Brandbrief: 11.000 Wissenschaftler warnen die Menschheit vor „unbeschreiblichem Leid“

Foto: CC0 Public Domain/Pixabay und Screenshot BioScience

Die Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt und extreme Wetterereignisse werden häufiger – unser Planet ist in keinem guten Zustand. Jetzt haben mehr als 11.000 Wissenschaftler eine eindringliche Warnung formuliert.

„Wissenschaftler haben die moralische Verpflichtung, die Menschheit vor jeglicher katastrophischen Bedrohung zu warnen und zu sagen‚ wie es ist‘“ – so beginnt die Erklärung, die im Fachmagazin „BioScience“ veröffentlicht wurde. „Wir erklären klar und unmissverständlich, dass der Planet Erde einem Klima-Notfall entgegensieht.

11.258 Wissenschaftler aus 153 Ländern haben die Botschaft unterzeichnet. Sie beklagen in ihrem Schreiben die Untätigkeit der Weltgemeinschaft. In 40 Jahren globaler Klima-Verhandlungen seien kaum wirkungsvolle Maßnahmen durchgeführt worden. Das Ergebnis: Die Klimakrise beschleunigt sich schneller, als die meisten Wissenschaftler erwartet haben.

Sorge vor „Klima-Kipppunkten“

„Sie [die Klimakrise] ist schlimmer als erwartet. Sie bedroht natürliche Ökosysteme und das Schicksal der Menschheit.“ Besondere Sorge bereiten den Wissenschaftler unumkehrbare „Klima-Kipppunkte“: Bestimmte Phänomene können sich verselbstständigen, wenn sie ihren Kipppunkt erreichen. Ab einem gewissen Punkt lässt sich beispielsweise das Auftauen der Permafrostböden nicht mehr aufhalten.

Kettenreaktionen im Klima könnten dazu führen, das große Gebiete der Erde unbewohnbar werden. „Es braucht eine immense Steigerung der Bemühungen unsere Biosphäre zu bewahren, wenn wir unbeschreibliches Leid verursacht durch die Klimakrise vermeiden wollen.“

Das kann die Menschheit noch tun

Klimaschutz Klimawandel Eisbär Polarbär
Klimawandel: Das Eis schmilzt (Foto: Pixabay / CC0 / Skeeze)

Die Wissenschaftler liefern in ihrer Erklärung auch Empfehlungen, was die Menschheit gegen die bedenklichen Entwicklungen tun kann. Sie nennen sechs „kritische und zusammenhängende Schritte“:

  1. Energie: Energie sparen, auf erneuerbare Energien umsteigen und fossile Brennstoffe im Boden lassen.
  2. Umweltverschmutzung: den Ausstoß von Stoffen wie Methan, Ruß und Fluorkohlenwasserstoffe reduzieren
  3. Natur: die Ökosysteme der Natur schützen (etwa Wälder, Moore, Korallenriffe) – und damit auch die Biodiversität
  4. Ernährung: mehr pflanzliche Lebensmittel und weniger Fleisch- und Tierprodukte essen
  5. Wirtschaft: nachhaltiger mit Ressourcen umgehen, Ausbeutung beenden
  6. Weltbevölkerung: die Bevölkerungszahl stabilisieren, starkes Wachstum einschränken.

Am Schluss ihrer Erklärung appellieren die Wissenschaftler an Entscheidungsträger und die gesamte Menschheit, schnellstmöglich auf ihre Warnung zu reagieren.

Schon in der Vergangenheit haben Wissenschaftler gewarnt

Es ist nicht die erste kollektive Ermahnung von Wissenschaftlern: Erst 2017 hatten sich 15.000 Forscher zusammengetan und einen ähnlich eindringlichen Appell formuliert. „Bald wird es zu spät für uns sein, unseren Kurs zu ändern“, hieß es damals. Bereits 1992 hatten außerdem 1700 Wissenschaftler in einem Schreiben vor drängenden Problemen wie dem Klimawandel, der Waldabholzung und der schwindenden Artenvielfalt gewarnt. Hoffentlich inspiriert die neueste Warnung Menschen und Politiker weltweit dazu, etwas gegen die Klimakrise zu tun. Wie du selbst aktiv werden kannst:

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(7) Kommentare

  1. Wer bewertet diesen Beitrag denn bitte negativ ???

    Nicht die vielen Menschen sind das große Problem, sondern genau diese ignorante Einstellung! Egoistisches Verhalten gepaart mit einer uns allen aufgezwungenen, zerstörerischen Lebensweise einer vom „Luxus“ verwöhnten Gesellschaft.
    Schon in prähistorischen Zeiten haben nur wenige zehntausend Menschen ausgereicht, um die Ausrottung der Megafauna voranzutreiben und die Ökosysteme ganzer Kontinente nachteilig zu beeinflussen… Nicht auszurechnen, welche Schäden dann heute Millionen und Milliarden fehlgeleiteter Menschen anrichten.
    Unsere Erde – für die die über unser aller Schicksal bestimmen wollen ist das nur eine große Spielwiese um ihre Gier nach Mehr und immer Mehr und ihre Machtgelüste auszuleben und Deutschland spielt wie immer ganz vorne mit.
    Und die regierende Politikerkaste hilft der Industrie auch noch dabei den Menschen ihre Zukunft zu berauben… Wie schon beim großen Ausverkauf der DDR, macht die Groß-Industrie die wahre Politik. Alles andere ist Augenwäscherei – Ein echtes Armutszeugnis für das einstige Land der Dichter und Denker!

