Präsentiert von:

Ein guter Tag für die Bienen: EU verbietet drei Pflanzenschutzmittel

Foto CC0 Pixabay

Tausende Bienenvölker sterben – ein Grund dafür sind giftige Pflanzenschutzmittel. Jetzt haben die EU-Staaten drei dieser Mittel verboten. Landwirte dürfen sie künftig nur noch in Gewächshäusern verwenden.

Die EU-Staaten haben am Freitag einem Verbot von sogenannten Neonikotinoiden zugestimmt. In dem zuständigen EU-Ausschuss in Brüssel war die Mehrheit der 28 Mitgliedstaaten dafür, den Einsatz der bienenschädlichen Insektengifte auf Äckern zu verbieten und auf Gewächshäuser zu beschränken. Das teilte die EU-Kommission laut spiegel.de mit.

„Die Gesundheit der Bienen bleibt für mich von größter Bedeutung, weil sie Artenvielfalt, Lebensmittelproduktion und Umwelt betrifft“, sagte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis laut Mitteilung. Auch Deutschland stimmte für das Verbot. „Heute ist ein guter Tag für den Schutz der Bienen in Deutschland und in Europa“, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU).

Insektizide töten nicht nur Schädlinge, sondern auch Bienen

Das Verbot betrifft die drei Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam. Sie gehören zur Gruppe der Neonikotinoide. Die Insektizide werden in der Landwirtschaft eingesetzt, um Pflanzen vor Schädlingen zu schützen. Dabei schädigen sie das zentrale Nervensystem von Insekten, was zu Krämpfen oder zum Tod der Tiere führt.

Bei Wild- und Honigbienen können Neonikotinoide Studien zufolge die Orientierungsfähigkeit einschränken und sie in größeren Mengen sogar lähmen oder töten. Bereits 2013 verbot die EU-Kommission einige Neonikotinoide teilweise, nachdem die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) sie als gefährlich für Bienen eingestuft hatte.

Die Efsa bestätigte Anfang April 2018 in einem neuen Bericht die Gefahren für Bienen und Hummeln: Die Mehrzahl der Anwendungen von Neonikotinoidhaltigen Pestiziden stelle ein Risiko für Wild- und Honigbienen dar. Und damit für uns alle, denn 75 Prozent der weltweit angebauten Agrarrohstoffe sind auf Bestäubung angewiesen und der Rückgang natürlicher Bestäuber wirkt sich laut einer UN-Studie direkt auf die Agrarindustie aus. Viele Menschen, die solche Rohstoffe beziehen, sind sich der möglichen Folgen für die eigenen Lieferketten bislang kaum bewusst.

Warum ein Verbot das Problem nicht vollständig löst

Dass bienenschädliche Pflanzenschutzmittel verboten werden, ist eigentlich eine gute Nachricht. Laut Experten werde das Problem so aber nur verlagert: Bauern würden notgedrungen auf andere Methoden und Mittel ausweichen und die nächste Generation Pestizide stehe schon bereit, erklärte zum Beispiel Peter Neumann gegenüber Zeit Online. Er ist Tiermediziner und Leiter des Instituts für Bienengesundheit an der Universität Bern.

Weiteres Problem: Die Neonikotinoide sind nicht der einzige Grund für das Bienensterben.

Um langfristig etwas gegen das Bienensterben zu tun, müssen Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie umdenken. Der Verlust von Vielfalt setzt vor allem den Wildbienen zu: Raps- oder Sonnenblumen-Monokulturen schwächen die Bienen. An anderer Stelle finden sie überhaupt keine Nahrung, geschweige denn Nistplätze mehr – weil wir bunte Blumenwiesen in sterile Rasenfläche verwandeln und Städte mit Straßen, Parkplätzen und Industriegebieten zubauen.

Lies auch: Die bienenfreundlichsten Pflanzen für Garten und Balkon.

Was du gegen das Bienensterben tun kannst

Wir Verbraucher können dem entgegenwirken, indem wir zum Beispiel Bio-Lebensmittel kaufen. So hilft man den Bienen indirekt, weil die Biolandwirtschaft ohne synthetische Pestizide oder Dünger auskommt. Daneben kann man Bienenhotels aufstellen, um Nistplätze für die Tiere zu schaffen und Wildblumen im Garten sähen, damit sie ausreichend Futter haben.

Honigbienen kann man zum Beispiel schützen, indem man eine Bienenpatenschaft übernimmt. Dabei unterstützt man Imker finanziell und erhält im Gegenzug Honig. Generell sollte man sich bei Honig immer für die Bio-Variante entscheiden: Bei der ökologischen Bienenhaltung werden keine chemischen Bienen-Medikamente eingesetzt.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(3) Kommentare

  1. Bienen müssen essen, genau wie wir. Wenn es aber nur ganz wenige Arten von Blüten gibt, dann gibt es nur zur Blütezeit dieser Blüten Nahrung – außerhalb der Blütezeit steht hingegen nichts zur Verfügung.

    Beispiel Raps: Raps blüht drei bis fünf Wochen lang. Von April bis Mai ist da (je nach Witterung und Ort) für Bienen ganz viel zu holen. Aber im März nicht. Und im Juni, Juli, August, September auch nicht. Und Wildbienen können keine langen Wege zurücklegen, um sich andernorts Nahrung zu holen. Das Überleben wird dann schwer.

    Zum Vergleich: Eine wilde Wiese bietet zahlreiche unterschiedliche Blüten, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Frühblüher und Spätblüher gibt es da gleichermaßen. Ergo findet die Wildbiene auch immer Nahrung.

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.