8 alltägliche Dinge, die uns dümmer machen

Fotos: © benjaminnolte - Fotolia.com, Colourbox.de, Utopia.de

Die moderne Gesellschaft hat viele Vorzüge –  vor allem viele technische Entwicklungen erleichtern uns das Leben. Es gibt jedoch auch Nachteile: Durch viele Dinge, die wir nahezu täglich tun (oder nicht tun), verlieren wir wichtige Fähigkeiten.

Ständig googeln

Mit dem PC, Laptop, Smartphone oder Tablet sind wir ständig mit dem Internet verbunden. Wir haben damit Zugriff auf alle möglichen Informationen. Das ist einerseits gut, denn so haben wir Zugriff auf unendlich viel Wissen. Anderseits führt das dazu, dass wir ständig googeln – und jede Antwort sofort parat haben.

Wir müssen uns nicht mehr bemühen, um an Informationen zu gelangen. Dadurch vergessen wir sie auch wieder schneller – bis wir sie das nächste Mal googeln.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie veröffentlicht im Science-Magazin: „Das Internet ist zu einer grundlegenden Form eines externen oder transaktiven Gedächtnisses geworden, in dem Informationen kollektiv außerhalb von uns selbst aufbewahrt werden.“

Sprachassistenten wie Siri und Alexa nehmen uns nicht nur das Suchen nach Informationen und Problemlösen ab, sondern auch das Tippen. Adressen und Telefonnummern können wir uns dank Google und Smartphone nicht mehr merken – besser gesagt versuchen wir es gar nicht  mehr.

Günstige Klamotten kaufen statt Selbermachen

Shopping Einkaufen
Billigklamotten und Fast-Fashion: Selber nähen lohnt sich nicht mehr. (CC0 Public Domain / pixabay.de)

Unsere Mütter oder Großmütter konnten noch stricken – und zwar nicht nur Mützen oder Socken, sondern auch aufwändigere Teile wie Pullover oder Strickjacken. Auch Kleidung selber zu nähen war nicht ungewöhnlich. Heute wird Kleidung jedoch so billig verkauft, dass es sich nicht mehr lohnt, sie selber herzustellen – und wir haben eine weitere Fähigkeit verloren.

Bei Mode: lieber Fair Fashion statt Billig-Klammotten: Fair Fashion: die wichtigsten Marken, die besten Shops

Einkaufen in immer vollen Supermärkten

Verpackung vermeiden: Sonderangebote meiden
Ständige Verfügbarkeit im Supermarkt (Foto: Capitalism von Robert Agthe unter CC-BY 2.0)

Erdbeeren im Winter oder Kiwis aus Neuseeland – in unseren Supermärkten bekommen wir zu jeder Zeit Obst, Gemüse und andere Lebensmittel aus der ganzen Welt. Dadurch wissen wir gar nicht mehr, was eigentlich bei uns wächst, und wann. Wir kennen unsere Umwelt und die Abläufe der Natur nicht– und brauchen einen Saisonkalender, um möglichst umweltfreundlich einzukaufen.

Supermarkt-Tricks: so werden wir geschummelt!

Uns mit einem Fitnesstracker beobachten

Fitness-Armband
Immer mehr Leute nutzen Sport-Uhren und Fitnesstracker. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Fitness-Tracker und Sportuhren sollen dabei helfen, den Alltag möglichst gesund zu gestalten. Sie zeigen uns, wie viele Schritte wir gegangen sind, wie hoch unser Puls beim Joggen war oder geben uns Trainingsempfehlungen.

Aber auch hier besteht die Gefahr, dass sie uns zu viel Arbeit abnehmen – und wir am Ende verlernen, unseren Körper selbst zu verstehen. Brauchen wir wirklich ein Gerät, das uns sagt, ob wir uns heute ausreichend bewegt oder wie gut wir geschlafen haben?

