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Wald in Deutschland geht kaputt – 6 Dinge, die du dagegen tun kannst

Foto: CC0, Unsplash – Annie Spratt

Dürre, Stürme und Borkenkäfer – vielerorts in Deutschland rufen Förster den Notstand aus. Unsere Wälder leiden. Was schief läuft und wie du Wald schützen kannst.

Wälder spielen in unserem Leben eine große Rolle – oft unbewusst: Sie sind Rückzugs- und Freizeitort für uns und Lebensraum für Millionen Tier- und Pflanzenarten. Sie sind Rohstofflieferant und Klimaschützer, Luftreiniger und Wasserspeicher, Kapitalanlage und Ort der letzten Ruhe. Und trotzdem: Mit der Art, wie wir mit unseren Wäldern umgehen, gefährden wir sie massiv.

Der Wald in Deutschland

Deutschland ist ein vergleichsweise waldreiches Land: Fast ein Drittel der Fläche Deutschlands ist von Wald bedeckt, insgesamt rund elf Millionen Hektar (BMEL). Nach der Landwirtschaft (etwa 52 Prozent) ist dies der größte Flächenanteil.

Mit dem romantischen Bild vom Wald, das viele vor Augen haben, hat das allerdings wenig gemein: Nur ein Bruchteil unserer Waldfläche ist Naturwald. Der weitaus größere Teil ist wirtschaftlich genutzter Forst.

Für was wird unser Holz verwendet?

2017 wurden in Deutschland fast 54 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen (UBA). Der Großteil stammt von Nadelbäumen, wie Fichten, Tannen, Douglasien, Kiefern und Lärchen. Einiges jedoch auch aus vergleichsweise alten Buchen-, Eichen sowie anderen Laubbaum-Beständen – was in Anbetracht der aktuellen Baumpflanz-Bemühungen besonders widersinnig erscheint.

Je nach Holzsorte dient das in Deutschland geschlagene Holz als Baumaterial, Brennmittel (Brennholz / Energieholz), zur Papierherstellung oder zur Produktion von Verpackungsmaterialien.

Pappe Müll Papier Altpapier
Aus Bäumen wird Papier und Verpackungsmaterial. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Jon Moore)

Was wir tun können, um Wald (in Deutschland) zu schützen

Dass das Bewirtschaften der deutschen Waldfläche selten im Einklang mit der Natur geschieht, zeigen uns unsere Wälder: sie sind Hitze und Borkenkäfern hilflos ausgeliefert.

Damit sich das ändert, muss der Anteil an Waldschutzgebieten dringend zunehmen, der Einschlag in natürliche bzw. naturnahe Wälder stoppen und es muss gelingen, den gesamten wirtschaftlich genutzten Wald möglichst naturnah umzugestalten. Dazu kann jeder von uns etwas beitragen, etwa in dem wir diese sechs Dinge beachten: 

1. Verbrauche möglichst wenig Papier 

Mache dir und deinem Umfeld bewusst, dass für Papierprodukte Bäume gerodet werden. Papier wird aus Faserstoffen hergestellt, die primär aus Holz gewonnen werden. Also: Je mehr Papier wir nutzen, desto mehr Bäume müssen gefällt werden.

Nun gelingt es uns im Alltag in der Regel nicht, völlig auf Papier zu verzichten. Es gibt jedoch durchaus Situationen, in denen wir gedankenlos Papier verschwenden – diese Situationen sollten wir vermeiden. Deshalb: Nicht immer gleich zur Küchenrolle greifen, wenn es ein Lappen tut. Beim Einkaufen die Stofftasche nicht vergessen. Geschenke nicht in Geschenkpapier wickeln, sondern nachhaltig verpacken. Nur drucken, wenn es wirklich sein muss. Ein „Bitte keine Werbung”-Aufkleber am Briefkasten anbringen sowie sich in die Robinsonliste eintragen. Und hast du schon mal überlegt, Papiertaschentücher und -servietten gegen schöne Varianten aus Stoff zu tauschen?

Verpackung vermeiden: Stoffbeutel statt Plastiktüte
Verwende Stoffbeutel statt Papiertüten. (Foto: © Utopia)

2. Bevorzuge Recyclingpapier und recycle

Leider gibt es nicht immer eine sinnvolle Alternative zu Papier – zum Glück sind wir in Deutschland einigermaßen gut darin, unseren Müll zu trennen. Vor allem unseren Papiermüll.

Dank eines funktionierenden Recycling-Kreislaufs sind Toilettenpapier, Schulhefte, Verpackungsmaterialien, Druckerpapier, Blöcke uvm. auch aus wiederaufbereitetem Altpapier erhältlich. Diese sollten wir Produkten aus Frischfaserpapier immer (!) vorziehen.

Der Blaue Engel vom Umweltbundesamt garantiert dir, dass ein Produkt zu hundert Prozent aus Recyclingpapier besteht. Zudem untersagt es den Einsatz von Chlor oder schwer abbaubare Stoffen bei der Herstellung.

Blauer Engel
Achte auf das Siegel „Der Blaue Engel“. (Logo © Blauer Engel / RAL gGmbH)

Übrigens: Die Bezeichnung “Holzfrei” bedeutet nicht, dass für das Produkt keine Bäume gerodet wurden – meist ist sogar das Gegenteil der Fall.