  2. Das Fatale ist ,dass die Politiker eine Kaste „Zahnloser Tiger“, d.h., dass die Wirt-
    schaft längst das Sagen hat. Wenn ein führender Politiker heute radikale Maßnahmen vorschlagen würde wie etwa, Glyphosat völlig zu verbieten, dann droht Bayer der Bundesregierung mit Klagen, mit Geldentzug, mit Abwanderung in ein anderes Land. Für mich sind die Bürger gefragt, ihr Engagement. Ich bewundere leute in Chile, die für ihre Rechte mutig auf die Straße gehen, obwohl sie dort von massiver Militär-und Polizeigewalt gejagt werden und es schon viele Tote gab. Wenn wir nur den Ernst der Lage erkennen würden, dann wären wir mutiger in unserem Engagement auf der
    Straße, aber auch in unserem Handeln, immer eingedenk, dass das, was ich hier tue irgendwo in einem ferneren Land, wie Afrika, seine Folgen zeitigt, mein Konsum, mein Reiseverhalten etc also andere Menschen, die klima-und umweltkorrekt handeln, weil sie viel zu arm sind für unseren verschwende- rischen Lebensstil, in ihrem Dasein bedroht. Wenn die menschheit nur begreifen würde, dass wir nicht separiert voneinander sind, sondern zu-
    sammenhängen, ebenso wie wir mit der uns umgebenden Natur verbunden sind.

  3. Ja, die Ausbeutung von Mensch und Natur herrscht überall auf der Welt mit dem kleinen Unterschied, dass die deutschen Arbeitssklaven noch mit billigen Nahrungs- und Konsumartikeln aus der 3. Welt ruhig gestellt werden können.
    Ich hoffe nur, dass wir uns endlich mal solidarisch verhalten und nicht immer nur daran denken, selber zum Profiteur dieses kaputten Systems zu werden!

  4. So ein Brandbrief ist eine gute Sache nur leider wird auch diese keinerlei Einfluss haben, da er nicht die breite Masse erreichen wird, nur wenn es in den Tageszeitungen der einfachen Leute steht, wird es auch von einer wirklich großen Mengen wahrgenommen und kann etwas bewegen. Denn Webseiten wie diese und wissenschaftliche Magazine lesen hauptsächlich nur Menschen denen diese Probleme bereits bewußt sind und die bereits danach leben.

  5. Genau! Auf breiter Linie muss auf die dramatischen Auswirkungen der modernen Lebensweise hingewiesen werden. Allem voran dieser protzige und verschwenderische amerikanische Lifestyle, den fast die ganze Welt hinterherläuft! Alles Zerstörerische bis ins Extrem zu treiben hat halt keine Zukunft, das sollte langsam jedem klar werden! Ich denke von diesem Hirngespinst sollten wir uns alle mal verabschieden und uns endlich wie Homo ! sapiens ! verhalten.
    Grenzenloser Individualismus entgegen unserer gesellschaftlichen Verantwortung und unserem Planeten führt nur zu Problemen und kostet letzten Endes unser aller Zukunft.
    Und Leuten, die nicht Besseres mit sich anzufangen wissen, als nur mit dem Handy rumzuspielen sage ich immer: Es gibt auch genug wichtige Dinge zu tun!
    Aber dass auch die Mehrheit der Wissenschaftler immer wieder eindringlich warnt ist richtig und wichtig! Teilweise schaffen diese Meldungen es dann auch in die Mainstream-Medien. Um so mehr, desto besser 😉

  6. Was ist an diesem Brief denn so sensationell? Was da drin steht ist schon seit Jahrzehnten bekannt. Aber jene, die etwas in diese Richtung sagten, wurden belächelt, verunglimpft, als Schwarzseher, Spinner, Körnerfresser etc. betitelt und zur Schnecke gemacht. Und nun wird getan, als hätte man die Erkenntnis gerade erst gewonnen.

  7. Ja, und umso wichtiger ist es, immer wieder darauf hinzuweisen 😉
    Richtig, die Prognosen sind schon lange bekannt, aber sogar die werden von der Realität heute noch übertroffen.
    Mittlerweile ist sogar von den pessimistischten Aussichten auszugehen, wenn es so weiter geht.