Auf das Mindesthaltbarkeitsdatum verlassen

Mindesthaltbarkeitsdatum
Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist nur eine Richtlinie. (Foto: © Utopia)

Seit den 80er-Jahren werden in Deutschland Lebensmittel mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum gekennzeichnet. Das Problem: Die Konsument*innen verlassen sich auf dieses Datum, anstatt auf ihre Sinne und prüfen nicht einfach, ob etwas noch essbar ist. Ziemlich dumm, denn dadurch landen jedes Jahr tonnenweise Lebensmittel unnötigerweise im Müll.

Vergiss das Mindesthaltbarkeitsdatum – viele Lebensmittel halten länger als du denkst

Mit Navigationssystemen fortbewegen

Navigationssystem GPS
Wir verlassen uns auf Navis, statt auf unseren Orientierungssinn. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Ob das Navi im Auto oder Google Maps auf dem Smartphone – viele verlassen sich lieber auf Navigationssysteme, statt auf den eigenen Orientierungssinn. Das Ergebnis: Wir finden uns nicht mehr ohne diese technischen Hilfen zurecht. Selbst bei kurzen Strecken prüfen wir die Route auf dem Handy – wo Osten oder Westen ist, wissen viele selbst in der eigenen Stadt nicht mehr.

Laut einer Studie des University College London hat diese Abhängigkeit auch einen Einfluss auf unser Gehirn. In der Studie mussten Taxifahrer*innen in einer Simulation bestimmte Routen abfahren, während die Forscher*innen ihre Hirnaktivitäten maßen. Ein Teil der Proband*innen musste sich dabei selbst auf der Strecke zurechtfinden, der andere Teil wurde von einem Navigationssystem geführt.

Das Ergebnis: Bei der Gruppe ohne GPS war die Hirnaktivität im Hippocampus höher. Der Hippocampus ist die Schnittstelle zwischen dem Kurz- und Langzeitgedächtnis und spielt daher beim Lernen und Merken von neuen Informationen eine wichtige Rolle.

Fertiggerichte und Junkfood essen

Chips, Pommes und Co.: Besonders Fast Food enthält viele Transfette.
Zu viel Junkfood kann eine Auswirkung auf Denkleistungen haben. (Foto: CC0 / Pixabay / skeeze)

Wir haben wenig Zeit und sind außerdem ständig unterwegs. Oft kommt deswegen Fertigessen auf den Tisch – oder Nudeln mit Soße und andere unkomplizierte Gerichte, die schnell gehen. Die Kunst zu kochen lernen viele von uns gar nicht mehr.

Unser Bedürfnis nach schnellem Essen könnte darüber hinaus auch einen direkten Einfluss auf unser Gehirn haben – zumindest was Junkfood angeht. Studien haben gezeigt, dass Menschen, die viel salz- und zuckerhaltiges Junkfood essen, in ihrer Lern- und Erinnerungsfähigkeit beeinträchtigt waren. Junkfood soll auch die Bildung von neuen Neuronen negativ beeinflussen.

Gesunde Mittagspause: 12 Tipps für gesünderes Essen am Mittag

Soziale Medien nutzen

Social Media Facebook Erfolg
Soziale Medien können auch einen Einfluss auf Gedächtnisleistungen haben. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de - LoboStudioHamburg)

Studien zu sozialen Medien gibt es viele: Sie sollen uns süchtig machen, die Wahrscheinlichkeit für Depressionen erhöhen und unserem Selbstbild schaden.

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2013 kommt noch zu einem weiteren Schluss: Soziale Medien haben auch einen negativen Einfluss auf unsere Denkleistungen. Für die Studie sollten Student*innen soziale Netzwerke besuchen und anschließend Rechenaufgaben durchführen. Vor allem Proband*innen, die sich ihre eigenen Seiten in den sozialen Medien angesehen hatten, schnitten dabei schlecht ab.

