Biozyklisch-Veganer Anbau: Siegel für bio-vegane Lebensmittel

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Foto: Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e.V.

Das Siegel „Aus biozyklisch-veganem Anbau“ kennzeichnet Lebensmittel aus einem rein pflanzlichen ökologischen Anbau, der ohne Nutztierhaltung und dem Einsatz von Düngern und weiteren Betriebsmitteln tierischer Herkunft arbeitet. Utopia hat sich das Siegel angesehen.

Das Biozyklisch-Vegane Gütesiegel wird von der Adolf-Hoops-Gesellschaft herausgegeben. Hinter der Organisation steht ein Netzwerk mehrerer europäischer Organisationen, die sich für die Verbreitung des biozyklisch-veganen Anbaus einsetzen. In Deutschland ist dies vor allem der Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e. V. – in ihm sind etwa 70 Personen aus Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel, Privatpersonen sowie Tierrechtler:innen aktiv.

  • Siegel-Name: Biozyklisch-Veganer Anbau
  • Kategorie: Lebensmittel
  • Vergeben von: Adolf-Hoops-Gesellschaft
  • Produkte: Öle, Nüsse, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide, Getränke, …
  • Verbreitung: gering
  • Utopia-Bewertung: empfehlenswert

Als Bezugsquellen für biozyklisch-vegane Lebensmittel sind auf der Seite des Förderkreises aktuell nur Online-Shops angegeben. Dort sind momentan verschiedene Obstsorten, Oliven, Olivenöl, Trockenbohnen sowie Cashewkerne und Saft erhältlich. Bald sollen noch Mehl, Apfelsaft, Wein und „weitere Frischeprodukte“ hinzukommen. Besonders und schon länger verbreitet ist die bio-vegane Landwirtschaft bei kleinbäuerlichen Betrieben auf Zypern und in Griechenland. In Deutschland sind laut dem Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e.V. vier landwirtschaftliche Betriebe zertifiziert, weitere sind in Vorbereitung (Stand 2021).

Der biozyklisch-vegane Anbau: Kriterien

Wie im „normalen“ Ökolandbau dürfen im biozyklisch-veganen Anbau keine chemisch-synthetischen Pestizide oder Düngemittel zum Einsatz kommen. Gentechnik ist ebenfalls verboten. Das Attribut „zyklisch“ deutet außerdem darauf hin, dass Stoffkreisläufe eine wichtige Rolle spielen. Dem Boden werden zum Beispiel keine tierischen Düngemittel zugeführt, die Qualität bleibt durch umsichtigen Anbau erhalten. Insgesamt erfüllen biozyklisch-vegan angebaute Lebensmittel alle Anforderungen des EU-Bio-Siegels, gehen aber noch darüber hinaus.

Das Besondere am biozyklisch-veganen Anbau ist, dass er auf rein pflanzlicher Grundlage erfolgt. Das bedeutet:

  • Die Betriebe halten keine Nutztiere aus kommerziellen Gründen.
  • Düngemittel und andere Betriebsmittel müssen rein pflanzlich sein. Häufig enthalten herkömmliche im klassischen Ökolandbau eingesetzte organische Dünger tierische Erzeugnisse wie Gülle, Mist oder Hornmehl.
  • Auch in der weiteren Verarbeitung der Lebensmittel dürfen keine tierischen Produkte zum Einsatz kommen (z.B. keine Gelatine zur Klärung von Saft)

Das Biozyklisch-Vegane Gütesiegel erfüllt also Kriterien von Biosiegeln wie dem EU-Bio-Siegel, geht aber noch darüber hinaus. Es kennzeichnet eine rein pflanzliche Art des Ökolandbaus. Damit unterscheidet es sich auch von veganen Logos wie dem V-Label: Diese kennzeichnen vor allem Produkte, deren Inhaltsstoffe und Herstellungsprozesse rein pflanzlich sind.