Wichtig: Ohne Altpapier, kein Recyclingpapier! Achte also darauf, deinen Müll zu trennen. Hier findest du heraus was ins Altpapier gehört und was nicht:

3. Bevorzuge hochwertige, langlebige Holzprodukte mit Naturland-Siegel

Während der Blaue Engel bei Papierprodukten ein einfacher, zuverlässiger Anhaltspunkt ist, verhält es sich bei Holzprodukten leider intransparenter. Das Beste, was du tun kannst, ist ausschließlich hochwertige, langlebige Holzprodukte zu kaufen. Halte dich zudem an die Siegel von Naturland und dem FSC.

Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine nichtstaatliche, gemeinnützige Organisation, die weltweit ökologische und soziale Standards erarbeitet und sich für eine nachhaltige Waldnutzung einsetzt. Leider steht sie wegen (für die VerbraucherInnen undurchsichtiger) industrieller Waldwirtschaft in Urwäldern in der Kritik.

Beim Kauf von FSC-Produkten können wir uns nie vollkommen sicher sein, dass es sich nicht um Urwaldholz handelt. Dieser Mangel an Transparenz war unter anderem ausschlaggebend dafür, dass Greenpeace seine Mitgliedschaft im FSC 2018 beendete. Trotzdem: Auf dem internationalen Markt ist das FSC-Siegel unsere beste Orientierungshilfe.

Falls die Herkunft erkennbar ist, solltest du Holz aus Urwäldern unbedingt vermeiden! In Deutschland gibt es das Wald-Zertifizierungssystem von Naturland. Dieses hat strengere Richtlinien als das des FSC. Möbel aus nachhaltigem Holz findest du zum Beispiel in unserer Bestenliste.

4. Werde Waldpate oder unterstütze Umweltorganisationen 

Du willst über kleine Veränderungen in deinem Alltag hinaus dem Wald helfen? Dann ist eine Wald-Patenschaft für dich sicher interessant. Waldpate kannst du zum Beispiel beim NABU werden. Dieser kauft Waldgebiete und initiiert Projekte zum Schutz der Wälder und somit der dort heimischen Tier- und Pflanzenarten.

Bäume pflanzen – empfehlenswerte Baumpflanzprojekte und Organisationen zum Waldschützen
Werde Waldpate oder unterstütze Aufforstungsprojekte. (Foto: hiroshiteshigawara / stock.adobe.com)

Vielleicht gibt es in deiner Nähe sogar eine Ortsgruppe, die sich für den Schutz von heimischen Wäldern einsetzt? Erkundige dich doch einmal in deiner Umgebung. Selbst wenn das primäre Ziel sein muss, Wald zu erhalten, macht das nachhaltige Aufforstungsprojekte nicht minder unterstützenswert. Wir stellen dir hier einige davon vor:

5. Erlebe den Wald

Wir schätzen und schützen, was wir kennen. Verbringen wir Zeit in unseren Wäldern, führen wir uns vor Augen, welchen Schatz wir aufs Spiel setzen.

Für Schüler- oder andere Gruppen kann ein Waldspaziergang mit dem/der zuständigen FörsterIn eine lehrreiche Abwechslung sein. Informiere dich doch einmal, ob es bei dir diese Möglichkeit gibt. Du erfährst mehr über deinen Heimatwald und seine Bewohner.

Am besten packst du dir darüber hinaus vor jedem Waldspaziergang und jeder Jogging-Runde eine alte Tüte ein, so kannst du Abfälle, die du unterwegs findest, gleich mitnehmen.

6. Informiere dich und gehe wählen

Informiere dich vor Wahlen, wie die Parteien unsere und die Wälder weltweit schützen wollen – denn hier gibt es durchaus Unterschiede. Frage doch einmal bei deinen örtlichen PolitikerInnen nach. Den Schutz von Wäldern in seiner Dringlichkeit nicht zu priorisieren, ist im Hinblick auf Klima-, Arten- und Umweltschutz schlicht fahrlässig.

Vermeide Produkte mit Palmöl 

Nicht nur heimische Wälder brauchen unseren Schutz: Mit deinem Verhalten kannst du auch Wälder schützen, die nicht in Deutschland liegen: Von Nutella und Veggie-Brotaufstrichen, über Babynahrung, Tütensuppen und Keksen, hin zu Shampoo und Eyeliner: Palmöl ist günstig, ertragreich und auch aus diesen Gründen das meistverwendete Pflanzenöl der Welt. 2018 wurden etwa 70 Millionen Tonnen produziert.

Für Palmöl wird der Regenwald gerodet.
Für Palmöl wird der Regenwald gerodet. (Foto: CC0 / Pixabay / MemoryCatcher)

Das Problem: Für den größten Teil der Produktion wurden und werden schützenswerte Urwälder gerodet. Versuche deswegen, möglichst wenig Produkte mit Palmöl (auch Palmfett) zu nutzen. Wenn überhaupt, dann aus nachhaltigem Bio-Anbau.

Wir zeigen:

Und weitere Alternativen zu beliebten Produkten mit Palmöl.

Reduziere deinen Fleischkonsum

Dafür den eigenen Fleischkonsum zu reduzieren, sprechen viele Gründe: einer von ihnen ist der Schutz von Wald. Ein Großteil der Waldzerstörung wird durch die Landwirtschaft verursacht – allen voran für die Fleischproduktion.

Viehhaltung benötigt Land – auch artgerechte Haltung. Für Weiden sowie für die Futtermittelproduktion für Hühner, Schweine und Rinder werden riesige Waldflächen gerodet. Und selbst wenn diese z.B. in Brasilien liegen, so geschieht es auch für unseren Konsum in Deutschland.

Je mehr Fleisch wir essen, desto mehr Fläche benötigt die (industrielle) Fleischproduktion. Indem wir unseren Konsum einschränken, schützen wir nicht nur Klima, Tiere und Menschen, sondern auch Wälder – weltweit.

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