmöl ist aufgrund seiner Eigenschaften oft sehr schwierig zu ersetzen“, begründet Sven Hubbes, Produktentwickler bei Rapunzel, die Entscheidung – doch auch die Hoffnung, im Palmölanbau positive Veränderungen bewirken zu können, spielte dabei eine Rolle. „Wenn wir Palmöl verwenden, dann wollen wir das richtig machen“, so Hubbes.

Die Lieferanten von Rapunzel sind nach dem unternehmenseigenen Standard „Hand in Hand“ zertifiziert, der faire Produktions- und Handelsbedingungen garantieren soll. Mittels eigener Kontrollen in Ghana und Ecuador stellt Rapunzel sicher, dass alle Bestimmungen eingehalten werden. „Die Besuche vor Ort sind sehr wichtig“, sagt Hubbes. Rapunzel kann so ausschließen, dass Brandrodungen, Landraub oder Menschenrechtsverletzungen stattfinden. Der ökologische Anbau und die Kleinbauernstrukturen böten den Menschen vor Ort große Chancen, so Hubbes.

Er sieht in der Förderung des Bio-Anbaus „mehr Möglichkeiten“, als im radikalen Ersatz von Palmöl. Und gibt zu bedenken: „Auch Sonnenblumenkerne, die hier zu Öl verarbeitet werden, werden vor allem in Argentinien und China angebaut.“

Diese Unternehmen verwenden außerdem Bio-Palmöl (Auswahl):

  • GEPA bezieht Fairtrade-Bio-Palmöl von Serendipalm in Ghana.
  • Dr. Bronner’s ist Initiator von Serendipalm und bezieht ebenfalls Palmöl von dort.
  • Rossmann verwendet für seine Bio-Eigenmarken (EnerBIO, Alterra) Bio-Palmöl aus Brasilien (Agropalma), Kolumbien (Daabon) und Ghana (Serendipalm).
  • Alnatura setzt Bio-Palmöl von Daabon aus Kolumbien und Agropalma aus Brasilien ein.
  • Alsan verwendet in seiner Bio-Margarine Bio-Palmöl aus Brasilien und Kolumbien.
  • Bionella verarbeitet genau wie die Mutter-Firma Rapunzel Bio-Palmöl aus Ghana (Serendipalm) und Ecuador (Natural Habitats).
  • Allos bezieht Bio-Palmöl von Daabon aus Kolumbien.
  • In Produkten der Basic-Eigenmarke ist ebenfalls kolumbianisches und brasilianisches Bio-Palmöl verarbeitet.
  • Huober verwendet zur Herstellung seiner Salzstangen- und –brezeln zertifiziertes Palmöl von Daabon aus Kolumbien.
  • Sodasan bezieht für seine Rohseife Bio-Palmöl von Daabon.
  • Dr. Hauschka verwendet sehr wenig Palmöl, wo nötig wird Bio-Palmöl aus Südamerika verwendet.
Palmöl muss bei Lebensmitteln in der Zutatenliste stehen.
Auf Lebensmitteln muss Palmöl inzwischen klar gekennzeichnet sein.

Schwierig ist der Umstieg auf Bio-Palmöl bei Kosmetika und Reinigungsmitteln: Die tatsächlich enthaltenen Öle können die Hersteller zwar aus Bio-Anbau beziehen. Doch die für die Produkte notwendigen Emulgatoren und Tenside stellen nur einige spezialisierte Firmen her – aus konventionellen Rohstoffen. Eine gesonderte Verarbeitung von Bio-Palmöl wäre zu aufwändig und kostspielig, deshalb müssen auch Öko-Unternehmen notgedrungen diese Tenside/Emulgatoren verwenden. Zumindest stammt das Palmöl meist aus RSPO-zertifiziertem Anbau, leider ist das aber kein Garant für Nachhaltigkeit (siehe oben).

Was ist also die Lösung: Palmöl vermeiden oder Bio kaufen?