Richtlinien

Seit Ende 2017 sind die Richtlinien des biozyklisch-veganen Anbaus als weltweit nutzbarer Ökostandard akkreditiert. Dies sind einige Kernpunkte der Richtlinien:

  • Der gesamte Betrieb muss den Kriterien der ökologischen Landwirtschaft genügen. Ausgeschlossen sind nur Bereiche, für die es kein solches Öko-Kontrollverfahren gibt – beispielsweise die Forstwirtschaft.
  • Kommerzielle Nutztierhaltung ist verboten. Betriebe mit Tieren haben zwei Jahre Zeit für die Umstellung.
  • Auf der sozialen Ebene müssen gewisse Standards wie die Einhaltung der Menschenrechte erfüllt sein. Kinder- und Zwangsarbeit sind verboten, der Lohn darf nicht unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen.
  • Die Förderung der Biodiversität hat im biozyklisch-veganen Anbau einen hohen Stellenwert. Landwirt:innen sollen dafür unter anderem ökologische Ausgleichsflächen schaffen.
  • Der Boden darf nur schonend bearbeitet werden, Brandrodung ist verboten. Tierische Düngemittel sind nicht erlaubt – abgesehen von den zufälligen Ausscheidungen von frei in dem Gebiet lebenden Tieren. Reine, dauerhafte Monokulturen sind nicht erlaubt.
  • Zur Bekämpfung von Schädlingen sind nur ausgewählte Substanzen erlaubt. Sie dürfen keine tierischen Inhaltsstoffe enthalten und sollen idealerweise selbst hergestellt sein, beispielsweise aus Kräutern.

Kontrollen

Die Kontrollorganisation CERES beauftragt einmal jährlich eine Kontrollstelle, die biozyklisch-vegane Produzent:innen überprüft. Diese Kontrollen finden nach Möglichkeit zeitgleich mit der Kontrolle im Rahmen der EU-Öko-Verordnung statt und werden im Vorhinein angekündigt. Solange ein Hersteller die jährlichen Kontrollen besteht, kann er das Siegel weiterhin nutzen.

Herausforderungen des biozyklisch-veganen Anbaus und Kritik

Laut Ökolandbau.de ist die Tierhaltung ein wichtiger Bestandteil der ökologischen Landwirtschaft – auf Demeterhöfen ist sie sogar verpflichtend. In der biodynamischen Landwirtschaft dienen Mist, Gülle und andere tierische Erzeugnisse als wichtige Düngemittel. Die biozyklisch-vegane Landwirtschaft kommt ganz ohne tierische Hilfsmittel aus. Rein vegane Betriebe messen einem dauerhaften Humusaufbau, einem gesunden Bodenleben und der Produktion von pflanzlichen Düngemitteln, beispielsweise durch Kompost und Gründüngung, eine große Bedeutung bei. Außerdem sind weniger natürliche Mittel zur Schädlingsabwehr erlaubt als im klassischen Ökolandbau. Dem müssen Landwirt:innen zum Beispiel durch Nützlingsförderung entgegenwirken. Die Umstellung auf biozyklisch-veganen Anbau kann teils viel Zeit in Anspruch nehmen.

Es gibt immer mehr Veganer:innen in Deutschland und die vegane Ernährung hat viele Vorteile – deshalb erscheint es sinnvoll, wenn Landwirt:innen zunehmend biozyklisch-vegan arbeiten. Das ist zwar mit den oben genannten Herausforderungen verbunden, bestehende bio-vegane Höfe zeigen aber, dass das Konzept funktioniert.

Auf der anderen Seite kann Nutztierhaltung auch sinnvoll sein. Insbesondere in Entwicklungsländern ist sie oft eine unersetzliche Einkommens- und Nährstoffquelle. Zudem sind beispielsweise Schafe wichtige Helfer in der Landschaftspflege – sie beweiden artenreiche Wiesen. Ob eine hundertprozentig vegane Landwirtschaft sinnvoll wäre, ist also fraglich.

Momentan sind wir von einem solchen Zustand aber ohnehin weit entfernt. In der heutigen von Massentierhaltung geprägten Landwirtschaft ist eine Ausweitung des biozyklisch-veganen Anbaus sicherlich sinnvoll. Zudem bietet das biozyklisch-vegane Siegel eine Orientierung für alle, denen sowohl Veganismus als auch ökologische Landwirtschaft wichtig sind.

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