Auch der ehemalige Facebook-Miteigentümer Sean Parker geht davon aus, dass soziale Medien eine negative Auswirkung auf unseren Verstand haben können: „Nur Gott weiß, was es mit den Gehirnen unserer Kinder anrichtet“, sagte Sean Parker in einer Podiumsdiskussion 2017.

Es ist nicht alles schlimm

Auch wenn viele der modernen Errungenschaften offensichtlich einen negativen Einfluss auf uns haben – es ist nicht alles so schlimm, wie es scheint. Die ständige Verfügbarkeit von Informationen aus dem Internet beispielsweise ist auch eine große Chance: Wir können uns theoretisch Wissen aus den verschiedensten Quellen aneignen und dadurch viel informierter sein als Menschen aus früheren Generationen.

Wir verlieren Fähigkeiten wie Nähen oder Stricken, bekommen dafür jedoch andere Kompetenzen: Fotografieren oder Bildbearbeitung beispielsweise. Dank Smartphone und den sozialen Medien rücken wir außerdem näher zusammen: Wer Freund*innen oder Verwandte im Ausland hat, weiß, wie viel einfacher und schneller die Kommunikation mit ihnen in den letzten Jahren geworden ist. Ob technische Geräte vorteilhaft für uns sind, oder uns eher verdummen, hängt vor allem davon ab, wie wir sie nutzen.

Und für alle, denen ihr Leben jetzt unnötig kompliziert erscheint: 12 praktische Minimalismus-Tipps, die dein Leben leichter machen

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(5) Kommentare

  1. in kurz: „Früher war alles besser“! ???
    Werden wir wirklich „dümmer“ nur weil wir bei Google nachschauen? Waren meine Eltern denn dumm, weil Sie im Brockhaus nachschauten?
    Dumm sind eher Leute, die nirgens nachschauen, nichts dazu lernen (wollen) und alles mit Klischees und Vorurteilen „erklären“.

  2. Ich halte es für unbestritten, dass wir zunehmend bestimmte Fähigkeiten verlernen, die uns mittels modernster Errungenschaften und Möglichkeiten vielfach abgenommen werden. Allerdings kann ich den folgenden Satz meinerseits so nicht uneingeschränkt bestätigen:
    „Wir müssen uns nicht mehr bemühen, um an Informationen zu gelangen. Dadurch vergessen wir sie auch wieder schneller – bis wir sie das nächste Mal googeln.“
    Früher hatte man eben den Brockhaus und einen Duden zu Hause, da war schnell mal etwas nachgeschlagen und in der Regel war das auch ausreichend. Ich habe den Eindruck, dass wir heutzutage auf viel mehr Informationen angewiesen sind als früher, was wir sicherlich nicht zuletzt auch der Schnelllebigkeit unserer Zeit zu verdanken haben. Was für heute noch gilt, kann morgen schon überholt sein. Und die Vielzahl an Quellen, die uns zur Verfügung stehen, machen eine bestimmte Recherche nicht unbedingt leichter. Gerade im Internet stellt uns doch die Informationssuche manchmal vor ungeahnte Herausforderungen. Da bietet es sich an, erst einmal zu selektieren, welche Quellen seriös und zuverlässig sind und selbst danach stößt man oft genug auf Widersprüchliches.
    In diesem Fall stellt sich dann die Frage, welcher Information oder Aussage darf ich Glauben schenken. Während man sich in einem Buch zwecks Suche eines Begriffs auf die Sichtung von Inhaltsverzeichnis oder Stichwortverzeichnis beschränkt, trifft man im Internet auf so mannigfache Ergebnisse, dass man gezwungen ist, möglichst viele zusätzliche Angaben (Kriterien) zu ergänzen, um die Suchergebnisse einzuschränken.
    Das gesamte Vorgehen kann dann mitunter auch schon mal einiges an Köpfchen und Zeit in Anspruch nehmen. Man kann daher meines Erachtens nicht unbedingt davon ausgehen, dass einem in der heutigen Zeit auf der Suche nach Informationen weniger abverlangt wird nur dadurch, dass einem mehr Material zur Verfügung steht. Nicht in jedem Fall ist die Floskel zutreffend: „Viel hilft viel!“