Die meisten Experten und Umweltschützer sind sich einig: der Verzicht auf Palmöl allein ist nicht zielführend. Denn die Umstellung von Palmöl auf andere Öle würde wahrscheinlich mindestens ebenso große Umweltprobleme mit sich bringen. Der WWF hat hierzu im August 2016 eine umfangreiche Studie veröffentlicht (PDF). Kernaussage:

„Insbesondere ein unkritischer Austausch von Palmöl durch andere Pflanzenöle löst die Probleme nicht, sondern verlagert und verschlimmert sie nur.“

Das gilt der Studie zufolge vor allem für die beliebte Alternative Kokosöl. Doch auch die Umstellung auf in Europa produzierte Öle würde längst nicht alle Probleme lösen:

„Die Analyse hat gezeigt, dass bei einem Ersatz von Palmöl durch heimische Öle wie Raps- und Sonnenblume die biologische Vielfalt weniger leiden würde, unter anderem, weil Deutschland verglichen mit tropischen Ländern eine geringere Artenvielfalt beheimatet. Es würden jedoch mehr Flächen verbraucht und so auch mehr Treibhausgase emittiert.“

Sinnvoller wäre demnach also in erster Linie die radikale Reduzierung unseres Palmöl-Verbrauchs, ein teilweiser Ersatz durch heimische Öle und der bewusste Kauf von Produkten mit bio-zertifiziertem Palmöl.

Bio-Palmöl
Ist Palmöl mit Bio-Siegel die Lösung? (Foto: © Utopia)

Ganz anders sieht das die Umweltschutzorganisation Rettet den Regenwald:

„Unsere Grundnahrungsmittel können und sollten auf heimischen Äckern angebaut werden, nicht in Indonesien, Malaysia, Argentinien oder Brasilien. In Deutschland und Europa stehen hochwertige Pflanzenöle wie Maiskeim, Olive, Raps und Sonnenblume zur Verfügung – und Anbauflächen im Überschuss“

sagt Klaus Schenk, Wald- und Energiereferent bei Rettet den Regenwald.

Seine Organisation kritisiert vor allem den Einsatz von Palmöl in Biokraftstoff. Doch Rettet den Regenwald glaubt auch, dass der Teil des Palmöls, der derzeit in Konsumgütern verarbeitet wird, verzichtbar ist: „Dieses Palmöl lässt sich mit heimischen Pflanzenölen ersetzen. Die Anbauflächen dafür sind bei uns reichlich vorhanden. Auf 2,5 Millionen Hektar wachsen in Deutschland Raps für die Produktion von Biodiesel und Mais für die Erzeugung von Biogas. Diese Politik muss unverzüglich korrigiert und die Flächen wieder für die Produktion von Nahrungsmitteln genutzt werden“, so Schenk.

Der Gedanke also: Würde man die hierzulande für Biodiesel und –gas angebauten Pflanzen stattdessen zu Öl verarbeiten, würde Palmöl überflüssig. Allerdings sieht es sieht derzeit nicht danach aus, als könne die EU die Verbrennung von Pflanzenölen in absehbarer Zeit wirklich stoppen.

Rettet den Regenwald glaubt auch nicht an den Erfolg von Bio-Palmöl im Kampf gegen die Waldzerstörung: „Auch die Bio-Palmölplantagen stehen auf Land, das vormals von Tropenwäldern bedeckt war“, so Schenk. Er kritisiert, dass die Bio-Zertifizierungen Waldrodungen nicht ausschließen und die Größe der Plantagen nicht begrenzen. „Tausende Hektar mit industriellen Monokulturen zu bepflanzen ist kein ökologischer Landbau.“ Die südamerikanischen Bio-Palmöl-Produzenten Daabon und Agropalma hält er für nicht glaubwürdig, weil sie ihr Hauptgeschäft nach wie vor mit konventionellem Palmöl machen.

Fazit: Bio-Palmöl ist ein Teil der Lösung

Die beiden Positionen scheinen unvereinbar – die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Denn klar ist: Es muss sich Umwelt und Klima zuliebe dringend etwas ändern im Palmöl-Anbau. Nur wird es dafür nicht die eine perfekte Lösung geben. Weder eine Umstellung auf 100 Prozent nachhaltiges Palmöl, noch der Ersatz durch 100 Prozent heimische Öle ist in absehbarer Zeit realistisch.

