Neues Tchibo-Angebot: So einen Ökostrom findest du selten …

Tchibo vermittelt Öko-Strom via Enyway
Foto: Tchibo GmbH

Kaffeeröster Tchibo bringt nun auch Ökostrom auf den Markt. Das Angebot des Partners Enyway hat ein paar erstaunliche Eigenschaften, die man wirklich selten findet.

Nach eigenen Angaben bietet Tchibo ab sofort „Ökostrom von Privatpersonen für Privatpersonen“. Dahinter steckt eine Kooperation mit dem Anbieter Enyway, einem Marktplatz für dezentralen Stromverkauf, zu dem man via Tchibo weitergeleitet wird und dafür immerhin 100 Euro Wechselbonus einheimsen kann.

Nun sollte man sich von Wechselboni eigentlich nicht verlocken lassen. Denn: Den Wert von iPad, Smartwatch oder anderen Boni, die man fürs Wechseln erhält, ziehen die Anbieter einem natürlich woanders wieder aus der Tasche.

Dennoch lohnt sich ein aktueller Blick auf das Projekt von Enyway, das sich seit unserer ersten Vorstellung 2018 weiterentwickelt hat. Weil man beim Buchen des Tarifs auf ein paar wirklich nette, wenn nicht gar zukunftsweisende Ideen stößt.

Bei Enyway entscheiden Kund:innen, wem sie Strom abkaufen

So können Kund:innen über das Tchibo-Angebot auf Enyway tatsächlich selbst entscheiden, ob sie Strom aus Wasserkraft, Windkraft oder Photovoltaik beziehen wollen. Des Weiteren ermöglicht es die Seite, Erzeuger auf eine bestimmte Region oder sogar Stadt einzugrenzen (wobei nicht alle Regionen gleich gut repräsentiert sind).

Beides sind Features, die man gerne auch bei anderen Stromanbietern sehen würde – die diese aber oft nicht leisten können. Immerhin: Alle empfehlenswerten Ökostromanbieter informieren ihre Kund:innen zumindest schon über ihre wichtigsten Erzeugeranlagen.

Auswahl privater Stromanbieter bei Enyway
Auswahl privater Stromanbieter bei Enyway: Man sieht genau, wo der Strom herkommt und wer ihn erzeugt.

Auf Enyway hingegen lässt sich die Liste möglicher Stromanbieter so eingrenzen, dass es schnell wunderbar regional wird: Man sieht sofort kleine unabhängige Energieproduzenten, teils mit nur einem Windrad, oder Photovoltaikanlagen (PVA), die auf Bio-Höfen, Schulen oder anderen Dächern stehen, aber auch zum Beispiel ein Rentner-Ehepaar, das eine PVA wohl aus purem Idealismus betreibt. Derzeit über 30 Anbieter sind auf einer Karte zu sehen und auszuwählen, sofern ihre Angebote nicht schon ausverkauft sind.

Ist das reiner Marketing-Schmu? Nein: Alle privaten Stromerzeuger sind mit Fotos und auch mit den jeweiligen Geschichten ihrer Anlagen abgebildet. Ihnen ermöglicht Enyway, ihren (überschüssigen) Ökostrom mit anderen zu teilen und dabei sogar noch Geld zu verdienen. Und sie alle haben natürlich eigene Strompreise – auch das ist dezentral geregelt. Enyway ist hier tatsächlich nur noch Marktplatz, der abwickelt, was für kleine Anbieter schwierig ist, etwa Verträge, Buchhaltung und so weiter.

Wichtig ist, wo das Geld für Ökostrom hinfließt

Natürlich ist es eine Illusion, man würde seinen Strom wirklich vom Solardach eines Kuhstalls in Mecklenburg-Vorpommern kriegen (schade!). In Wirklichkeit müssen alle Anbieter:innen ihren Strom dort ins Netz einspeisen, wo er produziert wird – und Verbraucher:innen ihn dort entnehmen, wo sie ihn nutzen. Also aus der nächstgelegenen Stromgewinnungsanlage – die keineswegs Ökostrom produzieren muss.

Aber das sollte niemanden hindern, denn derlei ist physikalisch eben nicht zu vermeiden. Wirklich wichtig ist nur, wohin das Geld fließt. Im Fall eines solchen Handelsplatzes fließt es eben zu einem gewissen Teil direkt an die dezentralen Energieproduzent:innen.

Das Ökostrom-Angebot Enyway Power ist ab sofort unter www.tchibo.de/enyway drei Monate lang erhältlich. Tchibo-Kund:innen sparen im ersten Jahr rund 100 Euro durch einen Wechselbonus, eine reduzierte Grundgebühr und den Wegfall einer Monatsgebühr des Partners Enyway.

Utopia meint: spannend gemachtes Angebot

Wie dezentrale Energieversorgung aussehen und was sie bedeuten kann, das macht derzeit kein anderer uns bekannter Anbieter so sichtbar wie der Ökostromhandelsplatz Enyway. Etwas nervig ist dabei nur das marketinggetriebene Bashing von „Konzernen“ – denn ein paar weitere echte Ökostromkonzerne bräuchten wir hierzulande dringend. Zugleich ist Enyway strukturell ein Beispiel für jenen Plattformkapitalismus, der Konzerne wie Ebay, Amazon und Facebook starkgemacht hat, die auch einmal in Nischen angefangen haben, in denen sich dezentraler Stromverkauf heute noch befindet.

Schwamm drüber, wenn es der Sache dient. Was schon eher stört: Vermarktet werden hier bestehende Anlagen – aber gibt es auch Anreize, diese Anlagen zu erweitern? Eher nicht, es werden eben vorhandene Kontingente vermarktet. Doch den Ausbau brauchen wir in Deutschland halt auch.

Und was ist, wenn EE-Anlagen mal keine Energie liefern (können)? Enyway muss dann Strom zukaufen, um seine Zusagen einzuhalten. Das ist okay und geht eben nicht anders, solange wir keine hinreichende Infrastruktur zur dezentralen Energiespeicherung gebaut haben. Aber: Als Quelle nennt Enyway hier (wie schon 2018) „zertifizierten Ökostrom“; was zwar besser ist als konventioneller Graustrom, aber besser ginge – nämlich Ökostrom mit Siegel wie Grüner Strom oder Ok Power als Beleg dafür, dass damit auch ein ökologischer Mehrwert – nämlich durch den Ausbau der EE in Deutschland – geschaffen wird.

Übrigens: Strom ohne die vier großen Atom-/Kohle-Konzerne kriegst du auch über unseren Beitrag Ökostrom: 8 Anbieter, mit denen du nichts falsch machst.

Dir ist nicht die regionale Herkunft, sondern der Preis wichtig? Hier kannst du eine Postleitzahl eintragen und einen Stromanbieter finden, der seinen ökologischen Mehrwert über vertrauenswürdige Siegel nachweist:

Ökostromtarife finden

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