Glyphosat in deutschem Bier – 14 beliebte Marken belastet

Glyphosat Bier
Foto © Samuel Schlagintweit

Das Umweltinstitut München hat deutsches Bier auf Glyphosat getestet. Das berüchtigte Pestizid wurde in allen 14 Proben gefunden.

Glyphosat ist der mit Abstand am häufigsten eingesetzte Pestizidwirkstoff in Deutschland – rund 5.400 Tonnen werden bundesweit davon jährlich eingesetzt. Laut Weltgesundheitsorganisation ist das Totalherbizid erbgutschädigend und „wahrscheinlich krebserregend“. Die beim deutschen Bier gemessenen Werte lagen zwischen 0,46 und 29,74 Mikrogramm pro Liter (µg/l) und damit im Extremfall fast 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser (0,1 µg/l).

Getestet wurden 14 deutsche Biere – jeweils das absatzstärkste Produkt der im Jahr  2015 beliebtesten Biermarken in Deutschland. Darunter: Bitburger, Becks, Veltins und Paulaner (siehe Bild).

Glyphosat in deutschem Bier ist der Normalzustand

Glyphosat im Bier
Den kompletten Test kann man hier herunterladen 

„Alle getesteten Biere enthielten das Pestizid Glyphosat. Damit droht das deutsche Reinheitsgebot ausgerechnet in seinem 500. Jubiläumsjahr zur Farce zu werden“, erklärte die Biologin Sophia Guttenberger vom Umweltinstitut München. „Ein Stoff, der wahrscheinlich krebserregend ist, hat weder im Bier noch in unserem Körper etwas verloren.“ Die Deutschen konsumieren im Durchschnitt 107 Liter Bier pro Jahr und nehmen damit unbewusst auch Glyphosat zu sich. Das sei nicht vereinbar mit dem Image von Reinheit und Natürlichkeit, für das die deutschen Brauereien stünden, so Guttenberger.

„Wir appellieren an die Brauereien, ihre Produkte und Zutaten jetzt genau zu überprüfen. Sie müssen klären, wie Glyphosat in das Bier gelangen konnte und in Zukunft sicherstellen, dass ihre Produkte frei von Pestizidrückständen sind“, forderte die Biologin. Das Umweltinstitut startete heute eine Online-Aktion, mit der sich Verbraucherinnen und Verbraucher direkt an die Hersteller der getesteten Biere wenden können. Gefordert sei aber auch die Politik: Die Bundesregierung müsse auf europäischer Ebene gegen eine erneute Zulassung von Glyphosat stimmen. Über diese wird voraussichtlich schon im März entschieden.

Empfehlung für Verbraucher: Bio-Bier

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Lammsbräu gehört zu den beliebtesten Bio-Bier-Marken im süddeutschen Raum. Der „Ur-Stoff“ ist auf Platz 1 der Utopia Bestenliste.

Chemische Unkrautvernichter wie Glyphosat dürfen in der biologischen Landwirtschaft nicht eingesetzt werden. Das Umweltinstitut München hat zwar keine Bio-Biere nach Rückständen untersucht, dennoch ist die Chance groß, dass diese frei von Glyphosat sind. Hundertprozentig sicher ist das nicht: Immer wieder werden Verunreinigungen von Bio-Anbauflächen durch Saatgut und die Spritzmittel der konventionellen Landwirtschaft nachgewiesen, die ja auf Nachbarfeldern verwendet werden können.

In Panik sollte man wegen der gefundenen Glyphosat-Rückstände auch nicht verfallen. Doch jetzt ist ein guter Zeitpunkt, mal ein oder zwei Bio-Biere auszuprobieren.

Lies dazu den Beitrag Bio-Bier: diese 5 Marken solltest du kennen oder besuche unseren Produktguide:

Online-Appell: Glyphosat raus aus dem Bier!

Wichtig ist, dass die Brauereien dem Glyphosatfund auf den Grund gehen und alles unternehmen, um ihr Bier frei von Glyphosat und anderen Ackergiften zu halten. Hier könnt ihr sie mit einem Online-Appell beim Umweltinstitut München dazu auffordern.

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(13) Kommentare

  1. Tja das Deutsche Reinheitsgebot ist schon seit Jahren nicht mehr rein. Es dürfen bei der Herstellung ungefähr bis zu 30 Zusatzstoffe verwenden werden, wenn ich mich recht entsinne. Wir werden von der Industrie verarscht. Lieber so wenig industriell herstellte Produkte kaufen wie möglich.

  2. Nachdem in der Politik neben unseren verbrecherischen legalen Herrschaften auch die gleichen Konsorten Lobbyisten sitzen ist es nicht verwunderlich, dass solche kriminellen Machenschaften immer wieder aufgedeckt werden. Legitim gewählte Verbrecher handeln einfach so um die Menschen zu verarschen!

  3. wie kann es sein, dass der offene Brief von 96 Wissenschaftlern (siehe
    http://db.zs-intern.de/uploads/1448884347-151127_Portier_et_al_EFSA-Glyphosate-Letter.pdf
    ), der die Argumentation und die Schlussfolgerungen der EFSA und des BfR zu Fall bringt, in Eurem Artikel nicht ein Mal erwähnt wird? Wenn es stimmt, was in diesem Brief steht, dann ist die Entwarnung des BfR mit den 1000L Bier/Tag zwar nicht unangenehm aber unverantwortlich. BG ES

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