  3. Richtig, aber muss man sich denn ständig mit den vielen unwichtigen Details auseinandersetzen, die uns jeden Tag über die ganzen Medienkanäle erreichen (Reizüberflutung vorprogrammiert), oder brauchen wir einfach nur bessere Filter, um die für uns relevanten Informationen herauszuziehen?
    Denn so viel Neues gibt’s nun auch wieder nicht. Vieles was uns heute als neu verkauft werden soll ist nämlich schon längst ein alter Hut. Allerdings könnte man manche Sachverhalte vielleicht nochmal nach heutigen Kriterien neu bewerten 😉

    Generell bin ich dafür, sich eher die Grundlagen anzueignen, denn erst dadurch gewinnt man ein Verständnis für wichtige Zusammenhänge. Man kann sich dann auch viele Dinge ganz einfach selbst herleiten und muss nicht wegen jeder Kleinigkeit Google bemühen und ist auch gegen Unwichtiges oder Fake-news gewappnet. Das ist mMn auch der große Unterschied zu früher. Die Leute hatten einfach eigenes Wissen und echte Lebenserfahrung auf die man sich auch verlassen kann. Und heute ? Fast alles spielt sich nur noch virtuell ab… sehr schade!
    Ok, nichtsdestotrotz war der Zugang zu Wissen noch nie so einfach wie heute. Die Frage ist nur, was machen wir daraus?

    Ansonsten wie immer ein toller Artikel zu den wichtigsten Themen unserer heutigen Zeit, Danke Utopia 👍

  4. Vorweg: Der Artikel ist super! Viele der hier beschriebenen Verhaltensmuster haben sich schleichend ergeben. Nehmen wir Kleidung selbst anfertigen oder gesundes Essen kochen. Beides muss man lernen. Wobei Kleidung anfertigen noch eine größere Hürde ist. Ich kann beides, weil ich es von meiner Mutter gelernt habe. Und ich habe viel Spaß dabei. Man könnte in den Schulen damit anfangen, Rechenaufgaben z. B. so zu gestalten, dass die Kids beim Lösen der Aufgabe gleich noch etwas zum Konsumverhalten und Klimaschutz lernen. Beispiel: Wenn ich 12 Plastikverpackungen im Jahr einspare, weil ich die neuen festen Dusch- und Haarshampoos und die feste Körpercreme nutze. Eine Plastikverpackung X Energie für die Herstellung verbraucht. Wie viel Energie wird eingespart, wenn 27,435 Millionen Bundesbürger:innen das auch tun? Oder wie viel Kilogramm Plastik wird eingespart, wenn eine Plastikverpackung 50 g wiegt? Das ist natürlich ausbaufähig.
    Ich habe auch Kochunterricht in der Schule gehabt. Das war zwar kein Höhepunkt, aber lässt sich heute super gestalten. Natürlich muss das für Jungen und Mädchen sein. Klamotten nähen und so Unikate herstellen statt Massenware. Die Qualität von Stoffen erspüren. Das mache übrigens heute noch. Oder einfach mal durch die Billig-Anbieter-Geschäfte gehen und an den Klamotten bei H&M oder Primark riechen. Da kann einem schon übel werden. Kleiner Tipp zum Mindesthaltbarkeitsdatum. Laktosefreie Produkte kann man oft noch Wochen später sorglos essen. Mein Rekord: 12 Wochen danach war der Quark noch einwandfrei. Riechen und schmecken kann schließlich jede/r. Und wie echter Schimmel aussieht, darüber kann man sich informieren.

  5. Warum muss eigentlich überall und immer wieder diese Suchmaschine erwähnt werden.
    Als ob es keine anderen gäbe…….und die auch noch etwas sorgsamer mit unseren Daten umgehen…