Das bedeutet: Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten kann eigentlich nur eine Kombination aus drei Lösungsansätzen funktionieren: Wir Verbraucher sollten insgesamt deutlich weniger Palmöl konsumieren, ausschließlich Bio-Palmöl kaufen und die Industrie sollte einen Teil des heute verarbeiteten Palmöls durch heimische Öle ersetzen.

Tipps: Das kannst du tun

Der WWF hat errechnet:

„Würden wir auf Palmöl als Biokraftstoff verzichten und einen bewussteren Verbrauch von Konsumgütern wie Schokolade, Süß- und Knabberwaren, Fertiggerichten und Fleisch etablieren, könnten wir rund 50 % des derzeitigen Palmölverbrauchs einsparen.“

Zumindest, welche und wie viele Konsumgüter wir kaufen, haben wir selbst in der Hand – nutzen wir unsere Verbrauchermacht!

  • Kaufe Bioprodukte – Verzichte so weit wie möglich auf Produkte mit konventionellem, unzertifiziertem Palmöl.
  • Kaufe möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel – „17 % des deutschen Gesamtbedarfs an Palmöl finden sich in weiterverarbeiteten Lebensmitteln und „Luxusgütern“ wie Schokolade, Knabberwaren, Pizzen und anderen Fertiggerichten. Ein maßvollerer Konsum von Zucker und Fetten […] wäre […] geeignet, den Palmölbedarf in Deutschland deutlich zu reduzieren.“ (WWF)
  • Kaufe regional und saisonal erzeugte Produkte – darin sind im Idealfall nur heimische Öle verarbeitet.
  • Verzichte auf Fleisch aus konventioneller Tierhaltung  – rund 8 Prozent des nach Deutschland importierten Palmöls dient als in Futtermittel für Rinder, Geflügel und Schweine in industrieller Zucht.
  • Kaufe Produkte aus fairem Handel – das hier enthaltene Palmöl wird unter Fair Trade Prinzipien erzeugt.
  • Koche selber mit unverarbeiteten Lebensmitteln – so hast du volle Kontrolle, was in deinem Essen steckt.
  • Wirf möglichst wenige Lebensmittel weg – aufwändig gewonnenes und um den halben Erdball transportiertes Palmöl sollte nicht einfach im Müll landen.
  • Frag bei den Firmen, deren Produkte du kaufst, nach, woher das verwendete Palmöl stammt und ob dafür Regenwald zerstört wird.

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(6) Kommentare

  1. was mich bei dem thema richtig abfuckt, ist dass mir der dreck so aufgenötigt wird. jeder hersteller verpanscht das zeug in seinen produkten und ich muss die kniefieselige arbeit betreiben, herauszufinden, wo was drin ist und die produkte dann konsequent meiden nur damit mir das zeug beim nächsten produkt wieder entgegenspringt. es kotzt mich an!

  2. Sehr informativer Artikel, danke dafür. Bestätigt mein Konsumverhalten im Grunde: Ich versuche, auf Palmöl weitestgehend zu verzichten und wenn das nicht möglich ist bzw. ich gerade einfach mal Lust auf z.B. Zwiebelschmalz habe, in dem viel Palmöl steckt, dann kaufe ich ausschließlich Bio-Produkte. Ich kaufe generell seit einiger Zeit nur noch Bio-Produkte.
    Man kann sich das auch mit einem vergleichsweise geringen Gehalt leisten, wenn man kein oder wenig Fleisch bzw. Tierprodukte zu sich nimmt und auf die tägliche Schokolade o.ä. verzichten lernt. (Raffinierter Zucker ist sowieso Gift für den Körper 😉 )
    Es ist eigentlich alles ganz einfach, man muss sich nur ein wenig daran gewöhnen und lernen, sich mit weniger zufrieden zu geben. Mittlerweile, und das kann ich mit aller Überzeugung sagen, vermisse ich rein gar nichts mehr…

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